Münchner Bengel

Von zwei Ausnahmen abgesehen leisten die acht Betriebe gute Arbeit. Das schlechteste Ergebnis liefert ausgerechnet die BMW-Niederlassung München.

Steckt da System dahinter? 2004 schloss die Mercedes- Niederlassung am Firmensitz von Daimler-Chrysler in Stuttgart im Rahmen des Werkstätten-Tests (Heft 20/2004) am schlechtesten ab. In diesem Jahr lieferte die Niederlassung am Hauptsitz von Peugeot Deutschland in Saarbrücken die miserabelste Arbeitsleistung unter den acht getesteten Peugeot- Betrieben (Heft 19/2005), und jetzt auch BMW: Mit 21 von 31 erreichbaren Punkten geht die rote Laterne an die in unmittelbarer Nähe der BMW-Zentrale angesiedelte Niederlassung München.

Dort schraubt man zwar an den verstellten Scheinwerfern herum, aber mit dem Resultat, dass diese weiterhin sowohl zu tief als auch in der Achse verstellt bleiben. Auch die ausgehängte Bremsleitung übersieht der Mechaniker bei der Inspektion. Zwei weitere Punkte verschenkt man in der Bayern- Metropole, da der zu niedrige ServoÖl- Stand zwar korrigiert, der Kunde aber bei der Rückgabe des Wagens nicht auf das Problem hingewiesen wird. Was andererseits auch nicht überrascht, da die Übergabe-Formalitäten von einer Mitarbeiterin am Schalter erledigt werden, während der Meister ein paar Tische weiter sitzt. Sehr ärgerlich ist auch der ungefragt durchgeführte Wechsel des noch intakten Keilriemens. Trotz hinterlassener Handynummer wurde in München dafür nicht das Einverständnis des Kunden eingeholt.

Da dieser Wechsel allein mit 126,44 Euro zu Buche schlägt, erreicht das BMW-Stammhaus die wenigsten Punkte, schreibt dafür aber die zweithöchste Rechnung im Test. Dass der Fünfer dann auch noch so extrem wandnah in dem ohnehin engen Parkhaus geparkt ist, dass es einer korpulenten Person große Mühe bereiten würde, in den Innenraum zu kommen, passt ins Bild. Grundsätzlich ist die ausführliche Durchsicht eines Fünfer-BMW mit durchschnittlichen Inspektionskosten von mehr als 400 Euro nicht eben ein Schnäppchen. Damit sich die Kunden seelisch und moralisch auf diese Dimensionen einstellen können, bekommen sie bei Abgabe ihres Autos in der Regel ein „Service-Ticket“ genanntes Faltblatt ausgehändigt, auf dem der Maximalpreis sowie ein garantierter Rückgabezeitpunkt vermerkt sind.

So stellte die BMW-Niederlassung Neunkirchen dem Kunden mit dem Service-Ticket in Aussicht, die in Auftrag gegebene große Inspektion für maximal 460 Euro durchzuführen. Doch bei der Abholung entpuppt sich der Betrieb als wahrer Discounter unter den getesteten BMW-Werkstätten: Nur rund 300 Euro werden dort für die große Inspektion berechnet. Nahezu alle anderen BMW-Betriebe verlangen für die gleiche Aufgabe teilweise deutlich mehr als 400 Euro

Dabei leistet BMW Neunkirchen auch noch ordentliche Arbeit. 29 von 31 möglichen Punkten gibt es hier zum Sonderpreis. Einzig einen Hinweis auf den Servo-Öl-Verlust vermisst man bei der Abholung – der hätte die zwei fehlenden Punkte auf das Konto gebracht. Ebenfalls erfreulich: Bei der Abholung des Wagens erläutert der Meister die Rechnung, der schon bei der gewissenhaften Annahme die ausgehängte Bremsleitung bemerkt und sofort wieder eingehängt hat. In der BMW-Niederlassung im nahen Saarbrücken verzichtet man dagegen auf ein Service-Ticket. Bei der Abholung wird dann auch klar warum: Hier sind Terminzusagen nicht bindend, man arbeitet nicht allzu genau und verlangt dafür immerhin 445,36 Euro. Zwar wurde die Annahme noch einigermaßen freundlich durchgeführt, aber bei der Abholung scheinen die Kunden den Betriebsfrieden nachhaltig durch den Hinweis zu stören, dass der vor Stunden zugesagte Termin bereits seit 20 Minuten verstrichen sei.

Die darauf angesprochene Dame weist unwirsch darauf hin, dass die zuständige Mitarbeiterin durchaus arbeite, dessen könne man sich schon sicher sein. Weitere 40 Minuten später darf man sich dann in die Warteschlange an der einzigen Kasse einreihen. Passend dazu erwartet den Kunden in Saarbrücken für das viele Geld nur eine mäßige Arbeitsleistung:

Die ausgehängte Bremsleitung wird schlicht übersehen. Auch die hinteren Gurte wurden nicht geprüft, sie steckten noch immer verkeilt unter der Rückbank. Lobenswert ist dagegen, dass dem Grund für den Servo-Öl-Verlust nachgegangen wurde und der vermute- te Störenfried, die Servopumpen-Leitung, für 15 Euro abgedichtet wurde. Erstaunlich, da eigentlich unmöglich: Die Saarbrücker Mechaniker schafften es, destilliertes Wasser und Scheibenklar für zusammen 3,34 Euro in den randvollen Wischwasserbehälter zu kippen. Auch das Rätsel der drei getauschten Glühlampen für 20,47 Euro bleibt ungelöst, denn es war nur eine Birne defekt. So ärgerlich der Besuch in Saarbrücken ist, so erfreulich ist er dafür in Augsburg und Leipzig. Zwei Mal volle Punktzahl heimsen sowohl das Augsburger Autohaus Kummer und Klostermair, als auch die BMW-Niederlassung in Leipzig ein.

In Augsburg ist das umso erstaunlicher, als man dort bei der Abgabe noch klagt: „Wir haben so viele Notfälle, ob wir das bis heute Nachmittag schaffen, ist fraglich.“ Man schafft es. Das Autohaus Kummer und Klostermair beweist, dass es auch unter moderatem Zeitdruck möglich ist, eine Inspektion gründlich durchzuführen. Alle präparierten Mängel wurden gefunden, zudem wurden keine Arbeiten durchgeführt, die nicht ausdrücklich in Auftrag gegeben wurden. Nur ein Lapsus unterlief der Werkstatt: Zwar bekam der Kunde ein Papier ausgehändigt, auf dem unter anderem die Profiltiefe der Reifen vermerkt war, aber dass sowohl Reifen als auch Felge hinten rechts nach einem vorangegangenen Bordsteinkontakt massiv beschädigt waren, fiel keinem auf.

Doch mehr Kummer gab es nicht. Im Gegenteil: Volle Punktzahl, sehr freundlicher und schneller Service sowie eine ausführliche Erläuterung der Arbeiten und der Rechnung machen das Autohaus sehr empfehlenswert. In der Leipziger Niederlassung sorgt ein kniffliger, nicht präparierter ABS-Fehler für einen halben Tag Veres spätung gegenüber dem im Service- Ticket versprochenen Rückgabe-Termin. Allerdings wurde diese Verspätung rechtzeitig telefonisch angekündigt. Insgesamt ist der Service vorbildlich: ausführliche Annahme durch einen freundlichen und kompetenten Meister, vollständige Beseitigung der präparierten Mängel und Rückgabe durch den selben Meister mit ausführlicher Erläuterung der einzelnen Rechnungspositionen – so sollte es sein.

26 Punkte sichern sich das Autohaus Minke in Bremen sowie die dortige BMW-Niederlassung und das Autohaus Bittner in Delitzsch. Bedenklich allerdings, dass man bei Minke den Servo-Öl-Verlust komplett übersieht – eine unter Umständen gefährliche Nachlässigkeit. In der Niederlassung Bremen wurden die Scheinwerfer offenbar überhaupt nicht kontrolliert, da sie auch nach dem Werkstattbesuch immer noch zu hoch eingestellt sind. Den Servo-Öl-Verlust registriert man zwar, hält es aber nicht für nötig, den Kunden darüber zu informieren und ihm nahezulegen, diesen Missstand weiter im Auge zu behalten.

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