Münchner Kindl mit britischem Pass

Der neue Range Rover kombiniert kantiges Design mit überragendem Fahrkomfort. Doch wie sieht es mit der Geländetauglichkeit aus? Ein erster Test gibt die Antwort.

Da behaupte noch einer, BMW habe sich unehrenhaft aus der Rover-Be­ziehungskiste verabschiedet. Dass die Liebe der Münchner zu den Engländern von aufrichtiger Natur war, beweist zumindest der soeben vom Stapel gelaufene und noch unter BMW-Regie komplett neu aufgebaute Range Rover.

Nach vollzogener Scheidung streitet sich das Elternpaar – Land Rover gehört mitt­lerweile zum Marken-Portfolio der Premier Automotive Group von Ford – nun eifrig über den jeweiligen genetischen Beitrag zum sichtlich gut geratenen Sprössling.

Die Frage, wie groß der deutsche Einfluss auf die urbritische Geländewagen-Ikone war, wird allerdings mit dem ersten Blick ins Cockpit des stämmigen Offroaders geklärt: So viel „Best of BMW“ findet sich nicht einmal im neuen Siebener. Knöpfe und Schalter, HiFi- und Navigationssys­tem, ja selbst das Geräusch, mit dem die Armauflagen-Klappe zufällt, oder der Radius, den die Türinnenverkleidung in Richtung Fensterdichtung beschreibt – allem haftet unverkennbar der BMW-Stallgeruch an.

Ebenfalls sehr teutonisch erscheinen die hervorragende Funktionalität und die grundsolide, knisterfreie Verarbeitungsqualität. Alle Bedienelemente sitzen am rechten Fleck. Superbe Übersicht aus luftiger Höhe. Klar erkennbare Fahrzeugabmessungen kombiniert mit dem hilfreichen Park-Radar helfen dem Riesen durch die Stadt. Ein großer, komfortabler Raum. Bequeme Sitze, üppige Beinfreiheit vorne wie hinten. Leder selbst an den Haltegriffen.

Und dann das wunderbare Interieur: Stämmige Kirschholzsäulen, die den Armaturenträger zu stützen scheinen, machen Schluss mit dem überkommenen Wurzelholz-Diktat in der Luxusklasse. Nobel ins Holz eingelassene Ambient-Strahler verbreiten Designermöbel-Flair. Flauschiger Teppich im höhlenartigen Kofferraum (535 Liter). Robuste Gummimatten – ja, Gummimatten – mit neckischen Metallecken zieren den Fußraum.

Zuerst klappen nur die Rückenlehnen im Fond. Dann erweitert die nun vollständig wegklappbare Rückbank den Gepäckraum auf sagenhafte 1756 Liter Volumen. Gepäcknetz. Steck­dosen. Staufächer. Und so weiter.

Drei Dinge sind hierzu noch festzustellen: Der neue Range Rover ist ein Auto geworden, dem man auf unaufdringlich-gepflegte Art anmerkt, wie viel er gekostet hat. Nämlich mindestens 72 000 Euro. Zweitens hat er jegli-
che englisch-barocke Schnörkel verloren.

Vor- und Nachteile

Karosserie
  • gute Übersichtlichkeit einfache Bedienung gutes Platzangebot hohe Zuladung
Fahrkomfort
  • bequeme Sitze gute Klimatisierung schluckfreudige Federung niedriges Geräuschniveau
Antrieb
  • laufruhiger Motor befriedigende Fahrleistungen
  • hoher Verbrauch
Fahreigenschaften
  • sicheres Kurvenverhalten exakte Lenkung guter Geradeauslauf gute Geländeeigenschaften
  • starke Wankneigung
Sicherheit
  • umfangreiche Sicherheitsausstattung befriedigende Bremsen serienmäßiges DSC
Umwelt
  • hoher CO2-Ausstoß erfüllt nur Euro 2-Norm
Kosten
  • Lkw-Zulassung möglich sechs Jahre Garantie ­gegen Durchrostung
  • hohe Kraftstoffkosten hohe Festkosten

Fazit

Er ist kultiviert, kräftig, charakterstark, ungemein komfortabel, praktisch, geländegängig und schlicht schön. Den vielen Vorteilen des neuen Range Rover stehen allerdings einige wenige Nachteile gegenüber, die schwer wiegen: immenser Verbrauch, hoher Preis und starke Wankneigung.

Übersicht:
Technische Daten
Range Rover 4.4
Grundpreis 73.400 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe 4950 x 1956 x 1863 mm
KofferraumvolumenVDA 535 bis 1756 l
Hubraum / Motor 4398 cm³ / 8-Zylinder
Leistung 210 kW / 286 PS bei 5400 U/min
Höchstgeschwindigkeit 208 km/h
0-100 km/h 9,9 s
Verbrauch 16,2 l/100 km
Testverbrauch 16,9 l/100 km
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