Nissan 350 Z gegen Alfa Brera 3.2 JTS Q4

Der Schöne und das Biest

Foto: Hans-Dieter Seufert 28 Bilder

Neue Alfa Romeo werfen immer die bange Frage auf: Ist er nur schön oder auch gut? Der Vergleich des Brera 3.2 JTS Q4 mit seinem frisch erstarkten japanischen Herausforderer Nissan 350 Z sorgt für die Antwort.

Vier gegen zwei. Das klingt unsportlich. Und doch passiert es beim Vergleich des Nissan 350 Z gegen den Alfa Brera 3.2 JTS gleich zwei Mal: Die italienische bella macchina hält nicht nur vier Sitze parat, sie verteilt ihre Leistung auch noch großzügig auf das komplette Rad-Quartett.

Mit derlei Generosität hält sich der stolze Zögling einer bis ins Jahr 1969 zurückreichenden japanischen Sportwagen- Familie nicht auf: Zwei müssen reichen. Bei den Sitzen wie bei den angetriebenen Rädern. Das darf man dem 350 Z nicht als Geiz auslegen. Es ist vielmehr der asketisch- traditionelle Weg des Sportwagenbaus, bei dem es eben nur einen stilechten Ort für die Kraftentfaltung gibt: an der Hinterachse. Von dieser Möglichkeit schwärmte der Alfa Brera nur im Studien-Stadium, als noch ein großes Maserati-V8-Herz unter seiner Motorhaube pochte. In der Serien-Realität teilt er sich mit seinem Bruder 159 bis zur A-Säule den Vorderbau mitsamt quer eingebautem Motor und Vorderrad-Antrieb als Basis.

So enden Auto-Träume, wenn Geld verdient werden muss. Doch Alfa Romeo hat seinem neuen Coupé nicht alle Traktionsillusionen genommen. Immerhin darf sich die 260 PS starke Topmotorisierung des Alfa Brera unter dem Kürzel Q4 mit Allradantrieb in den Asphalt krallen. Regennasse Fahrbahn? Fester Schneebelag? Den Alfa Brera lässt das cool wie koffeinfreier Eiskaffee. Wer den schmucken Italiener nicht provoziert, den belohnt er unter diesen Bedingungen mit Neutralität und Vorwärtsdrang. Störend bleibt da nur, dass er bei harten Bremsungen auf unterschiedlich griffigen Belägen nervös über die Straße tigert. Im Nissan spürt der Pilotdagegen von der ersten Beschleunigung an, was der flache Japaner von schlüpfrigen Straßen hält: wenig. Dann antwortet auch sein Hinterteil schlecht gelaunt.

Die Räder drehen beim Spurt ungehalten durch, und das Heck keilt unwirsch aus, bis es die elektronische Stabilitäts- Gouvernante wieder sicher einfängt. Im Winter sperrt man seinen 350er trotzdem lieber in die Garage. Der Zweisitzer mag es trocken und warm. Dann feuert er seine Insassen mit wohligem Druck um Kurven. Hohe Lenkpräzision paart sich mit dem straff-steifen Fahrwerk zu einem packend- zackigen Handlingerlebnis, dem der Brera nicht ganz folgen kann. In dieser Topform lässt es der bullige Japaner lässig raushängen, dass ein Großteil seiner Fahrwerksentwicklung auf der Nordschleife stattfand. Sicher, auch Alfas Jüngster ist bei trockener Straße handlich und agil zu bewegen, er leidet als Allradler nur etwas unter seinem Übergewicht. Über vier Zentner mehr als der 350 Z muss der 1733 Kilogramm schwere Brera mit sich herumschleppen. Reaktionen wirken träger: beim Nissan 350 Z sahnig, beim Alfa Brera eher wie Mascarpone.

Zwar bemüht sich dessen sehr störarme Lenkung um besondere Leichtgängigkeit, was bis rund 130 km/h auch als passend empfunden wird. Wer aber auf freien Autobahnabschnitten dem Gaspedal für längere Zeit Bodenkontakt verordnet, spürt bald, dass die Servounterstützung bei hohem Tempo nicht im gewünschten Maße abnimmt. Zusammen mit der leicht indifferenten Mittellage kommt so in sehr schnellen Kurven herzschlagerhöhende Nervosität auf.

Ein cuore sportivo der eher unangenehmen Art. Das Nissan-Volant verlangt bei hohem Tempo nach einem beherzteren Griff, vermittelt aber gerade dadurch einen souveräneren Eindruck. Auf der Autobahn sieht der Brera oft nur die neuen LED-Rücklichter des Nissan. Die mit 250 km/h um zehn km/h höhere Spitzengeschwindigkeit des 350 Z ist dabei nur eine Petitesse. Denn auch wenn der um 21 PS erstarkte (größerer Ansaugkrümmer, optimierte Einlass-Steuerzeiten) 3,5-Liter- Sechszylinder etwas an maximalem Drehmoment verloren hat, zieht er über Tempo 180 im Vergleich zum Alfa Romeo doch deutlich imposanter durch, dreht besser und spricht spontaner an. Alles untermalt vom sportlich- kernigen V6-Kampfgesang eines gelungenen Sportaggregats.

Der in Zusammenarbeit mit Holden entstandene Sechszylinder im Brera kontert italienisch feingeistig mit höherer Laufruhe und einem zurückhaltenderen, aber trotzdem schönen Ton. Wirklich Eindruck schindet der obenrum etwas müde wirkende australisch-italienische Vierventiler nur an der Tankstelle. Selbst bei ruhiger Fahrt sind kaum weniger als 15 Liter pro 100 km drin. Kein Sportmotor, eher ein Säufer mit guten Manieren.

Der dröhnigere Nissan schluckt drei Liter weniger. Die Schaltvorgänge im Brera flutschen hierfür geschmeidiger. Der Viersitzer meistert auch wellige Fahrbahnabschnitte ruhiger als der Nissan, der seine Sportwagen-Gene mit bequemem, aber straff konturiertem Sportgestühl und Härte artikuliert. Alfa-Fahrer sitzen dagegen zu hoch, vermissen Seitenhalt, und Beton-Autobahnen verführen die Vorderachse immer noch zu leichtem Stuckern.

Wenn dann zusätzlich das Sturm-Konzert an den Seitenscheiben beginnt, ist es aus mit entspannter Fahrt. Dann heißt es Tempo drosseln und einen Blick auf die feinen Materialien und die vorbildlich dem Fahrer zugewandte Sportuhren-Stafette des Giugiaro- Coupés zu werfen.

Eine kurze Freude, die die massiven Verarbeitungsmängel (siehe Spotlight) und die schlechte Ergonomie vergällen: überfrachtete Lenkstockhebel, verquaste Menüführung, zu kleine Buchstaben, zu tief sitzender Monitor und ein duch C-Säulen-Monumente eingemauertes Heck. Für Lichtblicke sorgen da weniger die schwachen Standard-Halogen-Lampen, sondern neben dem eindrucksvollen Panoramadach der Sky-View- Version auch das Plus an Raum, die praktischeren Ablagen, der serienmäßige Parkassistent und die bessere Sicherheitsausstattung. Die Materialanmutung des 350 ZInterieurs fällt ernüchternder aus, auch wenn deutlich zu spüren ist, dass mit mehr Metall, Softtouch-Lack und einem komplett überarbeiteten Navigationssystem (2500 Euro Aufpreis) die billigen Zeiten passé sind. Die Verarbeitungsqualität geht jedoch in Ordnung. Weder windschiefe Verkleidungen noch unflätige Klappergeräusche belasten die Sinne. Schwer zu tragen hat nur der Geldbeutel an den hohen Versicherungskosten des Zweisitzers. Die werden aber durch die Garantiebedingungen, den niedrigeren Kaufpreis und die gute Serienausstattung (Leder und Soundsystem) wettgemacht. Vier gewinnt heißt es diesmal also nicht, denn dem Brera fehlt es in seiner Jugend noch an Reife.

Kein Grund für Alfisti, den hübschen Kerl nicht trotzdem schon zu lieben.

Fazit

1. Nissan 350 Z Premium
438 Punkte

Ein kräftiger Motor, sehr agiles Handling und eine präzise Lenkung – der 350 Z pflegt mit Erfolg sein Sportwagen-Image. Die Abstriche bei Komfort
und Praxistauglichkeit gehören zu seinem Genre.

2. Alfa Romeo Brera 3.2 JTS Q4
425 Punkte

Schlechte Ergonomie und der schlapp wirkende Motor mit seinem extrem hohen Verbrauch kosten den Brera alle Siegchancen. Mit seinem Allradantrieb macht er trotzdem nicht nur im Winter Spaß.

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Technische Daten
Nissan 350Z Coupé Premium Pack Alfa Romeo Brera 3.2 JTS V6 24V Q4 Sky View
Grundpreis 40.290 € 42.200 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe 4315 x 1815 x 1315 mm 4410 x 1830 x 1341 mm
KofferraumvolumenVDA 235 l 300 bis 610 l
Hubraum / Motor 3498 cm³ / 6-Zylinder 3195 cm³ / 6-Zylinder
Leistung 221 kW / 301 PS bei 6400 U/min 191 kW / 260 PS bei 6300 U/min
Höchstgeschwindigkeit 250 km/h 240 km/h
0-100 km/h 6,0 s 6,6 s
Verbrauch 11,8 l/100 km 11,5 l/100 km
Testverbrauch 12,9 l/100 km 15,9 l/100 km
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