Nissan-GT-R-Black-Edition-Einzeltest Dino Eisele
Nissan-GT-R-Black-Edition-Einzeltest
Nissan-GT-R-Black-Edition-Einzeltest
Nissan-GT-R-Black-Edition-Einzeltest
Nissan-GT-R-Black-Edition-Einzeltest 18 Bilder

Nissan GT-R Black Edition im Test

Japanischer Kultsportler mit nun 570 PS

Der japanische Kult-Sportwagen mit Spitznamen Godzilla geht in die vierte Runde, erhielt mehr Leistung, stemmt sich nun mit der Macht von 570 PS aus dem Startblock. Und wieder steht die Frage im Raum: Wie geht der Nissan GT-R Black Edition auf Tempo 100?

Immer die Sache mit den verflixten Prognosen. Sind sie erst einmal veröffentlicht, wird man auf sie festgenagelt. Beim Nissan GT-R ist es der Beschleunigungswert von null auf 100 km/h. Eine recht euphorische Werksangabe hat hier bereits Tradition – auch nach jeder technischen Überarbeitung. Jetzt bekam der 2008 erschienene Nippon-Sportler zum dritten Mal eine Art Werks-Tuning, soll in 2,8 Sekunden aus dem Startblock auf Tempo 100 schnalzen, und erneut lautet die spannende Frage: Schafft der GT-R endlich diesen Wahnsinnssprint?

Nissan GT-R (2017) - Sportwagen - Spa-Francorchamps - Fahrbericht
570-PS-Allradler in Spa-Francorchamps
1:26 Min.
Nissan-GT-R-Black-Edition-Einzeltest
Dino Eisele
Giftiger Klang aus der neuen Titanauspuffanlage.

2009 war der GT-R erstmals bei auto motor und sport zum Test. Damals schoben ihn seine 486 PS und 588 Nm in 4,1 Sekunden von null auf 100 km/h – ein mittelmäßiger Wert, der das herausragende Beschleunigungserlebnis bei Vollgas nur völlig unzureichend wiedergeben kann. Zitat aus Heft 12/2009: „Voller Ladedruck lässt das Hirn fast schwummrig werden, so sehr wird es aus seiner Ruheposition gedrängt.“ Dieses Ereignis auf Rädern gab es ab 81.800 Euro.

570 PS und 637 Nm

Vor allem seine beharrlich kolportierten Nordschleifen-Wundertaten verliehen dem Japan-Sportler bereits vor der tatsächlichen Markteinführung eine Art Kultstatus. Seither hält sich sein Nimbus schon alleine deshalb, weil der GT-R eine Rarität auf deutschen Straßen ist. Denn außerhalb seiner Fangemeinde gilt das Coupé mit den eckigen Frontmotorproportionen nicht gerade als Statussymbol: Den Nissan fährt man weniger, um andere zu beeindrucken – sondern vielmehr sich selbst.

Jetzt verlangt der japanische Hersteller mindestens 99.900 Euro, für die hier im Test antretende Black Edition samt den lederbezogenen Recaro-Sportsitzen sowie einigen roten Ziernähten sind es sogar 103.450, also über 20.000 Euro mehr als 2009. Das nimmt ihm etwas den Zauber des erschwinglichen Underdogs, denn bis in den sechsstelligen Bereich dauert das Zielsparen erheblich länger. Dafür rollt der GT-R nun mit 570 PS und 637 Nm an den Start.

So sieht die Rechnung aus, wenn man die reinen Daten vergleicht. Doch jenseits der Leistungssteigerung hat sich beim Nissan viel getan – er wurde, wenn man so will, im Markt fertigentwickelt. Eine beharrliche Modellpflege hat beim GT-R Tradition: Die erste erhielt er bereits, bevor er nach Deutschland kam. Amerikanische Petrolheads schossen sich zuvor so ausgedehnt per Launch Control des serienmäßigen Doppelkupplungsgetriebes in den Orbit, dass der eine oder andere Antriebsstrang verglühte. Fortan gab es keine Launch Control mehr. Auch gegen Dauervolllast zeigte sich der V6-Biturbo zu Beginn empfindlich, suchte dabei Schutz im Notlaufprogramm. Daran haben die Ingenieure gearbeitet. Zudem laborieren sie beständig am Null-auf-100-Wert.

Die Set-up-Regler glühen rot

Lahr, Südschwarzwald, Messgerade. Hier brummelt der warm, aber nicht heiß gefahrene GT-R und wartet darauf, sein Können zu beweisen. Die drei Set-up-Regler in der Mittelkonsole glühen rot, stehen auf R wie Race, beide Füße lasten auf ihrem jeweiligen Pedal, der Drehzahlmesser pendelt bei knapp über 4.000/min. Nun gibt der Linke die Bremse frei. Überrumpelt quieken die stickstoffgefüllten Dunlop SP Sport Maxx GT600, verlieren für einige Handbreit die Fassung, krallen sich dann in den Asphalt – und es katapultiert den Allradler nach vorn.

Nissan-GT-R-Black-Edition-Einzeltest
Dino Eisele
Im Innenraum hat sich die Anzahl der Knöpfe zwar mehr als halbiert, wirkliches Sportwagen-Flair kommt jedoch nicht auf.

Faszinierend, wie es den 1,8-Tonner aus der Ruheposition reißt; doch andere, ähnlich starke Allradler können das wesentlich erbarmungsloser. So hat man im Nissan nach wie vor den Eindruck, dass die Kupplung zum Schutz der Bauteile eher geschmeidig einrückt – mit dieser Strategie liegen Fabelzeiten in weiter Ferne. Das Messgerät zeigt beim Auswerten eine Zeit an, die fünf Zehntel den Werksangaben hinterherhinkt: 3,3 Sekunden von null auf 100 km/h. Übrigens vollzieht der GT-R diese Übung genau vier Mal, bevor das Differenzial heiß läuft und kalt gefahren werden muss.

Drittbeste Zeit im Handlingkurs

Er geht zwei Zehntel besser als die 550-PS-Version, die wir vor rund einem Jahr gemessen haben (Heft 16/2015); doch seine Prognosen erfüllt er wieder nicht, der Godzilla, wie ihn seine Fans nach einem japanischen Filmmonster nennen. Allerdings wäre es engstirnig, den 2+2- Sitzer auf sein Können beim Beschleunigen zu reduzieren. Erst seine Kurvenbegabung macht einen Sportwagen schließlich besonders.

Kontrollinstanzen bei auto motor und sport sind hierfür die Fahrdynamiktests. Zunächst der Slalom. Trotz seiner hohen Masse lenkt der GT-R spontan ein, reagiert allerdings nicht auf Lastwechsel; sein Heck bleibt für Befehle des Gaspedals taub, taugt nicht zur Prophylaxe von Untersteuern. So zeigt sich der Grip an der Vorderachse als Limit bei der Zehnteljagd. Gleiches gilt übrigens auch auf dem Handlingkurs von Boxberg: Hier bleibt der Nissan untersteuernd, erzielt die bislang drittbeste Zeit (0.46,1 min) – vor dem BMW M3 Competition und hinter dem BMW Zweier von AC Schnitzer.

Erst beim schnellen Ausweichen bringt sich das Heck ins Geschehen ein – nicht nur hilfreich: Beim Umsetzen von Gasse zwei in drei macht sich der Hintern breit. Während die Elite mit mehr als 150 km/h durch den Parcours schlenzt, belässt es der Nissan bei 146,7 km/h. Ernüchterung schmaucht durch die Luft.

Perfekt für die Landstraße

Doch in einem bleibt sich der Nissan treu: Er gibt sich zugänglich. Jenseits auftrumpfender Stammtisch-Werte ist genau dieser abgeklärte Charakter entscheidend – der GT-R war und ist fast schon traumwandlerisch zu fahren. Seine 570 PS und 637 Nm trachten nie danach, den Reiter abzuwerfen, vermitteln ihm nie das Gefühl der Überforderung. Obwohl ein Mitglied der Über-500-PS-Liga, verhält sich der Nissan bodenständig.

Glücksempfinden regt sich weniger zwischen Pylonen als vielmehr zwischen Bäumen; auf hageren Landsträßchen, welche die Landkarte des Navigationssystems erst bei Zoomfaktor 2-km und niedriger anzeigt und wo die erlaubten 100 km/h längst ausreichen, um eifrig am Lenkrad zu kurbeln. Hier erklärt sich auch der Nutzen der geänderten Fahrwerksabstimmung: Auf Stellung Comfort arbeiten die Bilstein-Stoßdämpfer nun wesentlich flexibler als früher.

Nissan-GT-R-Black-Edition-Einzeltest
Dino Eisele
Auch wenn er nicht alle Werksangaben erfüllen mag, der GT-R ist ein Sportwagen der sich toll fährt und Glücksgefühle erzeugt.

Der GT-R spurt stabil, liegt ruhig, während seine vier Reifen eng umschlungen mit der Straße tanzen. Wie seine Vorgänger setzt der Neue Lenkimpulse direkt um, nimmt aber etwas Nervosität aus dem Aufbau. Rennfahrer wissen, dass einen Tourenwagen erst die Kombination aus unnachgiebigem Chassis und nachgiebigem Fahrwerk schnell macht. So wie beim Nissan. Er versteht es, seinen mächtigen Leib elastisch zwischen Bankett und Mittelstrich hindurchzuschlängeln, setzt die digitalen Traktionsalgorithmen im Scheitelpunkt so geschickt ein, dass die Aktionen analog und damit natürlich wirken.

Giftiger Ton des Titanauspuffs

An Bord herrscht mehr Ruhe: Das Doppelkupplungsgetriebe mahlt und schabt nicht mehr, fährt ruckfrei an, schaltet deutlich komfortabler als früher. Der Fahrtwind zischt nicht mehr so unwirsch, Streusplit dengelt weniger präsent durch die Radhäuser. Was sich nun besser durchsetzt, ist der Ton der neuen Titanauspuffanlage samt Verstärkung über die Bose-Anlage: tief und bassig, aber griffig in den Obertönen. Der GT-R klingt emotionaler denn je.

Viele der Änderungen addieren sich zu einem höherklassigen Fahrkomfort. Schon die grundsätzliche Konzeptionierung mit reichlich Platz auf den beiden Vordersitzen plus durchaus nennenswertem Kofferraum hatte den Alltag nie ganz ausgeklammert; jetzt drängt er sich noch mehr auf. Zumal nach der Überarbeitung auch die Bedienung leichter gelingt – Audio- und Navigationssystem lassen sich nun über elf statt 27 Knöpfe steuern. Die Bedienelemente selbst sind aus eher einfachem Kunststoff, liegen aber inmitten weiter Lederflächen samt zahlreicher Nähte. Dennoch bleibt der Eindruck, eher in einer funktionalen Fahrmaschine als in einem Premium-GT zu sitzen.

Vor- und Nachteile

Karrosserie
  • gutes Raumangebot vorn
  • reisetauglicher Kofferraum
  • einfache Bedienung
  • gute Verarbeitung
  • hohe Karosseriesteifigkeit
  • zahlreiche, frei konfigurierbare Anzeigen
  • äußerst knapp bemessener Sitzraum im Fond
  • im Innenraum wenig Sportwagen-Flair
Fahrkomfort
  • guter Federungskomfort
  • niedrige Innengeräusche
  • geringe Bedienkräfte
  • bequeme, gut stützende Sitze ...
  • ....mit zu hoher Position
Antrieb
  • druckvolles Triebwerk
  • gutes Durchzugsvermögen
  • zackig schaltendes Getriebe
  • schnell ansprechende Lader
Fahreigenschaften
  • sehr hohe Kurvenstabilität
  • stoischer Geradeauslauf
  • sehr hoher Grenzbereich
  • präzise Lenkung
  • hervorragende Traktion
  • hohes Gewicht spürbar
Sicherheit
  • standfeste Bremsanlage
  • effektive ESP-Abstimmung
  • lückenhafte Sicherheitsausstattung
Umwelt
  • hoher Benzinverbrauch
Kosten
  • drei Jahre Garantie
  • umfangreiche Basisausstattung
  • hohe Einstufung bei der Vollkaskoversicherung
  • jährliche Inspektion nötig
  • hohe Wartungskosten
  • voraussichtlich hoher Wertverlust

Fazit

Geblieben ist ohnehin mehr, als sich verändert hat. Die vielen Verbesserungen im Detail haben den Nissan GT-R Black Edition reifen lassen, ohne allerdings den Null-auf-hundert-Makel zu beseitigen.

Spätestens im achten Jahr seit der Einführung auf den deutschen Markt und nach diversen Modellpflegen sollte das Sportmodell endlich sein – sehr anspruchsvolles – Versprechen einlösen. Mittlerweile präsentiert sich der GT-R schließlich nicht mehr als Schnäppchen, dem man vieles verzeiht – er drang über die Jahre in die 100.000-Euro-Liga vor.

Zwar ist sein Preis-Leistungs-Verhältnis verglichen mit der Konkurrenz noch immer gut – doch es ist nicht mehr einzigartig: Für rund 115.000 Euro bietet die Corvette Z06 sogar 659 PS und 881 Nm. Und die Tradition der amerikanischen Sportwagenikone reicht weit zurück; deutlich weiter als diejenige des GT-R.

Technische Daten

Nissan GT-R Black Edition
Grundpreis 104.300 €
Außenmaße 4710 x 1895 x 1370 mm
Kofferraumvolumen 315 l
Hubraum / Motor 3799 cm³ / 6-Zylinder
Leistung 419 kW / 570 PS bei 6800 U/min
Höchstgeschwindigkeit 315 km/h
0-100 km/h 3,3 s
Verbrauch 11,8 l/100 km
Testverbrauch 13,0 l/100 km
Alle technischen Daten anzeigen
Verkehr Verkehr Nissan GT-R Track Edition Nissan GT-R Track Edition Noch mehr Rennstrecken-Gene

Die Experten der Nissan Motorsportabteilung Nismo haben den Nissan GT-R...

Nissan GT-R
Artikel 0
Tests 0
Generationen 0
Alles über Nissan GT-R
Mehr zum Thema Sportwagen
Tesla Model S Nordschleifenrekordversuch
E-Auto
Wiesmann Projekt Gecko
Neuheiten
09/2019, Posaidon RS 830 auf Basis Mercedes-AMG GT 63 S 4Matic+ Viertürer
Tuning