Nissan Micra 1.2 Acenta im Test

Micra-Kosmos

Foto: ams 14 Bilder

100.000 Kilometer sind für ein kleines Auto kein Pappenstiel. Der Nissan Micra legte die Dauertest-Distanz in gut zwei Jahren zurück. Was ist dran an der hoch gelobten japanischen Zuverlässigkeit?

Der Testwagen mit dem freundlichen Froschgesicht beginnt seinen Dienst im Frühling 2003. Er ist gut ausgestattet, unter anderem mit Klima-Automatik, CD-Player und Navigationsgerät und deshalb keinesfalls so billig, wie man eigentlich glaubt. Fast 17.000 Euro stehen hier breitbeinig auf der Straße – Ergebnis des üblichen Extra-Spiels, mit dem sich auch kleine Autos leicht in die Grundpreise der Golf-Klasse hieven lassen.

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Der bescheidene Wiederverkaufswert reflektiert auch hier nicht nur den Preisverfall der eigentlichen Ware, sondern auch jenen der Zusatz- Ausstattung. Auf kümmerliche 6.525 Euro wird der Micra nach Ablauf der 100.000 Kilometer geschätzt. Bei einer magerer ausgestatteten Variante wäre der Verlust wohl geringer ausgefallen. Auch die gewählte Motor-Version gehört schon zu den Extras. Der Dauerläufer hat nicht den Basis-Zwölfhunderter mit 65 PS, sondern die gleich große, aber mit 80 PS deutlich lebhaftere Ausführung (Aufpreis: 600 Euro). Der leicht langhubig ausgelegte Vierzylinder, der den alten Motor aus dem Vorgänger-Modell ablöste, ist ein Vierventiler, dessen Nockenwellen nicht durch einen Zahnriemen, sondern durch eine Einfachkette angetrieben werden. Riemenwechsel entfällt also – gut für die Kostenbilanz. Schon im Einzeltest hat sich das Triebwerk Lob verdient. Es ist kultiviert, drehfreudig und – wie der Dau- ertest zeigt – ohne das geringste Problem. Zusammen mit dem leicht schaltbaren und gut gestuften Fünfganggetriebe können die Fahrleistungen als durchaus munter klassifiziert werden, auch wenn Beschleunigung und Elastizität gegen Ende des Dauertests etwas nachgelassen haben. 12,5 Sekunden auf 100 km/h – eine Sekunde unter der Werksangabe – bezeugen diese Lebhaftigkeit.

Vom Naturell her ist der Vierzylinder eher ein Dreher als ein Zieher. Ab 4.000 Touren kommt ein zweiter Wind, der bis 6000/min anhält. Einen Hurrikan erwartet man nicht bei einem solchen Auto, das sich in den zweieinhalb Produktionsjahren vor allem bei Frauen beliebt gemacht hat. Die Damen- Quote liegt bei 66 %, gleichzeitig will Nissan mit dem seit August facegelifteten Modell  das hohe Durchschnittsalter von 52 Jahren auf 44 senken.

Wer hätte das gedacht – die kleine, oft als knuffig beschriebene Kugel ein Treibsatz für die Vorstufe der grauen Panther. Im Dauertest-Betrieb überwiegt die Nutzung durch jugendlichere Teilnehmer, auch durch forsch fahrende Sport-Redakteure. Über die Motor- Qualitäten beschweren sie sich nicht. Als besonders erfreulich gilt die Tatsache, dass der Vierzylinder durch seinen kultivierten Lauf auch längere Autobahn-Etappen erträglich macht. Ein Motor also, der Freude bereitet, auch durch die subjektive Lebendigkeit. Wer die volle Leistung oft nutzt, wird freilich nicht durch Super-Sparsamkeit belohnt. Der Testverbrauch pendelt sich in der Endbilanz bei acht Liter pro 100 km ein, ein zurückhaltender Gasfuß zeitigt Werte um 5,8 Liter, ohne dass der Micra -Fahrer eine Schlange hinter sich herzieht. Mit 0,1 Liter pro 1000 km liegt auch der Ölverbrauch im Rahmen.

Wie üblich bei kleinen Motoren und bescheidenen PS-Zahlen ist auch beim Micra die Inbetriebnahme der Klimaanlage von einem spürbaren Temperamentsverlust begleitet. An der Wirksamkeit gibt es nichts auszusetzen, nur an der Bedienung. Die vielen Tasten, die im Winter auch die Heizung aktivieren, erfordern Aufmerksamkeit, im Übrigen wird die von der Klima-Automatik signalisierte Temperatur effektiv nicht erreicht. Die Unvollkommenheit teilt die Anlage mit vielen anderen, bei denen ebenfalls die gemessene Temperatur weder mit der angezeigten noch der gefühlten übereinstimmt.

Es sind lässliche Sünden, ähnlich den schweißtreibenden Sitzbezügen. Die Sitzqualität ist ebenfalls nur durchschnittlich. Auf Langstrecke wird das Micra-Mobiliar von den meisten Fahrern als eher unbequem taxiert, Polster und Bezüge überstehen den Dauertest allerdings ohne spürbare Abnutzung. Ohnehin zeigen sich die Materialien im Interieur ziemlich unbeeindruckt von der Laufzeit, Alterung ist kaum zu erkennen. Das heißt nicht, dass hier First Class geboten wird, eher im Gegenteil. Die verwendeten Kunststoffe machen durchweg einen billigen Eindruck, erfüllen aber offensichtlich langfristig ihren Zweck. Doch das Auge isst ja bekanntlich auch mit und verliert hier schnell den Appetit. An den Bedienelementen gibt es, mit Ausnahme der Klimaanlage und Heizung, nichts auszusetzen, ebensowenig an der konzeptionellen Raumausnutzung.

Das Raumgefühl vorne ist ausgezeichnet, und im Fond sorgt die verschiebbare Rücksitzbank für akzeptablen Beinraum. Es fehlt nicht an Ablagen, ein Staufach unter dem Beifahrersitz hat auch nicht jeder. Die Karosse selbst hat sich gut gehalten. Auch wenn das Türschließgeräusch wirklich nicht an einen Panzerschrank erinnert: Klappergeräusche treten auch gegen Ende der 100.000 km nicht auf. Das komfortable Fahrwerk, das den Micra zusammen mit dem kultivierten Motor zu einem unerwarteten Langstrecken- Partner werden lässt, mag da durchaus eine Rolle gespielt haben. Beispielhaft auch die Handlichkeit des kleinen Autos, die aus einem sehr kleinen Wendekreis und einer leichtgängigen, exakten Lenkung resultiert.

Aber das wahre und für den Kenner nicht überraschende Beispiel liefert der Micra durch seine Zuverlässigkeit. Er lief und lief und lief – der einzige außerplanmäßige Werkstattbesuch hatte eine lose Steckverbindung am linken Airbag-Modul zum Anlass. Die Störungsliste ist frei von echten Unbekömmlichkeiten – der Beifahrersitz knarrt mal, der Regensensor ist ohne Funktion und weist nicht zuletzt damit auf seine Entbehrlichkeit hin. Ein paar Glühbirnen werden ersetzt, zum Schluss, bei Kilometerstand 96.910, diverse Kühlwasserschläuche. Es war ein Marderschaden – nicht nur seinen Benutzern macht der Dauerläufer offensichtlich Appetit.

Der einzige auffällige Verschleiß betrifft die Bremsanlage. Schon bei Kilometerstand 44.142 werden die vorderen Scheiben samt Belägen gewechselt, der nächste Belagwechsel erfolgt bei knapp über 90.000 km. Mit 235 Euro ist die erste Bremsrevision relativ teuer ausgefallen. Die Aufwendungen für die Wartungarbeiten halten sich in Grenzen. Die 15.000er-Inspektion steht mit nur 81 Euro in der Liste, der höchste Betrag wird anlässlich einer großen Durchsicht bei 60.000 km mit 215 Euro fällig. Die Wartungsintervalle sind mit 15.000er-Sprüngen allerdings engmaschig. Das gilt vor allem für den Ölwechsel. Ein Longlife-Service mit 30.000er-Abständen, bei der Konkurrenz vielfach üblich, ist beim Micra nicht vorgesehen.

Der Reifenverschleiß ist bescheiden. 50.000 km mit einem Satz sind selbst bei forcierterer Gangart kein Kunststück, im Winter zeigt sich der Micra mit den Reifen von Dunlop (Winter Sport M3) und von Goodyear (Eagle Ultra Grip GW3) auf schneeglatten Steigungen als engagierter Kletterer. Ernsthafte Traktionsprobleme kennt der Micra nicht, kapituliert winterbereift nicht einmal vor mittleren Schneeverwehungen.

Auch deshalb fällt es nicht schwer, unter dem Strich eine positive Bilanz zu ziehen. Bis auf den ungewöhnlich hohen Wertverlust hat der Micra nicht enttäuscht. Seine Mängelliste ist kurz, der Kilometerpreis von knapp einem Cent abzüglich Benzin, Öl und Reifen spricht eine deutliche Sprache. Man sollte allerdings nicht übersehen, dass Nissan die Preise kräftig erhöht hat. Ein viertüriger Micra 1.2 in Acenta- Version wie der Dauerläufer würde mit gleicher Ausstattung heute fast 20.000 Euro kosten – facegeliftet mit geänderter Frontpartie, aufgewertetem Interieur und besserer Geräuschdämmung.

An Zuverlässigkeit und Verlässlichkeit mussten die Japaner wieder einmal nichts ändern. Der kugelige Zwerg ist in der wichtigsten Disziplin ein Riese.

 

Abgastest: Nicht alles im grünen Bereich
Der Nissan Micra wurde nach Euro 4 für Personenwagen mit Benzinmotor typgeprüft und zugelassen, eine Norm, die seit 1. Januar 2005 alle neu in den Verkehr kommenden Modelle erfüllen müssen. Der Schadstoff-Ausstoß liegt hier um etwa die Hälfte unter dem der bis Ende 2004 verbindlichen Euro 3- Norm. Die Abgasmessungen auf dem Prüfstand des TÜV Süd Automotive in Böblingen bei Stuttgart brachten folgende Ergebnisse (Grenzwerte in Klammern): Kohlenmonoxid CO 1,18 g/km (1,0), Stickoxide (NOX) 0,098 g/km (0,08), Kohlenwasserstoffe (HC) 0,099 (0,10).

Damit hat der Nissan Micra den Abgastest nach 100 000 Kilometern nicht ganz bestanden. Beim Kohlenmonoxid und beim Stickoxid liegt er leicht über den Grenzwerten, was in der Praxis keine Konsequenzen hat, weil die Abweichungen bei der AU nicht ermittelt werden.
 

Seit März 2004 habe ich 10 000 Kilometer zur vollsten Zufriedenheit ohne Werkstatt-Aufenthalte zurückgelegt. Dies ist mein vierter Micra und ein Quantensprung im Vergleich zum Vorgänger. Auch auf der Autobahn kann man sogar mit dem 65-PS-Benziner mithalten. Langstrecken sind ohne Strapaze möglich.
Knut Greilich, 48317 Drensteinfurt


Die Vorteile: gute Übersicht, klasse Wendekreis, geringer Verbrauch (um sechs Liter/100 km). Die Werkstatt-Aufenthalte: Ölwechsel bei 15 000 km, Inspektion bei 30 000 km, das war’s.
Dieter Weissinger, 73235 Weilheim

Seit Februar besitze ich einen Nissan Micra 1.2 mit 80 PS. Zwischen 70 und 100 km/h im fünften Gang heult das Getriebe. Die Spaltmaße der Motorhaube waren sehr ungleich. Beim Betätigen der Kupplung sind Quietschgeräusche zu hören. Bei geöffnetem Fenster ticken die Scheiben in den Türen. Die Innenverkleidung der rechten CSäule wird immer wieder lose. Die Kofferraum- Abdeckung ist extrem billig und passungenau. Die harte Kunststoff-Türverkleidung ist teilweise nicht entgratet und dadurch sehr scharf.
Henk Eikhoudt, 6363 Wijnandsrade, Holland
 
Als Motor in meinem Micra wählte ich den 1,5- Liter-Renault-Diesel mit 65 PS. Die Verarbeitung wirkt sehr solide, die Platzverhältnisse vorne sind sehr großzügig, auf der Rückbank wird es natürlich eng. Erhebliches Plus ist die Verstellmöglichkeit der Bank, die den Kofferraum deutlich vergrößert und die Kniefreiheit im Fond zumindest für kurze Strecken akzeptabel macht. Vom Motor bin ich hellauf begeistert. Er ist drehmomentstark, sparsam und leise.
Peter Hartmann, 4810 Gmunden, Österreich

Das Auto lässt sich sportlich bewegen und macht durch die leichtgängige Bedienung viel Spaß beim Fahren. Die Verarbeitungsqualität im Innenraum entspricht nicht ganz dem Niveau eines Autos, das einen Neupreis von rund 15 000 Euro hat: Klappergeräusche und gelöste Halteclipse sind ständige Ärgernisse. Weiterer Kritikpunkt: die dürftige Geräuschdämmung des 88-PS-Motors.
Armin Bartek, 93092 Barbing

Vor- und Nachteile

  • guter Federungskomfort
  • kultivierter Motor
  • wirksame Klimaanlage
  • viele Ablagen
  • sehr guter Radioklang
  • exakte, leichtgängige Lenkung
  • kleiner Wendekreis
  • drehbare Innenbeleuchtung
  • verschiebbare Rücksitzbank
  • geringer Reifenverschleiß
  • schweißtreibende Sitzbezüge
  • Heizung-Klima-Bedienung umständlich
  • auf langen Strecken unbequeme Sitze
  • Ölnachfüllen schwierig
  • Dosierung von Bremse und Gas gewöhnungsbedürftig
  • zweistufige Zentralverriegelung
  • kurze Ölwechselintervalle
Technische Daten
Nissan Micra 1.2 Acenta
Grundpreis 13.160 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe 3715 x 1660 x 1540 mm
KofferraumvolumenVDA 251 bis 982 l
Hubraum / Motor 1240 cm³ / 4-Zylinder
Leistung 59 kW / 80 PS bei 5200 U/min
Höchstgeschwindigkeit 167 km/h
0-100 km/h 12,1 s
Verbrauch 5,9 l/100 km
Testverbrauch 7,4 l/100 km
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