Kia Rio 1.0 T-GDI 100, Nissan Micra IG-T 100, Exterieur Achim Hartmann
Kia Rio 1.0 T-GDI 100, Nissan Micra IG-T 100, Exterieur
Kia Rio 1.0 T-GDI 100, Exterieur
Kia Rio 1.0 T-GDI 100, Exterieur
Kia Rio 1.0 T-GDI 100, Exterieur 29 Bilder

Kia Rio 1.0 T-GDI und Nissan Micra IG-T im Test

Überzeugt der Dreizylinder im Micra?

Seit Kurzem liefert Nissan den kleinen Micra auch mit einem Dreizylinder-Turbobenziner und 100 PS. Im Vergleich klären wir mal, ob er damit dem gleich starken Kia Rio 1.0 T-GDI davonziehen kann.

„Radikale Micramorphose“ – mit diesem kunstvollen Claim begleitete Nissan die Markteinführung der fünften Micra-Generation Anfang 2017. Zu Recht, denn aus dem zarten Mauerblümchen ist ein expressiv geformter Kleinwagen geworden, der auch inwendig viel Neues zu bieten hat. Nur unter der Fronthaube hat sich wenig getan. Als stärkster Motor kam der müde und ziemlich rau laufende 0,9-Liter-Benziner von Renault zum Einsatz, der trotz seiner 90 PS kaum Schwung in den markanten Kleinwagen brachte.

Erst seit fünf Monaten soll ein neuer Dreizylinder-Benziner mit 100 PS plus Fünfgang-Schaltgetriebe für mehr Dynamik sorgen, doch auch dieser Einliter-Turbo vermag nicht recht zu begeistern. Der Triple arbeitet zwar hinreichend leise und vibrationsarm, es mangelt aber sowohl aus dem Stand wie aus höheren Geschwindigkeiten an Zugkraft. Der Grund für die Anfahrschwäche ist wohl auch darin zu finden, dass er sein maximales Drehmoment erst bei 2.750/min aufbaut.

Nissan Micra IG-T 100, Exterieur
Achim Hartmann
18.390 Euro kostet der Nissan Micra.

Selbst bei Drehzahlen über 3.000 Touren fehlt dem partikelfilterlosen Motor der Ehrgeiz. Obwohl der Micra gerade mal 1.085 Kilogramm auf die Waage bringt, nimmt er sich für den Spurt von 0 auf 100 km/h mit 11,3 Sekunden ziemlich viel Zeit.

Der flottere Kia benötigt etwas mehr Sprit

Nun kommt es bei einem Kleinwagen sicher nicht auf Zehntelsekunden an, aber wie viel lebendiger der ebenso starke Kia Rio (0–100 km/h: 10,0 s) im alltäglichen Stadtverkehr oder bei Überholvorgängen auf der Landstraße beschleunigt, überrascht doch einigermaßen. Verantwortlich hierfür ist ein ebenso kleiner, etwas kerniger tönender Dreizylinder, der seine Newtonmeter aber schon bei 1.500 Touren parat hat und generell gleichmäßiger und kraftvoller anschiebt. Im Gegensatz zu Nissan setzt Kia zudem auf Direkteinspritzung, baut ein exakt rastendes Getriebe und sogar einen Ottopartikelfilter ein. Dass sein Testverbrauch mit 6,9 l/100 km nochmals über dem ohnehin schon zu hohen Wert des Micra (6,4 l) liegt, sei ihm daher verziehen. Generell zeigt sich aber bei beiden, dass zügig bewegte Downsizing-Motoren mit Aufladung übermäßig durstig sind – und seien die Autos noch so klein.

Kia Rio 1.0 T-GDI 100, Kofferraum
Achim Hartmann
Der Rio schafft ein maximales Volumen von 980 Liter (Micra 1.004 l).

Wobei sowohl der komfortabel federnde Rio als auch der etwas hoppelige Micra gar nicht mal knapp bemessen sind. Auf rund vier Metern Länge bringen sie neben vier bis fünf Personen auch erfreulich viel Gepäck unter, das sogar einiges wiegen kann. So dürfen beide gut 460 Kilogramm zuladen, und mit umgeklappter Fondlehne stehen jeweils rund 1.000 Liter Volumen zur Verfügung. Dabei kommen speziell im Fond des klassisch geformten Kia selbst größere Passagiere gut unter. Die Rückbank weist zwar nicht so viel Sitztiefe auf wie im Nissan, ist aber bequem ausgeformt, und es mangelt nicht an Kopffreiheit. Gut auch die etwas größeren Türfächer, die Haltegriffe im Dachhimmel und das geräumige Unterbodenfach im Kofferraum.

Im Fond des Nissan sitzt man beengter

Da erfordert der Micra, der ohne variablen Ladeboden auskommen muss, schon deutlich mehr Zugeständnisse.

Die nach hinten stark ansteigende Unterkante der Seitenscheiben schränkt die Sicht für Fahrer und Fondinsassen deutlich ein, während die heruntergezogene Dachlinie die Kopffreiheit reduziert. So fühlt man sich auf der weichen Rückbank wie in einer dunklen Höhle, obwohl der Nissan etwas höher baut als der luftigere Kia.

Nissan Micra IG-T 100, Interieur
Achim Hartmann
Im Micra geht es im Fond relativ eng zu - eingeschränkte Kopffreiheit durch die From der Dachlinie.

Zugleich sind die hoch platzierten Türgriffe für kleine Mitreisende nur schwer zu erreichen. So bleibt einmal mehr festzuhalten, dass eine besondere Form oft mit funktionalen Schwächen einhergeht.

Doch der Micra kann auch Freude bereiten – etwa mit seinem wohnlichen Interieur. Das teils mit hellem Stoff bezogene Armaturenbrett (auch in Orange lieferbar) hinterlässt einen ebenso wertigen Eindruck wie die Einsätze in den Türen oder die Kniepolster an der Mittelkonsole. Zudem baut Nissan endlich ein ausgereiftes Navi- und Infotainment-System ein (490 Euro). Die Kartendarstellung fällt wirklich gut aus, der Startbildschirm lässt sich per Drag-and-drop schnell individualisieren, und Verkehrsdaten kommen in Echtzeit rein. Darüber hinaus lassen sich Mobiltelefone via Apple CarPlay und Android Auto problemlos einbinden, und das Zoomen der Karte gelingt viel einfacher als früher.

Das Interieur des Kia ist schlicht und solide

Kia Rio 1.0 T-GDI 100, Interieur
Achim Hartmann
Die Integration des Smartphones im Rio ist schnell erledigt und gelingt mühelos.

Dagegen wirken das grau in grau gehaltene Interieur des Kia-Testwagens eher nüchtern und die Menü-Anzeigen auf dem Touchscreen ziemlich antiquiert. Doch unterschätzen sollte man das inklusive DAB-Radio und Rückfahrkamera 1.090 Euro teure System keineswegs. Die Integration von Smartphones ist schnell erledigt, und via Kias Connected Services kommen Infos zu Verkehr und mehr kostenfrei für sieben Jahre.

Womit wir abschließend noch zur ebenso lang währenden Garantiezeit kommen, die dem Rio viele Punkte beschert. Da er zudem günstiger ist, gewinnt der ausgewogene Kia diesen Vergleich deutlich.

Fazit

1. Kia Rio 1.0 T-GDI 100 Dream-Team Edition 294 Punkte

Raumangebot, Antrieb und Fahrkomfort sprechen ebenso für den nüchternen Rio wie der günstige Preis, die kräftigen Bremsen und die lange Garantie.

2. Nissan Micra IG-T 100 N-Connect 268 Punkte

Mehr Flair und ein besser gestaltetes Innenraumleben samt Navigation- und Infotainmentsystem bietet hingegen der wertigere Nissan Micra.

Technische Daten

Kia Rio 1.0 T-GDI Dream-Team Edition Nissan Micra IG-T 100 N-Connecta
Grundpreis 17.550 € 18.650 €
Außenmaße 4065 x 1725 x 1450 mm 3999 x 1743 x 1455 mm
Kofferraumvolumen 325 bis 980 l 300 bis 1004 l
Hubraum / Motor 998 cm³ / 3-Zylinder 999 cm³ / 3-Zylinder
Leistung 74 kW / 100 PS bei 4500 U/min 74 kW / 100 PS bei 5000 U/min
Höchstgeschwindigkeit 186 km/h 184 km/h
0-100 km/h 10,0 s 11,3 s
Verbrauch 5,0 l/100 km 4,5 l/100 km
Testverbrauch 6,9 l/100 km 6,4 l/100 km
Alle technischen Daten anzeigen
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