Nissan Note, Ford Fusion, Opel Meriva

In Hoch-Form

Foto: Hans-Dieter Seufert 40 Bilder

Mit dem neuen Note möchte Nissan bei den Hochdach-Kleinwagen mitmischen, die bei Familien immer beliebter werden. Ist er so gut in Form wie Ford Fusion und Opel Meriva?

Was haben Frankfurt, Tokio und New York mit Ford Fusion, Opel Meriva und dem neuen Nissan Note gemeinsam? Ganz einfach: Um mehr Platz zu schaffen, wird in die Höhe gebaut. Wolkenkratzer sind die drei kleinen Vans zwar keine, aber mit Höhen zwischen 1,51 und 1,62 Meter überragen sie die Kleinwagen, auf denen sie basieren, doch um einige Zentimeter.

Während Fiesta, Corsa und Micra als Familienauto oft an die Grenzen ihrer Transportkapazität für Mensch und Material stoßen, können deren Hochdach-Versionen durchaus die Rolle des Erstwagens spielen. Dann darf es auch antriebsseitig gerne etwas mehr sein. Zwischen 100 und 110 PS leisten die jeweils 1,6 Liter großen Vierzylinder-Benzinmotoren der Testkandidaten. Auf den ersten Blick am teuersten ist der Note, der in der gehobenen Tekna-Ausstattung das Familien- Budget mit 18 740 Euro belastet. Im Preis enthalten sind schon feine Zutaten wie Klimaautomatik, Licht- und Regensensor, Radio mit CD-Wechsler, Teil- Lederausstattung, Bordcomputer, Multifunktionslenkrad, 16-Zoll-Aluräder, Nebelscheinwerfer, elektrische Fensterheber vorn und hinten sowie im Gegensatz zum Einzeltest-Auto (Heft 8/2006) ESP. Beim nur 16 115 Euro teuren Ford Fusion in der Fun-Ausstattung müssen die Fenster auf allen Plätzen von Hand runtergekurbelt werden.

Immerhin sind manuelle Klimaanlage, Zentralverriegelung sowie Radio mit antiquiertem Cassetten-Laufwerk an Bord. Das ESP kostet 495 Euro extra. Das ist beim Meriva Edition für 17 420 Euro ebenso serienmäßig wie elektrische Fensterheber vorne, elektrisch verstellbare Spiegel und eine Klimaanlage. Außerdem verfügt das im Preis enthaltene Radio über ein zeitgemäßes CD-Laufwerk, das auch MP3-Scheiben abspielt. Gleichstand herrscht dann unter dem Strich wieder bei den Innenmaßen, wenn auch mit unterschiedlicher Ausprägung. Der Fusion ist am breitesten, bietet dafür aber etwas weniger Kopffreiheit als Meriva und Note. Das Platzangebot für die Fondpassagiere wiederum ist bei Opel und Ford vergleichbar, die freilich in dieser Disziplin locker vom Nissan geschlagen werden, der klar darüber rangiert. Zudem ist das subjektive Raumgefühl in ihm deutlich luftiger als im Meriva, bei dem der obere Türrahmen durch das seitlich eingezogene Dach nur wenige Fingerbreit von den Köpfen der Passagiere entfernt ist. Darüber hinaus verwöhnt der Note Fahrer und Beifahrer mit sehr bequemen Sitzen.

Die langen Sitzflächen bieten eine ordentliche Oberschenkelauflage, und der Rücken wird durch eine angenehm ausgeformte Lehne auch in Kurven gut abgestützt. In der zweiten Reihe sitzen Mitreisende im Meriva am besten. Da die Sitzflächen der straff gepolsterten Einzelsitze höher montiert sind als die der Bänke bei Note und Fiesta, ist die Position aufrechter, und die Beine müssen weniger stark angewinkelt werden. Zudem können die Sitze einzeln verschoben und die Lehnen in der Neigung verstellt werden.

Dank einem ausgeklügelten Mechanismus lassen sich die drei hinteren Sitze des Meriva mit wenigen Handgriffen einzeln im Wagenboden versenken. Es entsteht ein über 1400 Liter fassender Laderaum mit einem vollkommen ebenen Boden. Und auch in Normalstellung der hinteren Sitze bietet der Opel-Van die höchste Kapazität – dicht gefolgt vom Fusion. Beim Note geht der üppige Beinraum in der zweiten Reihe zu Lasten des Kofferraums. Durch die um 16 Zentimeter verschiebbare Rückbank kann der jedoch vergrößert werden, wenn der Platz im Fond nicht gebraucht wird. Außerdem befindet sich ein zusätzliches großes Fach unter den beiden einzeln entnehmbaren, sehr stabilen Abdeckungen. Umgeklappt werden können beim Note allerdings nur die Lehnen im Verhältnis 60:40, nicht die Sitzfläche. Der dann entstehende Laderaum ist zwar fast so groß wie beim Opel, aber nicht so glattflächig und gut nutzbar. Über die geteilt umklappbare Rücksitzbank hinaus bietet der Fusion lediglich durch die nach vorn umlegbare Lehne des Beifahrersitzes eine gewisse Variabilität. Auch im Maximalvolumen reicht der Ford nicht an seine Konkurrenten heran. Außerdem bleibt eine Stufe im Laderaum, dessen Boden mit einer billig wirkenden Matte ausgekleidet ist.

Positiv: die niedrige Ladekante und die mit rund 500 Kilogramm – wie beim Meriva – hohe Zuladung. Jede der drei Karossen verfügt zudem über einen ganz spezifischen Schwachpunkt.

Beim Note ist das die geringe Stehhöhe unter der geöffneten Heckklappe. Beim Fusion können hingegen Tankdeckel und Heckklappe von außen nur mit dem Schlüssel geöffnet werden. Und beim Meriva kann es sogar gefährlich werden, wenn man an Einmündungen andere Autos übersieht, weil sie von der dicken, weit nach vorn gezogenen A-Säule komplett verdeckt werden. Wenig Freude bereitet auch der beim Facelift auf 105 PS erstarkte Opel-Motor. Er nervt mit einer Anfahrschwäche, spricht bei mittleren Drehzahlen schlecht an und dreht nur unwillig hoch.

Zu allem Überfluss kommt noch ein zu lang übersetztes Getriebe hinzu, das sich außerdem nicht sonderlich präzise schalten lässt. Die mäßige Beschleunigung und vor allem die schlechten Durchzugswerte sprechen Bände. So beschleunigt der Nissan im fünften Gang über acht Sekunden schneller von 80 auf 120 km/h als der Opel. Überhaupt gehört der Antrieb zu den Highlights des Nissan Note. Nie hat man den Eindruck, untermotorisiert zu sein, was zum einen an der spontanen Leistungsentfaltung des Triebwerks, aber auch an der gelungenen Abstufung des leicht und exakt schaltbaren Getriebes liegt. Dass der Vierzylinder zudem in allen Lebenslagen kultiviert zu Werke geht, macht den positiven Auftritt komplett. Bis auf die bei hohen Drehzahlen schlechteren Manieren des Ford-Vierzylinders und eine hakelige Schaltung verhält sich der Fusion im Antriebskapitel weitgehend unauffällig.

Dafür erfreut der Ford genau wie der Nissan mit sehr agilem Handling, wobei die elektrische Servolenkung des Note noch eine Spur direkter anspricht als die hydraulische des Fusion. Der Meriva hingegen wirkt insgesamt träger und schwerfälliger, woran die zwar leichtgängige, aber gefühllose Lenkung nicht ganz unschuldig ist. Auf die hohe Fahrsicherheit des Opel hat das keinen negativen Einfluss. Er absolviert die Fahrdynamiktests zwar nicht so schnell wie Nissan und Ford, bleibt jedoch stets gut beherrschbar. Der Fusion zeigt hier eine Tendenz zum Übersteuern, die vom ESP sehr feinfühlig abgefangen wird. Auch in puncto Komfort überzeugt der Newcomer von Nissan auf Anhieb. Seine Federung hält die meisten Fahrbahnunebenheiten auch akustisch von den Insassen fern. Fusion und vor allem Meriva fangen kurze Wellen weniger geschmeidig ab. Hinzu kommt beim Opel, dass die Karosserie von aufeinander folgenden langen Bodenwellen zu unangenehmen vertikalen Schwingungen angeregt wird. Am Ende präsentiert sich der Neuling unter den kleinen Vans in Höchstform.

Der Nissan Note bietet zwar nicht das Maß an Variabilität wie der Meriva, aber viel Platz und Komfort für die Passagiere. Zudem bereitet er mit seinem agilen Fahrwerk und dem quirligen Antrieb noch jede Menge Fahrspaß.

Fazit

1. Nissan Note 1.6 Tekna
508 Punkte

Platz eins für den Note wegen seines harmonischen Antriebs, des guten Komforts, hoher Fahrdynamik und eines üppigen Platzangebots. Er könnte aber variabler sein.

2. Ford Fusion 1.6 Fun
468 Punkte

Der Fusion glänzt eher durch agiles Handling als durch vanspezifische Eigenschaften. Er leistet sich aber nur eine gravierende Schwäche: ESP ist nicht serienmäßig.

3. Opel Meriva 1.6 Edition
460 Punkte

Eine bessere Platzierung des Meriva verhindert vor allem der schlappe Motor. Auch bei Fahrverhalten und Federungskomfort hinkt der äußerst variable Minivan hinterher.

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Technische Daten
Nissan Note 1.6 Tekna Opel Meriva 1.6 Edition Ford Fusion 1.6 16V Fun
Grundpreis 19.890 € 18.563 € 16.115 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe 4100 x 1691 x 1550 mm 4052 x 1694 x 1624 mm 4013 x 1724 x 1512 mm
KofferraumvolumenVDA 280 bis 1332 l 360 bis 1410 l 337 bis 1175 l
Hubraum / Motor 1598 cm³ / 4-Zylinder 1598 cm³ / 4-Zylinder 1596 cm³ / 4-Zylinder
Leistung 81 kW / 110 PS bei 6000 U/min 77 kW / 105 PS bei 6000 U/min 74 kW / 100 PS bei 6000 U/min
Höchstgeschwindigkeit 183 km/h 181 km/h 178 km/h
0-100 km/h 10,6 s 13,4 s 11,4 s
Verbrauch 6,6 l/100 km 6,7 l/100 km 6,6 l/100 km
Testverbrauch 7,8 l/100 km 8,3 l/100 km 7,9 l/100 km
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