Nissan Qashqai+2, Gebrauchtwagen-Check, asv2218 Dani Heyne
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Nissan Qashqai+2 im Gebrauchtwagen-Check

Wie fit ist der SUV im Alter?

Trotz oder wegen seines unaussprechlichen Namens fiel der Nissan Qashqai auf – und fand viele Käufer, die er glücklich machte. Bis heute gefällt der Japaner mit einem guten Mix aus Preis und Leistung. Meister Wünsch findet für uns heraus, wie fit der Wagen im Alter ist.

Der Name huschte einem anfangs wie eine Packung Reißzwecken über die Zunge – dafür ist er sehr einprägsam„, grübelt Meister Wünsch laut, als er den Nissan Qashqai vor seinem Werkstatttor entdeckt. “Und erst die Schreibweise ...„, ruft er und lacht laut los. “Aber eins muss man dem Wagen lassen: Er hat sich erstaunlich gut durchgesetzt.„

Zur Erinnerung: Nissan brachte den Qashqai 2007 auf den Markt – noch bevor Volkswagen mit dem Tiguan so weit war. Nissan platzierte seinen neuen SUV unterhalb des X-Trail, bot ihn mit und ohne Allrad an. Hatte vier Ausstattungen parat – und war bei der Serienausstattung nicht kleinlich. Zwei Jahre später erhielt der Qashqai einen Bruder: den Qashqai+2 mit 21 Zentimetern mehr Außenlänge und 13 Zentimetern mehr Radstand. Den Platz nutzte Nissan für eine serienmäßige dritte Sitzreihe mit zwei klappbaren Einzelsitzen. Und genau so ein Vertreter steht jetzt bei unserem Gebrauchtwagen-Checker; Baujahr 2011 und in New Grey Metallic. Der Testkandidat trägt damit bereits die Retuschen des Facelifts, das es 2010 für alle Qashqai gab. Der Vor- und Erstbesitzer ließ den Wagen üppig ausstatten. Daher sind der große Benziner mit zwei Litern Hubraum und 141 PS sowie das Luxus-Paket Tekna an Bord. Bedeutet konkret: Zweizonen-Klimaanlage, Navigationssystem, Xenon-Scheinwerfer, Ledersitze, Glasdach, Tempomat, Einparkhilfe – sogar eine abnehmbare Anhängerkupplung ist an Bord.

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Dani Heyne
Nissan brachte den Qashqai 2007 auf den Markt – noch bevor Volkswagen mit dem Tiguan so weit war.

“Volle Hütte also„, murmelt Meister Wünsch und schaut kurz unters Auto: “Allradantrieb hat er allerdings nicht.„ Richtig: Den konnte man beim Qashqai nur je nach Motorisierung bestellen. Ebenso das Automatikgetriebe. “Na, dann wollen wir mal„, sagt der Meister voller Tatendrang, legt die Hände auf das Blechkleid des Nissan und beginnt gewissenhaft mit dem Karosserie-Check.

Was sagen Qashqai-Fahrer über ihr Auto?

Der geräumige Nissan scheint viel richtig zu machen, denn es findet sich erstaunlich wenig Kritik in den gängigen Foren des Internets. Einige stören sich dort an den grellen Warntönen, andere finden, dass die Heckklappe nicht weit genug nach oben schwebe – der Schließzapfen des Schlosses ragt bei voller Öffnung in 1,76 Metern Höhe hervor, Begegnungen werden als äußerst schmerzhaft dokumentiert. Wieder andere finden, die Sitzheizung arbeite zu schwach, viele empfinden die Windgeräusche bei hohem Tempo als störend. Familienväter bemängeln die schwer erreichbaren Isofix-Ösen, in einem anderen Beitrag wird sich gewundert, wie deplatziert der Öleinfüllstutzen beim Zweiliter-Benziner ist.

“Wer lange genug sucht, der findet auch Schwächen„, kommentiert Meister Wünsch und zeigt uns eine Handvoll Steinschläge an der Front des Nissan. Beide Türen weisen zudem winzige Dellen auf, und am Heck gibt es zwei Kratzer an der Stoßstange. “Dieser Qashqai wurde vermutlich oft auf großen Parkplätzen abgestellt – das würde die Macken erklären„, fasst Meister Wünsch zusammen. “Aber: Lack und Fensterdichtungen sehen nicht verwittert aus, daher hat der Besitzer die Pflege wohl auch nicht vernachlässigt und die Blessuren sind unschöne Kampfspuren des Alltags.„

Als Nächstes schickt sich Meister Wünsch zur Probefahrt an. “Der Zweiliter-Benziner ist bei solch einem großen Wagen sicher kein Fehler. Schau’n wir doch mal, wie dynamisch er den Nissan beschleunigt.„ Mit diesen Worten startet er den Vierzylinder, der sogleich in einen ruhigen Leerlauf übergeht. “Die Schaltgetriebe bei Nissan sind haltbar, benehmen sich aber oft leicht hakelig, wie dieses hier„, analysiert der Meister nach den ersten Kilometern. Der Antritt des Motors gefällt ihm dagegen: “Zieht sauber durch, hat ausreichend Reserven und wird nicht zu laut – allerdings serviert er alle PS nur, wenn entsprechend hohe Drehzahlen anliegen.„ Klappergeräusche vom Fahrwerk kann der Meister keine wahrnehmen, Achsen und Bremsen machen einen soliden Eindruck. Daher steuert er als Nächstes die Hebebühne an.

Kann’s geben: Rost an Achsen und Unterboden

Als der mechanische Lift den Qashqai auf halber Höhe hat, wirft Meister Wünsch einen ausgiebigen Blick auf Bremsscheiben und -beläge. Bei fast 80.000 Kilometern Laufleistung wurden die Verschleißteile vor nicht allzu langer Zeit erneuert – und zeigen sich ohne tiefere Rillen. “Sehr schön„, murmelt der Meister und überprüft als Nächstes, ob die Radlager Geräusche machen. “Das kann bei diesem Modell schon mal vorkommen„, erklärt er und dreht jedes Rad mit der Hand, um anschließend genau zu lauschen. “Nichts zu hören!„, ruft er zufrieden und lässt den Nissan mittels Hebebühne weiter nach oben schweben.

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Dani Heyne
Auf geht es auf die Hebebühne!

Der Check der gängigen Verschleißteile – Achsmanschetten eingerissen? Spurstangen ausgeschlagen? Traggelenke mit übermäßigem Spiel? Kühler undicht? – ergibt keine bösen Überraschungen. Zudem ist der Antrieb trocken, präsentiert sich der Auspuff nahezu rostfrei. Leider kann man das vom übrigen Unterboden nicht behaupten: “Schaut euch mal den hinteren Achskörper an – wie sich die braune Pest da schon breitmacht. Und hier, an den Kanten der Schweller, greift sie auch schon an„, zeigt Meister Wünsch enttäuscht.

“Da wurde offensichtlich an der falschen Stelle gespart – Unterbodenschutz ist ja nicht teuer„, fügt er hinzu. “Bei diesem Exemplar empfehle ich schnellstmöglich eine nachträgliche Konservierung der Hohlräume – sicher ist sicher – und nach Reinigung der betroffenen Stellen frischen Unterbodenschutz aufzutragen.„

Als der Wagen wieder nach unten gleitet, wirft Meister Wünsch noch einen Blick in das Serviceheft – in dem keine Stempel fehlen: “Der Vorbesitzer war gewissenhaft, hat den Wagen vorschriftsmäßig gepflegt.„ Den leichten Rostansatz am Unterboden hat er ganz sicher gar nicht mitbekommen – wie vermutlich viele. Und trotzdem gibt’s dafür Punktabzug. Schade, denn der Qashqai+2 hinterlässt ansonsten einen guten Eindruck.

Wie viel muss man für den SUV einplanen?

Vergleichbare Qashqai der ersten Generation aus Baujahr 2009 starten bei 7.500 Euro. Wer einen siebensitzigen +2 haben möchte, muss rund 1.000 Euro drauflegen. Soll es ein Modell nach dem Facelift (2010) sein, werden mindestens 10.000 Euro aufgerufen.

Versionen, Motoren & Ausstattung

Nissan präsentierte den Qashqai erstmals 2006 auf dem Pariser Automobilsalon. Am 24. Februar 2007 erfolgte in Deutschland der Marktstart. Montiert wurde der Qashqai im britischen Nissan-Werk in den folgenden vier Ausstattungsversionen: Die Basis heißt Visia, gefolgt von Acenta und I-Way. Die Topversion trägt die Bezeichnung Tekna. Nissan war jedoch spendabel, daher besitzen alle Modelle serienmäßig eine Klimaanlage, Zentralverriegelung mit Fernbedienung, elektrische Fensterheber und ein CD-Radio samt Bluetooth-Freisprecheinrichtung.

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Achim Hartmann
Dieselmotoren.

Die Sicherheitsausstattung umfasst sechs Airbags, Nebelscheinwerfer, ABS, ESP, HFC (Ausgleich des Bremsfadings). Mit 36,8 von 37 möglichen Punkten erreichte der Qashqai das beste Ergebnis beim Insassenschutz in über zehn Jahren Euro-NCAP-Crashtest-Geschichte. Der Fußgängerschutz wurde dagegen nur mit zwei von vier Sternen bewertet. Zur Motorenpalette: Bei den Benzinern gab es nur Vierzylinder. Einmal einen 1,6-Liter mit anfänglich 114 PS, ab 2010 mit 117 PS. Der Zweiliter kommt auf 141 PS, ihn gab es von 2007 bis 2013. Während der 1.6er mit Frontantrieb und Fünfgang-Schaltgetriebe kam, konnte man beim Zweiliter serienmäßig sechs Gänge verwalten – oder ein stufenloses CVT-Getriebe bestellen. Zudem gab’s den großen Benziner entweder mit Front- oder mit Allradantrieb. Bei den Dieselmotoren geht es mit 1,5 Litern Hubraum los, aus denen 103 bis 110 PS und 240 Newtonmeter Drehmoment gekitzelt wurden. 2011 kam ein 1.600er dazu, der 130 PS und 320 Newtonmeter Drehmoment leistet. Top-Diesel: der Zweiliter mit 150 PS und 320 Newtonmetern Drehmoment. Der 1.5er hat stets Frontantrieb und ein Sechsgang-Schaltgetriebe. Der größte Diesel kommt dagegen stets mit Allrad und Automatikgetriebe.

Im Oktober 2008 startete die um 21 Zentimeter verlängerte Version Qashqai+2. Sie bietet drei Sitzreihen, wobei die beiden Plätze in der dritten Reihe im Fahrzeugboden versenkbar sind. Der Radstand wuchs um 13 Zentimeter; der Qashqai+2 ist vier Zentimeter höher als der kleinere Bruder. Das Kofferraumvolumen beträgt bei versenkter dritter Sitzreihe 500 Liter – und damit 90 Liter mehr als beim herkömmlichen Qashqai.

So viel kosten die Verschleißteile:

Verschleißteile Kosten
Wischerblätter vorn 34,50 Euro
Luftfilter 21,50 Euro
Innenraumfilter 26,30 Euro
Ölwechsel (inklusive Filter) 112 Euro
Wechsel Bremsscheiben und -beläge vorn circa 410 Euro
Zahnriemenwechsel (inklusive Spannrolle und Wasserpumpe) entfällt (Steuerkette)

Fazit

Der Nissan Qashqai+2 ist ihr Typ, wenn Sie einen mittelgroßen SUV haben wollen – und zwar einen, der drei Sitzreihen bietet. Dabei wissen Sie natürlich, dass sich ganz hinten nur Kinder gern und oft niederlassen werden. Auf den übrigen Reihen gibt’s ausreichend Platz. Die gebotene Verarbeitung passt zum Preis-Leistungs-Verhältnis. Die Langzeitqualitäten sind überdurchschnittlich – das bestätigen auch die Kittelträger aus den Häusern TÜV und DEKRA. Mit einem gepflegten Exemplar bekommen Sie daher einen treuen Partner für die nächsten Auto-Jahre.

Das gefällt uns:

Wie erfrischend der Qashqai 2007 gestartet ist – und wie gut er sich bis heute im angesagten SUV-Haifischbecken behaupten kann. Geholfen haben ihm dabei die überzeugenden Werte der Marke: gutes Preis-Leistungs-Verhältnis und angenehme Langlebigkeit. Wohl auch deswegen überzeugt der Qashqai der ersten Generation auch als Gebrauchter.

Das stört uns:

Es sind nur Kleinigkeiten – weil es keine schmerzhaften Kinderkrankheiten gibt. Die Verarbeitung umweht britischer Charme – was damit zu tun hat, dass der Nissan auf der Insel zusammengebaut wird. Etwas mehr Liebe und Hingabe hätten die Käufer sicher erfreut. Und das optionale CVT-Getriebe macht keinen Spaß.

So ist die Marktlage:

Wer die gängigen Gebrauchtwagenbörsen im Internet durchforstet, findet aktuell rund 2.000 Nissan Qashqai der ersten Generation im Angebot. Keine schlechte Ausgangsbasis also, um einen davon in der Nähe unter die Lupe zu nehmen und ausgiebig Probe zu fahren. Sollte es der nicht sein, steht der nächste sicher nicht weit weg.

Technische Daten

Nissan Qashqai+2 1.5 dCi DPF Acenta
Grundpreis 25.490 €
Außenmaße 4541 x 1780 x 1645 mm
Kofferraumvolumen 130 bis 1520 l
Hubraum / Motor 1461 cm³ / 4-Zylinder
Leistung 76 kW / 103 PS bei 4000 U/min
Höchstgeschwindigkeit 174 km/h
0-100 km/h 13,6 s
Verbrauch 5,2 l/100 km
Testverbrauch 7,1 l/100 km
Alle technischen Daten anzeigen
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