Nissan X-Trail 2.0 dCi im Test

Weißer Riese

Foto: Achim Hartmann 21 Bilder

Von einer Stoßstange zur anderen erstreckt sich der Nissan X-Trail jetzt auf 4,63 Meter. Auch sonst hat der Neue deutlich zugelegt, wie der allradgetriebene 2.0 dCi mit 173 PS in der gehobenen LE-Ausführung zeigt.

Nein, mangelnde Behutsamkeit kann man Nissan wirklich nicht vorwerfen. Schon optisch ist der X-Trail seiner Linie treu geblieben, und selbst das deutliche Plus in der Länge fällt kaum auf. Die Fangemeinde muss sich also nicht groß umgewöhnen, wenngleich der Zuwachs von 18 Zentimetern bange Fragen nach der Kompaktheit und Übersichtlichkeit der Karosserie aufwirft.

Vom Fahrersitz aus ist die Motorhaube aber problemlos einzusehen und ihr Ende gut abzuschätzen. Außerdem fungieren die gut sichtbaren Blinkerknubbel rechts und links auf Höhe der Kotflügel als Peilhilfe beim Rangieren. Für den Blick nach hinten ist auf Wunsch eine Rückfahrkamera an Bord, die es für 2500 Euro extra im Paket mit einem DVD-Navigationssystem und einem Sieben-Zoll-Farbmonitor gibt.

Allenfalls zur Seite erschweren stark getönte Scheiben und breite D-Säulen, hinter denen sich halbe Fußballmannschaften verstecken können, die Sicht. Die Reservespieler dürfen hingegen die Ersatzbank in der Topversion LE gegen serienmäßige Ledersitze tauschen. Besonders vorne fühlt man sich in dem fünfsitzigen X-Trail gut aufgehoben.

Das fängt an bei einem klar strukturierten Armaturenbrett, setzt sich in einer einfachen Bedienung fort und endet bei praktischen Ablagen. Die Instrumente befinden sich statt auf der Mittelkonsole nun vor dem Lenkrad und sind bis auf die zu kleine Digitalanzeige für den Tank gut ablesbar. Kritik gibt es zudem für die Handbremse, die man fast bis zum Fahrzeughimmel ziehen muss.

An der tadellosen Verarbeitung ist hingegen ebenso wenig auszusetzen wie an den bequemen Polstern vorne. Die Sitztiefe ist ausreichend, nur die Seitenführung könnte besser sein. Dafür finden auch Fahrer im Zwei-Meter-Format schnell die passende Position und genügend Luftraum zwischen Kopf und Dach. Der fällt hinten deutlich spärlicher aus.

Der Größenzuwachs des X-Trail macht sich für die Fondpassagiere allenfalls bei der Kniefreiheit bemerkbar. Ansonsten ist die Rückbank wenig ausgeformt, so dass man in Kurven haltlos auf dem Leder herumrutscht. Mit sechs Airbags inklusive seitlichen Kopfairbags und elektronischen Helferlein in Form von serienmäßigem ESP und Antriebsschlupfregelung dürfen sich allerdings alle Passagiere rundum so sicher fühlen wie in Abrahams Schoß.

Auch für das Gepäck ist gut gesorgt. Ein Spannnetz hält Koffer und Werkzeugkiste auf dem glatten Kunststoff-Ladeboden an Ort und Stelle, und mit 479 Liter Volumen steht schon im Normalzustand bis zur Unterkante Dachhöhe genügend Platz zur Verfügung.


Wer die 60:40 teilbare Rückbank nach klassischer Art umlegt – Sitzflächen hoch, Lehnen klappen –, erhält hinter der weit in den Stoßfänger ragenden Heckklappe eine 1773 Liter große, vollkommen ebene Höhle, die sich mit 461 Kilogramm Zuladung gut ausnutzen lässt. Praktisch: Mit Hilfe des doppelten Ladebodens lassen sich kleine Utensilien vor neugierigen Blicken verbergen. Die weckt allerdings der Motor.

Schon nach den ersten Kilometern will man wissen, wer da unter der Motorhaube so bereitwillig Dienst schiebt. Es ist ein 173 PS starker Zweiliter-Common- Rail-Diesel von Renault. Bei 2000 Umdrehungen reißen seine maximal 360 Newtonmeter Drehmoment leicht, aber dennoch spürbar an den Vorderrädern.

Besser, man aktiviert gleich den Automatikmodus des Allradsystems und lässt die Kraft an alle vier Räder fließen. Denn bei Schlupf verteilt eine Lamellenkupplung mit Sperrdifferenzial bis Tempo 40 die Motorkraft fließend um und schickt bis zu 43 Prozent an die Hinterachse. Zusammen mit seiner klassenüblichen Bodenfreiheit (200 Millimeter) sowie unveränderten Böschungswinkeln von 29 Grad vorne und 23 Grad hinten kommt der X-Trail auch dann noch voran, wenn die Abenteuerlust den Fahrer tief ins Gelände treibt.

Auf der Straße beschleunigt der Nissan selbst im länger übersetzten sechsten Gang munter weiter, bleibt aber stets Gentleman mit kultiviertem Benehmen und hoher Laufruhe. Angesichts der gebotenen Fahrleistungen ist der Testverbrauch (8,8 Liter/100 km) akzeptabel. Allerdings spürt man die 1,7 Tonnen Eigengewicht, sobald man mit dem X-Trail eine Serpentinen-Strecke unter die Räder nimmt.

Zwar lässt er sich über die äußerst präzise Servolenkung zackig bewegen, doch wirkt er dabei leicht verschaukelt und neigt früh zum Untersteuern. Ein Tritt aufs Bremspedal, und die Stopper fangen ihn wieder ein – ein Ruhmesblatt ist die Verzögerungleistung von 41 Meter im kalten Zustand jedoch nicht.


Dafür kommt der Komfort beim XTrail nicht zu kurz. Selbst abseits asphaltierter Straßen nimmt er groben Verwerfungen gekonnt die Schärfe. Dass er auf kurzen Wellen eine leichte Tendenz zum Stuckern zeigt, mag man ihm da ebenso verzeihen wie die Windgeräusche, die bei Autobahntempo gehörig um die kantige Karosserie pfeifen.

Problematischer sind da schon tiefe Querfugen, auf denen die Hinterachse gelegentlich etwas uncharmant nachtritt – zumindest im Fußball gibt es dafür schon mal die gelbe Karte. Mehr soll es auch hier nicht sein, denn selbst solche Schwächen können den guten Gesamteindruck des neuen Nissan X-Trail nicht nachhaltig trüben, zumal die Serienausstattung recht umfangreich ausfällt.

Schon in der Basisversion zählen Klimaautomatik, Tempomat, kühlbare Cupholder und Isofix-Kindersitzhalterungen zum Lieferumfang. Die getestete LE-Version hat neben Lederbezügen sogar Sitzheizung vorn, Keyless Entry, ein Glasschiebedach und Xenon-Licht frei Haus an Bord. Da kann es nicht ausbleiben, dass auch der Preis gegenüber dem bisherigen Top-Diesel um fast 5000 Euro zulegte. Irgendwo hört die Behutsamkeit dann eben doch auf.

Fazit

Kräftiger Motor, gutes Fahrwerk, präzise Lenkung: Der neue Nissan X-Trail ist nicht nur größer als die erste Generation, sondern auch deutlich gereift. Die mäßigen Bremsen verhindern den vierten Stern.

Technische Daten
Nissan X-Trail 2.0 dCi LE
Grundpreis 35.140 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe 4630 x 1785 x 1685 mm
KofferraumvolumenVDA 479 bis 1773 l
Hubraum / Motor 1995 cm³ / 4-Zylinder
Leistung 127 kW / 173 PS bei 4000 U/min
Höchstgeschwindigkeit 200 km/h
0-100 km/h 10,0 s
Verbrauch 7,4 l/100 km
Testverbrauch 8,8 l/100 km
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