Opel Antara 3.2 V6 im Test

Blitz-Ableiter

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Spät, aber noch vor den Konkurrenten Ford und VW, bringt Opel einen kompakten SUV als Nachfolger des Frontera auf den Markt. Test des Antara 3.2 V6 im noblen Cosmo-Trimm.

Ja – das ist tatsächlich ein Opel. Und was für einer: ein selbstbewusst dreinschauendes und schick zurechtgemachtes Auto. Lässig, aber mit durchtrainiertem Körperbau unter dem tadellos sitzenden Anzug. Kein Aufreißer, sondern einfach ein attraktiver Typ, der ganz selbstverständlich und ohne Starallüren auftritt. Zu gewagtes Outfit oder peinliche Extravaganzen? Fehlanzeige.

Über funktionslose Accessoires wie den Unterfahrschutz und die Luftauslässe vor den Türen breiten wir den Mantel des Schweigens. Denn trotz asiatischer Gene bringt der Antara alles mit, um an die Tradition des erfolgreichen Frontera anzuknüpfen, der einst mit Abstand das Segment der kompakten SUV dominierte. Mit 4,58 Meter Außenlänge übertrifft der Neue deutlich Konkurrenten vom Schlage eines Honda CR-V oder Toyota RAV4. Damit ist er von den Abmessungen her auf Augenhöhe mit dem BMW X3 und den kommenden Premium-Crossovern von Mercedes und Audi.

Dass der Opel zusammen mit seinen Plattformgeschwistern Chevrolet Captiva und Saturn Vue bei Daewoo in Korea gefertigt wird, sollte angesichts der allgegenwärtigen Globalisierung niemanden verwundern. Einen so prächtig ausstaffierten Antara wie den Testwagen wird man in freier Wildbahn allerdings lange suchen müssen. Der von einem Sechszylinder- Benziner beflügelte Allradler glänzt mit der All-inclusive-Ausstattung Cosmo. Stolze 38 059 Euro sind dafür fällig – über 10 000 Euro mehr, als das Einstiegsmodell mit 2,4-Liter-Vierzylinder kostet.

Wenn sich – wie in dem von auto motor und sport gefahrenen Lifestyle-Laster – noch Extras wie Lederausstattung, Xenon-Scheinwerfer oder Navigationssystem dazugesellen, steigt der Preis um mindestens drei weitere Tausender. Das ist weit entfernt von den Preisklassen, in denen sich Opel normalerweise aufhält. Natürlich wissen die Marketingstrategen, dass die allermeisten Kunden in Deutschland die mit 31 561 Euro günstigere Variante mit Zweiliter-Turbodiesel ordern werden. Aber wegen einer unlängst entdeckten eklatanten Anfahrschwäche muss er vor dem Serienstart im Februar nachgebessert werden – was die Lieferzeit um ein paar Wochen verlängert.

Anders als den Chevrolet Captiva gibt es den Opel nicht mit sieben, sondern grundsätzlich nur mit fünf Sitzen. Das ist gut so, denn wirklich akzeptabler Lebensraum steht im Heck des Antara sowieso nicht zur Verfügung. Dafür haben die Insassen ausreichend Platz. Das vordere, recht hohe Gestühl in gewöhnungsbedürftigem Braun könnte indes etwas mehr Seitenhalt und längere Auflageflächen bieten. Vor Fahrer und Beifahrer erstreckt sich ein sauber verarbeiteter, übersichtlich gegliederter Instrumententräger. Das Display des optionalen Navigationssystems steckt in einer kleinen Höhle im Blickfeld des Fahrers.

Ergonomisch gibt es nichts zu tadeln – abgesehen von der unhandlichen Lenkradverstellung und der wenig stabil wirkenden Gurtbefestigung an der B-Säule. Mit den überall verstreuten Zierelementen aus Kunststoff im Alu- Look hat es Opel jedoch etwas übertrieben. Andererseits würden ihm ein paar mehr Ablagemöglichkeiten für Kleinigkeiten gut tun. Stauraum gibt es nur in Form eines tiefen Faches unter der mittleren Armstütze, des Handschuhfachs und der Türtaschen aus wackligem Kunststoff. Dazu wird ein Schubfach unter dem Beifahrersitz angeboten.

Ungeschickt: Wenn die Telefonvorbereitung in der Mittelkonsole installiert ist, entfallen die Cupholder. Kopf- und Kniefreiheit hinten reichen völlig aus. Der Passagier in der Mitte sitzt allerdings deutlich weniger bequem, außerdem lässt sich seine Kopfstütze nicht weit genug herausziehen. Immerhin beeinträchtigt kein Mitteltunnel das Abstellen der Füße, der Boden im Fond ist völlig eben.

Die asymmetrisch geteilte Rückbanklehne lässt sich umlegen, ohne dass die Kopfstützen demontiert werden müssen. Die Sitzpolster bleiben indes unverrückbar fest stehen. Damit steigt die ansonsten ebene, 1,74 Meter lange Ladefläche nach vorn etwas an. Bis zu 2,60 Meter lange Gegenstände lassen sich einladen, wenn die Lehne des Beifahrersitzes umgeklappt wird – leider nur gegen Aufpreis. Die Heckklappe öffnet ausreichend weit nach oben, aber die Ladekante ist relativ hoch. Aber der Antara ist sowieso kein Transportwunder: Der Kofferraum fasst lediglich 370 Liter, bei umgeklappter Rückbanklehne sind es maximal 1420 Liter.

Und die Zuladung beträgt nur 439 Kilogramm. Ebenfalls keine Offenbarung ist der quer installierte Sechszylinder des stämmigen Viertürers. Er entstammt dem weltweiten GM-Baukasten und hat nur marginal mit dem modernen 2,8-Liter zu tun, wie er beispielsweise im Vectra installiert wird. Auffällig sind seine Laufruhe und seine akustisch zurückhaltende Gangart. Mit 227 PS bei hochtourigen 6600/ min und einem maximalen Drehmoment von 297 Nm bei 3200/min liegt er aber abgeschlagen im Umfeld anderer V6 – die bringen locker über 250 PS und über 300 Nm.

Durchschnittlich 14 Liter Super/100 km genehmigte sich der 1,9 Tonnen schwere Antara im Test. Ein stolzer Wert in diesen Zeiten. Die Kraftverteilung geschieht über eine Fünfstufenautomatik der zögerlichen Sorte; Schaltgetriebe werden für den V6 nicht angeboten. Das Zusammenspiel zwischen Motor und Getriebe vollzieht sich allenfalls suboptimal, es lässt den Antrieb schlapper erscheinen, als er ist. Im manuellen Modus werden die Gänge festgehalten – vorteilhaft auf Bergabpassagen und im Gelände. Bei aktiviertem Winterprogramm fährt das Auto vorsichtig in der dritten Stufe an. Die Antriebskraft geht stets zuerst nach vorn – bei Schlupf leitet die elektronisch gesteuerte Lamellenkupplung bis zu 50 Prozent der Kraft nach hinten.

Wie bei den meisten Autos dieser Kategorie gibt es keine mechanische Sperren. Immerhin hat der Antara eine Bergabfahrhilfe. In der Cosmo-Ausstattung mit 235/55 R 18-Reifen ist das Fahrwerk ausreichend straff, überrascht aber gerade in Kurven mit einer soften Auslegung der komfortbetonten Federung. Dennoch ist dem Antara eine forcierte Gangart nicht fremd, wobei sich die Seitenneigung des selbsttragenden Aufbaus in Grenzen hält.

Die Lenkung ist dabei zwar sehr leichtgängig, aber präzise und zielgenau. Der Opel-SUV bleibt über einen weiten Bereich erfreulich neutral und handlich. Wenn nötig, greift stark regelnd das ESP ein. Ein Bestandteil der Fahrstabilitätsregelung wird ab Frühjahr 2007 die Anhängerstabilisierung: Bis zu zwei Tonnen Zuglast sind erlaubt. Alles in allem entpuppt sich der Antara als feines Auto mit kleinen Schwächen. V6-Benziner und Fünfstufen- Automatik sind indes die falsche Wahl. Ausgestattet mit einem durchzugsstarken, sparsamen Diesel dürfte der Allrad-Opel allerdings genügend Grip aufbauen, um Fahrer und Marke nach vorn zu bringen.

Fazit

Großer Innenraum, gute Ausstattung und ein komfortables Fahrwerk sind die Vorzüge des Antara 3.2. Das Zusammenspiel von Motor und Automatik überzeugt jedoch nicht, der Verbrauch ist zu hoch.

Technische Daten
Opel Antara 3.2 V6 Cosmo
Grundpreis 38.650 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe 4575 x 1850 x 1704 mm
KofferraumvolumenVDA 420 bis 1420 l
Hubraum / Motor 3195 cm³ / 6-Zylinder
Leistung 167 kW / 227 PS bei 6600 U/min
Höchstgeschwindigkeit 203 km/h
0-100 km/h 9,2 s
Verbrauch 11,7 l/100 km
Testverbrauch 14,0 l/100 km
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