Opel Astra 1.6 16V Caravan im Test

Schluss mit den Qualitätsproblemen?

Opel Astra 1.6 16V Caravan

100.000 Kilometer sind noch eine stattliche Distanz. Der Opel Astra 1.6 16V Caravan legte sie in zwei Jahren zurück: Langstrecke d Kurzstrecke, im Stau und mit voller Pulle – wie im Leben.

Manches an einem Automobil fällt erst dann auf, wenn man länger mit ihm umgeht. Christine Oehling, Produktionschefin bei auto motor und sport, ist mit dem Dauertest-Astra in Richtung Hamburg unterwegs und moniert nicht nur nachlassenden Sitzkomfort auf Langstrecken, sondern lobt auch ein akkurates Verharren der mitgeführten Gepäckstücke im Laderaum. Eingelassene Gummistreifen auf dem Kofferraumboden sorgen für den nötigen Grip – Opel hat auch daran gedacht.

Einen Mode-Kombi, also ein Auto, das vor allem wegen seiner Form und weniger wegen seines Nutzwerts angeschafft wird, wollte man nicht bauen. Schon der Vorgänger des aktuellen Astra Caravan ist, ganz gemäß der bis zum Rekord-Caravan der fünfziger Jahre zurückreichenden Kombi-Vergangenheit des Hauses Opel, ein echtes Nutztier, mit 530-LiterGepäckraum-Volumen und einer halben Million verkaufter Einheiten.

Der Neue atmet den Geist des Vorgängers, auch wenn er nicht ganz so voluminös ist (480 Liter Laderaum-Inhalt, mit umgeklapptem Rücksitz 1.500 Liter). Die Ladekante ist tief, der Klappmechanismus der Rücksitzlehne funktioniert einfach, allein die Laderaumabdeckung macht die ganze Zeit über Kümmernisse. Sie ist hakelig und bleibt hakelig, und wer sie montiert, muss sich konzentrieren.   

Es gibt noch ein richtiges altmodisches Heckdeckel-Druckschloss hinten, und die Klappe öffnet überraschend weit. Auch hier zeigt sich, dass es bei der Konzeption dieses Autos um die Sache ging.

Praktisch sollte der Caravan werden, und praktisch ist er, die einfache Bedienung eingeschlossen, geworden. Doch das Auge isst ja selbst bei nützlichen Angelegenheiten mit und erfreut sich auch an Dingen wie einer Brillant-Lackierung für 110 Euro, dem Bord-Computer für 282 Mark oder der Lederausstattung für knapp 1.500 Euro.

Zusammen mit der Klimaanlage (1042 Euro) und einigen anderen Extras erhöht sich der Testwagenpreis von 16.800 Euro auf knapp über 22.500 Euro. Wer heute kauft, muss rund einen Tausender mehr investieren.

In diesem Grundpreis ist nicht nur die so genannte Comfort-Ausstattung enthalten, sondern auch der 100 PS leistende 1600er mit Vierventilkopf, der sich über die gesamte Laufzeit als denkbar unauffällig profiliert. Knapp 22 Prozent der Astra-Kunden wählen diesen neben dem 85-PS-Zweiventiler zweitstärksten Ottomotor im Kombi-Programm.

Prinzipiell passt er gut zu einem solchen Nutz-Automobil, denn neben seiner mechanischen Unauffälligkeit ist der Vierzylinder auch in den Unterhaltskosten angemessen. Der Gesamtverbrauch ist mit 8,9 Litern pro 100 km allerdings nicht ganz so günstig.

Auch die Leistungscharakteristik scheint nicht nach dem opelschen Low-End-Torque-Prinzip geraten, das wie in alten Kapitän-Tagen viel Drehmoment bei wenig Drehzahl verheißt. 1.210 Kilogramm wiegt der 4,28 Meter lange Caravan, und damit hat der kleine Vierzylinder gut zu tun.

Immerhin, ihm scheint die Arbeit Spaß gemacht zu haben. Mit steigender Kilometerleistung verbessern sich Beschleunigung, Durchzugsvermögen und Höchstgeschwindigkeit. Eine ganze Sekunde, nämlich 11,6 statt 12,6 Sekunden, liegt bei der Beschleunigung von null auf 100 km/h zwischen der Anfangs- und Endmesssung.

Die Elastizität beim Durchzug von 80 auf 120 km/h im fünften Gang gewinnt von 19,7 auf nur noch 18 Sekunden. Es scheint also nur eine Frage der Zeit, wann man den Astra Caravan bei der DTM melden kann.

Drehzahlen braucht der Motor auch jetzt schon, und obwohl der Geräuschpegel insgesamt eher sanft ist, stören doch gelegentliche Brummfrequenzen. Den Zahnriemenwechsel spart sich der Dauerläufer. Opel ist mit den Intervallen bei diesem Triebwerk auf 120.000 Kilometer oder acht Jahre geklettert – die dann unvermeidlichen Zusatzkosten gehen in die Dauertest-Gesamtrechnung nicht ein. Die Ölnachfüllmenge ist mit gerade 1,75 Litern über die Laufzeit vernachlässigbar gering.

Kein Ärger mit dem Triebwerk also, das sich über die 100.000-Kilometer-Distanz anspruchslos wie der sprichwörtliche Esel zeigt und keinen einzigen Funktionsausfall erleidet. Verziehen sei da auch seine Schwäche bei Inbetriebnahme der Kräfte zehrenden, wirksamen Klimaanlage, mit Leistungsschwund und gelegentlichem Ruckeln. Auch um diese auszugleichen, wünscht man sich etwas mehr Hubraum.

Alles funktioniert, eingeschlossen die laut klackende Zentralverriegelung, doch nicht alles ist perfekt. Der Fahrersitz quietscht, die Tasten der elektrischen Fensterheber entpuppen sich als sehr zierlich, die Tasten im Multifunktionslenkrad sind schlecht zu betätigen, ebenso der Tempomat im Blinkerhebel.

Die Störungsliste ist kurz und nur an einer Stelle heftig, bei Kilometerstand 74.544. Nachdem zuvor beim Einparken Knackgeräusche an der Lenksäule für Unruhe sorgten, wird sie samt Gelenk vorsichtshalber erneuert – die teuerste Reparatur. Über 600 Euro sind zu bezahlen, der Kulanzanteil bleibt mit 182 Euro bescheiden.

Schon bei wenig mehr als 18.000 Kilometern werden, nachdem das Antiblockiersystem wirkungslos geworden ist, Radnabe, ABS-Sensor und Radlager erneuert, ein Gesamtpaket, das ohne Garantieregelung gut 250 Euro gekoste hätte. Das Erneuern des Heizungspanels (km-Stand 25.000) kostet genauso viel, der Wechsel des linken Achsschenkels vorne ist ebenfalls Garantiefall und hätte normalerweise 412 Euro gekostet.

Neun Tage insgesamt ist der Dauerläufer außerplanmäßig in der Werkstatt, sechs Tage wegen der turnusmäßigen Inspektionen. Die Kosten bleiben, wie gewohnt von Opel, erfreulich moderat; die kleinen Kundendienste liegen zwischen 90 und 135 Euro, die großen zwischen 200 und 250 Euro.

Auf die Gesamtkostenbilanz wirkt sich das günstig aus, ebenso der geringe Verschleiß an Bremsbelägen (erster Belagwechsel vorne und hinten bei deutlich über 60.000 km).

Auch mit den Reifen geht der Astra milde um. Der erste Satz Michelin Pilot HX MXM zeigt gute Komforteigenschaften und eine überdurchschnittliche Laufleistung. Nach 40.000 Kilometern sind vier Millimeter Restprofil vorhanden. Auch der Dunlop SP Winter M2 enttäuscht während der kalten Jahreszeit nicht, er bietet gute Traktion im Schnee.

Wie ist der Gesamtzustand? Opel hat in der jüngeren Vergangenheit nicht immer Qualitätsprodukte abgeliefert, nun scheint der Patient zu gesunden. Im auto motor und sport-Mängelindex rangiert der Astra nicht nur weit vor dem Vorgängermodell, sondern auch vor seinem schärfsten Konkurrenten, dem VW Golf, der im letzten Dauertest wegen vieler Mängel nicht überzeugen konnte.

Zusammen mit der mechanischen Zuverlässigkeit sowie der Abwesenheit von Total-Ausfällen ergibt sich beim Astra ein positives Gesamtbild, auch wenn die Kosten abzüglich Benzin, Öl und Reifen mit 3,2 Pfennig pro Kilometer nicht rekordverdächtig sind. Beim Schätzpreis von knapp unter 10.000 Euro ist zu berücksichtigen, dass der Dauerläufer, ganz wie im wahren Autoleben, Extras für rund 5.000 Euro an Bord hat, die erfahrungsgemäß beim Wiederverkauf ohne große monetäre Bedeutung sind. Die Basisversion hätte vermutlich nicht viel weniger gebracht.

„Der Astra hat eigentlich gar keinen Eindruck hinterlassen“, meint denn ganz zutreffend einer seiner Nutzer, Bernhard Appelhoff von der auto motor und sport-Datenbank. „Er ist unauffällig, brav, hat keinen Ärger gemacht und bis auf seine umfangreiche Ausstattung mit den noblen Ledersitzen für keine Überraschung gesorgt. Es gibt kein Flair, alles ist einfach opelhaft.“

Er hat schlicht funktioniert. Das kann man nicht von jedem Auto sagen.

In zwei Jahren habe ich etwa 45 000 Kilometer in einem Mix aus Urlaubsfahrten und Kurzstrecken mit meinem Astra Caravan 1.6 16 V Edition 100 zurückgelegt. Meine Bilanz könnte nicht besser sein: Kein außerplanmäßiger Werkstattaufenthalt, absolute Zuverlässigkeit, sehr agiles Handling, hervorragende Fahrleistungen bei einem Durchschnittsverbrauch unter 7,5 Liter/100 km, auch nach 45 000 Kilometern kein Klappern oder Knistern,
kein feststellbarer Verschleiß des Fahrwerks, der Sitze oder des Antriebsstranges.
Ingo Klein, 65529 Waldems
 
Die Verarbeitung ist sichtbar besser geworden und verdient das Prädikat gut. Der Motor ist auch um einiges leiser als sein Vorgänger, den ich ebenfalls besaß. Mit der Ausstattung bin ich auch zufrieden. Alles in allem bin ich mit meinem Astra sehr zufrieden, wie bisher noch mit keinem anderen Wagen.
Volker Berndt, 34376Immenhausen

Nach sehr guten Erfahrungen über 170 000 Kilometer mit einem Opel Vectra von 1991 fahre ich seit August 1998 den Astra Caravan, bisher 44 000 Kilometer und bin insgesamt sehr zufrieden. Positiv sind neben den sehr guten Fahreigenschaften der für einen Kombi mit recht hohem Gewicht geringe Verbrauch (sieben Liter auf 100 km trotz vieler Kurzstrecken), das sehr gute Abblendlicht und der gute Komfort. Auch ist der Wagen bis jetzt absolut zuverlässig.
Dr. Martin Langer, 72119 Ammerbuch
 
Die von Opel versprochene hohe Qualität bei Verarbeitung und Karosserie konnte ich bei meinem Fahrzeug nicht feststellen. Unterschiedliche Spaltmaße der Karosserie sowie schlechte Verarbeitungsqualität
kennzeichnen meinen Opel. So wurden schon zwei Mal die Bremsbeläge verbessert, da sie bei Feuchtigkeit quietschten.
Frank Redick, 46537 Dinslaken
 
Nach nunmehr 24 000 Kilometern Fahrleistung in elf Monaten habe ich den Eindruck gewonnen, dass der Käufer eines Neuwagens als Beta-HardwareTester eingesetzt wird. Trotz aller Mängel würde ich mir diesen Wagen wieder kaufen, da es sich bei den Mängeln nur um nervige, aber nicht die Alltagstauglichkeit einschränkende Macken handelt.
Ulf Schulte, 58849 Herscheid

Nach BMW, Audi und Mazda bin ich trotz Bedenken wegen wiederholt schlechter Berichte über Opel-Fahrzeuge erstmals zu Opel gewechselt. Das Fahrzeug mit Automatik fahre ich seit September 1999. Es sind bis jetzt keinerlei Mängel oder Schäden aufgetreten.
Harald Schmid-Heizer, 81245 München
 
Nach höchst zufriedenen 60 000 Kilometern mit einem Astra Caravan 1.6 16 V Comfort und zuletzt Elegance kann ich nur Positives berichten. Fahrkomfort, Verbrauch und Raumausnutzung dürften in dieser Klasse wohl einmalig sein.
Peter Schütz, 90482 Nürnberg

 

18.329 km
Nachdem das Antiblockiersystem ausgefallen war, musste der ABS-Sensor rechts erneuert werden. Zusammen mit der Radnabe und dem Radlager bildet er ein Paket, das komplett ersetzt wurde

61.527 km
Durch einen Defekt an einem Gewinde stellte sich ein Schaden an der vorderen Radaufhängung ein. Der Achsschenkel vorne links musste erneuert werden, gleichzeitig wurden die Bremsbeläge vorne und hinten ersetzt

74.544 km
Die teuerste Reparatur war die vorsorgliche Erneuerung der Lenksäule samt Gelenk, die über 1200 Mark kostete. Der Schaden hatte sich durch Geräusche beim Einschlagen angekündigt, der Kulanzanteil blieb gering

Vor- und Nachteile

  • leichte Bedienung
  • sehr gutes Raumangebot
  • gute Übersichtlichkeit
  • hohe Zuladung
  • wirksame Klimaanlage
  • solide Karosserie
  • guter Federungskomfort
  • günstige Inspektionen
  • hohe Zuverlässigkeit
  • geringer Bremsenverschleiß
  • ungenaue Tankanzeige
  • Fahrwerk bei voller Zuladung schwammig
  • wenig Ablagefächer
  • Wärmeverteilung der Sitzheizung ungleichmäßig
  • leichte Anfahrschwäche
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Technische Daten
Opel Astra Caravan 1.6 16V Comfort
Grundpreis 18.100 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe 4288 x 1709 x 1510 mm
KofferraumvolumenVDA 480 bis 1500 l
Hubraum / Motor 1598 cm³ / 4-Zylinder
Leistung 74 kW / 100 PS bei 6000 U/min
Höchstgeschwindigkeit 183 km/h
Verbrauch 7,7 l/100 km
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