Opel Astra 1.9 CDTi vs Vectra 1.9 CDTi

Die bessere Hälfte

Foto: Hans-Dieter Seufert 22 Bilder

Gleiche Marke, gleicher Diesel, aber verschiedene Charaktere: Opel macht die Entscheidung zwischen Astra und Vectra Caravan nicht leicht. Gibt es den besseren Kauf? Das entscheidet der Doppeltest zwischen Astra und Vectra mit dem 1.9 CDTi.

Eigensinn macht Spaß, das wissen wir seit Hermann Hesse. Und es braucht keine gepflegten Literaturkenntnisse, um die Lust am Andersmachen zu wecken.

Für Familienväter reicht schon ein Blick in die Carports der Nachbarn: Vans, Vans, immer mehr Vans. In manchen Vorstadt-Wohnlagen geht heute schon als schrullig durch, wer sich einfach nur einen klassischen Kombi vor die Tür stellt. Na gut, Coolness schmeckt zwar anders, aber irgendwo muss das Familiengepäck ja verstaut werden. Nicht jeder nutzt jedoch tatsächlich drei Sitzreihen. Speziell Sitzriesen brauchen nicht auch noch eine extrahohe Arbeitshaltung hinterm Lenkrad. Und in puncto Fahrvergnügen bietet ein ordentlich motorisierter Kombi fast immer mehr als ein Minivan.

Bei Opel gibt es zwar einen erfolgreichen Zafira, aber immer noch zwei Alternativen der traditionsreichen Caravan- Gattung. Der Astra lebt momentan gut vom Fehlen eines neuen Golf Variant, der Vectra dagegen ist das Flaggschiff, weil er zugleich den Omega Caravan ersetzen muss. Und gerade der hat die Käufer großer Kombis als eine Art fahrbarer Tanzsaal verwöhnt. Die Kombi-Version des Vectra darf Stammkunden deshalb speziell beim Blick hinter die fünfte Tür nicht enttäuschen: Sein maximales Ladevolumen von 1850 Litern übertrifft sogar das des neuen Passat Variant. Mit seinem Gardemaß von 4,84 Metern Außenlänge stellt er den alten Omega B in den Schatten und lässt den Astra fast beängstigend kompakt aussehen: Dabei wächst auch der mit 4,51 Metern schon fast über seine Klasse hinaus. Sein Basis-Kofferraumvolumen von 540 Litern liegt sogar über dem des größeren Kollegen (530 Liter), und maximale 1590 Liter Stauraum sollten auch Benutzer mit Antiquitäten-Tick oder Zuneigung für klassische Jukeboxen noch zufriedenstellen. Für extralanges Ladegut führen die Mehrpreis- Listen eine umlegbare Beifahrer- Sitzlehne; einen doppelten Ladeboden gibt es hingegen für keinen der beiden.

Der Astra aber punktet bei umgeklappter Rückbank-Lehne mit einer topfebenen Fläche, womit der Vectra nicht dienen kann: Eine sanfte Schräge bleibt, weil sich die Sitzflächen nicht wegklappen lassen. Dafür müssen seine Benutzer nicht jedes Mal die Kopfstützen aus der Halterung pflücken, wenn sie den Laderaum erweitern.

Der Astra entschädigt sie gegen 180 Euro Aufpreis mit einer drei- statt zweifach teilbaren Rückbanklehne. Aber seine Großzügigkeit endet, wenn vier Erwachsene zur längeren Tour aufbrechen. Vorne fühlen sie sich noch komfortabel platziert, wenngleich der Fahrer unüblich hoch sitzt, hinten dagegen wird es für die Knie schnell knapp, und die Füße suchen Zuflucht unter den Vordersitzen. Vectra-Benutzer freuen sich an der großzügigeren Innenbreite, vor allem aber über Fond- Freiheit wie in der Oberklasse: Es fehlt nicht viel, um auch noch die Beine übereinander schlagen zu können. Das kostet allerdings mehr Aufpreis, als die gewohnte Nähe der beiden Modelle vermuten lässt: Ein Opel Astra mit dem 150 PS starken 1.9 CDTi-Motor und gehobenem Cosmo- Ausstattungslevel steht mit 25 225 Euro in der Preisliste, der gleich motorisierte Vectra ist als einfachere Editon- Version 3500 Euro teurer.

Dafür hat er dem Astra zwar die automatische Regelung der Klimaanlage und Nebelscheinwerfer (zusammen 370 Euro) voraus, nicht aber die 16-Zoll-Aluräder und den Tempomat, zwei populäre Gimmicks, die es im Astra serienmäßig gibt. Damit wird ein Vectra unterm Strich nochmal rund 1100 Euro teurer. Ärgerlich: In beiden Fällen kosten sogar Selbstverständlichkeiten wie ein Reserverad extra. Die gute Nachricht: Vectra-Fahren schlägt nur beim Anschaffungspreis so deftig ins Budget ein.

Dafür lässt sich der größere Opel etwas billiger versichern und verbraucht, wie der Testschnitt von 7,7 Litern zeigt, nur wenig mehr Kraftstoff als der Astra (7,1 Liter): Die Mehrausgaben an der Tankstelle summieren sich über 100 000 Kilometer auf rund 650 Euro. Sieht so also die Rechnung aus: Für Pfennigfuchser mit kleinen Kindern der Astra, für Familien mit langbeinigem Nachwuchs der Vectra?

Nicht ganz: Mehr als Raumgefühl und Grundpreis trennt beide Nutz-Modelle das ganz alltägliche Fahrgefühl. Der Astra ist ein Kompakt-Kombi der gelenkigen Sorte, mit feinfühliger, zackig reagierender Lenkung, einer präzisen Schaltung und trocken abgestimmter Federung, die kurze Stöße gerne unbearbeitet an die Insassen weiterreicht. Im Sportprogramm des optionalen IDS-Plus-Fahrwerks versteigt er sich sogar zur steifbeinigen Härte eines Roadsters, was sich kurzfristig ganz unterhaltsam anfühlt, auf längeren Strecken aber nervt.

Er wirft sich neutral und mit geringer Seitenneigung in schnelle Kurven, wirkt dabei leichtfüßig und allzeit druckvoll. Der Nachwuchs im Fond erreicht den Grenzbereich jedenfalls schneller. Vectra-Fahrer entdecken dagegen das Gefühl des schweren Wagens, was ja auch der Wirklichkeit entspricht: Er wiegt 153 Kilogramm mehr, lenkt weniger spontan ein und hinterlässt den Eindruck eines angemessen, aber nicht mehr üppig motorisierten Automobils. Dazu passt das deutlich komfortablere Naturell seiner Federung: In Kurven neigt der Vectra zu stärkeren Wankbewegungen, und lange Wellen lassen ihn nachschwingen. Im Gegensatz zum Astra sind ihm bei extremen Ausweichmanövern auch Lastwechsel- Reaktionen nicht fremd. Und die teigige Schaltung lässt Erinnerungen an den alten Omega wach werden.

Der bessere Kauf ist er nicht – zumindest nach Punkten. Aber die letzte Entscheidung trifft das Temperament seines Benutzers: Er nimmt den Vectra, wenn ihm nach dem sanfteren Caravan zumute ist.

Fazit

1. Opel Astra 1.9 CDTI
492 Punkte

Für scharfe Rechner ist der kleinere Kombi die bessere Wahl, auch Freunde der engagierten Gangart werden mit dem Astra glücklicher. Speziell im Fond fällt er für einen Familienkombi etwas zu knapp aus.

2. Vectra 1.9 CDTI
476 Punkte

Für den Vectra sprechen der noch größere Kofferraum, das generöse Platzangebot auch auf der Rückbank sowie der bessere Fahrkomfort. Ein Dynamiker ist er aber nicht, und die Schaltung ist störend unexakt.

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Technische Daten
Opel Astra Caravan 1.9 CDTI Cosmo Opel Vectra Caravan 1.9 CDTI Edition
Grundpreis 26.915 € 29.670 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe 4515 x 1753 x 1500 mm 4839 x 1798 x 1500 mm
KofferraumvolumenVDA 540 bis 1590 l 530 bis 1850 l
Hubraum / Motor 1910 cm³ / 4-Zylinder 1910 cm³ / 4-Zylinder
Leistung 110 kW / 150 PS bei 4000 U/min 110 kW / 150 PS bei 4000 U/min
Höchstgeschwindigkeit 207 km/h 210 km/h
0-100 km/h 9,1 s 10,3 s
Verbrauch 5,9 l/100 km 5,9 l/100 km
Testverbrauch 7,1 l/100 km 7,7 l/100 km
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