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Opel Astra 1.4 CNG und VW Golf 1.4 TGI im Test

Kompaktwagen mit kostengünstigem Erdgasantrieb

Opel Astra 1.4 CNG, VW Golf 1.4 TGI, Exterieur Foto: Achim Hartmann 28 Bilder

Es gibt sie noch – Pkw, die wenig verbrauchen, kaum Feinstaub erzeugen und zudem günstig zu unterhalten sind: Erdgas-Autos. Zu den Besten zählen Opel Astra und VW Golf. Welchen nehmen?

10.06.2018 Michael von Maydell

Vermutlich haben Sie eben mit Bauchkribbeln die Bilder, den Text und die krassen Daten von M5 und AMG E 63 studiert. Und jetzt, als Kontrastprogramm, zwei 110 PS starke Erdgas-Mobile? Klar doch, denn auch die wohlbekannten Kompaktwagen von Opel und VW sind auf ihre Art besonders reizvoll. Sie sind günstig, nicht in der Anschaffung, aber auf der Straße. Derzeit sogar günstiger als ein Diesel. Gerade mal 4,7 Kilogramm Erdgas verbrannte der Golf 1.4 TGI im Test auf 100 Kilometer. In der Eco-Runde waren es sogar nur 3,6 kg! Der ebenso starke Astra liegt mit 5,2 und 4,0 kg/100 km spürbar darüber.

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Opel Astra 1.4 CNG, VW Golf 1.4 TGI, Exterieur
Opel Astra 1.4 CNG und VW Golf 1.4 TGI im Test Können sich die Erdgasautos durchsetzen?
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Aktuell kommt ein Kilo CNG auf 1,12 Euro, macht also rund fünf Euro für 100 Kilometer. Nicht schlecht, oder? Zudem sind sie in der komplexen Fahrverbotsdiskussion fein raus. Schließlich emittieren CNG-Benziner im Vergleich zum Euro-6- Diesel nur halb so viel Feinstaub, 96 Prozent weniger Stickoxide und gut 20 Prozent weniger CO2.

Auch mit CNG flott auf Tour

Zugleich sind die Testwagen keinesfalls antrittsschwache Langweiler. Im Gegenteil. Insbesondere der 1327 Kilogramm schwere Golf, der für diesen Test nur mit Siebengang-DSG zu haben war (Aufpreis 2.025 Euro), ist ein erfreulich munterer Geselle. Sein 200 Nm stemmender Turbobenziner zieht kräftig an, dreht unbeschwert hoch und klingt sogar ganz ordentlich. 100 km/h sind aus dem Stand in 10,5 Sekunden erreicht. Auch das Doppelkupplungsgetriebe, das die Gänge sanft, aber schnell wechselt, harmoniert bestens mit dem auf CNG ausgelegten Motor.

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Der aufgeladene Benziner (ebenfalls 200 Nm) im Opel ist nicht ganz so lebendig, tritt zahmer an und tönt bei höheren Drehzahlen etwas angestrengt. Zudem kann er im Stand leichte Vibrationen nicht verbergen. Das fällt übrigens nur auf, weil der Vierzylinder im Gegensatz zum TGI des Golf ohne Start-Stopp-Automatik auskommen muss. Top hingegen ist die präzise und leichtgängig schaltbare Sechsgangbox.

Spannend bei CNG-Autos ist ja immer die Frage, wie viel Erdgas sie an Bord nehmen können. Hier verfolgen beide unterschiedliche Ansätze. Opel setzt auf zwei insgesamt 19 kg Erdgas fassende und aus Kohlefaser-Verbundstoffen gefertigte Tanks plus einen 13 Liter großen Benzin-„Reservekanister“. Zusätzlich kann der Fahrer per Tastendruck zwischen den Kraftstoffen wechseln.Eine Tankanzeige berichtet über den jeweiligen Füllzustand, ein Bordcomputer über die Reichweiten. Wobei den Etappen im Benzinbetrieb Grenzen gesetzt sind: Der 1.4 DI Turbo verbrauchte in bisherigen Tests um die sieben Liter pro 100 Kilometer.

Beim Golf bleibt der Benzintank (50 Liter) hingegen unverändert, dafür bunkert er unter dem Ladeboden lediglich 15 kg Erdgas. Ein Switchen zwischen den Kraftstoffen ist nicht möglich. Zwei Tankuhren und der übliche Bordcomputer, der auch die jeweiligen Einzelreichweiten preisgibt, helfen bei der Reiseplanung.

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Beide Ansätze haben ihre Vor- und Nachteile. Die Benzinreichweite des Astra fällt wie erwähnt kurz aus, dafür schluckt der Kofferraum unverändert 370 Liter. Der Golf kann bedeutend weniger einladen (nur 291 Liter) und kommt im Erdgasbetrieb nicht so weit, dank seines großen Benzintanks aber insgesamt doch sehr weit, was die Sorge um die nächste CNG-Tankstelle mindert.

Doch wer mit den Gasautos möglichst viel sparen will, sollte nur selten mit Benzin fahren. Sechs bis sieben Liter Benzin zieht sich der TSI sicher pro 100 Kilometer. Da lohnt sich eher der Kauf eines Golf 1.0 TSI (110 PS), der als Viertürer 3.700 Euro günstiger ist. Dieser Ratschlag gilt übrigens für den Astra genauso. Die CNG-Variante ist 3.620 Euro teurer als ein Benziner mit 125 PS.

Das sind übrigens sehr unfreundliche Aufpreise. Mag ja sein, dass die Tanks und die CNG-optimierten Benziner teuer sind, aber wer sein Image begrünen möchte, muss doch attraktivere Preise anbieten.

Dem Opel fehlt der Komfort

Nun aber zurück zum Eigentlichen: dem Fahren. Der straff abgestimmte Opel ist eher sportlicher Natur. Seine Lenkung setzt Befehle zackig um und liefert reichlich Rückmeldung. So lässt sich der Astra präzise durch Kurven dirigieren und bleibt zudem lange neutral auf Linie. Nur wer es übertreibt, spürt, wie das Heck mehr und mehr nach außen drückt. Ein gravierender Nachteil der Abstimmung ist allerdings sein durchschnittlicher Fahrkomfort. Insbesondere im innerstädtischen Betrieb rumpelt er sehr deutlich über Asphaltnarben und neigt zum Poltern. Das kennen wir von konventionell angetriebenen Astra so nicht.

Der Golf, der zu diesem Vergleich ohne Adaptivdämpfer antritt, gibt sich da in vielerlei Hinsicht gemäßigter. Er verarbeitet kleine Unebenheiten geschmeidiger, zugleich lenkt er sachter, aber dennoch sehr willig ein und wankt in Wechselkurven weniger. Auch bremst er vehementer. All dies führt zu einem sicheren, aber dennoch agilen sowie schnellen Fahrverhalten, das Spaß machen kann. Ein typisches Golf-Phänomen, das ihm auch in diesem Vergleichstest konsequent Punkte beschert. Ob nun zwei Erdgastanks an Bord sind oder nicht, spielt keine Rolle.

An Extras fehlt es kaum

In puncto Ausstattung sorgt die Erdgas-Auslegung hingegen für kleine Nachteile. So ist der 1.4 TGI beispielsweise nicht als Highline bestellbar, zudem entfallen Extras wie die digitalen Instrumente, das Premium-Soundsystem oder der Notruf-Service. Ähnlich sieht es beim Opel aus, der nur als Edition oder Innovation bestellbar und nicht mit einem adaptiven Tempomat zu haben ist.

Keine Einschränkungen erfordert die CNG-Variante hinsichtlich Variabilität und Fernreisetauglichkeit. Die Lehne der straffen Rückbank des solide gefertigten und als Innovation (27.025 Euro) üppig ausgestatteten Opel lässt sich wie gewohnt in drei Teilen umlegen. Der als Comfortline (28.600 Euro) nicht ganz so feine und etwas dünn ausstaffierte Golf kommt nur mit einer Durchlade plus Armauflage, dafür sitzt es sich im Fond kommoder.

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Dagegen sind für beide Kompakt-Limousinen bequeme Komfortsitze zu haben, ebenso exzellent ausleuchtende LED-Scheinwerfer sowie die großen und leicht bedienbaren Navigationssysteme, die zwecks der Suche nach nächstgelegenen CNG-Tankstellen immer an Bord sein sollten.

Ansonsten haben wir über die Vor- und Nachteile von Astra und Golf schon viel berichtet – und meist gewinnt am Ende der Golf. So auch diesmal – viel mehr als seinen kleinen Kofferraum kann man dem ausgewogenen und sehr sparsamen Wolfsburger nicht anlasten.

Vergleichen Sie mal die Slalom-Messwerte zwischen Golf und E-Klasse. Der schlanke VW durcheilt die Pylonen kaum langsamer als das mächtige Dickschiff aus Affalterbach.

Fazit

1. VW Golf 1.4 TGI
439 Punkte

In Sachen Komfort, Sicherheit und Infotainment sowieso schon stark, ist der Golf als 1.4 TGI zudem noch enorm sparsam und doch kultiviert unterwegs. Nahteil? Sein erhöter Preis.

2. Opel Astra 1.4 CNG
406 Punkte

Der Astra punktet mit seiner feinen Lenkung, großen CNG-Tanks und viel Laderaum. Dafür hapert es am Komfort, der Motor läuft etwas rauer und verlangt nach mehr Erdgas.

Technische Daten
Opel Astra 1.4 CNG InnovationVW Golf 1.4 TGI BlueMotion Comfortline
Grundpreis27.025 €28.600 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe4370 x 1809 x 1485 mm4268 x 1790 x 1482 mm
KofferraumvolumenVDA241 bis 1081 l291 bis 1181 l
Hubraum / Motor1399 cm³ / 4-Zylinder1395 cm³ / 4-Zylinder
Leistung81 kW / 110 PS bei 5600 U/min81 kW / 110 PS bei 4800 U/min
Höchstgeschwindigkeit200 km/h195 km/h
0-100 km/h11,1 s10,5 s
Verbrauch4,1 kg/100 km3,5 kg/100 km
Testverbrauch5,2 kg/100 km4,7 kg/100 km
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als Feuerwehrauto

Tin 12. Juni 2018, 11:07 Uhr
Dieser Artikel stammt aus diesem Heft
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