Opel Astra Sports Tourer 1.6 CDTI Ecoflex, Renault Mégane Grandtour dCi 130, Skoda Octavia Combi 2.0 TDI Achim Hartmann
Renault Mégane Grandtour dCi 130, Frontansicht
Renault Mégane Grandtour dCi 130, Seitenansicht
Renault Mégane Grandtour dCi 130, Heckansicht
Renault Mégane Grandtour dCi 130, Seitenansicht 68 Bilder

Astra Sports Tourer, Megane Grandtour, Octavia Combi

Budget-Kombis im Vergleich

Nach der Limousine rollt nun die Kombi-Version des Renault Mégane zu uns. Sie packt bis zu 1.504 Liter ein, lockt mit attraktivem Design. Aber ist der Grandtour besser als Skoda Octavia Combi oder Opel Astra Sports Tourer?

Kennen Sie das? Man hat eben am Autohof getankt und flitzt in aller Eile wieder auf die Autobahn, hinein in den Stau? Obwohl nur ein Blick auf die in der Navi-Karte rot markierte Autobahn vorm Herumstehen bewahrt hätte? Beständig eingemalt vom Mégane, dank Verkehrsdaten in Echtzeit? Ja – ärgerlich. Dass die beiden Testkollegen in Octavia und Astra ebenso feststecken, tröstet da nicht viel weiter. Aber: Staus haben auch so ihre Vorteile. Beispielsweise wenn es darum geht, das touchscreenbasierte Infotainment-System namens R-Link 2 in aller Ruhe zu analysieren.

Renault Mégane Grandtour dCi 130, Frontscheinwerfer
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Sehr schick: Optionale LED-Scheinwerfer am Mégane.

Dann entdeckt man etwa, in welchem Untermenü sich das hilfreiche Head-up-Display ausrichten lässt, wie einfach sich die vielen Fahrerassistenzsysteme aktivieren oder verschiedene Benutzeroberflächen anlegen lassen. Ganz wie beim Tablet könnte man jede Funktion per Fingertippen direkt ansprechen: DAB, Massage, Klima.

Wow, denkt man, da hat ein Programmierer aber mal kräftig gegrübelt. Und fein, dass das System bei allen Mégane Grandtour dCi 130 immer serienmäßig an Bord ist. Aber ob sich Renault des Risikos bewusst war, dass sich konservative Herrschaften angesichts der Vielfalt von R-Link abwenden könnten? Nervig ist übrigens, dass das Navi-System die ausgezoomte Karte immer auf wenige Meter wieder heranholt.

Na ja. Jetzt nicht ärgern. Der Testwagen, ein Bose-Edition-Modell für 28.390 Euro, bietet schließlich Features, die überall gut ankommen. Beispielsweise die bequemen, gut ausgeformten Sitze inklusive heller Ziernähte, eine schmuckvolle Lichtleiste in der Mittelkonsole, die Bose-Soundanlage samt DAB und CD-Player sowie Chromschmuck hier und da. Von der Außenoptik ganz zu schweigen. Ja, Renault gibt sich viel Mühe, sein Image zu liften.

Der Renault-Diesel ist leise, aber schwach

So, der Verkehr rollt wieder, und der 150 PS starke Skoda Octavia Combi 2.0 TDI zieht schon davon. Die Chancen, ihn wieder einzuholen, sind indes gering. Länger übersetzt und schwerer als seine Konkurrenten, kommt der derzeit kräftigste Diesel-Mégane nur langsam in Schwung und zeigt auch bei höheren Drehzahlen nur wenig Schubkraft. Dazu passen auch die Messwerte. Für einen Spurt von 0 auf 130 km/h benötigt der 130 PS starke Renault Mégane Grandtour dCi 130 3,8 Sekunden länger als der Octavia. Ähnlich durchschnittlich fallen auch die Durchzugswerte aus. Übrigens bei identischen Drehmomentwerten für alle drei Kombis: 320 Nm. Immerhin: Kultivierter und leiser als der 1,6 Liter kleine Renault-Diesel arbeitet in diesem Vergleich keiner.

Da passt es gut, dass auch von Wind und Asphalt nur wenig zu hören ist und das komfortable Fahrwerk Straßenschäden sanft abfängt. Doch leider führt die softe Abstimmung auf kurzen Wellen oder gröberen Straßen zu Hubbewegungen, die nicht jeder verträgt. Eine rückmeldungsarme und indirekte Lenkung sorgt schließlich dafür, dass im Mégane Grandtour dCi 130 nur selten sportliche Gelüste aufkommen.

Opel Astra Sports Tourer 1.6 CDTI Ecoflex, Renault Mégane Grandtour dCi 130, Skoda Octavia Combi 2.0 TDI
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Ein selbstbewusstes Auftreten gegenüber seinen optisch eher schüchtern wirkenden Konkurrenten.

Wichtiger als Querdynamik dürfte für den klassischen Kombi-Käufer aber sowieso das Raumangebot sein. Und hier macht der 4,63 Meter lange Franzose einen guten Job. Trotz seiner forschen Dachlinie fehlt es den Insassen nicht an Platz, an große Fächer haben die Entwickler ebenfalls gedacht (bravo!), und das Stauvolumen ist mit 521 bis 1.504 Litern standesgemäß. Dazu wartet der Renault mit einer im verstellbaren Ladeboden eingesetzten Klappe zum Teilen des Gepäckraums, Unterbodenfächern (50 Liter) und einer umklappbaren Beifahrerlehne auf. 2,7 Meter lange Gegenstände könnten dann mit auf die Reise. Zugleich erleichtert eine niedrige Kofferraumkante (590 Millimeter) das Beladen. Einzig eine Durchlade fehlt dem Grandtour.

Der Opel wirkt unruhig, aber kräftig

Damit kann hingegen der rundherum geräumigere und acht Zentimeter längere Opel Astra Sports Tourer 1.6 CDTI Ecoflex dienen (340 Euro). Zudem bietet Opel für schlanke 124 Euro ein Schienen- und Hakensystem an. Ein Unterbodenfach besitzt der Astra indes nicht. Immerhin lässt sich das Rollo quer über dem Tirefit verstauen. Der Anblick von Blech, Kabeln und lockeren Steckern dürfte aber jedem Besitzer klarmachen, dass sein Opel (als Innovation 28.060 Euro teuer) längst nicht überall so schön ausschaut wie am mit Klavierlack bezogenen Armaturenbrett. Sowohl Renault als auch Skoda gestalten ihre Ablagen deutlich hochwertiger. Da wundert es auch nicht, dass besonders von der Hinterachse deutliche Abrollgeräusche zu vernehmen sind.

Womit wir schon beim Fahrwerk sind. Im Vergleich zu dem des Mégane ist es teils unnachgiebig straff, gibt sich auf Autobahnen stößig und mäßigt sich erst, wenn zugeladen wird. Beachtliche 560 Kilo sind erlaubt. Der leichte Opel Astra Sports Tourer 1.6 CDTI Ecoflex profitiert von einer direkten und spontan ansprechenden Lenkung, die zu flotten und entsprechend launigen Fahrmanövern verleiten kann.

An Schub soll es jedenfalls nicht liegen. Nur sechs PS stärker als der Franzose, zieht der Astra Sports Tourer leichtfüßig davon, ohne zu schwächeln. Die Schaltung könnte indes etwas geschmeidiger agieren. Dafür gebührt dem 1.6 CDTI die Krone beim Verbrauch: 6,1 l/100 km. Mégane und Octavia konsumieren minimal mehr.

Renault Mégane Grandtour dCi 130, Infotainment
Achim Hartmann
Mit gerade mal 300 Euro Aufpreis erscheint das Multimedia-System R-LINK 2 mit 8,7-Zoll Touchscreen ziemlich erschwinglich gegenüber dem 2.030 Euro teuren Infotainment Columbus samt Navi im Octavia.

Ebenfalls Lob verdient die umfangreiche und zugleich serienmäßige Sicherheitsausstattung des Astra Innovation. Opels Notfall- und Telematiksystem OnStar ist beispielsweise ebenso an Bord wie eine Verkehrsschilderkennung sowie ein Spurhalte- und aktiver Bremsassistent. Wählt man dazu noch die adaptiven LED-Matrix-Scheinwerfer (1.450 Euro) sowie die erstklassigen Ergonomiesitze vorn (685 Euro), reift der Sports Tourer zu einem agilen und sehr sicheren Begleiter, der sich dank entschlacktem Cockpit auch noch problemlos bedienen lässt.

Der Skoda punktet in allen Bereichen

Nun zum Skoda Octavia, der seine beiden Konkurrenten, der kundige Leser ahnt es schon, wieder einmal blass aussehen lässt. Nahezu in jedem Kapitel liegt der als Style gelieferte und damit 28.550 Euro teure Kombi vorn. Möglich machen dies ein in allen Drehzahllagen kraftvoll anschiebender Zweiliter-TDI in Kombination mit einem präzise schaltbaren Getriebe sowie das üppige Raumangebot für Insassen und Gepäck. 610 bis 17.40 Liter sind in dieser Klasse nicht zu überbieten – übrigens trotz einer im Vergleich zum Astra 4,3 Zentimeter kürzeren Karosserie. Schade nur, dass die mögliche Zuladung lediglich 514 Kilogramm beträgt.

Zugleich sind es die kleinen, für manch einen vielleicht spießigen Dinge, die den wie gewohnt solide gefertigten Skoda Octavia Comb auszeichnen. Angefangen bei Seitenairbags hinten und ausreichend großen Ablagen über unverspielte Instrumente sowie eine verständliche Bedienlogik bis hin zu verschiedenen Nettigkeiten wie regelbaren Luftausströmern im Fond, Abfalltaschen, einer praktischen Multifunktionsablage (für Jacken und Co.) sowie einem clever konstruierten Unterbodenfach. Selbst die Querelemente vom Dachgepäckträger lassen sich hier notfalls verstauen.

Das, was man dem Skoda Octavia Combi 2.0 TDI Style wirklich anlasten kann, sind zwei Ärgernisse. Zum einen das straffe, teils fast poltrige Fahrwerk, das im Zusammenspiel mit der unauffälligen, aber präzisen Lenkung für unnötige Disharmonie sorgt. Zum anderen die vergleichsweise karge Ausstattung.

Die kostet ihn am meisten Punkte. Doch am Ende hat er sich den ersten Platz verdient. Wieder einmal. Auch das dürften Sie schon kennen.

Fazit

1. Skoda Octavia Combi 2.0 TDI 452 Punkte

Viel Kraft, viel Platz und viele clevere Details formen den Skoda zum idealen Kombi. Der Octavia ist und bleibt ein Vorbild für alle. Ein Sonderangebot ist er allerdings längst nicht mehr.

2. Opel Astra Sports Tourer 1.6 CDTI Ecoflex 445 Punkte

Dynamisch, sicher, gut ausgestattet und zugleich geräumig, macht der Astra vieles richtig gut. Etwas mehr Fahrkomfort und feinere Materialien könnten aber nicht schaden.

3. Renault Mégane Grandtour dCi 130 424 Punkte

Gegen Octavia und Astra zu verlieren, ist keine Schande. Der neue Grandtour ist ein gelungener Kombi der komfortablen Art, mit genügend Platz und netten, praktischen Extras.

Technische Daten

Opel Astra Sports Tourer 1.6 CDTI ecoflex Innovation Renault Mégane Grandtour dCi 130 Bose Edition Skoda Octavia Combi 2.0 TDI Style
Grundpreis 28.130 € 29.090 € 28.550 €
Außenmaße 4702 x 1809 x 1510 mm 4626 x 1814 x 1448 mm 4659 x 1814 x 1450 mm
Kofferraumvolumen 540 bis 1630 l 521 bis 1504 l 610 bis 1740 l
Hubraum / Motor 1598 cm³ / 4-Zylinder 1598 cm³ / 4-Zylinder 1968 cm³ / 4-Zylinder
Leistung 100 kW / 136 PS bei 3500 U/min 96 kW / 130 PS bei 4000 U/min 110 kW / 150 PS bei 3500 U/min
Höchstgeschwindigkeit 205 km/h 199 km/h 216 km/h
0-100 km/h 9,4 s 10,2 s 8,4 s
Verbrauch 3,9 l/100 km 4,0 l/100 km 4,0 l/100 km
Testverbrauch 6,1 l/100 km 6,2 l/100 km 6,2 l/100 km
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