Audi A3 Hans-Dieter Seufert
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Opel Astra, VW Golf und Audi A3 im Vergleichstest

Wettstreit der 99-Gramm-CO2-Kandidaten

Wer ist der Sparsamste im ganzen Land? Um die Krone in der Kompaktklasse streiten sich Opel Astra CDTi sowie die 99-Gramm-CO2-Kandidaten Audi A3 1.6 TDI und VW Golf TDI Blue Motion.

Sparsame Modelle stehen bei den Chefs des Volkswagen-Konzerns traditionell hoch im Kurs. Zwar waren die aufwendigen Drei-Liter-Autos VW Lupo und Audi A2 nicht annähernd so erfolgreich wie der damalige VW-Boss Ferdinand Piëch bei der Durchsetzung seiner Interessen in den jeweiligen Entwicklungsabteilungen, aber der von ihm verordnete Sparzwang ist den Technikern in Fleisch und Blut übergegangen. Heute heißt die VW-Zauberformel Blue Motion – dahinter verbergen sich auf hohe Effizienz getrimmte, besonders genügsame Modelle einzelner Baureihen. 

VW Golf: 3,8 Liter/100 km und 99 Gramm CO2-Ausstoß

Das Drei-Liter-Auto lässt grüßen. In der Kompaktwagenklasse schickt Volkswagen den VW Golf Blue Motion ins Rennen um die Gunst der Sparfüchse. Aerodynamische und technische Kniffe wie Dachspoiler, reduzierte Luftdurchströmung des Motorraums, Tieferlegung der Karosserie, lang übersetzte Gänge, Start-Stopp-Automatik, Energierückgewinnung und rollwiderstandsoptimierte Reifen sowie der auf geringe Reibungs- und Drosselverluste getrimmte 1,6-Liter-Turbodiesel verhelfen diesem VW Golf zu einem Normverbrauch von nur 3,8 Liter/100 km und einem CO2-Ausstoß von 99 Gramm pro Kilometer. Da möchte VW-Tochter Audi nicht zurückstehen. Sie lanciert den Audi A3 1.6 TDI mit identischer Antriebseinheit und vergleichbarer Spritspar-Technik, verzichtet aber auf jeglichen einprägsamen Hinweis in der Modellbezeichnung.

Der Opel Astra vertraut auf seinen 1,7-Liter-Turbodiesel

Als Zweitürer bringt es der Audi A3 ebenfalls auf 99 Gramm CO2-Ausstoß, doch die viertürige Sportback-Variante verfehlt die prestigeträchtige 100-Gramm-Marke ganz knapp um zwei Prozent. Der Jüngste im Trio verzichtet gänzlich auf effektvolle Spartricks. Der neue Opel Astra (der Opel Astra im Top-Test) vertraut ganz auf die Qualitäten seines 1,7-Liter-Turbodiesels, der zwar 124 Gramm CO2/km emittiert, aber mit 110 PS und 260 Newtonmetern nominell geringfügige Leistungsvorteile verspricht. Sparen beim Fahren, wie es VW und Audi suggerieren, klingt sehr verlockend.

Der TDI mit Common-Rail-Direkteinspritzung ist kaum zu hören

Überzeugt aber auch die umgekehrte Variante – Fahren beim Sparen? Ja, und zwar überraschend eindrucksvoll. Das ist in erster Linie ein Verdienst des 105 PS starken TDI mit Common-Rail-Direkteinspritzung, der sich ab 2.000 Touren ansprechend ins Zeug legt, ordentlich am Gas hängt und keine Scheu vor hohen Drehzahlen zeigt. Das Beste aber: Man hört ihn kaum. Wer aus einem älteren VW mit Pumpe-Düse-Diesel umsteigt, wird seinen Ohren nicht trauen. Störende Vibrationen, rauer Lauf, aufdringlicheAkustik – keine Spur davon. Im VW Golf unterbinden aufwendige Dämmmaßnahmen das Motorgeräusch bei zügigem Autobahntempo fast völlig. Im Audi A3 tritt die Maschine nicht ganz so zurückhaltend auf, liefert aber immer noch ein gutes Beispiel für prima Laufkultur. Zudem arbeitet die abschaltbare Start-Stopp-Automatik tadellos.

Audi A3 und VW Golf bekommen keinen sechsten Gang

Dennoch sind Kompromisse einzugehen: Die ausgeprägte Anfahrschwäche erfordert beim Start einen beherzten Umgang mit dem Gaspedal, lang übersetzte Stufen des Fünfganggetriebes ergeben eine unharmonische Abstufung. Kleinste Beschleunigungsversuche im langen Fünften zwingen zum Zurückschalten. Man vermisst eine engere Spreizung der Gänge sowie eine sechste Fahrstufe. Die hätte schon deshalb eine Daseinsberechtigung, weil sie den Verbrauch in der Praxis weiter reduzieren würde. Im ECE-Fahrzyklus, der den Normverbrauch ermittelt, bewirkt sie jedoch keine weitere Verbrauchsminderung, weshalb VW und Audi die Mehrkosten von wenigen Euro einfach sparen. Schade.

Der Opel Astra outet sich als Schwergewicht

Der Opel Astra hat zwar sechs Gänge, die wesentlich kürzer übersetzt sind als bei den Konkurrenten, aber damit sind die Vorzüge seiner Antriebseinheit auch schon erschöpft. Denn der Dieselmotor enttäuscht: Er ist durchzugsschwach und zäh, reagiert träge aufs Gas und dreht unwillig. Dass sich der Astra mit 1.550 Kilogramm als Schwergewicht outet – er wiegt 223 Kilogramm mehr als der VW Golf -, macht dem Motor das Leben schwer. Aber nicht nur in den Fahrleistungen, sondern auch in der Motorlaufkultur kann der Opel Astra wegen kräftiger Vibrationen, mechanischer Rauigkeit und seiner Geräuschkulisse den Konkurrenten nicht das Wasser reichen. Selbst im Verbrauch hinkt er hinterher, was in Anbetracht der Motorcharakteristik und des hohen Wagengewichts nicht wundert.

In den Disziplinen Slalom und Elchtest erziehlt der Opel Astra Bestwerte

Mit einem Testmittel von sieben Liter/100 km konsumierte er rund einen Liter mehr als seine Kontrahenten aus dem VW-Lager. Die schneiden in dieser Disziplin ganz eng beieinander ab und sind sogar in der Lage, bei verhaltener Gangart die Fünf-Liter-Marke nach unten zu durchbrechen. In den Fahreigenschaften bewegt sich das Trio mit ausgezeichneter aktiver Fahrsicherheit, agilem Handling, stabilem Geradeauslauf und guter Traktion auf hohem Niveau. Mit Ausnahme seines Wendekreises von 11,8 Metern gibt sich auch der Opel keine Blöße, vielmehr erzielt er in den Disziplinen Slalom und Elchtest sogar Bestwerte. Im Federungskomfort hat der Astra ebenfalls die Nase vorn. Seine Federung spricht feinfühlig an und überzeugt auf Unebenheiten aller Art mit guter Ausgewogenheit, wozu der lange Radstand maßgeblich beiträgt. Auf das 930 Euro teure FlexRide-System mit elektronischer Dämpferregelung kann man ebenso getrost verzichten wie auf das Sportfahrwerk im VW Golf, das der Blue Motion jedoch serienmäßig mitbringt und das die normalerweise harmonische Federungsabstimmung des VW nachhaltig beeinträchtigt.

Der Opel Astra muss sich geschlagen geben

Obwohl der Opel Astra mit 4,42 Metern den VW Golf in der Länge um stolze 22 Zentimeter übertrifft, kann er daraus keine Vorteile ziehen. Im Gegenteil: Platzangebot und Raumgefühl enttäuschen, im Fond geht es spürbar enger zu als im Volkswagen. Zudem leistet sich der Opel einige funktionelle Schwächen wie etwa die durch breite Säulen eingeschränkte Übersichtlichkeit, die zu weit hinten angeordneten Schalthebel und Fensterheberschalter, teilweise winzige Tasten in der Mittelkonsole sowie die stufenartige Sitzlehnenverstellung per unpraktischen Hebel. Für fortschrittliche Raumökonomie oder gar innovative Ergonomie steht er nicht. So nimmt das Schicksal für den neuen Opel Astra seinen Lauf: Er muss sich in der Eigenschafts- und Gesamtwertung auch dem zweitürigen, mittlerweile sechs Jahre alten und 2.100 Euro teureren Audi A3 geschlagen geben. Und wer gewinnt? Na, wer wohl – der VW Golf.

Fazit

1. VW Golf 504 Punkte

Der Golf TDI Blue Motion gewinnt diesen Vergleich dank rundum ausgewogener Eigenschaften überlegen. Sein Motor bietet die beste Laufkultur. Nur Sportfahrwerk und schlecht gestuftes Fünfganggetriebe stören.

2. Audi A3 473 Punkte

Der A3 hat die gleiche Antriebseinheit und Technik wie der Golf. Sein Motor ist schlechter gedämmt, und in manchen Details merkt man ihm an, dass er langsam altert.

3. Opel Astra 466 Punkte

Der Astra kann die in ihn gesetzten Erwartungen nicht erfüllen. Sein Diesel ist eine Enttäuschung. Zudem zeigt der neue Astra konzeptionelle und ergonomische Schwächen. Seine Fahreigenschaften überzeugen, der Federungskomfort ist vorbildlich.

Technische Daten

VW Golf 1.6 TDI BlueMotion Opel Astra 1.7 CDTI ECOTEC Edition Audi A3 1.6 TDI 99g Attraction
Grundpreis 21.850 € 21.950 € 24.050 €
Außenmaße 4199 x 1779 x 1480 mm 4419 x 1831 x 1510 mm 4238 x 1765 x 1421 mm
Kofferraumvolumen 350 bis 1305 l 370 bis 1235 l 350 bis 1080 l
Hubraum / Motor 1598 cm³ / 4-Zylinder 1686 cm³ / 4-Zylinder 1598 cm³ / 4-Zylinder
Leistung 77 kW / 105 PS bei 4400 U/min 81 kW / 110 PS bei 3800 U/min 77 kW / 105 PS bei 4400 U/min
Höchstgeschwindigkeit 190 km/h 181 km/h 194 km/h
0-100 km/h 10,6 s 12,5 s 11,2 s
Verbrauch 3,8 l/100 km 4,5 l/100 km 3,8 l/100 km
Testverbrauch 5,9 l/100 km 7,0 l/100 km 6,0 l/100 km
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