Opel Corsa 1.3 CDTI im Test

Blitz-Gescheit

Foto: Foto: Achim Hartmann 22 Bilder

Größer, dynamischer, komfortabler. Auch für den neuen Opel Corsa gilt das gängige Vokabular. Im Test die mit 1,3-Liter-Diesel ausgerüstete Version eines Autos, das sich von gängigen Kleinwagen-Maßstäben verabschiedet.

Den Kleinwagen können Sie vergessen. Denn was, wie der neue Corsa, aus diesem Segment dem Käufer schöne Augen macht, hat alles Mickrige abgestreift, das mit diesem Begriff über Jahrzehnte verbunden wurde. Selbst klein ist der Corsa nur, wenn man ihn neben automobile Respektspersonen stellt. Aber mit einer Länge, die nur um einen winzigen Millimeter die Vier-Meter-Grenze verfehlt, präsentiert er sich als gestandenes Automobil, dessen Maße nahezu identisch sind mit denen des historischen VW Golf. Nein, nicht des Urmodells, sondern des Golf III. Da hat sich wahrhaftig viel getan – ein Eindruck, der sich nach dem Betreten des Innenraums fortsetzt. Der Testwagen bietet die Ausstattung „Edition“, die nach den Erwartungen des Opel- Marketings den Löwenanteil am Verkauf ausmachen wird.

Er ist aber bemüht, durch Extras Eindruck zu schinden. Klima-Automatik ist an Bord, ein aufwendiges Entertainment- System, beheizbare Sitze. Und selbst das Oberklasse-Merkmal „beheizbares Lenkrad“ hat sich eingeschlichen. Andere nette Zutaten wiederum fehlen unverständlicherweise (siehe Spotlight), was einen – jugendlichen – Tester bewog, kritische Worte ins Fahrtenbuch zu schreiben: ein Junge-Leute- Auto mit Altherren-Extras. Dass die Ausstattungsunterschiede zwischen den Autoklassen ebenso verschwimmen wie die Klassen selbst, ist ein Zug der Zeit. Was bleibt also vom Corsa übrig, wenn man sich die Sonderposten wegdenkt, die wohl nur wenige Käufer bei der Bestellung ankreuzen werden? In erster Linie ein Coupé. Die zweitürige Version des Corsa tritt nicht als biedere Familienkutsche an, sondern entfernt sich optisch deutlich vom Viertürer. Das dient der Attraktivität der Figur und mag insofern schlüssig sein, als Menschen, die Zweitürer kaufen, selten mit voller Besatzung unterwegs sind.

Beim Corsa ist der Zugang zum Fond durch die beim Klappen der Lehnen nach vorn gleitenden Sitze noch erträglich. Der lange Radstand, sichtbar gemacht durch den knappen Karosserieüberhang hinten, sorgt dafür, dass es an Beinraum nicht mangelt. Das stark abfallende Dach allerdings schränkt die Kopffreiheit ein, und die winzigen Dreiecksfenster tun ein Übriges, dass man sich beengt fühlt. Auf eine große Reise möchte man im Corsa- Fond nicht gehen. Wer vorn sitzt, hätte nichts dagegen. Platz gibt es genug, das Ambiente ist freundlich. Rote Farbtöne und eine klavierlackähnliche Oberfläche auf der Mittelkonsole wirken jugendlich und durchaus hochwertig.


An der Ergonomie der Cockpit-Gestaltung gibt es nichts auszusetzen – ebensowenig wie an den Sitzen, die sich durch straffe, guten Halt gebende Polsterung auszeichnen. Auch die Qualität von Materialien und Verarbeitung zeigt, welche großen Fortschritte Opel auf diesem Gebiet nach den schlimmen Sünden der Vergangenheit gemacht hat. Nur ein gravierender Mangel haftet der Karosserie an, die sie freilich mit vielen anderen teilt. Übersichtlichkeit scheint zu den Begriffen zu gehören, die aus den Hirnen der zeitgenössischen Designer verschwunden sind. Die Van-Schnauze des Corsa, bei der die stark abfallende Motorhaube in die praktisch im gleichen Winkel geneigte, riesige Frontscheibe übergeht, macht es unmöglich, auch nur zu ahnen, wo die Karosserie endet. Das ist, man muss es bis zum Aufwachen der Verantwortlichen gebetsmühlenhaft wiederholen, ein stilistischer Irrweg – erst recht bei häufig im Stadtverkehr eingesetzten Autos wie dem Corsa.

Genug der Schelte, fahren wir los. Das bessert die Laune allerdings zunächst nur teilweise. Als Erstes fällt die Lenkung auf, die sich durch elektrischen Servo mit variabler Kennlinie auszeichnet. Sie spricht spontan an, vermittelt aber zunächst ein nur wenig straßenverbundenes Lenkgefühl. Bei schneller Fahrt wird das besser, und außerdem bestätigt sich die alte Weisheit, dass man sich an eine Lenkung so schnell gewöhnt wie an gutes Essen. Wer mit dem Corsa länger auf Testfahrt war, hatte an der Lenkung nichts mehr auszusetzen. Die spontanen Reaktionen auf Lenkbewegungen lassen den Corsa ausgesprochen flink und behände wirken. Das war ein wichtiger Punkt im Lastenheft und genoss auch bei der Abstimmung des Fahrwerks Priorität. Der Federungskomfort hat darunter nicht gelitten.

Der Corsa wirkt zwar straff, steckt aber Bodenwellen ohne ausgeprägte Vertikalbewegungen seiner Karosserie fast so souverän weg wie ein Großer. Vorbei die Zeiten, als ein Fronttriebler bei optimistischer Fahrweise stark über die Vorderräder schob. Der Corsa bleibt über einen sehr weiten Bereich fast neutral, wobei er beachtlich hohe Kurvengeschwindigkeiten erreicht. Daran sind natürlich auch die beim Testwagen montierten Optionsreifen der Dimension 195/55 R 16 H (Serie: 185/65 R 15 H) beteiligt. Wird die Haftgrenze überschritten, tritt Untersteuern ein, es bleibt aber problemlos. Denn die fortgeschrittene ESP-Generation des Corsa ist darauf ausgelegt, das Schieben über die Vorderräder zu korrigieren.

Das gelang dem herkömmlichen ESP nur unzureichend, weil nur das kurveninnere, wenig belastete Hinterrad gebremst wurde. Beim Corsa erfolgt der Bremsenein griff an allen Rädern. Der Stabilisierungseffekt überzeugt. Mit dem Gegenteil, einem nach außen drängenden Heck, hatte ESP schon immer wenig Probleme. Beim Corsa kann das, etwa bei abruptem Gaswegnehmen während hoher Querbeschleunigung, zwar vorkommen, doch das ist durchaus gewollt, weil es das flinke Handling unterstützt. Ob die Lastwechselreaktion bei Ausführungen ohne ESP kritisch werden kann, wird auto motor und sport untersuchen. Denn es ist ein schwarzer Fleck auf der Corsa-Weste, dass das trefflich abgestimmte, nicht abschaltbare ESP nur bei der Version 1.7 CDTI serienmäßig ist.

Wie ernst das Thema aktive Sicherheit ansonsten genommen wird, zeigt der Bremstest. Der Corsa verzögert geradezu sensationell und lässt sich auch von härtester Beanspruchung nicht beeindrucken. Es ist noch nicht lange her, da waren solche Testergebnisse Sache eines Klassikers mit Namen 911. Die Liste der freudigen Nachrichten macht der Motor komplett. Der nur 1,3 Liter große Turbodiesel, hier in seiner stärksten Version mit 90 PS, aber ohne Partikelfilter, zeichnet sich durch kräftigen Durchzug aus, der nur im untersten Drehzahlbereich ein Turboloch zu überwinden hat. Zur guten Leistungscharakteristik gesellt sich der kultivierte Lauf, wobei das Sechsganggetriebe eine wichtige Rolle spielt. Die lange sechste Fahrstufe reduziert die Drehzahl – allerdings nicht so weit, dass man an jeder Autobahnsteigung zurückschalten müsste. Aber das Motorgeräusch tritt weitgehend in den Hintergrund. Man könnte, ließen es die Verkehrsverhältnisse zu, stundenlang mit Volllast unterwegs sein. Kleine Motoren bewegen sich zwangsläufig mehr in diesem Bereich als ihre dicken Brüder.

Umso erfreulicher ist der Testverbrauch: nur 6,4 Liter. Wobei es ohne Askese möglich ist, Werte im Fünfer-Bereich zu erzielen. Da dies der einzige Punkt ist, in dem der Corsa nicht erwachsen geworden ist, darf man Opel zum neuen Modell gratulieren. auto motor und sport tut dies trotz der aufgespürten Kritikpunkte mit vier Sternen.

Fazit

Das Konto ist auf der Habenseite gut gefüllt: dynamisches Fahrverhalten, guter Komfort, erstklassige Bremsen und ein kultivierter, wirtschaftlicher Motor. Doch ESP und Rußfilter sind nicht serienmäßig.

Technische Daten
Opel Corsa 1.3 CDTI Edition
Grundpreis 15.983 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe 3999 x 1713 x 1488 mm
KofferraumvolumenVDA 285 bis 1050 l
Hubraum / Motor 1248 cm³ / 4-Zylinder
Leistung 66 kW / 90 PS bei 4000 U/min
Höchstgeschwindigkeit 172 km/h
0-100 km/h 12,6 s
Verbrauch 4,6 l/100 km
Testverbrauch 6,4 l/100 km
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