Opel GT Cabrio im Test

Fliegen lernen

Foto: Hans-Dieter Seufert 15 Bilder

Mit dem Slogan „Nur Fliegen ist schöner“ wurde in den 60ern für den ersten Opel GT geworben. Ob der offene Neue ähnlich begabt ist, klärt der Test.

Sieht er nicht aus wie eine geschrumpfte Corvette? Wohl wahr: Optisch kommt der kleine Opel GT der großen US-Schwester schon ziemlich nah. Und wirklich klein ist der GT ja auch nicht: In der Länge misst er zwar 34 Zentimeter weniger als die aktuelle Corvette, aber in der Breite fehlen nur drei Zentimeter.

Gilt er wieder, der alte Werbespruch mit dem Fliegen? Zunächst einmal bleibt der Opel-Zweisitzer mit 30 675 Euro rein finanziell auf dem Boden. Aber nicht nur gegenüber dem Vorbild ist er ein Schnäppchen, sondern auch im Vergleich zur Konkurrenz. Ein Mazda MX-5 kostet als Zweiliter- Version nur 24 313 Euro, hat aber 104 PS weniger Leistung. Ein BMW Z4 3.0 si, der es leistungsmäßig mit dem GT aufnehmen kann, kostet dagegen stramme 11 000 Euro mehr. Können die Opelaner zaubern?

Wie ist es möglich, diesen Powerriegel so günstig anzubieten? Zum einen hilft der Mutterkonzern General Motors, indem er zwei technisch gleiche Modelle (siehe Spotlight auf Seite 74) baut und so für ordentliche Stückzahlen sorgt. Aber reicht das, oder wurde zu kräftig an der Kostenschraube gedreht?

Erst mal reinsetzen. Manuelle Sitz-Längsverstellung und ein nur in der Höhe einstellbares Lenkrad deuten auf einen Sparkurs hin, aber stellen noch keinen echten Verzicht dar. Die Sitzposition reicht für Piloten bis gut 1,9 Meter Länge, zumal sich die Sitzhöhe sogar elektrisch variieren lässt. Vom Lenkrad fällt die Hand locker auf den kurzen Schaltstummel des Fünfgang-Getriebes.

Der wächst aus einem enorm breiten Kardan-Tunnel, der kein leeres Versprechen darstellt. Denn in ihm rotiert tatsächlich eine Antriebswelle, weil der GT nach klassischer Roadster-Manier durch seine Hinterräder aus den Startblöcken katapultiert wird. Klassisch auch das knapp sitzende Stoff-Verdeck, das nur mit händischer Unterstützung zu öffnen ist.

Nach dem Druck aufs Knöpfchen zum Öffnen des Kofferraumdeckels heißt es also Entriegeln am Windschutzscheibenrahmen, Heckdeckel hochklappen, Dach reinfalten, Deckel zuklappen (aber mit Schmackes, sonst wird nicht richtig verriegelt) und wieder einsteigen. Muss das 121 Jahre nach der Erfindung des Autos so kompliziert sein? Wenigstens das Starten geht einfach.

Der Zweiliter-Vierzylinder mit Direkteinspritzung und verstellbaren Nockenwellen verrichtet seine Arbeit zunächst mit einem angenehm dumpfen Leerlaufbass. Ein Tritt aufs Gas macht klar, dass es sich um einen aufgeladenen Motor handelt, denn unterhalb von 2000/min passiert wenig. Das Anfahrdrehmoment ist sogar so schütter, dass Ungeübte den GT beim Einparken leicht abwürgen.

Also immer schön bei Laune halten und die Drehzahl nicht unter 2200/min fallen lassen. Dann geht er gut, der GT. Allerdings nicht so gut, wie die Papierform vermuten lässt. Die Werksangabe von null auf 100 km/h verfehlt der Testwagen um immerhin 0,6 Sekunden. Ein Schönheitsfehler, denn spätestens auf einer leeren, heftig gewundenen Landstraße empfindet man kein Leistungsmanko.

Bei verhaltener Gangart hält sich sogar der Verbrauch in Grenzen, aber mit einem Durchschnittsverbrauch von 12,3 Liter/100 km ist der Opel-Vierzylinder kein Kostverächter. Immerhin reicht das üppige Drehmoment-Angebot für ein schaltfaules Fahren. Die Gangwechsel erfolgen etwas knochig, aber auf kurzen Wegen.

So schwingt man von Kurve zu Kurve und erfreut sich am zackigen Einlenken, wünscht sich allerdings auch mehr Präzision und vor allem mehr Rückmeldung von der insgesamt wenig sportlich agierenden Lenkung. An der Bremse gibt es dagegen kaum etwas auszusetzen. Hier passt zwar der teigige Druckpunkt nicht zum GT, dafür stimmen Verzögerungswerte und Standfestigkeit.

Neben den Bremsen wurde auch die Fahrwerks-Abstimmung für den Einsatz in Europa überarbeitet, doch der Federungs-Komfort kann nicht richtig überzeugen. Vor allem die Hinterachse stößt bei kräftigen Bodenwellen. Gut, dass die dick gepolsterten Sitze hier noch einiges wegstecken können. Aber auch sie bleiben nicht ohne Kritik, denn es fehlt ihnen eine wirksame Lordosenstütze.

Für die Urlaubsreise ist der GT offensichtlich nicht gedacht. Wo sollte das Gepäck hin? 157 Liter mit geschlossenem, 66 Liter Kofferraumvolumen bei geöffnetem Dach.

Da passt wirklich nur eine Garnitur Wäsche rein, zumal man an die 66-Liter- Höhle kaum rankommt. Pluspunkte kann das stauraumfressende Verdeck freilich mit seiner guten Geräuschdämmung sammeln. Selbst deutlich oberhalb der Autobahn-Richtgeschwindigkeit halten sich die Windgeräusche in Grenzen.

Dafür dringen auf schlechten Straßen andere Töne an die Ohren. Es knistert im Gebälk, was auf leichte Verwindungen der Karosserie hindeutet. Die Kunden-Autos sollen aber gegenüber den Testwagen qualitativ besser sein. An den im Innenraum verwendeten Kunststoffen wird das nichts mehr ändern. Nur wenige Flächen sind mit Softlack überzogen, trotz des hier eingebauten Premium-Pakets fehlt eine durchgängig hochwertige Anmutung.

Schwarze, hochglänzende Interieur-Zierteile und die Lederbezüge bringen wenig. Im Cabrio hat zuviel Softlack ohnehin Nachteile, denn von glatten Oberflächen lässt sich Staub besser abwischen. Einer vergnüglichen Offenfahrt steht also wenig im Wege, auch wenn die Temperaturen noch nicht Frühlingsniveau erreicht haben.

Heizbare Sitze gibt es zwar nicht, aber die Klimaanlage wärmt auf Wunsch sehr kräftig. Außerdem findet nur wenig störende Zugluft ins Auto, obwohl es kein Windschott gibt. Der Fahrtwind, der durch den GT strömt, hat also genau jene Intensität, die man sich von einem offenen Sportwagen wünscht. In diesem Punkt ist auch die Konkurrenz nicht besser.

Für ein Spaßmobil, das man sich statt eines Motorrades kauft (Opel- O-Ton), dürfte der GT jedoch eine gefühlvollere Lenkung und einen drehwilligeren Motor haben. 264 PS wären dagegen gar nicht unbedingt nötig. In den USA gibt es die Schwester- Modelle in einer günstigeren 177-PS-Variante. So ein GT hätte das Zeug zum volkstümlichen Überflieger.

Fazit

Der neue Opel GT bringt viel Leistung und Cabrio-Genuss zum attraktiven Preis. Der Motor und sie Lenkung sind aber nicht besonders sportlich. Der umständliche Dachmechanismus stört gewaltig.

Technische Daten
Opel GT
Grundpreis 32.400 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe 4100 x 1813 x 1274 mm
KofferraumvolumenVDA 157 l
Hubraum / Motor 1998 cm³ / 4-Zylinder
Leistung 194 kW / 264 PS bei 5300 U/min
Höchstgeschwindigkeit 229 km/h
0-100 km/h 6,3 s
Verbrauch 9,1 l/100 km
Testverbrauch 12,3 l/100 km
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