Opel Vectra 2.2 16V Elegance im Test

Mittlerer Dienst

Foto: Foto: Beate Jeske 4 Bilder

Das Image von Opel ist derzeit angeschlagen. Gelingt es der Vectra Limousine im Dauertest über 100.000 Kilometer, das Bild der Marke wieder in ein besseres Licht zu rücken?

Beim Stichwort Opel denkt man in diesen Tagen weniger an Autos, sondern in erster Linie an Lohnkürzungen, an Massenentlassungen und an Werksschließungen. Nicht von der Diskussion verschont bleibt auch das Stammwerk in Rüsselsheim, in dem das derzeitige Opel-Flaggschiff, der Vectra, gebaut wird.

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Dauertest Opel Vectra 2.2
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Von dessen Bändern lief Anfang 2003 auch jener Stufenheck- Vectra in elegantem Prestigeblau, der am 28. Februar 2003 seinen Dienst als Dauertestwagen in der auto motor und sport-Redaktion antrat. Zum Grundpreis von 24 100 Euro für den Viertürer mit 147 PS starkem 2,2-Liter-Benziner in der Elegance-Ausführung addierte sich Zusatzausstattung im Wert von 8640 Euro.

Darunter große Posten wie die Lederausstattung für 1800 Euro und das Radio-Navigation- Telefon-System für 2575 Euro (siehe Seite 54). Als lohnenswerte Investitionen haben sich im Laufe der 100 000 Kilometer auch die 900 Euro für das sehr gute Xenonlicht und der Aufpreis von 305 Euro für die Klimaautomatik an Stelle der serienmäßigen manuellen Klimaanlage erwiesen. Einmal eingestellt, sorgt sie für ein konstantes Wohlfühl-Ambiente ohne Temperatur-Schwankungen und störende Zugluft.

Viel Kritik gibt es hingegen für die Betätigung des Blinkers. Eigentlich soll die Mimik den Bedienkomfort verbessern: Leichtes Antippen zum dreimaligen Blinken beim Spurwechsel, den Hebel über den Druckpunkt hinausdrücken für Dauerblinklicht. Doch grau ist alle Theorie.

Bereits der Kraftaufwand für die erste Stufe ist so hoch, dass man ungewollt die zweite Stufe zündet. Beim Versuch, den Blinker wieder auszuschalten, blinkt man dann zur anderen Seite – und so weiter. Erst als die komplette Schaltereinheit wegen eines defekten Zündschlosses ausgetauscht wurde, stellte sich als willkommener Nebeneffekt eine leichte Besserung ein. Denn die Schalter wurden zwischenzeitlich in der Serie modifiziert und verfügen nun über klarer definierte Druckpunkte. Wie ein roter Faden ziehen sich Bemerkungen über die teils unlogische, teils unpraktische Bedienung durch die Bordkarten. Das gilt auch für den Wischerhebel und den Tempomat oben im Blinkerhebel, der nur mit spitzen Fingern treffsicher zu aktivieren ist. Und beim Versuch, die Spiegel einzustellen, klappen beide an.

Die Spiegelverstellung ist zudem in einem Monstrum von Schalterblock in der Fahrertür untergebracht, der mit Funktionen vollkommen überfrachtet ist. Und welchen Sinn soll es machen, erst mit einem Schiebeschalter wählen zu müssen, ob man mit den beiden Fensterheber- Schaltern die vorderen oder hinteren Fensterheber betätigen möchte, anstatt gleich extra Schalter für vorne und hinten zu installieren? Hier drängt sich der Verdacht auf, dass Opel beim Vectra einfach nur anders sein wollte.

Für viel Verdruss sorgt auch die Zentralverriegelung, die auf einmaligen Druck nur die Fahrertür öffnet. Außerdem muss der Kofferraum ebenfalls separat entriegelt werden. Bei den Modellen ab Anfang 2004 kann der Fahrer die Zentralverriegelung jedoch selbst leicht auf Ein-Klick-Bedienung umprogrammieren. Doch jetzt genug genörgelt, kommen wir zu den positiven Seiten des Vectra. In der Redaktion gilt die Limousine als angenehmer Reisewagen, denn die Kombination aus einem laufruhigen Motor, geräumiger Karosserie und insgesamt gutem Federungskomfort überzeugt besonders auf langen Strecken. Dazu kommt der bequeme Einstieg in den Fond dank großer Türausschnitte, der heute bei vielen Limousinen nicht mehr selbstverständlich ist. Wenn auch die sehr konservative Gestaltung der Karosserie kein Highlight darstellt, hier zeigen sich deren Vorteile. Auch an Kopffreiheit mangelt es in der zweiten Reihe nicht. Für zwei Personen ist zudem die Breite üppig bemessen, zu dritt wird es etwas enger. Allerdings könnte der Knieraum großzügiger sein.

Einschränkungen bezüglich des Komforts gibt es aber wegen des wenig geschmeidigen Abrollens auf rauen Straßenbelägen und des poltrigen Ansprechens auf kurzen Unebenheiten. Dadurch entsteht der Eindruck von übertriebener Härte, obwohl das Schluckvermögen der Federung in weiten Bereichen sehr ordentlich ist. Allenfalls noch auf sehr langen Wellen auf der Autobahn erscheint die Dämpfung etwas zu lasch, was zu unangenehmen Vertikalbewegungen führt. Bis zum Schluss nicht dauerhaft behoben werden konnten die Knarzgeräusche bei starkem Ein- und Ausfedern, etwa beim Überrollen von Fahrbahnschwellen vor Tempo-30- Zonen.

Ohne akustische Auffälligkeiten verrichtet indes der Motor seinen Dienst. Über den gesamten Drehzahlbereich läuft der Vierzylinder kultiviert und ohne zu brummen. Er entfaltet seine Leistung gleichmäßig und unaufgeregt. Dabei bietet er objektiv betrachtet durchaus temperamentvolle Fahrleistungen, die bei der Abschlussmessung sogar noch besser waren als zu Dauertest-Beginn. Unterstützt wird das Triebwerk von einem passend abgestuften Fünfgang- Getriebe.

Angesichts der gebotenen Fahrleistungen ist der Durchschnittsverbrauch mit 10,6 Liter je 100 Kilometer akzeptabel. Allerdings ist die Spanne recht groß und stark vom Gasfuß abhängig. Zwischen rund siebeneinhalb bei gemütlichem Dahingleiten und knapp 15 Liter Super bei hohem Dauertempo genehmigt sich der 2,2-Liter mit Saugrohreinspritzung. Zumindest auf den Motor trifft der aus den fünfziger Jahren stammende Slogan „Opel – der Zuverlässige“ voll zu. Für das Chassis gilt er nur eingeschränkt. Zwei der vier außerplanmäßigen Werkstattaufenthalte entfallen auf diesen Bereich: das defekte Radlager und der undichte Stoßdämpfer. Beide Mängel wurden auf Garantie behoben, die bei Opel noch eine echte Zwei-Jahres-Garantie ist. Da die Fehler aber erst jenseits der 80 000-Kilometer- Marke aufgetreten sind, wären Normalfahrer ohne hohe jährliche Kilometerleistung für die Reparaturen wohl zur Kasse gebeten worden.

So aber steht der Vectra bei den Betriebskosten recht gut da. Lange Wartungsintervalle, niedrige Inspektionskosten ohne teure Spezialöle und der geringe Reifenverschleiß schonen den Geldbeutel. Nur der hohe Wertverlust verhagelt die Bilanz am Ende.

Apropos Reifen: Als gute Wahl erwies sich der zweite Sommerreifensatz vom Typ Nokian NRVi. Die finnischen Pneus bieten gute Allroundeigenschaften und hohe Laufleistung zu einem günstigen Preis. Und wie steht es um die Langzeit-Qualität im Innenraum? Durchwachsen. Nichts klappert oder knarzt, und auch die Sitzpolster zeigen keine Anzeichen von Ermüdung. Aber am Türgriff blättert der Softlack ab, die Fußmatten sind lose, weil die Befestigungen ausgerissen sind, und der Lederbezug der Fahrersitz-Rückenlehne löst sich immer wieder unten am Sitzgestell.

Ähnlich zwiespältig fällt das Fazit aus. Der Vectra ist zwar im Grunde ein solides Auto, vom Qualitätsniveau und der Anmutung eines Audi ist er aber noch weit entfernt. Auch in puncto Zuverlässigkeit rangiert die Limousine aus Rüsselsheim nur im Mittelfeld.

Gelegenheit zu Verbesserungen bietet das Vectra-Facelift im kommenden Herbst. Bleibt zu hoffen, dass man sich bei Opel dann wieder voll auf die Autos konzentrieren kann, um auch die vielen kleinen, aber ärgerlichen Bedienmängel endlich auszuräumen.

 

Abgastest: Bei allen limitierten Abgasbestandteilen bleibt der Opel Vectra unter den Grenzwerten
Der Opel Vectra 2.2 wurde bereits nach den Euro 4-Bestimmungen für Personenwagen mit Benzinmotor typgeprüft und zugelassen. Damit kam er noch in den Genuss eines Steuerbonus in Höhe von 306,78 Euro. Seit dem 1. Januar 2005 müssen alle neu in den Verkehr kommenden Modelle die Euro 4-Norm erfüllen, um die Typprüfung zu erhalten. Die Schadstoff-Grenzwerte liegen um etwa die Hälfte unter denen der bis Ende 2004 verbindlichen Euro 3-Norm. Bestehende Modelle, die nur die Euro 3 erfüllen wie etwa ein Mercedes E 220 CDI ohne Partikelfilter, können aber nach wie vor zugelassen werden.

Die Abgasmessung des Vectra am Ende des Dauertests auf dem Rollenprüfstand der TÜV Automotive GmbH (Unternehmensgruppe TÜV Süddeutschland) in Böblingen ergab folgende Werte (Limits in Klammern): Kohlenmonoxid (CO) 0,79 (1,0) Gramm pro Kilometer, Stickoxide (NOX) 0,053 (0,08) Gramm pro Kilometer, Kohlenwasserstoffe (HC) 0,05 (0,08) Gramm pro Kilometer. Damit besteht der Opel Vectra 2.2 den Abgastest nach über 100 000 Kilometern in allen Kriterien

Drei der vier außerplanmäßigen Werkstatt-Aufenthalte waren erst im letzten Drittel der Dauertest-Distanzfällig

Ich habe mit meinem Opel Vectra 2.2 Elegance, den ich gebraucht mit 49 000 Kilometern erworben habe, 18 000 problemlose Kilometer zurückgelegt. Der Vectra zeichnet sich durch sehr guten Komfort und hohe Zuverlässigkeit aus. Der Kofferraum ist groß genug, um mit vier Erwachsenen und jeder Menge Gepäck in Urlaub zu fahren. Der Motor zeichnet sich durch Laufruhe und guten Durchzug aus. Der Verbrauch liegt zwischen neun und elf Liter/100 km, was ich angesichts der Fahrleistungen als angemessen empfinde. Fazit: Ich habe den Kauf nicht bereut und bin völlig zufrieden.
Stephan Sterck, 45149 Essen
 
Mein Vectra 2.2 DTI steht kurz vor der ersten Inspektion bei 50 000 Kilometern. Abgesehen von Reifenwechseln hat das Fahrzeug nur einmal die Werkstatt von innen gesehen. Der Sensor für die Außentemperatur war defekt. Mit einer einzigen Ausnahme habe ich nur gute Erfahrungen gemacht: Das Fahrwerk ist für jeden praktischen Bedarf viel zu sportlich ausgelegt. Das scheint aber Mode zu sein. Insgesamt scheint eine sehr hohe Produktqualität erreicht worden zu sein, nicht jedoch das zugehörige und verkaufsentscheidende Image.
Peter Kuhn, 69469 Weinheim

Ich fahre seit Januar 2003 einen Vectra GTS 2.2 Silverstone mit 147 PS. Kurz und knapp: Ich bin restlos begeistert. Hier ist Opel ein Spitzenauto gelungen. Nach zwölf Jahren Familienkutsche haben wir uns nach einem familientauglichen, sportlichen Auto umgesehen und den GTS entdeckt. Nach bisher 12 000 Kilometern eine mehr als positive Bilanz. Fahrspaß pur, tolle Platzverhältnisse, ein Riesenkofferraum und dazu meiner Meinung nach todschick – und das alles zu einem vernünftigen Preis. Großes Kompliment nach Rüsselsheim. Opel ist auf dem richtigen Weg.
Jörg Lindner, 90556 Cadolzburg
 
Ich fahre einen Opel Vectra 2.2 DTI Baujahr 04/2002 mit 125 PS. Da ich im Außendienst bin, habe ich in eineinhalb Jahren 115 000 Kilometer zurückgelegt. Ich bin sehr unzufrieden mit diesem Auto. Es war schon so viel kaputt, dass man vermutlich eine ganze DIN A4- Seite voll bekommen würde. Natürlich wurde dies alles in der zweijährigen Garantiezeit kostenlos behoben, aber was hier schon alles war, ist einfach unglaublich!
Jürgen Leyh, 72108 Rottenburg/Neckar
 
Ich bin mit dem Vectra Caravan Sport 3.0 V6 CDTI 10 000 Kilometer in fünf Monaten gefahren. Dazwischen lagen zehn Werkstatt-Tage. Der Motor macht Freude, die Elektronik Frust. Es gab in der Werkstatt vier ratlose Diagnose- Versuche, bis die Entwicklungsabteilung ein Nebengeräusch der Automatik einem fehlerhaften Motorsteuergerät zuweisen konnte. Auch das Flattern der Motorhaube war nach drei Versuchen noch nicht behoben.
Tom Zimmermann, 59759 Arnsberg
 
 Ich fahre seit April 2001 einen Opel Vectra B 2.2 DTI Sport und bin mit dem Fahrzeug sehr zufrieden. In 85 000 Kilometern hatte ich nur einen außerplanmäßigen Werkstattbesuch. Bei Kilometer 75 000 mussten die Gelenke des Vorderachs-Stabilisators getauscht werden. Kosten rund 70 Euro. Bis jetzt musste ich noch nicht einmal ein Lämpchen ersetzen. Der Motor ist kräftig und kultiviert. Verbrauch zwischen sechs und 7,5 Liter. Die Sportsitze sind sehr bequem und absolut langstreckentauglich. Nur das Sportfahrwerk ist für ein werksseitig eingebautes Fahrwerk eine Spur zu hart. Am überzeugendsten ist das Preis- Leistungs-Verhältnis.
Marco Veith, 74906 Bad Rappenau

Ich fahre seit September 2003 den Opel Vectra Elegance. Positiv fällt auf: das gestiegene Platzangebot im Innenraum, die Fahreigenschaften und der Fahrkomfort. Außerdem ist die Verarbeitung besser als im Vectra B. Man muss kein Ölscheich mehr sein, um Vectra zu fahren. Beim Vorgänger hatte ich auf 2000 Kilometer fast einen Liter nachgefüllt. Drei Mängel gibt es aber doch. Auf Straßen mit aufeinander folgenden Querrillen poltert die Vorderachse unüberhörbar. In unregelmäßigen Abständen streikt die Klimaautomatik. Ab und zu bereitet auch das CD-Fach im Autoradio Probleme. Im Allgemeinen bin ich mit dem Auto sehr zufrieden (Note 2), fast ein Quantensprung zum Vorgänger Vectra B.
Ullrich Loose, 09123 Chemnitz

Vor- und Nachteile

  • Gutes Platzangebot
  • Sichere Fahreigenschaften
  • Laufruhiger Vierzylinder
  • Geringe Windgeräusche
  • Solide Karosserie
  • Großer Kofferraum
  • Gut abgestuftes Getriebe
  • Überwiegend gute Verarbeitung
  • Gutes Handling
  • Günstige Inspektionskosten
  • Gute Fahrleistungen
  • Hoher Klimakomfort
  • Mängel bei der Bedienung
  • Wenig Ablagemöglichkeiten
  • Hoher Wertverlust
  • Eingeschränkter Federungskomfort auf kurzen Wellen
  • Geringe Reichweite
  • Raues Abrollverhalten
Technische Daten
Opel Vectra 2.2 Elegance
Grundpreis 24.545 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe 4596 x 1798 x 1460 mm
KofferraumvolumenVDA 500 l
Hubraum / Motor 2198 cm³ / 4-Zylinder
Leistung 108 kW / 147 PS bei 5600 U/min
Höchstgeschwindigkeit 216 km/h
Verbrauch 8,6 l/100 km
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