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Opel Vectra Caravan 3.0 CDTi Cosmo im Test

Laderaum statt Lifestyle

Foto: Hans-Dieter Seufert

Im neuen Opel Vectra Caravan 3.0 CDTi lässt sich viel großes Gepäck verstauen. Außerdem muss das neue Raumwunder sogar den mittlerweile eingestellten Omega Kombi ersetzen.

17.10.2003 Marcus Peters

Es gibt ihn noch, den grundsoliden Kombi. Lang, eckig, steil. Mit Laderaum statt Lifestyle. Für Kinderwagen statt Golf-Bag. Ein Kombi, dessen tiefer Kofferraum irgendwo im Dunkeln endet. So einer ist der neue Opel Vectra Caravan. Er versucht erst gar nicht, seinen Transportauftrag mittels operntauglichem Karosserieschwung zu leugnen. Den überlässt er seinem Plattformbruder Opel Signum.

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Wie dieser baut der Caravan auf dem um 13 Zentimeter verlängerten Radstand der Vectra Limousine auf, was den Fondpassagieren oberklasseartige Beinfreiheit beschert und beide Modelle über der Limousine positioniert. Auch bei der Länge von 4822 Milimetern wird schnell klar: Der Neue löst nicht nur den Vectra Caravan ab, er ersetzt gleichzeitig den Omega Kombi.

Mit einem Ladevolumen zwischen 530 und 1850 Liter lässt er viele etablierte Konkurrenten aus der Mittelklasse hinter sich und gelangt fast schon in Reichweite eines Mercedes E-Klasse T-Modells (690 bis 1950 Liter). Ohne freilich nur annähernd so teuer zu sein. Der zum Test angetretene Opel Caravan 3.0 V6 CDTI Cosmo kostet ab 32.645 Euro, ein vergleichbarer E 270 CDI Kombi mindestens 10.000 Euro mehr.

Wer also auf das SternImage verzichten kann, erhält Premium-Platz auch ohne Premium-Einkommen. Zumal man bei der Beladbarkeit auf nichts verzichten muss. Ähnlich dem Easy-Pack-System von Mercedes bietet Opel ein Laderaum-Management an. Dazu gehört etwa das Sicherheitsnetz zwischen Koffer- und Fahrgastraum (200 Euro). Es kann sowohl hinter den Vorder- als auch hinter den Rücksitzen eingehakt werden. Flexible Netze oder Trennwände (je 105 Euro), Flex-Organizer und Travel-Paket genannt, teilen den Gepäckraum in verschiedene Bereiche, die sich unabhängig voneinander nutzen lassen.

Kleinigkeiten nimmt ein taschenartiges Netz auf, das mittels vier Befestigungshaken an einer seitlichen Schiene verankert wird. Diese Schiene fixiert darüber hinaus Trennstangen, um die Ladung am Verrutschen zu hindern. Wer zusätzlich verhindern will, dass der Kofferraumboden nicht verschmutzt, der sollte die aufrollbare Schale aus Gummi für 86 Euro verwenden. Und um die Praxistauglichkeit perfekt zu machen, verschwinden die Helferlein zusammengelegt in einem Fach im Gepäckraumboden, wenn sie nicht benötigt werden.

So weit, so gut. Erneut nicht zu Ende gedacht wurde allerdings die Sache mit der Laderaumabdeckung. Sie in die Führungsschiene einzufädeln, kommt einem Training der Feinmotorik gleich. Und: wohin mit dem aufgerollten Rollo, wenn hohe sperrige Güter verstaut werden sollen? Weiterer Kritikpunkt: die Heckklappe. Zwar schwingt sie weit auf, was das Beladen angenehm gestaltet. Aber ihre Stoßdämpfer scheinen etwas zu straff gewählt: Die Klappe bewegt sich so langsam empor, dass man ihr dabei helfen möchte. Beim Schließen setzt sie dafür dem Arm einen so starken Druck entgegen, dass man die optionalen Elektromotoren (520 Euro) herbeisehnt.

Einfach dagegen funktioniert das Umklappen der asymmetrisch geteilten Rücksitzbank. Die Kopfstützen müssen nicht abmontiert, sondern lediglich eingefahren werden. Es entsteht eine Ladefläche, die auf Wunsch sogar eine Matratze fasst. Degradiert man den Caravan mittels umlegbarer Lehne des Beifahrersitzes (130 Euro) zum Monoposto, lassen sich gar bis zu 2,87 Meter lange Gegenstände transportieren.

Auch als Zugfahrzeug ist der neue Opel einsetzbar. Vorausgesetzt, man hat die einklappbare Anhängerkupplung (795 Euro) geordert. Damit der Vectra beim Schleppen nicht in die Knie geht, rüstet ihn Opel auf Wunsch mit Niveauregulierung aus (615 Euro). So bleiben die Federwege auch bei voller Zuladung erhalten. Da die Abstimmung insgesamt straff ausgelegt ist, bietet das Fahrwerk bei voll beladenem Fahrzeug auch ohne Niveauregulierung noch Re-serven. Mit zwei Personen vergleichsweise unterbelastet, spricht der Caravan deshalb gerade auf Autobahn-Querfugen hölzern an.

Bei aufeinander folgenden kurzen Bodenwellen neigt die Vorderachse gar zum Stuckern, alle anderen Wellen absorbiert der Vectra dagegen weitgehend problemlos. Am komfortabels-ten lässt es sich allerdings zu viert mit viel Gepäck reisen, weil das zusätzliche Gewicht der Federung etwas von ihrer Straffheit nimmt. Um den Aufenthalt für die Fondpassagiere angenehmer zu gestalten, ergänzt der Travel Assistent (385 Euro) die umfangreiche Optionsliste. Dahinter verbirgt sich eine Konsole, die auf dem mittleren Platz der Rücksitzbank eingerastet wird.

Sie beeinhaltet Fächer, Tische, Getränkehalter, Kühlschrank, eine Zwölf-Volt-Steckdose sowie eine Halterung für DVD-Spieler. Zwar ist die Konsole klobig, aber auf weiten Familienreisen erweist sie sich als angenehmer Diener. Was man bei voller Ausnutzung der Zuladung (486 Kilo) beachten sollte: Der sonst handliche Kombi reagiert bei Richtungswechsel deutlich behäbiger. Ohnehin vermittelt die Lenkung wenig Fahrbahnkontakt. Für sensible Fahrer erweist sich daneben die einsetzende Unterstützung der Elektrohydraulik als gewöhnungsbedürftig.

Natürlich hat das keine Auswirkungen auf die Fahrsicherheit. Selbst bei schneller Autobahnfahrt hinterlässt der Vectra einen sicheren Eindruck. Einzig auf plötzliches Lupfen des Gaspedals in Kurven reagiert der hoch bauende Caravan. Dann dreht das Heck leicht ein, wird jedoch vom ESP feinfühlig auf Kurs gehalten. Gleiches gilt, wenn die Vorderachse auf rutschigem Untergrund den Halt zu verlieren droht. Zu diesem positiven Eindruck passen die guten Bremsen, die inklusive der Ansprechzeit aus 100 km/h bis zum Stillstand 43 Meter benötigen.

Unter der Haube des großen Kombis kommt im ersten Test mit dem Sechszylinder-Diesel auch ein großer Motor zum Einsatz. 177 PS und 370 Nm kaschieren geschickt das hohe Gewicht von über 1,7 Tonnen. Nur unter 2000/min, wenn der Turbolader noch Druck aufbaut, spricht der V6 leicht verzögert aufs Gas an. Im mittleren Drehzahlbereich tritt der Diesel dagegen kräftig an und klingt dabei fast wie ein Benziner. Weshalb uneingeweihte Beifahrer die Frage stellen: Zündet er selbst, oder lässt er zünden?

Beim Verbrauch ist der Dreiliter nur zurückhaltend, wenn er untertourig dahingleitet. Dann sind Werte unter sieben Liter auf 100 Kilometer möglich. Trotz des lang übersetzten sechsten Ganges, der nur auf der Autobahn zu gebrauchen ist, ergeben sich im Testdurchschnitt 9,6 Liter – für einen Diesel keine Sensation. Aber wer häufig die Höchstgeschwindigkeit von 222 km/h anpeilt, muss gar mit Verbrauchswerten um 13 Liter rechnen.

Daneben trübt der Innenraum den guten Gesamteindruck. Zwar ist er funktionell und gut verarbeitet, aber die Materialanmutung lässt zu wünschen übrig. Alles wirkt, wie von einem leichten Grauschleier überzogen. Die Farben sind matt, das unechte Schildpattdekor erscheint deplatziert. Sogar darin zeigt der neue Caravan, dass er mit Lifestyle nichts am Hut hat. Muss er auch nicht. Opel hat ja einen trendigen Kombi im Programm. Die schicke Version des Caravan heißt Signum.

Vor- und Nachteile

Karosserie
  • großzügiges Raumangebot
  • funktionelle Gestaltung
  • gute Ausstattung
  • enttäuschende Materialanmutung
  • kleine Ablage in den vorderen Türen
Fahrkomfort
  • bequeme Sitze
  • niedriges Geräuschniveau
  • gutes Schluckvermögen auf langen Bodenwellen
  • Stuckerneigung auf kurzen Wellen
Antrieb
  • kultivierter Motorlauf
  • exakte Schaltung
  • gutes Durchzugsvermögen
  • angemessener Verbrauch
Fahreigenschaften
  • sicheres Fahrverhalten
  • feinfühlige ESP-Abstimmung
  • gute Handlichkeit (leer)
  • sauberer Geradeauslauf
  • Lenkung mit zu wenig Fahrbahnkontakt
Sicherheit
  • gute Sicherheitsausstattung
  • standfeste Bremsen
Umwelt
  • Partikelfilter nicht lieferbar
Kosten
  • attraktiver Preis
  • lange Wartungsintervalle
  • keine 3-Jahres-Garantie

Fazit

Die sehr guten Platzverhältnisse sowohl für Insassen als auch für Gepäck machen den Opel Vectra Caravan 3.0 CDTi Cosmo attraktiv. Abstriche muss man aber beim Federungskomfort und bei der Materialanmutung hinnehmen.

Technische Daten
Opel Vectra Caravan 3.0 V6 CDTI Cosmo
Grundpreis34.020 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe4822 x 1798 x 1500 mm
KofferraumvolumenVDA530 bis 1850 l
Hubraum / Motor2958 cm³ / 6-Zylinder
Leistung130 kW / 177 PS bei 4000 U/min
Höchstgeschwindigkeit222 km/h
0-100 km/h10,0 s
Verbrauch7,3 l/100 km
Testverbrauch9,6 l/100 km
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