Opel Zafira 1.9 CDTI im Test

Sieben in einem Reich

Foto: Achim Hartmann 19 Bilder

Opel hat bei der zweiten Auflage seines erfolgreichen Kompaktvan-Quotenbringers Zafira am bewährt-flexiblen Siebensitz- Konzept festgehalten, den Rest innen und außen dafür umso kräftiger auf Zack gebracht. Test des 150 PS starken 1.9 CDTi.

Es gab mal eine Zeit, da kullerten werdenden Vätern dicke Tränen über die Wangen. Nein, nicht allein wegen der freudigen Erwartung, sondern auch vor Abschiedsschmerz. Goodbye ambitionierte Kurvenfräse, hello wankig-gelangweilte Familienschüssel, so lautete die schmerzhafte Kapitulation vor der normativen Kraft des Faktischen. Damit dürfte nun endgültig Schluss sein.

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Bei der Neuauflage des 1,4-Millionen- Sellers Opel Zafira beschränkt sich die Auto-Erotik nicht allein auf das Auslitern des Laderaumes und Addieren möglicher Klappsitz-Variationen. Stattdessen versüßt eine zugespitzte Optik innen und außen (siehe Seite 34) sowie ein ordentlicher Techniknachschlag den Wechsel von Fuchsröhre zu Storchenmühle, Schalen- zu Kindersitz. Ohne jedoch die Kernkompetenz des früheren Kompaktvan-Marktführers preiszugeben.

Das beim Erscheinen von Zafira Nummer eins im Jahre 1999 regelrecht revolutionäre Siebensitz- Klappkonzept (Flex7) bleibt nämlich erhalten. Eine Konzept, für das der verantwortliche Ingenieur Frank Leopold eigentlich den Ehrenpreis der Aktionsgemeinschaft gesunder Rücken verdient hätte. Schließlich hat sich Herr Leopold um die Rettung unzähliger Bandscheiben verdient gemacht.

Statt die Rücksitze in Vorbereitung kniffliger Transportaufgaben in orthopädisch bedenklicher Körperhaltung aus ihren Halterungen zu operieren und herauszuwuchten, genügen beim Zafira nach wie vor wenige Handgriffe. Danach liegen die beiden Sitze in Reihe drei komplett flach, Reihe zwei duckt sich bei Bedarf ebenfalls oder lässt sich zusammengefaltet nach vorn schieben. Das verhindert ein Nachvornrutschen der Ladung ebenso wie eine Blockade der heimischen Garage durch blöd herumstehende Sitze. Auch ohne deren Ausbau bietet der Zafira maximal 1820 Liter Volumen, bei Besetzung mit fünf Personen sind es noch 645 Liter. Mit sieben Personen besetzt schrumpft der Kofferraum zwar auf überschaubares Niveau, die beiden hinteren Plätze taugen jedoch ohnehin nur für Erwachsene mit Klaustrophobie- Resistenz oder begeisterungsfähige Kinder – die aber immerhin mit Dreipunktgurten, Armauflagen und Becherhaltern versorgt werden.

Geräumiger und bequemer präsentiert sich die verschiebbare Reihe zwei mit variabler Lehnenneigung, cleverer Mittelarmlehne und höhenverstellbaren Gurten. Von hier aus blickt man dank erhöhter Position über die Köpfe der Vornsitzenden hinweg, denn Fahrer und Beifahrer logieren spürbar tiefer als bisher. Tschüß Transporter-Ambiente, hallo Limousinen-Style. Der 15 Zentimeter längere und rund fünf Zentimeter breitere Zafira zwei mixt Astra-Elemente geschickt mit Van-Attributen.

Dazu zählen neben einer metallisch glänzenden Mittelkonsole ein hochgesetzter Schalthebel und das nun endlich weit genug verstellbare Lenkrad. Gewöhnungsbedürftig: die in Kurven sichtbehindernde A-Säule, der nicht verwechslungssicher ertastbare Fensterheber- Block in der Türverkleidung sowie Wischer- und Blinkerhebel an der Lenksäule, die nicht einrasten.

Im Übrigen gelingt die Beherrschung sämtlicher Funktionen mittels exakt laufender Regler, klar beschrifteter Tasten und gelungener Menüstruktur auch ohne Handbuchstudium. Instrumente und der Infotainment- Bildschirm sind blendfrei und eindeutig ablesbar, die Anfassqualität der Kunststoff-Oberflächen fällt spürbar wertiger aus als beim Vorgänger. Lediglich im unteren Bereich des Innenraums kommt noch einfaches Hartplastik zum Einsatz, allerdings mit deutlich reduzierten Spaltmaßen. Die Ablagen in den Türen fallen leider ebenfalls schmal aus, dafür bietet die Mittelkonsole Platz für Kleinkram.

Der 29 145 Euro teure 1.9 CDTi Cosmo hält überdies fünf Staufächer im Mittelsteg seines serienmäßigen Panorama-Glasdaches bereit. Das lässt sich zwar nicht öffnen, dafür aber elektrisch beschatten. Gegen 420 Euro Aufpreis öffnet und schließt der Zafira zudem schlüssellos und startet auf Knopfdruck.

Der zündet beim 1.9 CDTi einen 150 PS starken Common-Rail-Selbstzünder. Mit ordentlicher Laufkultur und dezenter Geräuschentwicklung distanziert er sich von hemdsärmeligen Selbstzünder-Rabauken, die ihren Insassen gern das Haste-was-dannbiste- was-Dieselgedröhn in die Gehörgänge schicken.

Dafür muss man sich mit einem verhaltenen Antritt aus niedrigen Drehzahlen arrangieren und beim zügigen Pressing öfter als anderswo zum Schalthebel greifen. Kein Beinbruch, die sechs Stufen rasten – außer zwischen fünf und sechs – hinreichend exakt.

Zudem fühlt sich der Top-CDTi auch bei Drehzahlen jenseits der 4000er-Marke noch wohl. Zwischen 2000 und 4500 Umdrehungen schickt er sanft, aber bestimmt bis zu 320 Newtonmeter an die Vorderräder und serienmäßig partikelgefilterte Abgase nach draußen. Vantypischen Nachteilen muss er sich dennoch beugen. Sowohl bei Beschleunigung, Durchzug als auch Verbrauch sind die fast 1,7 Tonnen Gewicht spürbar. Mit 202 km/h Höchstgeschwindigkeit – bergab sind bis zur elektronischen Abregelung noch mehr drin – taugt er trotz großer Stirnfläche sogar für herzerfrischende Fights mit Handelsvertreter-Limousinen.

Und auf kurvigen Landstraßen zahlt sich schließlich das exakt rückmeldende Paket aus präziser elektrohydraulischer Servolenkung sowie dem optionalen IDS-Plus-Fahrwerk aus – inklusive elektronischer Dämpferregelung für 615 Euro Aufpreis. Okay, die ans IDS-Plus gekoppelte straffe Federabstimmung gibt kurze Absätze direkt an die Insassen weiter, dafür bringen den Zafira weder Beladung, grobe Unebenheiten noch schnelle Kurven aus dem Tritt.

Die per Magnetventile situationsbedingt geregelten Dämpfer und das elektronische Stabilitätsprogramm stehen in Verbindung, bei kritischen Situationen übernimmt das fein regelnde ESP das Kommando. Gut dosierbare, standfeste Bremsen mit Assistent sowie das bei ABS-Einsatz pulsierende Bremslicht ergänzen die aktive Sicherheit. Und im absoluten Notfall steht ein Ensemble aus Front-, Kopf- sowie Seitenairbags zur Verfügung.

Die Sport-Taste ist hingegen ausschließlich dem Spaß verpflichtet: Sie lässt das E-Gas schneller, die Lenkung direkter ansprechen und verschiebt die Dämpfer-Kennlinie Richtung straff. Spätestens damit dürfte der Zafira auch die letzte Träne auf den Wangen automobil angefressener Väter trocknen.

Vor- und Nachteile

Karosserie
  • –üppiges Raumangebot –pfiffiges Siebensitz-System –saubere Verarbeitung
  • –A-Säule behindert Sicht
Fahrkomfort
  • –gute Absorption langer Wellen –geringe Wankneigung –einfache Bedienung
  • –Sportfahrwerk stößig auf kurzen Unebenheiten
Antrieb
  • ausgeprägte Drehfreude –homogene Kraftentfaltung –ordentliche Laufkultur –Sechsganggetriebe Serie
  • –mäßiger Antritt aus niedrigen Drehzahlen
Fahreigenschaften
  • –neutrales Kurvenverhalten –agiles Handling –präzise Lenkung –stabiler Geradeauslauf
Sicherheit
  • kräftige, standfeste Bremse –fein abgestimmtes ESP –gute Sicherheitsausstattung
Umwelt
  • angemessener Verbrauch –serienmäßiger Partikelfilter
Kosten
  • –attraktiver Grundpreis –lange Inspektionsintervalle
  • –keine Drei-Jahres-Garantie

Fazit

Dynamische Optik, solide Verarbeitung, agiles, sicheres Handling sowie der kultivierte Diesel bilden mit dem nur leicht modifizierten Siebensitz-Konzept im neuen Zafira eine schlagkräftige Verbindung.

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Technische Daten
Opel Zafira 1.9 CDTI Cosmo
Grundpreis 31.780 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe 4467 x 1801 x 1635 mm
KofferraumvolumenVDA 140 bis 1820 l
Hubraum / Motor 1910 cm³ / 4-Zylinder
Leistung 110 kW / 150 PS bei 4000 U/min
Höchstgeschwindigkeit 202 km/h
0-100 km/h 10,9 s
Verbrauch 6,2 l/100 km
Testverbrauch 8,2 l/100 km
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