Peugeot 207 90 Filou im Test

Vive la Chance

Foto: Hans-Dieter Seufert 19 Bilder

Wer zum neuen Peugeot 207 Kleiner sagt, muss mit seinem bösen Blick rechnen. Der 206-Nachfolger ist deutlich gewachsen. Test des 88 PS starken Einstiegs-Benziners.

Nicht nur die breiten Schultern am Heck des neuen Peugeot 207 künden von großem Selbstbewusstsein. Der Kleine reißt auch am Bug das Maul mächtig auf. Mit dem Erfolg des seit1998 5,3 Millionen Mal verkauften Vorgängers im Rücken darf es sich der 207 leisten, einen riesigen Kühlerschlund an der Front zu tragen, wie er so in der Kleinwagenklasse noch nicht gesichtet wurde. Doch was heißt hier überhaupt Kleinwagen? Mama Peugeot hat ihrem Topseller kräftige Wachstumshormone verabreicht: Der 207 wuchs um 21 Zentimeter in der Länge, der Radstand um zehn. Mit seinen 4,03 Meter Außenlänge wirft er Schatten wie ein Golf III und wiegt mit 1153 Kilogramm kaum weniger.

Wer den Platz braucht,wird jubeln, doch kräftige Wachstumsschübe haben auch hier eine optische Kehrseite: Die serienmäßigen 15-Zoll-Räder hängen ziemlich verloren unter der großzügig geschneiderten Karosserie. Reinwachsen wird er zwar nicht mehr, aber schon die optionalen 16-Zoll-Räder brächten das optische Gleichgewicht wieder ins Lot. Neue Größe allenthalben.

Die riesigen Pforten des Zweitürers schwingen derart weit aus, dass ganze Gehwege damit abgeräumt werden und stämmige Menschen in engen Parkbuchten festsitzen könnten. Immerhin erleichtern die Türen bei freien Flanken den Weg zu den hinteren Sitzplätzen. Die Türablagen wirken jedoch wie ein winziger Einkaufskorb auf dem Aldi- Parkplatz. Auch das maximale Kofferraum- Volumen liegt mit 923 über 100 Liter unter dem eines Fiat Grande Punto, und die geteilt umlegbare Rückbank verstaut sich nur widerwillig hinter den Frontsitzen. Unerwartete Größe zeigt in der Disziplin Stauraum nur das Zwölf-Liter-Handschuhfach. Pragmatiker registrieren zudem mit Wohlwollen, dass der extravagante kleine Löwe mit einem ganzen Wall an Rammschutzleisten urbanen Parkremplern trotzt. Eine sinnvolle Sache, denn durch die breiten A-Säulen und den langen Vorderbau bleibt die Übersichtlichkeit auf der Strecke.

Die lange Schnauze ist auch ein Obolus an die Fußgängersicherheit, bei welcher der 207 im Euro-NCAP-Crashtest drei von vier Sternen erreichte. Beim Insassenschutz verdiente er sich mit serienmäßigen Seitenairbags sogar die Höchstwertung von fünf Sternen. Im Innenraum legt Peugeots Hoffnungsträger die Enge früherer Kleinwagen ab und erreicht fast die Maße der Kompakt-Klasse, nur auf den Fondsitzen fehlt es etwas an Kopffreiheit. Wenig Größe zeigt der 207 hingegen beim Qualitätseindruck: Wo die Hand hingreift, spürt sie harten Kunststoff, zaghaft unterbrochen von Stoffeinlagen in den Türen und dem weichen Lautstärkeregler.

Mit seiner Gummiummantelung ist dieser Drehknopf die haptische Luxus-Enklave in der Hartplasik-Einöde. Wer ein griffsympathischeres Interieur wünscht, darf nicht zur günstigsten Ausstattungsvariante Filou greifen, sondern muss sich für die höherwertigen Varianten Tendance, Sport oder Platinum entscheiden. Dort gibt es zwar weichere Oberflächen, aber freiliegende Schrauben und schiefsitzende Verkleidungen mindern auch hier das Qualitätsgefühl. Immerhin sind schon ab Filou elektrische Fensterheber und eine Funk-Zentralverriegelung Serie, die Außenspiegel werden jedoch mechanisch verstellt. Will der Fahrer den Winkel des rechten Spiegels anpassen, muss er sich quer über die Vordersitze verrenken.

Gegen entsprechenden Aufpreis öffnet sich der 207 auch größerem Luxus: Ein statisches, geschwindigkeitsabhängiges Kurvenlicht leuchtet die Fahrbahn besser aus, ein Parfümspender verwöhnt die Insassen mit sieben verschiedenen Düften, und die neue Zwei-Zonen-Klimaautomatik verhindert mit ihrer getrennten Temperaturregelung Mir-ist-zu-kalt-Streits. Im Multimedia-Bereichkokettiert der 207 sogar mit der Mittelklasse: Mit 240 Watt aus einem optionalen JBL-Sound soll der Bär im kleinen Löwen steppen.

Und alle Wegsuchenden führt nicht nur ein kleines monochromes Navigationssystem, sondern auf Wunsch auch ein Farbbildschirm-Routenführer mit integriertem CD-Wechsler, automatischer Stauumfahrung, Telefon und MP3-Fähigkeit zum Ziel. Bleibt nur die Frage, ob angesichts der trudelnden Navigations-Preise die Peugeot-Kunden wirklich bereit sein werden, 1700 bis 2750 Euro dafür anzulegen. Grund zum eifrigen Kilometerfressen bietet der kleine Peugeot indes schon ohne Extras. Der 88 PS starke Vierzylinder hängt erfrischend munter am Gas und erledigt seine Aufgabe genau mit jener Dynamik, die man von einem bezahlbaren Kleinwagen erwartet. Selbst bei Vollgaseinsatz schnurrt er völlig unaufgeregt und pulverisiert in Zusammenarbeit mit dem sauber schaltenden Fünfgang-Getriebe so ganz nebenbei mit 13,5 Sekunden von null auf 100 km/h die Werksangabe von 14,2 Sekunden.

Trotz Saug-Prinzips und kleinen Hubraums liegen 90 Prozent seines maximalen Drehmoments schon bei 2000/min an. Dass der mit einer wirkungsgradoptimierenden variablen Einlass- Nockenwelle bestückte Vierventiler mit 7,1 Liter Testverbrauch auch noch ein rechter Konsum-Asket ist, werden seine zukünftigen Besitzer wohl mit einem Grinsen in Kühlergrilldimensionen belohnen.

Für höhere Ansprüche stehen zum Start außerdem noch zwei 1,6-Liter-Motoren mit 109 PS als Benziner und Diesel (Rußpartikel serienmäßig) zur Auswahl. Im Herbst feiern dann nicht nur ein 73-PS-Benziner, sondern auch zwei 1,6-Liter-Motoren mit 115 und 150 PS aus der Kooperation mit BMW Premiere. Nach unliebsamen Erfahrungen mit dem 206 dürfte neben dem Antrieb jedoch mehr interessieren, ob auch das Heck des 207 bei forscher Fahrweise nervös zuckt. Da hat es sich Peugeot einfach gemacht, denn den Bändiger muss die Elektronik spielen. Nur um einen kleinen launigen Betrag darf die Hinterachse bei harten Lastwechseln nach außen schwingen, dann fängt sie ESP wieder ein.

Selbst wer das Programm ausschaltet, wird ab 60 km/h wieder zwangsgebremst. Eine sichere Sache, die nur einen Haken hat: ESP ist erst ab Sport serienmäßig, und ohne die Stabilisierung keilt der 207 schon etwas. Das ist die böse Seite. Es gibt aber auch eine gute. Denn wer mit der Lastwechsel-Leichtigkeit des 207 zu spielen weiß, der lässt das kleine Raubtier wetzen. Härtere Frontstabilisatoren und eine neu konstruierte Verbundlenker-Hinterachse sorgen dafür, dass sich der steif und stabil wirkende 207 noch bissiger in Kurven krallt.

Die neue elektrische Servolenkung fühlt sich jedoch zahnlos an. Sie reagiert zwar nicht so gänzlich fahrbahnentrückt wie im Renault Clio, aber auch ihre Rückmeldung ist eher nebulös und synthetisch. Das konnte der Alte besser. Unter Komfortaspekten ist ihre Leichtgängigkeit dagegen von Vorteil, zumal sich das Fahrwerk trotz Handlingspaß mit fiesen Boxschlägen zurückhält. Und für die straffe Polsterung entschädigen die Sitze mit gutem Seitenhalt und einer Größe, die es im automobilen Unterhaus nur selten gibt. Der neue 207 ist eben in vielen Bereichen ein erstaunlich erwachsenes Auto geworden, und das zu einem fast jugendlichen Preis: Nur 13 400 Euro kostet die unklimatisierte Testversion.

Zusammen mit langen Inspektionsintervallen und der für einen kleinen Zuschlag von zwei auf fünf Jahre erweiterbaren Garantie bleiben die Kosten daher sehr überschaubar. Bei soviel Größe darf der Kleine auch ruhig mal eine große Klappe haben.

Vor- und Nachteile

Karosserie
  • gute Platzverhältnisse
  • bequeme Einstiegshilfe
  • umfangreicher Rammschutz
  • unübersichtliche Frontpartie
  • mäßige Qualitätsanmutung
  • wenig Kopffreiheit im Fond
  • umständliche Verstauung der teilbaren Rückbank
Fahrkomfort
  • guter Federungskomfort
  • gut konturierte Sitze
Antrieb
  • angemessene Fahrleistungen
  • ordentliche Laufkultur
  • exakte Schaltung
  • gute Reichweite (704 km)
Fahreigenschaften
  • agiles Handling
  • gute Traktion
  • guter Geradeauslauf
  • agiles Handling
  • gute Traktion
  • guter Geradeauslauf
Sicherheit
  • fadingfreie Bremsen
  • gute Sicherheitsausstattung
  • ESP nicht in jeder Varianteserienmäßig
Umwelt
  • geringer Benzinverbrauch
Kosten
  • günstiger Anschaffungspreis
  • lange Wartungsintervalle
  • umfangreiche Garantien

Fazit

Der geräumige Peugeot 207 überzeugt für wenig Geld mit munterem Antrieb, agilem Handling und guter Federung. Qualität, Übersichtlichkeit und ESP-Ausstattung sind jedoch nicht optimal.

Technische Daten
Peugeot 207 90 Filou
Grundpreis 12.800 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe 4030 x 1748 x 1472 mm
KofferraumvolumenVDA 270 bis 923 l
Hubraum / Motor 1360 cm³ / 4-Zylinder
Leistung 65 kW / 88 PS bei 5250 U/min
Höchstgeschwindigkeit 180 km/h
0-100 km/h 13,5 s
Verbrauch 6,4 l/100 km
Testverbrauch 7,1 l/100 km
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