VW Golf 1.2 TSI Comfortline, Peugeot 308 98 VTi Access, Frontansicht Hans-Dieter Seufert
VW Golf 1.2 TSI Comfortline, Peugeot 308 98 VTi Access, Frontansicht
VW Golf 1.2 TSI Comfortline, Peugeot 308 98 VTi Access, Heck
VW Golf 1.2 TSI Comfortline
Peugeot 308 98 VTi Access 28 Bilder

Peugeot 308 98 VTi und VW Golf 1.2 TSI im Test

Überzeugende Arbeit an der Basis?

Sind Basismotoren von heute eine üble oder kluge Wahl? Wir machen den Test mit dem Peugeot 308 98 VTi und dem VW Golf 1.2 TSI – und kommen unter anderem zu dem Ergebnis, dass ein Turbolader nicht immer Trumpf ist.

Basismotor – in diesem Wort schwingt noch immer eine Prise Traurigkeit mit. Als hätte es nicht ganz gereicht, vergleichbar mit der letzten Reihe bei einem U2-Konzert: Man ist zwar dabei, kann aber nicht richtig genießen.

Zum Glück sind viele Basismotoren von heute nicht mit denen vor zehn Jahren vergleichbar. Ein gutes Beispiel liefert Peugeot: Erinnern Sie sich noch an den 307 mit dem 1,4-Liter-Benziner, 75 PS? Ein klassischer Saugmotor mit einer Dynamik, die eng begrenzt war, um es freundlich auszudrücken. Heute tritt der schwächste Peugeot 308 noch immer mit 1.400 Kubikzentimeter Hubraum und ohne Aufladung an – leistet aber überzeugende 98 PS und kostet ab 17.200 Euro.

Peugeot 308 beim Autosalon Genf
1:30 Min.

VW Golf 1.2 TSI ab 16.975 Euro

Volkswagen geht das Thema Basismotor beim Golf deutlich konservativer an. Für Pfennigfuchser steht der schlappe 1.4 mit 80 PS für 16.975 Euro (Zweitürer) in der Preisliste – ein Motor, den man wohl nicht seinen Freunden empfiehlt. Denen rät man dagegen zum VW Golf 1.2 TSI mit 85 PS, der nur 475 Euro teurer ist, aber dank Turbolader besser antritt. Sogar besser als der Peugeot 308 98 VTi?

Nicht auf den ersten Metern. Der Vierzylinder des Peugeot 308 98 VTi hängt sich ordentlich rein, sprintet im ersten und zweiten Gang ambitioniert und erreicht im dritten als Erster Tempo 100 – nach genau 12,7 Sekunden. Seine Drehfreudigkeit und seine spontane Gasannahme muntern auf. Keine Freude macht dagegen das serienmäßige Fünfganggetriebe; allein wie lommelig der Schalthebel im Getriebe rührt – das geht gar nicht. Spätestens auf schnellen Autobahnetappen vermisst man dann einen sechsten Gang, der die Drehzahlen und damit das Geräuschniveau ab 140 km/h spürbar senken würde.

Der Peugeot 308 98 VTi tourt bei gleichem Tempo generell etwas höher und zieht auch etwas besser durch als der VW Golf 1.2 TSI: Der Spurt von 80 auf 120 km/h im fünften Gang dauert trotzdem lange 22,1 Sekunden. Wer über Land schnell an einem Traktor vorbei möchte, muss bei beiden fleißig runterschalten.

Im Golf läuft alles ein bisschen gemächlicher

Im VW Golf 1.2 TSI geht subjektiv alles einen Tick gemächlicher und ruhiger zu. Der hubraumkleinere Vierzylinder läuft zwar sanfter und leiser, bringt gefühlt aber erst ab 2.000 Touren einen leichten Turbopunch – obwohl sich seine 160 Newtonmeter laut Datenblatt schon etwas früher versammeln. Einmal in Schwung, zieht der VW dann ebenfalls ausreichend stark nach vorn, den Peugeot holt er beim Standardsprint aber nicht mehr ein. Bei der Messung von null auf 400 Meter ist er dagegen fast gleichauf.

Egal, bei welcher Sprintprüfung: Der Schalthebel des VW Golf 1.2 TSI flutscht leicht und präzise von Gang zu Gang – so muss das sein. Fünf Fahrstufen sind auch hier Serie; eine sechste wäre wünschenswert, weil sie neben den Drehzahlen vor allem auch den Durst senken würde. So kommt der Golf auf unserer zurückhaltend gefahrenen Verbrauchsrunde (Mix aus Stadt, Land und Autobahn) mit 5,2 L/100 km aus, der Peugeot 308 98 VTi liegt bei 5,6 Litern. Wer mit beiden Modellen zügig durchs Land kreuzt, darf locker zwei Liter hinzuaddieren. Eine Start-Stopp-Automatik hilft weder Golf noch 308, sie ist auch gegen Aufpreis nicht zu haben.

Kein Automatikgetriebe für die Basis

Schaltverweigerer werden nach einem kurzen Studium der Preislisten ebenfalls enttäuscht: Peugeot dockt das von Porsche entwickelte sequenzielle Getriebe optional nur an die 120 und 155 PS starken Benziner. Und der Golf lässt sich erst ab der 105 PS starken TSI-Version mit dem empfehlenswerten Siebengang-Doppelkupplungsgetriebe verheiraten.

Beim Fahrwerk ist VW kooperativer: Für 975 Euro Aufpreis kommt auch der getestete VW Golf 1.2 TSI in den Genuss der adaptiven Fahrwerksreglung DCC. Auf Knopfdruck kann der Fahrer die Dämpfer auf sportlich straff oder komfortabel weich stellen. Damit gleitet der Viertürer entweder sanft über Unebenheiten hinweg oder liegt satt in schnellen Kurven – beides macht er erstaunlich souverän. Der Peugeot 308 98 VTi kann ganz gut mit halten: Auf fiesen Buckelpisten reagiert er jedoch etwas rumpliger, und bei kurvigen Strecken fällt er leicht zurück. Letzteres liegt an seiner Lenkung, die eine Prise mehr Präzision vertragen könnte. Immerhin arbeitet sie schon deutlich besser als bei früheren Testwagen.

Peugeot 308 setzt auf größere Fensterflächen

Beim Platzangebot nehmen sich beide Modelle recht wenig. Vorn sitzt man hier wie da gemütlich und bequem, wobei der VW Golf 1.2 TSI in der Version Comfortline die besseren Sitze und generell etwas mehr Kopffreiheit bietet. In Reihe zwei des Peugeot 308 98 VTi logiert man trotz des kleineren Normsitzraums ähnlich angenehm wie im Golf. Gleichstand auch beim Kofferraum und der Zuladung – mit 500 Kilogramm und rund 350 Liter Ladevolumen schwächelt keiner.

Nach einem intensiven Testprogramm mit Peugeot 308 98 VTi und VW Golf 1.2 TSI fällt auf, wie hoch ihr Reifegrad inzwischen ist. Im Spätherbst ihres Lebens angekommen, haben sie alle anfänglichen Kinderkrankheiten abgeschüttelt und präsentieren sich klar und überzeugend. Der Golf: geradliniger gezeichnet, konservativer eingerichtet, einen Tick besser verarbeitet und komfortabler ausgelegt, etwas gemächlicher im Antritt, dafür sparsamer. Was man ihm vorhalten kann? Seinen hohen Preis – vergleichbar ausgestattet liegt er trotz schwächerer Motorisierung rund 1.000 Euro über dem 308.

Der Peugeot 308 98 VTi setzt auf sanfte Linien, auf ein schlichteres, flacheres Armaturenbrett, auf größere Fensterfläche. Er federt nicht so viele Unebenheiten aus, kämpft dafür mit seinem gelungenen kleinen Benziner stärker gegen den schlechten Ruf einer Basisversion, weil er munter zieht, ohne zum Säufer zu werden. Und trotz serienmäßiger Klimaanlage, Tempomat, Nebelscheinwerfern und MP3-Radio ist er deutlich günstiger. Kurz: Wer beim Peugeot-Händler ein gutes Angebot bekommt, wird vom kleinsten 308 nicht enttäuscht. Der Golf bleibt der Klassenstreber – auch als 1.2 TSI.

Fazit

1. VW Golf 1.2 TSI Comfortline 476 Punkte

Sein 1.2 TSI läuft ruhiger und sparsamer, zieht aber nicht ganz so flott. Dafür fallen seine Verarbeitung und sein Komfort besser aus. Beim Raumgefühl ist er gleichauf mit dem 308.

2. Peugeot 308 98 VTi Access 455 Punkte

Mit seinem gelungenen Basis-Benziner kann er das Antriebskapitel für sich entscheiden. Abgesehen von den Kosten liegt er aber sonst überall knapp hinter dem Golf.

Technische Daten

VW Golf 1.2 TSI Comfortline Peugeot 308 98 VTi Access
Grundpreis 19.825 € 17.050 €
Außenmaße 4255 x 1799 x 1452 mm 4276 x 1815 x 1498 mm
Kofferraumvolumen 380 bis 1270 l 348 bis 1201 l
Hubraum / Motor 1197 cm³ / 4-Zylinder 1397 cm³ / 4-Zylinder
Leistung 63 kW / 85 PS bei 4300 U/min 72 kW / 98 PS bei 6000 U/min
Höchstgeschwindigkeit 179 km/h 182 km/h
0-100 km/h 13,7 s 12,7 s
Verbrauch 4,9 l/100 km 6,0 l/100 km
Testverbrauch 7,4 l/100 km 7,7 l/100 km
Alle technischen Daten anzeigen
Zur Startseite
Kompakt Tests Hyundai i30 1.6 CRDi, VW Golf 1.6 TDI, Heck Hyundai i30 1.6 CRDi und VW Golf 1.6 TDI im Test Da-scheppert-nix auf der Überholspur?

Der neue Hyundai i30 fordert den kurz vor der Ablösung stehenden VW Golf...

Peugeot 308
Artikel 0
Tests 0
Generationen 0
Alles über Peugeot 308
Mehr zum Thema Kompaktklasse
10/2019, Hyundai Veloster Grappler auf der SEMA Las Vegas
Tuning
BMW 2er Gran Coupé M Performance Parts (2019)
Tuning
Neuheiten