Peugeot 308 HDi im Test

Bonne France

Foto: Hans-Dieter Seufert 21 Bilder

Mit dem 307 brachte Peugeot vanartige Architektur in die Golf-Klasse, ließ manch knapp geschnittenen Konkurrenten alt aussehen. Kann der noch auffälliger gestaltete 308 an diesen Erfolg anknüpfen?

Vielleicht war es ja ein lauschiger Abend am Peugeot-Stammsitz in Sochaux, als sich ein 307 und ein 207 im fahlen Mondlicht näher kamen. Und daraufhin für Nachwuchs in Gestalt des 308 sorgten. Zumindest legt die Optik des neuen Vertreters der Kompaktklasse diesen Verdacht nahe.

Wenn es stimmt, dass Kinder zunächst stärker dem Erzeuger ähneln, um bei diesem nagende Vaterschafts- Zweifel auszuschließen, müsste diese Rolle eigentlich dem 207 zukommen. Und das, obwohl der 308 in der Länge zugelegt hat und auch technisch mit dem Gen-Pool seines Vorgängers arbeitet.

Etwa beim Fahrwerk, wo sich Peugeot eine Neuentwicklung sparte und erneut zur bewährten Plattform mit Verbundlenker- Hinterachse griff, allerdings die Spur verbreiterte. Für optischen Neuheitswert sorgen die gewölbte Motorhaube über dem gewaltigen Kühlermaul, das vorgeschobene Spoilerkinn, wuchtige Spiegel und ein kuppelförmiger Heckabschluss.

Die einstige Dezenz der Löwenmarke ist jedenfalls endgültig passé. Zumal die Franzosen auch im Innenraum den Korken aus der Zeitgeist-Flasche zogen. Geschwungen und flächig wie bei einer Mischung aus Van und Coupé steht der Armaturenträger vor den Insassen, macht mit runden Lüftungsdüsen auf Dynamik.

Sie tragen ebenso Chromrand wie die Instrumente, deren helle Skalen zwar charmant schimmern, optimale Ablesbarkeit aber ebenso erschweren wie die spiegelnden Deckgläser. Ansonsten kommen nicht nur 307-Kenner im luftigen Innenraum schnell klar.
Bis auf die verbesserte Bedienung der Zwei-Zonen-Klimaanlage blieben die wesentlichen Elemente weitgehend unangetastet. Dazu zählt allerdings auch die etwas unstrukturierte Menüführung der Infotainment-Abteilung.

Die optionale Belederung bis hin zum Cockpit für 2360 Euro extra verhindert zwar eine abschließende Beurteilung der Serienhaptik, insgesamt fällt diese aber ordentlich, wenn auch nicht referenzartig aus. Auf Kritik stoßen fühlbare Grate am Handschuhfach, die klapprige Mechanik der verschiebbaren Mittelarmlehne, der auf schlechten Straßen knisternde, klappbare Navigations-Monitor sowie die bei Autobahntempo flatternde Motorhaube. Von Letzterer sieht man beim Fahren ohnehin nur die Abschlusskante – Folge der keilförmigen Frontgestaltung, die sich bis zur B-Säule fortsetzt und damit auch den Einstieg vorn erschwert.

Um die 308-Front zu erspähen, müsste man schon den Kopf aus dem Schiebedach stecken. Aber das beim 24 150 Euro teuren 308 HDi 135 Sport Plus serienmäßige Glasdach, das fast den kompletten Oberbau für sich einnimmt, ist leider durchgehend geschlossen.

Da helfen bloß noch Parksensoren, als Paket für Front und Heck 500 Euro teuer – und sinnvoll, angesichts von Kuppelheckscheibe und pummeligem Karosserieüberhang, die sogar talentierte Parker einbremsen. Netter ist es da, mit dem 308 über Landstraße oder Autobahn zu schwingen und die passend positionierten, körpergerechten Sitze mit ausreichend Seitenhalt zu genießen.

Und auch der Fond provoziert angesichts der bequemen Bank und des luftigen Raumgefühls selbst bei Gästen jenseits der 1,80- Meter-Marke keine Platzangst. Ein Display verpetzt zudem Nichtangeschnallte und erleichtert dem Fahrer erzieherische Maßnahmen. Der Umgang mit Ladung fällt schwerer.

Weniger mit Kleinteilen, die finden ausreichend Ablagen – auch fragwürdige wie die doppelbödige Hutablage mit Backofen-Effekt. Doch größere Stücke über die hohe, weit zurück liegende Ladekante zu wuchten, ist ebenso mühselig, wie den 308 zum Volumentransporter umzubauen. Sitzflächen hoch,

Kopfstützen rausfummeln, Lehnen umlegen – trotzdem bleibt eine störende Rampe und sogar weniger Volumen als beim sechs Zentimeter kürzeren Vorgänger. In Fahrt sorgen die wirksame, zugarme Klimatisierung und das dank Verbundverglasung (300 Euro extra) und weiteren Schallschluck-Maßnahmen niedrige Geräuschniveau für Entschädigung – jedenfalls bei konstanter Fahrt und moderaten Drehzahlen.

Sobald der bewährte, zwei Liter große Common- Rail-Diesel nämlich unter Last und hoher Drehzahl ran muss, wirft er seine guten Manieren über Bord und dröhnt herb metallisch. Zwar immer noch galanter als mancher Pumpe-Düse-Brummer, aber trotzdem kontraproduktiv für einen ausgeglichenen Eindruck.

Um den kümmert sich die Leistungsentfaltung des mit durchschnittlich 7,5 L/100 km angemessen sparsamen 136-PS-HDi. Nach einer kurzen Anfahrschwäche schickt er sein Drehmoment ohne viel Aufhebens via Sechsganggetriebe an die Vorderräder, wird selbst während des kurzfristig abrufbaren Overboost- Kicks mit maximal 340 Newtonmetern nicht zum Traktions-Killer.

Selbst der etwas nachlässig geführte Schalthebel kratzt mehr am Fahrdynamiktalent des 308. Landstraßenkurven absolviert der 1,4-Tonner bei Bedarf zügig und dabei mäßig untersteuernd bis neutral, provozierte Lastwechselschwenks bleiben im feinmaschigen Elektroniknetz des ESP hängen.

Gleichmäßig, ruhig und kalkulierbar ansprechend, erleichtert die elektrohydraulisch unterstützte Servolenkung stressfreies Cruisen ebenso wie pulsierendes Kehrenswingen. Geringe Seitenneigung und gripfördernd breite 225er-Reifen runden ein stimmiges Paket ab, das auch im Fahrdynamik- Parcours von auto motor und sport überzeugt.

Dem 308 gelingen hier auf Anhieb kurze, schnelle Wege zwischen den Pylonen, ohne dabei mit übertrieben spitzen Reaktionen, lähmendem Untersteuern oder gar verwässerndem Wanken zu nerven. Im richtigen Leben auf ungepflegten Straßenoberflächen wünschen sich dann aber nicht nur Komfortbewusste etwas mehr Nachgiebigkeit vom 308- Fahrwerk.

Die flachen 17-Zoll-Reifen übermitteln kurze Stöße – etwa von Kanaldeckeln oder Absätzen – ohne Umschweife, auf schnell passierten Wellen kommt noch leichtes Achspoltern hinzu. Längere Unebenheiten absorbiert der 308 hingegen talentiert – Empfindsame werden es danken.

Eltern wiederum dürften sich für die serienmäßigen Isofix-Verankerungen, den per Zündschlüssel deaktivierbaren Beifahrerairbag und die optionale elektrische Kindersicherung begeistern, während den Steppkes ein langer Blick aus dem Glasdach auf vorbeiziehende Wolkenfetzen, Alleebäume und Flugzeuge genügt, um dem 308 „bonne chance“ zu wünschen.

Fazit

Vor allem bei der Verarbeitung, Ausstattung und Fahrdynamik zeigt der ambitioniert designte 308 echte Fortschritte. Schwächen im Detail offenbart er allerdings noch bei Bedienung und Komfort.

Technische Daten
Peugeot 308 HDi FAP 135 Sport Plus
Grundpreis 24.500 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe 4276 x 1815 x 1498 mm
KofferraumvolumenVDA 348 bis 1201 l
Hubraum / Motor 1997 cm³ / 4-Zylinder
Leistung 100 kW / 136 PS bei 4000 U/min
Höchstgeschwindigkeit 206 km/h
0-100 km/h 10,1 s
Verbrauch 5,5 l/100 km
Testverbrauch 7,5 l/100 km
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