Peugeot 406 1.8 16V ST im Test

Heißer Herbst in der Mittelklasse

Heißer Herbst in der Mittelklasse: Nach dem Opel Vectra rollt eine weitere Limousine neu auf den Markt – der Peugeot 405-Nachfolger mit zeitlos-klassischem Design und verbesserter Technik.

Peugeot will im volumenträchtigen Segment der Mittelklasse nicht länger im verborgenen blühen. Schließlich kam der etwas bieder geratene 405 über den Status eines Mauerblümchens nie hinaus – ein Schicksal, das man sich mit dem 406 genannten Nachfolger ersparen will. Doch die Peugeot-Designer formten aus dem unauffälligen Aschenputtel keine strahlende Prinzessin. Sie zeichneten mit Bedacht eine neue, durch die ausgeprägtere Keilform und den hohen Ansatzpunkt des Hecks spannungsgeladene Linie, die wegen verbreiterter Fahrzeugspur sowie schräggestellter Scheinwerfer und Heckleuchten im 306-Stil zusätzlich betont wird. Der 406 wirkt muskulöser und eleganter, allerdings ohne beim Bad in der Menge große Aufmerksamkeit zu erregen. Wenig Fingerspitzengefühl zeigten die Stylisten bei der Gestaltung des Interieurs.

Während das Armaturenbrett mit seiner geschwungenen Linie noch zu gefallen vermag, sticht die aus billigstem Plastik lieblos geformte Mittelkonsole mit den Bedienelementen für Heizung und Radio wie ein Dorn ins Auge des Betrachters. Selbst das Holzimitat, ab der ST-Ausstattungsstufe serienmäßig, schafft es in diesem Umfeld nicht, einen Hauch französischen Charmes zu versprühen. Und die altbackenen Polsterstoffe im Marmorkuchen-Design wirken auch nicht gerade erfrischend. Zur nüchternen Atmosphäre gesellt sich allerdings ein hohes Maß an Funktionalität. Die elektrischen Fensterheber und die Verstellmöglichkeiten für die Außenspiegel sind logisch in der Türkonsole angeordnet, und alle Instrumente liegen so gut im Fahrer-Blickfeld, dass die Bedienung keinerlei Probleme bereitet. Ablageflächen in allen Türen sowie ein – trotz Beifahrer- Airbags – großes Handschuhfach erleichtern zusätzlich das Leben im 406.

Die Fahrersitz-Höhenverstellung erscheint allenfalls gewöhnungsbedürftig. Weil der kleine Hebel, der links unter dem Sitz aus einer Vorrichtung gezogen wird, sofort zurückschnellt, wenn man ihn loslässt, kann leicht der kleine Finger zwischen dem Stab und seiner Hülle eingeklemmt werden. Platz bietet die Mittelklasselimousine genug, denn mit dem Modellwechsel ist sie immerhin um rund 15 Zentimeter länger und um sieben Zentimeter breiter geworden, während der Radstand um drei Zentimeter auf 2,70 Meter zugelegt hat. Konkurrenten wie der Opel Vectra können längst nicht mit so großzügigen Abmessungen aufwarten, und so dürfen sich vor allem die Fondpassagiere über viel Bein- und Fußraum freuen, der durch Aussparungen in den vorderen Sitzlehnen noch gesteigert wird. Wer größer als 1,80 Meter ist, muss aber mit einer geringen Kopffreiheit leben, weil durch den starken Dacheinzug im Fond wenig Höhe bleibt. In dieser Klasse ist ein Kofferraumvolumen von 430 Litern nicht gerade üppig (Ford Mondeo: 480 Liter; VW Passat: 495 Liter).

Da der Boden aber sehr eben ist und die Radhäuser nicht weit hereinreichen, lässt sich das Gepäckabteil gut nutzen. Durch Umklappen der asymmetrisch geteilten Rücksitzbank kann das Ladevolumen außerdem mit wenigen Handgriffen fast verdoppelt werden. Eine serienmäßige Durchlademöglichkeit in der hinteren, ausklappbaren Mittelarmlehne steigert zusätzlich die Variabilität und erlaubt den Transport langer, schmaler Gegenstände wie Skier oder andere Bretter. Der erste Startversuch endet mit einem kläglichen „Piiieep“. Peugeot hat es sich auch bei seiner jüngsten Entwicklung nicht nehmen lassen, den Fahrer mit einer umständlichen Wegfahrsperre zu nerven: Erst muss der vierstellige Code eingetippt werden, dann startet der Motor, in diesem Fall ein 1,8 Liter-Benziner mit 110 PS. Das derzeitige Basistriebwerk, das bereits seit 1992 in der 405-Baureihe lief, wurde für seinen Einsatz im 406 überarbeitet, von Zwei- auf Vierventiltechnik umgestellt und in der Leistung um neun PS gesteigert. Obwohl der Vierzylinder nicht übermäßig temperamentvoll ist, weiß er vor allem durch seine erstaunlich gute Laufkultur zu überzeugen: Er ruckelt nicht und läuft bis etwa 5000/min für einen Vierventiler angenehm leise. Erst dann stellt sich ein leichter Brummton ein, der aber auf der Autobahn von den kräftigen Windgeräuschen übertönt wird.

Das maximale Drehmoment von 155 Newtonmeter liegt zwar erst bei 4250/min an, trotzdem bietet das Triebwerk über den gesamten Drehzahlbereich genügend Durchzugskraft. Schließlich steht zwischen 2000 und 5000/min mit mindestens 140 Newtonmetern stets 90 Prozent des maximalen Drehmoments zur Verfügung. So kann der 406 trotz der insgesamt etwas zu langen Gesamtübersetzung relativ schaltfaul gefahren werden. Nur an Steigungen empfiehlt es sich, rechtzeitig zurückzuschalten. Nicht zuletzt durch den niedrigen Testverbrauch von 8,9 Liter Super bleifrei auf 100 Kilometer erweist sich der 1,8 Liter-Vierventiler als geeignetes Basistriebwerk. Konkurrenten wie der Renault Laguna und vor allem der Ford Mondeo verbrauchen auf 100 Kilometer immerhin bis zu zweieinhalb Liter Benzin mehr.

Für sportliche Fahrer bietet Peugeot noch den aus dem 605 bekannten 132 PS starken Zweiliter-Vierzylinder an. Ebenfalls im Programm: zwei Turbodiesel mit 1,9 Liter Hubraum (90 PS) sowie 2,1 Liter Hubraum, Dreiventiltechnik und 109 PS. Den größten konstruktiven Aufwand bei der Entwicklung des 406 hat Peugeot in das Fahrwerk investiert. Eine neue Mehrlenker-Hinterachse und eine Vorderachse nach dem McPherson-Prinzip mit Querstabilisator sorgen für einen Federungskomfort, mit dem sich Peugeot selbst vor der großen französischen Konkurrenz nicht zu verstecken braucht. Auch wenn der 406 nicht ganz das hohe Niveau eines Citroën Xantia erreicht, so hebt er sich doch vom Durchschnitt in der Mittelklasse deutlich ab. Langgezogene Bodenwellen absorbiert er fast perfekt, nur auf schnell aufeinander folgende Querfugen reagiert er mit leichten Vertikalbewegungen des Aufbaus. Dieses hervorragende Komfortgefühl im 406 wird durch die gute Geräuschdämmung und ein geschmeidiges Abrollverhalten unterstützt.

Einen guten Eindruck hinterlässt das Fahrwerk auch in schnell durchfahrenen Kurven: Der Peugeot zeigt ein sicheres, nahezu neutrales Fahrverhalten und schiebt fronttrieblertypisch ganz leicht über die Vorderräder zum Kurvenaußenrand. Hohe Haltekräfte erfordert allerdings die Zahnstangenlenkung, deren Servounterstützung zu gering ausfällt. Licht und Schatten liegen in dem Kapitel Fahreigenschaften dicht beieinander, denn die Bremsen (vorne innenbelüftete Scheiben, hinten Trommeln) passen überhaupt nicht zu dem gutmütigen Charakter des 406. Schon in kaltem Zustand bremst sich der Peugeot mit einem Verzögerungswert von nur 8,9 m/s2 gegenüber der Konkurrenz selbst aus (siehe Kasten), um auf extreme Belastung zusätzlich noch mit erheblichem Fading zu reagieren: Nur 7,1 m/s2 verzögert der 406 mit stark erhitzten Bremsen und braucht deshalb 54,4 Meter, um aus 100 km/h zum Stillstand zu kommen. Damit zählt die französische Limousine zu den Schlusslichtern in dieser Klasse. Viel mehr Größe beweist Peugeot bei der Wirtschaftlichkeit. Den 406 gibt es ab 16.500 Euro inklusive ABS, Fahrer und Beifahrer-Airbag, Gurtstrammer und -stopper sowie Dreipunktgurten auf allen fünf Sitzen.

Die getestete ST-Version bringt für 18.000 Euro außerdem elektrisch verstellbare und beheizbare Außenspiegel, einen Drehzahlmesser, einen höhenverstellbaren Fahrersitz und Zentralverriegelung mit Fernbedienung mit. Zu den empfehlenswerten Extras zählen ein Paket mit Regensensor für den Frontscheibenwischer nach Mercedes E-Klasse-Prinzip und für den Heckscheibenwischer (280 Euro) sowie eine Klimaanlage (1.200 Euro), weil sich der 406 mit seinen großen Glasflächen stark aufheizt. Abgesehen von den schwachen Bremsen zählt der 406 wegen seines guten Komforts und des niedrigen Verbrauchs zu den empfehlenswertesten Limousinen der Mittelklasse. Mit seinem zeitlosen Design gehört er jedenfalls schon jetzt so selbstverständlich in diese Gruppe, wie fallende Blätter zum Herbst.

Vor- und Nachteile

Karosserie
  • viertürige Stufenhecklimousine mit gutem Platzangebot
  • ausreichend großer, sehr variabler Kofferraum
  • gute Funktionalität
  • befriedigender Qualitätseindruck
  • eingeschränkte Kopffreiheit im Fond
Antrieb
  • Vierzylinder-Vierventiler mit guter Laufkultur und gleichmäßiger Kraftentfaltung
  • befriedigende Beschleunigung
  • leicht schaltbares und exaktes Fünfganggetriebe
  • etwas zu lange Gesamtübersetzung
Fahrkomfort
  • guter Federungskomfort mit kleinen Schwächen bei schnell aufeinanderfolgenden Querfugen
  • bequeme, gut gepolsterte Sitze mit etwas zu geringer Lordosenstütze
  • sehr starke Aufheizung im Innenraum
Fahreigenschaften
  • nahezu neutrales Fahrverhalten mit Untersteuerneigung
  • stabiler Geradeauslauf
  • Lenkung mit zu wenig Servounterstützung
  • schwache Bremsen, die auf hohe Belastung mit starkem Fading reagieren
Sicherheit
  • Fahrer- und Beifahrer Airbag-ABS sowie Gurtstopper- und straffer in allen Versionen serienmäßig
  • Dreipunkt-Automatikgurte auf allen Plätzen
  • Flankenschutz in den Türen
Kosten
  • günstiger Kaufpreis
  • umfangreiche Ausstattung
  • niedriger Verbrauch
  • 6 Jahre Garantie gegen Durchrostung
  • kurze Serviceintervalle (Ölwechsel alle 10.000, Inspektion alle 20.000 Kilometer)
  • 1 Jahr Garantie
Umwelt
  • FCKW-freie Klimaanlage

Technische Daten

Peugeot 406 1.8 16V ST
Grundpreis 18.253 €
Außenmaße 4555 x 1765 x 1396 mm
Kofferraumvolumen 430 l
Hubraum / Motor 1761 cm³ / 4-Zylinder
Leistung 81 kW / 110 PS bei 5500 U/min
Höchstgeschwindigkeit 192 km/h
0-100 km/h 12,0 s
Verbrauch 8,4 l/100 km
Testverbrauch 8,9 l/100 km
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