Peugeot 406 Break 1.8 16V ST im Test

Trost-Pflaster

Peugeot 406 Break 1.8

Der Peugeot 406 Break 1.8 konnte über 100 000 Kilometer nicht restlos überzeugen, weil ein Getriebeschaden den Dauertestwagen unterwegs matt setzte. Zum Trost verwöhnte der französische Kombi seine Passagiere mit viel Platz und einem vorzüglichen Federungskomfort.

Wer einen deutschen Mittelklasse-Kombi sucht, dem bieten sich im Prinzip zwei Alternativen: bieder und billig oder nobel und teuer. Da trifft es sich ganz gut, daß aus dem Nachbarland Frankreich attraktive Angebote winken. Zum Beispiel in Gestalt des Peugeot 406 Break . Break steht dabei nicht für Pause, sondern bedeutet in dem manchmal schwer nachvollziehbaren gallischen Sprachgebrauch so viel wie Kombi.

Und diesem Namen macht der Peugeot 406 alle Ehre. Denn er ist ein stattlicher Kombi: 17 Zentimeter länger als die Limousine reicht er mit einer Gesamtlänge von 4,73 Metern fast in den Bereich der nächsthöheren Klasse. Dabei bleibt sein Preis zivil: In der ST-Variante mit dem bis dato am häufigsten verlangten (41,3 Prozent) 1,8 Liter-Vierventeil-Benziner lag der Preis im März 1997 bei 36.700 Mark.

Die von auto motor und sport georderten Zusatzausstattungen (Klimaanlage, Radio, Schiebedach und Metallic- Lack) verteuerten den Dauertestwagen schließlich auf 42 305 Mark – immer noch preisgünstig im Konkurrenzvergleich. Nach der aktuellen Peugeot-Preisliste ist der 1,8 Liter-Motor nicht mehr für den ST, sondern nur noch im Basismodell Esplanade für 37.400 Mark lieferbar, allerdings serienmäßig mit Radio und Klimaanlage. Der Refe renzpreis des vergleichbar ausgestatteten 406 Break ermäßigt sich damit auf 39.590 Mark. Das ist ein gutes Angebot, zumal in diesem Preis schon vieles enthalten ist, wofür deutsche Hersteller zusätzliches Geld verlangen. Zum Beispiel eine Dachreling oder die Zentralverriegelung mit Fernbedienung. Sie funktionierte beim Dauertestwagen tadellos, und wer schnell genug nach dem Einsteigen den Zündschlüssel drehte, konnte auch wegfahren.

Wenn nicht, mußte die Wegfahrsperre durch umständliches Eingeben eines vierstelligen Codes überlistet werden – ein System, das Peugeot im Rahmen der Modellpflege schon im Oktober 1997 durch einen Transponder im Zündschlüssel ersetzt hat. Zeitgleich wurden Seitenairbags eingeführt.

Doch kommen wir zum Wesentlichen. Das ist beim Kombi das Ladevolumen. Und hier entpuppt sich der Peugeot Break als Raumwunder. Er faßt bei umgeklappter Rücksitzbank 1.741 Liter, deutlich mehr als seine deutschen Konkurrenten. Und das Umklappen der asymmetrisch geteilten Sitzbank geht ruck, zuck, wenn man davon absieht, daß vorher die drei Kopfstützen zu entfernen sind. Beladen kann man den Stauraum dank der niedrigen Ladekante gut, auch seitlich durch die hinteren Türen. Mit Verzurr-Ösen läßt sich das Ladegut sichern, was auch nötig erscheint, da die Bodenabdeckung trotz eingewirkter Gummiwülste recht rutschig ist. Beim Zurückklappen der Rücksitze wiederum gehen die Gurtschlösser automatisch in die richtige Position, was umständliches Fummeln erübrigt.

Praktisch auch die aus einem festen und einem flexiblen Teil bestehende Laderaumabdeckung. Leider klappert sie wie fast alle diese Vorrichtungen während der Fahrt. Ein Trenn-Netz zur Sicherung höheren Ladegutes gibt es auch für Geld nicht. Dafür hat Peugeot eine zusätzliche, im Laderaum versenkbare Sitzbank im Angebot (Aufpreis 1000 Mark). Selbst wenn man von den Kombinationseigenschaften des 406 Break keinen Gebrauch macht, ist das Raumangebot gut, mit genügend Knieraum auf der Rücksitzbank.

Auch der Federungskomfort ist eine der Stärken des Peugeot. Leider stoßen die Einfederwege bei voller Zuladung an ihre Grenzen, was den Insassen nicht verborgen bleibt. Eine (nicht erhältliche) Niveauregulierung der Hinterachse könnte hier Abhilfe schaffen und die insgesamt nicht üppige Zuladung (440 Kilogramm) ebenfalls verbessern.

Raum, Komfort und Klima prima, da müßten sich die Insassen ja pudelwohl fühlen. Tun sie aber nicht, da die Sitzgelegenheiten des 406 insbesondere vorne mit ganz wenigen Ausnahmen als ergonomische Fehlleistung empfunden wurden. Die ringförmigen Schaumwülste der Sitzflächen behindern die Blutzirkulation in den Beinen und suggerieren das Gefühl, auf einer Klobrille zu thronen, was im Auto ja nicht unbedingt erstrebenswert ist. Auch die Rückenlehnen lassen körpergerechte Form vermissen, die Kopfstützen schließlich sind zu klein und wakkeln in ihren wenig vertrauenerweckenden Halterungen.

Peugeot scheint das Problem erkannt zu haben. Das im Mai dieses Jahres einsetzende Facelift umfaßt auch geänderte Sitze sowie die Einführung des Isofix-Systems für die Kindersitze. Gleichzeitig verabschiedet man sich von einer typisch französischen Marotte: Die beim Dauertestwagen noch im Blinkerhebel sitzende Hupenbetätigung wandert ins Lenkrad. Hupen müßte dann also auf Anhieb gelingen. Lack, Karosseriequalität sowie Innenausstattung machen auch nach 100.000 Kilometern noch einen guten Eindruck.

Türen und Hauben schließen leicht, die Windgeräusche sind niedrig. Kleinere Schäden, wie klappernde Seitenscheiben, die wackelnde Schiebedachabdekkung oder die herabhängende Türdichtung wurden behoben. Nicht ganz so harmlos waren die Mängel, die sich an der Mechanik des Peugeot zeigten. So nervten die auch in ihrer Wirkung nicht überzeugenden Bremsen durch Rubbeln.

Nach Dauertestende ließ sich die mehrere Tage angezogene Handbremse nicht mehr lösen. Der Peugeot-Service benötigte eine gute Stunde, um die festgerosteten Bremsbacken und damit den Testwagen wieder zu mobilisieren. Laut Peugeot- Auskunft kann dieser Schaden bei Fahrzeugen, die nach dem 23. Juni 1997 produziert wurden, nicht mehr auftreten, da die Abdichtung der Innentrommeln geändert wurde.

Gravierender war allerdings der erste Mobilitätsverlust des Peugeot . Bei km-Stand 67.790 unterbrach der fast schlagartig zahnlos gewordene fünfte Gang eine wichtige Dienstfahrt. Sie mußte im Abschleppwagen fortgesetzt werden. Als Ursache des Schadens wurde ein Lunker im Zahnkranz geortet. Für Peugeot ein Einzelfall, der ausgerechnet den Testwagen traf. Der kostenlose Getriebewechsel auf Kulanz kostet normalerweise 3834 Mark.

Die im übrigen schlecht dosierbare Kupplung gab dann gegen Ende des Dauertests ihren Geist auf. Kosten: 970 Mark. Vorher schon, bei rund 75 000 Kilometern, wurde der sich innerlich auflösende Endschalldämpfer erneuert. Kulanz verhinderte die sonst dafür anfallenden 355 Mark.

Der Motor selbst verursachte keine Reparaturen. Gleichwohl konnte er nicht ganz überzeugen. Im unteren Bereich läuft er manchmal ungleichförmig, nach dem Kaltstart besonders, dazu mit zu hoher Drehzahl. Das muß im Zeitalter elektronischen Motormanagements nicht sein. Mit der Leistung (110 PS) läßt sich leben. Nur bei voller Zuladung macht sich eine gewisse Durchzugsschwäche vor allem an Steigungen bemerkbar. Als störend wurde auch der umständlich zu bedienende Ölpeilstab empfunden. Ein Segen, daß der minimale Ölverbrauch – insgesamt wurden nur 1,5 Li ter über die Testdistanz nachgefüllt – häufige Kontrollen entbehrlich machte.

Nicht ganz so sparsam ging der oft mit Vollast betriebene Vierventiler mit dem Kraftstoff um. 9,6 Liter/100 km wurden als Durchschnittsverbrauch registriert; da ist man für das große Tankvolumen (70 Liter) dankbar. Sicher ist der Peugeot 406 Break mit dem Zweiliter-Vierventiler (132 PS) oder dem neuen HDI-Diesel (109 PS) angemessener motorisiert, zumal der 1,8 Liter-Benziner bei höherer Drehzahl seine Anstrengung auch akustisch spüren läßt. Trotz allem: Schlecht ist die Bilanz des Peugeot 406 Break nach über 100 000 Kilometern nicht. Im Mängelindex der Redaktion hat er mit einem Liegenbleiber und vier Reparaturen 15 Punkte und führt vor vergleichbaren Dauertestwagen. Auch die Kosten halten sich in Grenzen. Preiswerte Inspektionen (künftig nur noch alle 30 000 km), geringer Reifenverschleiß (rund 70.000 km pro Satz) und nur wenige, kostenpflichtige Reparaturen sorgen für einen bescheidenen Kilometerpreis von 18,5 Pfennig.

Wenn jetzt der Wiederverkauf noch zum Schätzpreis (22 300 Mark) möglich wäre, würde die Rechnung stimmen.

Abgastest: Der Peugeot 406 Break 1.8 ist nach der seit 1996 für neue Modelle und seit 1. 1. 1997 für alle neuen Autos verbindlichen europäischen Abgasvorschrift 94/12/EG (= EU 2) typgeprüft. Autos mit höherer Laufleistung können sie mitunter nur noch mit Mühe oder gar nicht mehr einhalten.

Das gilt auch für den Peugeot 406, der die Hürde äußerst knapp passiert. Die obligatorische Abgasmessung am Ende des Dauertests auf dem Rollenprüfstand des T.V Automotive GmbH (Unternehmensgruppe T.V Süddeutschland) in Böblingen ergab die folgenden Werte (Grenzwerte in Klammern): Kohlenmonoxid (CO): 1,49 (2,20) Gramm pro Kilometer, Summenwert aus Stickoxiden (NOX) und Kohlenwasserstoffen (HC): 0,50 (0,50) Gramm pro Kilometer - gerade noch bestanden. 

Mängel im Überblick: Totalausfall bei km- Stand 67 790 durch ein defektes Getriebe. Plötzlich war der fünfte Gang zahnlos Nach rund 75 000 km neigte der hintere Auspuff zur inneren Auflösung. Wechsel auf Kulanzbasis Verschleiß führte nach 100 000 km zu einer rutschenden Kupplung. Die Reparatur war nicht gerade billig     

Nach 15 Monaten und zirka 17 000 Kilometer Erfahrung mit dem 406 sind meine Eindrücke positiv. Es gab keinerlei Pannen oder notwendige Reparaturen am Auto. Die 15 000 Kilometer-Inspektion war allerdings Anlaß, kleinere Mängel vor Ablauf der Garantie beheben zu lassen. Nicht behoben ist eine Eigenart des Glasschiebedachs, mich beim Trocknen in der Waschanlage mit Sprühregen zu erfrischen, sowie ein lautes Klopfgeräusch, das nur bei Regenfahrten aus dem Dachbereich kommt. Mein Fahrzeug wird überwiegend im Kurzstreckenverkehr eingesetzt, und da stört die Drehmomentschwäche unterhalb von 2000/min etwas, zumal sie gelegentlich von Stottern und Verschlucken (nicht nur bei kaltem Motor) begleitet wird. Der Verbrauch liegt im Durchschnitt bei 9,8 Liter.
Lothar Pohlmann, 34537 Bad Wildungen

Nach zehn Monaten bin ich mit meinem Peugeot 406 Break SR 1.8 sehr zufrieden. 18 000 gefahrene Kilometer verliefen aufgrund des hervorragenden Fahrwerks und der guten Verarbeitung ohne Störungen. Der Verbrauch beträgt bei zügiger Fahrweise überwiegend auf der Landstraße 8,7 Liter/100 km. Zu bemängeln sind die unkomfortablen Sitze, die mir längere Reisen nicht gerade erleichtern, und der etwas durchzugsschwache Motor.
Manfred Kattenborn, 57368 Lennestadt

Aufgrund des hohen Preisunterschiedes zum gleich starken Dieselmotor, entschloß ich mich für den 1,8 Liter- Benziner. Bis jetzt habe ich mit dem Auto über 100 000 Kilometer zurückgelegt. Der 406 hat einen sehr guten Federungskomfort und geringe Windgeräusche. Der Verbrauch liegt trotz zügiger Fahrweise meistens unter 8,5 Liter je 100 km. Es traten folgende Störungen auf: Tastatur der Wegfahrsperre locker, ausgetauscht auf Garantie; die Signalleuchte des Airbags leuchtete auf, Ursache war hier ein Wackelkontakt in der Leitung, Garantie; nach 82 000 Kilometern war die Batterie hinüber, wenig später war die neue Batterie auch wieder leer. Wie sich herausstellte, muß die Ursache hier beim Verkehrsfunkspeicher des Autoradios liegen (nachträglich eingebautes Fremdfabrikat), der permanent Strom abzieht, was sich negativ bemerkbar macht, wenn das Auto einige Tage nicht bewegt wird; bei 89 000 Kilometern Motorschaden durch Zahnriemenriß. Laut Herstellerangaben hätte dieser bis 120 000 Kilometer halten müssen. Peugeot zeigte sich hier sehr kulant, ich erhielt einen Austauschmotor und mußte nur die Schmierstoffe bezahlen.
Jochen Burlafinger, 67245 Lambsheim 

Vor- und Nachteile

  • günstige Inspektionskosten
  • geringer Wertverlust
  • großer Laderaum
  • gutes Raumgefühl
  • praktische Laderaumabdeckung
  • komfortable Federung
  • rutschige Ladefläche
  • unbequeme Sitze
  • unpraktische Klappgriffe
  • klappernder Auspufftopf
  • brummiger Motor
  • Probleme mit Kupplung und Getriebe
  • fadingempfindliche Bremsen
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Technische Daten
Peugeot 406 Break 1.8 16V ST
Grundpreis 19.134 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe 4725 x 1760 x 1450 mm
KofferraumvolumenVDA 526 bis 1741 l
Hubraum / Motor 1761 cm³ / 4-Zylinder
Leistung 81 kW / 110 PS bei 5500 U/min
Höchstgeschwindigkeit 189 km/h
Verbrauch 9,0 l/100 km
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