Peugeot 407 Coupé HDi FAP 135 im Test

Pas de deux

Foto: Hans-Dieter Seufert 11 Bilder

Das neue Peugeot 407 Coupé überrascht mit auffälligem Gesicht. Doch steckt auch was dahinter? Test des eleganten Zweiplus-Zwei-Sitzers mit dem neuen, 2,7 Liter großen V6-Turbodiesel.

Liegt es an seinen weit geöffneten Augen, dass dem neuen 407 Coupé so viele Blicke folgen? Oder am bulligen Heck mit der Abrisskante? Sei’s drum – der neue Peugeot mit seiner aggressiven Frontpartie und der gestreckten, keilförmigen Linie erweckt jedenfalls reichlich Aufmerksamkeit, obwohl er im Vergleich zum zierlicheren Vorgänger nicht unbedingt schöner geworden ist.

Dessen Entwurf stammte noch aus der Feder des italienischen Star-Designers Pininfarina, der Peugeot viele Jahre lang stilistisch begleitet hat. Für den zweitürigen 407 hingegen erhielt der Entwurf der hauseigenen Stilisten den Zuschlag. Sie sind mit viel Großzügigkeit zu Werke gegangen, denn das Coupé ist mit 4,81 Meter das längste Auto der 407-Reihe. Davon profitieren auch die Insassen,die zumindest vorne in den Genuss eines spendablen Raumangebotes kommen. Getrübt wird die Freude darüber allerdings von einem nicht zum Charakter des Wagens passenden Raumgefühl: Wegen der tiefen, riesigen Armaturenbrett- Oberfläche entsteht der Eindruck, in einem Van zu sitzen.

Die weit nach vorne gezogenen, bei Kurvenfahrt störend ins Blickfeld ragenden A-Säulen und die insgesamt schlechte Übersichtlichkeit erschweren den Umgang mit dem Coupé. Dessen Größe suggeriert zwar günstige Platzverhältnisse auf den gut ausgeformten Fond-Sitzen, doch lange Strecken möchte man dort nur Halbwüchsigen zumuten. Es mangelt vor allem an Kopffreiheit, zudem fühlt man sich durch die hohen Seitenteile eingemauert. Der Ausstieg verlangt trotz Easy-Entry-Vordersitzen überdurchschnittliche Gelenkigkeit.

Zu den kritikwürdigen Punkten im Bereich des Cockpitszählen die zu weit hinten in der Türverkleidung angebrachten Fensterheber-Schalter sowie die unpraktischen Wipptasten der Klimaanlage. Sonst ist alles im grünen Bereich: Übersichtlich gezeichnete Instrumente, sehr guten Halt bietende Sportsitze, prima Sitzposition, genügend Ablagen und Cupholder, befriedigende Verarbeitungs- und Materialqualität sowie reichhaltige Ausstattung einschließlich sieben Airbags.

Sehr fassungsfreudig ist der ebene, tiefe Kofferraum (400 Liter), der sich bei Bedarf durch Hochstellen der einteiligen Rücksitzfläche und Umklappen der geteilten Lehne in einen stattlichen, ebenen Laderaum verwandelt. Größere Transportaufgaben erschweren allerdings die kleine Luke sowie die hohe Ladekante. Raffiniert der Deckelöffner: Die Sensortaste versteckt sich in der Null des 407-Schriftzugs. Über 50 Prozent der Coupé-Kunden, so taxieren die Peugeot-Manager, werden sich wohl für den auch im Testwagen installierten neuen 2,7-Liter- Turbodiesel mit Partikelfilter entscheiden.

Das wäre eine sehr gute Wahl, denn der mit neuester Common- Rail-Technologie arbeitende und mit zwei Turboladern bestückte Vierventil- V6 ist ohne jeden Zweifel das Sahnestückchen dieses Peugeot. Sein Lauf ist vorbildlich leise und weichund wird kaum von Vibrationen oder Rauigkeiten gestört. Mitfahrer haben allergrößte Chancen, bei der Frage nach der Antriebsart kräftig zu patzen, so kultiviert geht der V6 über den gesamten Drehzahlbereich seiner Arbeit nach. Nur Außenstehenden offenbart er sich im Leerlauf mit ganz dezentem Dieselgrummeln. Mit seiner angenehmen Art der Leistungsentfaltung unterstreicht der V6, dass ihm derzeit eine Spitzenposition unter den selbstzündenden Sechszylindern gebührt.

Er packt nicht den brutalen Hammer aus, wenn man bei niedrigen Touren Gas gibt, sondern schiebt den 407 sofort mit sanftem Druck entschlossen voran. Gaspedal- Befehle setzt er spontan und willig um, selbst 4500 Umdrehungen mobilisiert er leicht und locker. Den mustergültigen Auftritt verdankt der V6 auch der serienmäßigen Kombination mit der Sechsgang-Automatik.

Sie kaschiert nicht nur vorzüglich die Antrittsschwäche des Diesels bei niedrigsten Drehzahlen, sondern animiert auch mit weichen Schaltvorgängen und guter Übersetzungsanpassung zu einer souveränen Fahrweise bar jeglicher Hektik. Obgleich der Motor mit dem fast 1,8 Tonnen wiegenden Coupé ganz schön schwer zu ziehen hat, ermöglicht er wackere Fahrleistungen – den Spurt von null auf Tempo 100 in 8,7 Sekunden und eine Höchstgeschwindigkeit von 225 km/h.

Dem steht ein Testverbrauch von nicht gerade sparsamen 9,6 Litern gegenüber. Auf den Einsatz des Sport-Modus, den die Automatik – neben dem Eis- Fahrprogramm für rutschige Bahn – als weitere Alternative bietet, kann man getrost verzichten. Denn außer härteren Gangwechseln und höherem Drehzahlniveau stellt sich automatisch auch noch eine straffere Abstimmung der Stoßdämpfer ein. Dann ist es vorbei mit gepflegtem Dahingleiten, weil die auf kurzen Unebenheiten ohnehin schon etwas kernig ansprechende Federung jetzt ruppiger wird.

Den Sportsfreund zu mimen passt sowieso nicht gut zum Charakter des Coupés. Es unterscheidet sich zwar von der Limousine durch die tiefergelegte Karosserie und eine straffere Fahrwerks-Abstimmung, vermag deshalb aber keine sonderlich sportlichen Erwartungen zu befriedigen. Dazu fehlt das entscheidende Quäntchen Präzision und Leichtfüßigkeit: Im Kurvengrenzbereich untersteuert der sehr kopflastige 407 kräftig, sein Handling ist etwas schwerfällig.

Außerdem mangelt es der Lenkung an Rückmeldung, und die standfeste Bremse nervt mit weichem Pedalgefühl. Hinter der 407-Front verbirgt sich also nicht jene Aggressivität, die sie ausstrahlt. Das macht nichts: Doch als Cruiser passt das attraktiv eingepreiste Coupé (35 300 Euro) ohnehin besser in die Zeit.

Vor- und Nachteile

Karosserie
  • gutes Raumangebot vorn
  • großer Kofferraum
  • schlechte Übersichtlichkeit
  • wenig Platz im Fond
Fahrkomfort
  • guter Gesamtkomfort
  • Sportsitze mit gutem Halt
  • niedriger Innengeräuschpegel
  • begrenztes Schluckvermögen auf kleinen Unebenheiten
  • leichtes Fahrwerkspoltern
Antrieb
  • kultivierter Motor mit angenehmer Leistungsentfaltung
  • sehr durchzugskräftig und drehfreudig
  • sehr gut angepasste, weichschaltende Automatik
  • gute Fahrleistungen
Fahreigenschaften
  • narrensicheres Fahrverhalten
  • sanft einsetzendes ESP
  • guter Geradeauslauf
  • kräftiges Untersteuern im Kurvengrenzbereich
Sicherheit
  • gute Sicherheitsausstattung
  • weiches Bremsgefühl
Umwelt
  • Partikelfilter serienmäßig
  • hoher Verbrauch
Kosten
  • attraktiver Anschaffungspreis
  • nur 2 Jahre Garantie

Fazit

2+2-sitziges Mittelklasse-Coupé mit ausgewogenem Gesamtkomfort. Seine Schokoladenseite ist die Antriebseinheit mit kultiviertem Turbodiesel und harmonisch angepasster Sechsgang-Automatik.

Technische Daten
Peugeot 407 Coupé HDi FAP 135 Sport
Grundpreis 36.950 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe 4815 x 1868 x 1399 mm
KofferraumvolumenVDA 400 l
Hubraum / Motor 2720 cm³ / 6-Zylinder
Leistung 150 kW / 204 PS bei 4000 U/min
Höchstgeschwindigkeit 225 km/h
0-100 km/h 8,7 s
Verbrauch 8,5 l/100 km
Testverbrauch 9,6 l/100 km
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