Peugeot 407, Mazda 6 und Opel Vectra im Test

Vergleich der Mittelklasse-Limousinen

Foto: Reinhard Schmid

Nicht nur optisch möchte Peugeots jüngstes Kind hoch hinaus. Doch vor diesem Aufstieg steht noch der Vergleich mit den Mittelklasse-Konkurrenten von Opel und Mazda.

Er reißt mächtig das Maul auf, der neue Peugeot 407, und unbeteiligte Beobachter auf der Straße kopieren mit ihren offenen Mündern oftmals unfreiwillig seine Frontansicht mit Riesenkühler. So unverhohlen nahm bisher noch kein Mittelklassewagen Anleihe am Design einer italienischen Sportwagenschmiede. Doch bei all den kreativen und polarisierenden optischen Höhenflügen seitens Peugeot bleibt der 407 doch ein Massenauto, das sich ganz bieder an seinen Mittelklasse-Konkurrenten messen lassen muss. So zielt der 2,2 Liter große Vierzylinder-Benziner mit 158 PS auf Konkurrenten wie den Opel Vectra 2.2 mit 155 PS und den 166 PS starken Mazda 6 2.3. Trotz Löwenwappen auf der Motorhaube schnurrt der Vierventil- Motor des 407 aber eher sanft wie ein Kätzchen. Nur zarte Vibrationen dringen über das Lenkrad zum Fahrer vor. Träge wie ein großes Raubtier in der Mittagssonne erhebt sich der mit zwei Ausgleichswellen ausgestattete Motor aus seinem Drehzahlkeller, um dann ab 3500/min endlich mehr Biss zu zeigen.

So richtig temperamentvoll fauchen will der Vierzylinder dabei nicht. Die ausgezeichnete Laufruhe wird auch vom – etwas unexakten – serienmäßigen Sechsgang- Getriebe unterstützt, das auf der Autobahn drehzahlarmes Dahingleiten erlaubt. Trotzdem braucht der 407 mit rund zwei Zentner Übergewicht gegenüber seinen Kontrahenten als Einziger über elf Liter pro 100 Kilometer.

Der nur mit Fünfgang-Getriebe ausgestattete Mazda zeigt dagegen nicht nur akustisch mehr Antriebs-Appeal. Behände dreht der hubraum- und leistungsstärkste Motor im Vergleich bis zu 6500/min und brüllt dabei unverhohlen. Mit acht PS mehr als der Peugeot lässt der mit 1422 Kilogramm leichteste Testteilnehmer dem 407 in Sachen Beschleunigung, Durchzug und Drehvermögen keine Chance. Und 8,3 Sekunden von null auf 100 km/h sind ein starkes Wort. Daran vermag auch der Vectra nichts zu ändern.

Unter Leistungsdruck bekommt sein Vierventiler zwar ebenfalls einen aggressiven Tonfall, doch der vermittelt mehr Schein als Sein. Merklich kräftiger als der Peugeot setzt sich der Vectra nicht in Szene, ist dafür aber mit zehn Liter auf 100 Kilometer dank Direkteinspritzung erheblich sparsamer. Dass es im Opel zügig, aber nicht blitzschnell vorangeht, daran hat auch die Kupplung ihren Anteil. Ein schwammiger, später Druckpunkt macht das Einkuppeln der fünf präzise zu schaltenden Gänge zur Geduldsprobe.

Etwas betulicher als seine Konkurrenten widmet sich der Vectra auch kurvigen Landstraßen. Schnell ums Eck gefahren, schiebt der Vectra seine Front recht früh in Richtung Außenrand, wankend wie ein Hesse nach zu viel Apfelwein. Sportlich ambitionierte Fahrer finden hier keinen Spielplatz, aber fahrsicher ist der Vectra mit seiner exakten Lenkung allemal. Die fast allen Fronttrieblern eigene Tendenz zum Untersteuern zeigt der Mazda in geringerem Ausmaß. Leichtfüssig wie ein Karatekämpfer vollzieht der japanische Mittelklässler Richtungswechsel. Das Handling des Sechser macht Laune. Jedoch nicht uneingeschränkt, denn Steifigkeitsdefizite und eine nervöse, Spurrillen nachlaufende Lenkung kosten Punkte. Auch bei der µ-split-Bremsung ist der Mazda am schwersten kontrollierbar, die prinzipielle Standfestigkeit aller drei Bremsanlagen ist dagegen ohne Tadel.

Mit stoischer Ruhe nimmt sich dafür der Peugeot schneller Landstraßenpartien an. Die Grenzen seines Fahrwerks liegen dort, wo Normalfahrer schon längst einen mentalen Schlussstrich gezogen haben. Vom Rennsport inspiriert, entkoppelten die Ingenieure im 407 die Achsschenkel an der Vorderachse und integrierten eine Mehrlenker-Hinterachse mit stark geneigter Stoßdämpfereinheit. Und das zeigt Wirkung. Neutralität und Handling setzen Maßstäbe in dieser Klasse. Anfänglich muss sich der 407-Pilot jedoch an eine Unstetigkeit in der Lenkung gewöhnen. Die Steuerung wechselt von etwas indifferentem Verhalten um die Mittellage recht abrupt zu direkter Reaktion. Die Hinwendung zur Motorsport- Technik hinterlässt auch beim Fahrkomfort ihre Spuren. Diese Domäne französischer Autos verteidigt der 407 nicht mit voller Inbrunst. Langwellige Anregungen bei schneller Fahrt schluckt sein Fahrwerk zwar so problemlos wie ein Südfranzose Landwein, aber auf kurze harte Stöße reagiert er unnachgiebig. So herrscht latent leichte Unruhe im 406-Nachfolger.

Dass es nie ungemütlich wird, dafür sorgen die bequemen Sitze. Position, Seitenhalt und Weichheit reichen für einen bequemen Trip von der Bretagne an die Côte d’Azur. Auf den engen Fond-Plätzen gilt das jedoch nur für Passagiere unter 1,85 Meter. Im Mazda sollte der Fahrer zur Rückenschonung schon in Burgund eine Pause einlegen. Starke Karosseriebewegungen und das an Cabrios erinnernde Chassis-Zittern verlangen nach Erholung. Zudem drücken die Sitzwangen in kräftigere Oberschenkel. Zumindest das Platzangebot hinten ist ordentlich. Der Vectra-Fahrer benötigt erst im Zentralmassiv einen kleinen Zwischenstopp.

Kurze Stöße steckt der Opel sogar souveräner weg als der 407, lange Wellen erzeugen aber schon mal schwereren Seegang, und der harte Sitzbezug stresst empfindliche Hinterteile über Gebühr. Dafür gibt es im Fond das üppigste Platzangebot und die beste Sitzflächen-Ausformung. Auch vorne kann man im Opel klassengemäß die Ellenbogen ausfahren. Überraschenderweise wirkt der Opel qualitativ besser als seine Konkurrenten. Zwar sieht speziell der graue Armaturenbrett-Kunststoff so aus, als hätte der Materialdesigner in Rüsselsheim einen traurigen Tag gehabt, doch die Passgenauigkeit und Anfassqualität im Vectra liegt über der der Konkurrenten.

Sowohl der Mazda – viel Chrom und Silber – als auch der Peugeot mit vielen weichen Flächen versuchen hier zwar mit eleganterem Interieur-Design und optisch ansprechenden Oberflächen zu punkten, erleiden im Gegenzug aber Niederlagen an der Verarbeitungsfront.

Abgesehen von dem nervigen, nicht einrastenden elektronischen Blinker gibt sich der Vectra auch bei der Bediensicherheit keine Blöße und überzeugt durch vorbildliche Radiound Navigationsbedienung. Die Klimaautomatik kostet jedoch Aufpreis. Auch der Peugeot zeigt Schwächen. Unkoordinierte Menüs und zu viele Tasten erschweren den Umgang mit dem 2400 Euro Aufpreis kostenden Infotainmentsystem. Rangieren bringt ebenfalls keinen Spaß. Der riesige Wendekreis und die flache Frontpartie machen das Einparken so schwierig, als müsste man eine Segelyacht in St. Tropez anlegen. Damit muss der 407-Pilot genauso leben wie mit dem kleinsten Kofferraum im Vergleich. Im Gegenzug setzt der Peugeot neue Sicherheits- Bestmarken in seiner Klasse. Neun Airbags (sogar mit einem Lenksäulen-Luftsack) kümmern sich um Insassenschutz. Praktisch sind auch die automatisch einklappenden Außenspiegel und die Rammschutzleisten rundum. Zudem darf man sich in der Tendance-Ausstattung mit serienmäßiger Zweizonen- Klimaautomatik, CD-Radio und 17-Zoll-Rädern ein wenig wie Gott in Frankreich fühlen.

Der Mazda bietet die einfachere Bedienung und hält auch bei der Komfortausstattung gegen. Seine Sicherheitsfeatures ohne aktive Kopfstützen und Seitenairbags hinten sind aber nicht japanisch asketisch, sondern nicht mehr zeitgemäß. Bei den Kosten liegen alle drei auf ähnlichem Niveau. Der Mazda hebt sich durch exzellente Garantiebedingungen und der Vectra durch besonders günstige Treibstoffkosten hervor. Trotzdem rettet der Peugeot mit seinem ausgezeichneten Fahrwerk den ersten Platz. Damit verlässt der auffällige Franzose zwar immer noch nicht die Mittelklasse, aber in seinem Revier ist er zumindest in diesem Vergleich das Alpha-Tier.

Fazit

1. Peugeot 407 160
493 Punkte

Exzellentes Handling, guter Komfort und üppige Sicherheitsausstattung bringen dem neuen Peugeot den Sieg. Bediensicherheit und Verbrauch verdienen trotzdem Kritik.

2. Opel Vectra 2.2 direct
491 Punkte

Der kostengünstige und umweltschonende Vectra zeigt kaum richtige Schwächen, im Gegenzug fehlt es seinem Fahrverhalten aber auch an ausgesprochenen Stärken.

3. Mazda 6 2.3 MZR Top
476 Punkte

Mangelnde Sicherheitsausstattung und Komfortschwächen setzen den Sechser nur auf den dritten Platz. Der kräftige Motor und das gute Handling bereiten aber Freude.

Technische Daten
Mazda 6 2.3 MZR Top Opel Vectra 2.2 direct Elegance Peugeot 407 160 Tendance
Grundpreis 26.100 € 25.045 € 25.290 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe 4680 x 1780 x 1435 mm 4596 x 1798 x 1460 mm 4676 x 1811 x 1445 mm
KofferraumvolumenVDA 500 l 500 l 407 l
Hubraum / Motor 2261 cm³ / 4-Zylinder 2198 cm³ / 4-Zylinder 2230 cm³ / 4-Zylinder
Leistung 122 kW / 166 PS bei 6500 U/min 114 kW / 155 PS bei 5600 U/min 116 kW / 158 PS bei 5650 U/min
Höchstgeschwindigkeit 214 km/h 218 km/h 220 km/h
0-100 km/h 8,3 s 9,1 s 9,3 s
Verbrauch 8,9 l/100 km 7,7 l/100 km 9,0 l/100 km
Testverbrauch 10,5 l/100 km 9,8 l/100 km 11,2 l/100 km
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