Peugeot 807 2.2 16 V im Test

Vive la Trance

Foto: Uli Jooß 11 Bilder

Der elegante Van aus Frankreich glänzte mit guten Fahreigenschaften und einer üppigen Komfort-Ausstattung, die jedoch während der 100.000-Kilometer-Testfahrt auch eine ganze Menge Verdruss verursachte.

Die elektrischen Schiebetüren des Peugeot 807 sind zunächst einmal richtig praktisch. Man kennt ja den komplizierten Umgang mit handbetätigten Schiebetüren zur Genüge – das gut aufeinander abgestimmte Timing von Reißen, Schieben und Drücken, nicht zu zaghaft, nicht zu kraftvoll. Besonders Kinder und Senioren sind damit oft überfordert.

Beim großen Peugeot-Van öffnen und schließen sich dagegen die Wagenflanken per Knopfdruck. Ein Warnton – biep, biep, biep – begleitet akustisch den Vorgang, damit ihn auch jeder mitbekommt. Ferner kann der Fahrer beide Schiebetüren wie von Geisterhand über zwei Schalter am Dachhimmel oder über die Fernbedienung am Zündschlüssel in Bewegung setzen. Da staunt sogar der E-Klasse fahrende Nachbar und fügt sofort hinzu: „Bin ja gespannt, wie lange die funktionieren.“ Das war die Redaktion von auto motor und sport auch, als am 12. September 2003 Punkt zehn Uhr ein roséroter Peugeot 807 2.2 16 V Tendance mit 2158 bereits gefahrenen Kilometern seinen Dienst als Dauertestwagen antrat. Der 158 PS starke Vierzylinder- Benziner gefiel bei der Eingangsmessung mit munteren Fahrleistungen und einer respektablen Höchstgeschwindigkeit von knapp 200 km/h.

Noch mehr beeindruckte die aus aufpreispflichtigen Einzelposten zusammengestellte Komplettausstattung, welche den Testwagenpreis auf stattliche 39.050 Euro anhob. Dazu zählten neben den beiden E-Türen auch Ledersitze und ein Multimediabildschirm am Dachhimmel für die Fondpassagiere mitsamt DVD-Player, dessen Inbetriebnahme vor der Reise einige Minuten in Anspruch nahm.

Auch andere und wesentlich elementarere Bedienbereiche fanden wenig Beifall. Steckte der Zündschlüssel an der Lenksäule im Schloss, war dessen klobiges Gehäuse leicht mit dem unmittelbar davor angebrachten, optisch identischen Radio-Bedienhebel zu verwechseln, neben dem auch noch der Wischerhebel auf schlechtes Wetter wartet. Außerdem sind auf der eiförmigen Schlüsseleinheit die beiden Schiebetüren nicht sinnfällig mit rechts und links gekennzeichnet, so dass man manchmal die falsche, zur Straße hin sich öffnende Tür betätigt. Gelegentlich öffnete die Fernbedienung unbeabsichtigt alle vier Seitenfenster, was besonders im Winter nervte. Als Redakteur Christian Bangemann sich während eines heftigen Schneegestöbers dem geparkten Peugeot näherte, fuhren plötzlich wie von Geisterhand die Scheiben nach unten. Des Rätsels Lösung: Die von Bangemann in der Hosentasche getragene Fernbedienung veranlasste durch leichten, unbeabsichtigten Doppeldruck auf die Öffnungstaste der Zentralverriegelung die Schnellbelüftung.

Dass der Handbremshebel links vom Fahrersitz aus dem Boden ragt und dass die winzigen Drehregler für die Sitzheizung kaum ablesbar und nicht beleuchtet sind, darf man im Vergleich zum Freistilringen mit den herausnehmbaren Einzelsitzen als Peanuts bezeichnen. Dies gilt besonders im Vergleich zu vielen neuen Kompaktvans, bei denen sich nicht benötigtes Sitzmobiliar einfach im Fahrzeugboden verstauen lässt.

Nicht jedoch beim 807. Auch nach dem Studium der Gebrauchsanleitung verlangt die Rück-Montage der ausgebauten Sitze allergrößtes Geschick: Die gut 30 Kilogramm schweren, zusammengeklappten Sitzmöbel müssen, in einem bestimmten Winkel zur Hälfte angehoben, zentimetergenau in die Befestigungsschienen manövriert werden – ein kräftezehrendes Geduldsspiel, das sogar zu Beschädigungen an dem filigranen Sitzmechanismus und den windelweichen Bodenverkleidungen aus grauem Kunststoff führte. Waren jedoch alle Sitze und Passagiere wohlbehalten an Bord, zeigte der schicke Peugeot auch seine angenehmen Seiten. So lobte die Redaktions-Mannschaft die bequeme Bestuhlung, die gute Rundumsicht, den griffgünstig positionierten Schalthebel, das großzügige Platzangebot, das passend abgestimmte Getriebe sowie den kräftigen Motor. Bei einem Autobahn-Reisetempo von 160 km/h und schneller zog der Peugeot spurtreu und wankfrei seine Bahn. Das Geräuschniveau war hierbei für einen 1,85 breiten und 1,75 Meter hohen Fullsize-Van akzeptabel.

Die zentrale Anordnung der weit entfernt unter der Windschutzscheibe positionierten Instrumente empfanden jedoch einige Fahrer und Fahrerinnen als gewöhnungsbedürftig, zumal die Optik von Tachometer (links) und Drehzahlmesser (rechts) mit Ausnahme der Zahlenwerte völlig identisch ist, was die Orientierung weiter erschwert. Die blassgrüne, inzwischen in Orange abgeänderte Farbgebung der beiden Instrumente wirkte zudem so belebend wie lauwarmer Pfefferminztee. Immerhin: Der zwischen Tacho und Drehzahlmesser direkt unterhalb der Windschutzscheibe platzierte Navigations- Bildschirm liegt beispielhaft gut im Blickfeld des Fahrers.

Beispielhaft gut überstand auch der Motor den 100.000-Kilometer-Trip. Die Fahrleistungen verbesserten sich am Ende des Dauertests sogar geringfügig. Die Beschleunigung von null auf 100 km/h blieb mit 11,2 Sekunden jedoch immer noch um eine halbe Sekunde über den Werksangaben. Der Testverbrauch in Höhe von 12,2 Liter Superbenzin auf 100 Kilometer ist sicher nicht super, aber in Hinblick auf die Fahrleistungen und das Fahrzeugformat akzeptabel. Auch das Getriebe machte keine Zicken, wenngleich die Schaltung am Testende sehr teigig und unpräzise zu handhaben war und mit einer kleinen Teufelei aufwartete: Der Schalthebel-Ring für die Rückwärtsgangsperre springt nicht mehr zurück, sondern muss jedes Mal von Hand nach unten geschoben werden.

Zurück zu unserem E-Klasse fahrenden Nachbarn. Die elektrischen Türen liefen fast problemfrei, ihre Mechanik zumindest bereitete keinerlei Probleme. Der Rest der elektrischen Systeme gebärdete sich jedoch wie eine Folge der chaotischen Comedy-Kultserie Klimbim und führte deshalb mehrmals zu außerplanmäßigen Werkstattbesuchen. So ließ sich zeitweise das Fahrzeug über die Zentralverriegelung nicht mehr abschließen, oder – noch schlimmer – der Wagen öffnete, anstatt abzuschließen, Tür und Tor.

Bei Kälte streikte die rechte Schiebetür sowie das geöffnete Fahrerfenster. Die Reifendruckkontrolle und später die ASR/ESP-Anzeige gaben einzelne Fehlwarnungen. Auch die Warnleuchte für Airbags signalisierte bei Kilometer 87.155 kurzfristig eine Fehlfunktion, die im Zusammenhang mit dem bei Kilometer 93.638 durchnässsten Fahrerfußraum stand. Das Fußraum- Hochwasser war kein Einzelfall und zog deshalb Ende 2004 eine Rückruf- Aktion für alle von Juni 2002 bis November 2004 produzierten Euro- Vans nach sich, also auch für die Peugeot-Schwestermodelle Citroën C8, Fiat Ulysse, und Lancia Phedra: Durch den Verschluss des Kondenswasserablaufs der Klimaanlage konnte Wasser in den Innenraum und – was viel schwerer wiegt – an das Airbag-Steuergerät gelangen. In Folge leuchtet die Airbagwarnanzeige auf, und im Extremfall wird sogar der Airbag ausgelöst. Gleichzeitig modifizierten die Werkstätten die Befestigung der unteren Motorabdeckung, die bei den Dieselmodellen oft das Weite suchte.

Dass sich trotz insgesamt fünf unfreiwilliger Werkstattbesuche die Kosten im Rahmen hielten, verdankt der 807 vor allem dem klaglos arbeitenden Vierzylinder mitsamt Getriebe und akzeptablen Wartungskosten. Auch der Reifenverschleiß des Fronttrieblers hielt sich in Grenzen. Die Michelin-Sommerreifen der Erstausrüstung waren nach knapp 40.000 Kilometern noch nicht zur Hälfte abgefahren. So ist es allein der artbedingte, hohe Verbrauch des Motors, der die Betriebskosten auf 16,1 Cent pro Kilometer klettern lässt.

Der Peugeot 807, der im nordfranzösischen Sevelnord bei Valencienne zusammen mit seinen Brüdern von Citroën , Fiat und Lancia vom Band rollt und mit diesen auch seine Stärken und Schwächen teilt, hinterlässt nach 100.000 Kilometern sehr gemischte Gefühle. Leider sind es nicht allein die Elektrikprobleme, die ein trübes Licht auf den von der Konzeption, vom Stil und der Antriebstechnik her überzeugenden Van werfen, sondern auch das am Testende ziemlich verbraucht wirkende Interieur: zerknautschte Sitzmöbel, lose Verkleidungsteile und eine klappernde Karosserie.

Wenn die für das Modelljahr 2006 vorgenommenen Verbesserungen nicht nur Instrumente, Sitzbezüge und Audio- Anlage betreffen, sondern auch die Bord-Elektrik, ginge das landestypische Kompliment leichter von den Lippen: Vive la France. Dann wird aus dem großen Filou vielleicht doch noch ein würdiger, gesetzter Maître.

Nach sieben sehr zufriedenen Jahren mit einem Peugeot 806 fahren wir (Familie mit zwei Kindern) seit nun knapp sieben Monaten einen Peugeot 807 Tendance 135 Automatik (Benziner) mit einigen elektronischen Helferlein (Navigation, elektrische Schiebetüren, Xenon, Einparkhilfe). Wir können von den ersten 5000 Kilometern nur Positives berichten. Ein komfortables, geräumiges Auto mit sicherer Straßenlage. Die Sitze hinten sind beim Ausbau schwer, aber dafür auch komfortabler und durch den im Mittelsitz integrierten Dreipunktgurt sicherer. Die Verarbeitung ist tadellos, die Bedienung nach einer Eingewöhnungsphase unkompliziert. Einziger Schwachpunkt sind mittig angeordneter Tacho und Drehzahlmesser.
Rolf Monning, 38110 Braunschweig
 
 Ich habe vor zwei Jahren einen Peugeot 807 HDi Platinum gekauft und auf Grund erheblicher und zahlreicher Mängel (meistens Elektronik und Qualität) ein Jahr später wieder gewandelt. Ich entschied ich mich wieder für einen 807. Auch dieses Fahrzeug hatte von Anfang an Qualitätsprobleme, so zum Beispiel schief eingebaute Armaturen, lose Fensterheberschalter. Was mich am meisten ärgert, ist die gleichgültige Einstellung der Peugeot Deutschland GmbH. Sie vertritt die Meinung, dass mit der Reparatur im Rahmen der Garantie alles wieder in Ordnung sei, ohne jedoch die mir zusätzlich entstandenen Kosten durch Ersatzwagen als nicht erstattungsfähige Sekundäraufwendungen übernehmen zu wollen.
Thomas Kern, 72574 Bad Urach

Den ersten Peugeot-Van kaufte ich im Dezember 2002, einen 807 2.2 HDi SV, bei SIAL Toulouse (kein Vertragshändler), weil ich damals in Frankreich lebte. Bereits nach 1500 Kilometern musste die Kupplung ausgetauscht werden. Mehrmals hatte ich Probleme mit den elektrischen Seitentüren, deren Elektronik mehrmals getauscht wurde. Die Türverkleidung löste sich an allen Türen und fiel an der Hecktür eines Tages meinem Sohn auf den Kopf. Die Airbagsteuerung fiel aus, die Getriebesteuerung wurde ausgetauscht, bei vielen Kunststoffteilen zeigten sich Ermüdungserscheinungen. So ging es weiter, bis nach elf Monaten der Händler das Fahrzeug zurücknahm. Für eine Zuzahlung von 3500 Euro erhielt ich im Dezember 2003 wieder einen Peugeot 807 2.2 HDi mit Vollausstattung. Seit damals hatte ich folgende Werkstattbesuche: Navi-Bildschirm fällt teilweise komplett aus, rechtes Seitenfenster bleibt offen stehen, Alarmanlage setzt ohne Grund ein, Schiebedächer schließen nicht vollständig.
Christian von der Schulenburg, 61440 Oberursel
 
Im Juni 2003 wurde unser Peugeot 807 2.2 HDi neu zugelassen. In den gut 1,5 Jahren und nach 40 000 Kilometern hatten wir neben einer mangelhaften Lackierung folgende Probleme: Das Display von Bordcomputer und Navigationssystem verdunkelte sich häufig und wurde innerhalb von 15 Monaten drei Mal ersetzt. Der Rückfahrsensor funktionierte nach vier Reparaturmaßnahmen nur sporadisch. Eine defekte Blinkerarmatur am Lenkrad, die im Ausfall der Blinkerfunktion mündete, hatte während eines Urlaubs einen mehrtägigen Werkstattaufenthalt zur Folge. Dass dieses Dieselfahrzeug nach Kurzstrecken von zwei bis drei Kilometern bei abgestelltem Motor eine Zusatzheizung laufen lässt, die giftig riechende Abgase seitlich unter dem Auto heraus aufsteigen lässt, macht uns Sorge um den Gesundheitszustand unserer Kinder, die bei geöffneten Schiebetüren der Emission ausgesetzt sind.
Axel Herkenrath, 85241 Ampermoching

Wir fahren einen Peugeot 807 Tendance mit 2,2-Liter-Benzinmotor. Bis zum heutigen Tag sind wir mit dem Fahrzeug sehr zufrieden. Die Langstreckentauglichkeit erwies sich als gut. Sowohl die Klimaanlage im Sommer als auch die Heizleistung im Winter überzeugen. Verarbeitungsmängel sind mir bis jetzt nicht aufgefallen. Ebenso sind Elektrikprobleme bisher nicht aufgetreten. Bei 30 000 Kilometern wurde jedoch der Motor auf Grund eines Laufgeräuschs und nach mehreren Reparaturversuchen ausgetauscht. Das Geräusch trat schon vor dem Einbau einer Gasanlage auf. Dank einer Anschlussgarantie war der Motortausch kostenfrei.
Patrick Rose, 64291 Darmstadt

 

Abgastest: Alles im grünen Bereich
Der Peugeot 807 wurde noch nach der Euro 3-Norm für Personenwagen mit Benzinmotor typgeprüft und zugelassen. Mittlerweile ist für alle neu in den Verkehr kommenden Modelle die wesentlich strengere Euro 4- Norm mit einem nur halb so hohen Schadstoffausstoß Vorschrift geworden. Im Rahmen der Euro 3-Norm liegt der Peugeot aber absolut im grünen Bereich.

Die Abgasmessung auf dem Prüfstand des TÜV Süd Automotive in Böblingen bei Stuttgart brachte folgende Ergebnisse (Grenzwerte in Klammern): Kohlenmonoxid CO 0,79 g/km (2,3), Stickoxide (NOx) 0,044 g/km (0,15), Kohlenwasserstoffe (HC) 0,07 g/km (0,20). Damit hat die Großraumlimousine den Abgastest auch nach dem 100 000-Kilometer-Marathontest problemlos bestanden.

Vor- und Nachteile

  • kräftiger Motor
  • gut abgestimmtes Getriebe
  • bequeme Sitze
  • viele Ablagen
  • gutes Platzangebot
  • elektrische Schiebetüren
  • straffe und dennoch komfortable Federung
  • sehr gutes Fern- und Abblendlicht
  • anfällige Elektronik mit vielen Fehlmeldungen
  • unpräzise Schaltung
  • zum Teil umständliche Bedienung
  • Sitze lassen sich nur mühsamaus- und einbauen
  • schlechte Menüführung des Navigationssystems
  • zentrale Instrumente sind schlecht ablesbar
Zur Startseite
Technische Daten
Peugeot 807 160 Tendance
Grundpreis 28.200 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe 4727 x 1854 x 1752 mm
KofferraumvolumenVDA 324 bis 2948 l
Hubraum / Motor 2230 cm³ / 4-Zylinder
Leistung 116 kW / 158 PS bei 5650 U/min
Höchstgeschwindigkeit 196 km/h
Verbrauch 9,7 l/100 km
Alle technischen Daten anzeigen
Noch nicht registriert?

Erstellen Sie jetzt Ihr kostenloses Profil und profitieren Sie als registrierter Nutzer von folgenden Vorteilen:

  • Exklusiver Zugriff auf alle Test- und Messdaten der Redaktion
  • 360°-Ansichten von Autos
  • Schneller PDF-Kauf
Kostenlos anmelden
Die neue Ausgabe als PDF
SUV 01/2019, Shibata R31 Roadhouse Suzuki Jimny Suzuki Jimny Tuning Monster Truck, G-Klasse-Kopie oder Land-Rover-Klon Kia Telluride Detroit Motor Show 2019 Kia Telluride SUV (2019) Neuer großer Korea-SUV mit acht Sitzen
Promobil
Luxemburg Wohnmobil-Tour Luxemburg Durch die Ardennen-Region Éislek Skydancer Apero (2019)
CARAVANING
Camping Porto Sole - Titel Campingplatz-Tipp Kroatien Camping Porto Sole LMC Style Lift 500 K (2019) Premiere LMC Style Lift 500 K Sieben Schlafplätze in einem Caravan
Anzeige
Alle Autos von A-Z
BMW oder doch VW?