Porsche 911 Carrera Cabrio im Test

Größer, stärker und sicherer

Der 911-Generationswechsel geht weiter. Ein knappes halbes Jahr nach dem Coupé kommt jetzt pünktlich zum Frühjahr das 911 Cabrio auf den Markt. Welchen Fortschritt bietet der neue offene Porsche?

Bei Porsche herrscht eitel Sonnenschein. Die Produktion des laufenden Jahres ist praktisch ausverkauft, die Bilanz des vergangenen Geschäftsjahres glänzt durch hohe Umsatz- und Gewinnsteigerungen, und nun läßt auch noch der neue Carrera (intern Typ 996) zum Beginn der Cabriosaison die Sonne hineinscheinen. Was will man mehr? Techniker wollen immer mehr. So ist denn auch das neue 911 Cabriolet nicht nur größer, stärker und sicherer, sondern vor allem auch bequemer geworden als der doch recht archaische Vorgänger auf Basis des Porsche 993. Das fängt schon bei der Verdeckbetätigung an. Kein aufliegendes Rucksackverdeck mehr, kein mehrfaches Umrunden des Autos zwecks Beschaffung und Befestigung der störrischen Verdeckpersenning. Auf Knopfdruck gibt das elektrohydraulisch bewegte neue Cabrio- Faltdach in weniger als 20 Sekunden den Himmel frei und verschwindet dann sauber zusammengelegt in der Verdeckwanne. Dort deckt es sich im vorderen Bereich sozusagen selbst zu, die hintere Hälfte wird von der karosserieseitigen Verdeckklappe geschützt. Im gleichen Arbeitsgang senken sich die vier Seitenscheiben ab. Der Clou aber: Die Verdeckbetätigung läßt sich auch von außen mit dem Zündschlüssel aktivieren. Wer einen kräftigen Daumen hat, kann per Funk- Fernbedienung beispielsweise vom Kaffeehaus aus das Dach zwecks standesgemäßem Abgang öffnen oder auch schließen, sollte in geöffnetem Zustand die Witterung umschlagen.

Die gleiche Funktion läßt sich auch durch Drehen des Schlüssels im Türschloss demonstrieren, was aber weit weniger Eindruck macht. Die platzsparende, vom Boxster übernommene Z-förmige Faltung des Softtops erlaubt zudem, das vordere Drittel des insgesamt doppellagigen Verdecks zusätzlich noch mit einer Formfläche aus Magnesium zu stabilisieren. Sie verhindert zu starkes Aufblähen und reduziert so gleichzeitig den Luftwiderstand und die Windgeräusche. Hier liegt der zweite signifikante Komfortgewinn des neuen offenen Porsche: Er ist viel leiser, auch ein Ergebnis der sorgfältigen Verdeckanpassung im Windkanal. Bis 200 km/h läßt das Verdeck nicht viel mehr als ein dezentes Rauschen vernehmen, subjektiv erscheint das Cabrio kaum lauter als das Coupé. Die Phonwerte im Inneren bestätigen den Eindruck: Die Unterschiede liegen im Bereich der Meßtoleranz, zwischen 160 und 200 km/h ist der Schalldruck sogar identisch. In diesem Punkt verspricht noch nicht einmal das serienmäßig mitgelieferte Hardtop einen Zugewinn, denn es fällt im oberen Geschwindigkeitsbereich durch lokale Windgeräusche auf. Ein echter Zugewinn ist allerdings die bessere Rundumsicht. Doch selbst ohne Hardtop, das über ein größeres Heckfenster verfügt, sind die toten Winkel im neuen Cabrio auch im geschlossenen Zustand wesentlich kleiner als im alten.

Dazu trägt vornehmlich das zusätzliche Seitenfenster bei, das im übrigen den Dachverlauf des Cabrios der Coupélinie nachzeichnet. Weiterer Vorteil: Das weit hinten ansetzende Cabrioverdeck läßt den Innenraum luftiger wirken. Die grosszügigen Platzverhältnisse vorne entsprechen diesem Eindruck, hinten sorgt der Verdeckkasten gegenüber dem Coupé für Raumverlust. Und auf den Notsitzen möchte man niemand zumuten, Platz zu nehmen, weil die Rückenlehnen ganz unanatomisch nach vorne geneigt sind. Da ist den Porsche-Technikern offensichtlich der Erfindungsreichtum ausgegangen, wie überhaupt das Innendesign nicht überall auf Begeisterung stößt. Doch als echte funktionelle Nachteile erweisen sich insbesondere beim offenen Auto der Mangel an Ablagen und das fehlende Handschuhfach. Daß der neue 911 beim Frontalcrash gute Ergebnisse erzielt, darf angesichts der hervorragenden Werte des Boxster, der einen dem Carrera vergleichbaren Vorbau hat, erwartet werden. Gegen den für Cabriofahrer besonders gefährlichen Überschlag schützen zwei Überrollbügel, die von einem Neigungssensor aktiviert hinter den Rücksitzen herausspringen. Als Novum bietet Porsche hochreichende Sidebags mit 30 Liter Volumen an, die auch bei geöffnetem Verdeck dem Kopf gegen den Seitenaufprall Schutz bieten. Sie sind – entgeauf Begeisterung stößt. Doch als echte funktionelle Nachteile erweisen sich insbesondere beim offenen Auto der Mangel an Ablagen und das fehlende Handschuhfach. Daß der neue 911 beim Frontalcrash gute Ergebnisse erzielt, darf angesichts der hervorragenden Werte des Boxster, der einen dem Carrera vergleichbaren Vorbau hat, erwartet werden. Gegen den für Cabriofahrer besonders gefährlichen Überschlag schützen zwei Überrollbügel, die von einem Neigungssensor aktiviert hinter den Rücksitzen herausspringen.

Als Novum bietet Porsche hochreichende Sidebags mit 30 Liter Volumen an, die auch bei geöffnetem Verdeck dem Kopf gegen den Seitenaufprall Schutz bieten. Sie sind – entgegen ersten Porsche-Ankündigungen – nun doch beim Cabrio im Preis inbegriffen. Die übrigen Porsche-Modelle werden ab Spätsommer serienmäßig mit den Sidebags ausgerüstet. Und das Fahrwerk? Es ist praktisch identisch mit dem des Coupés. Um dessen unbestrittene Qualitäten jedoch übernehmen zu können, muß auch die Steifigkeit der Karosserie gewisse Mindestanforderungen erfüllen. Das Porsche-Cabrio ist hier vorbildlich und verzeichnet in der Biege- und Verdrehsteifigkeit noch bessere Werte als sein Vorgänger. Das heißt nicht, daß bei offenem Verdeck und unebener Fahrbahn gar keine Verwindungserscheinungen zu bemerken wären; aber sie sind vernachlässigbar und haben keinen Einfluß auf die Fahreigenschaften. Diese sind für ein Heckmotorauto nahezu narrensicher, selbst wenn der Elch kommt. Wichtiger noch ist indessen, daß der neue 911 und damit auch das Cabrio insbesondere im oberen Geschwindigkeitsbereich deutliche Fortschritte im Fahrverhalten gemacht hat. Dies gilt sowohl für den Geradeauslauf wie für das Kurvenverhalten, das leicht untersteuernd mit gut kontrollierbaren Lastwechseln im Grenzbereich keine übertriebenen Ansprüche mehr an die Fahrkünste stellt. Dies ist wohl auch mit ein Grund, warum Porsche auf eine Antriebsschlupfregelung (ASR) verzichtet. Sie ist trotzdem im Hinblick auf Nässe oder winterliche Fahrbahnen eine empfehlenswerte Option (Aufpreis 980 Euro), zumal das bei Porsche Traction Control (TC) genannte System noch um ein automatisches Bremsendifferential (ABD) und um ein antriebsmomentgesteuertes Sperrdifferential ergänzt wird.

Und außerdem: TC ist für Freunde des Leistungsübersteuerns abschaltbar. Verzichten sollte man aber auf das Sportfahrwerk, das den doch ganz passablen Federungskomfort des neuen Elfer zur Makulatur werden läßt. Für Kurvenkünstler ein guter Kompromiß sind die auch auf dem Testwagen montierten 18 Zoll- Räder, die, wie auto motor und sport-Tests beweisen, ohnehin den Löwenanteil an Fahrdynamik bringen. Nach Meinung der Porsche-Fahrwerksspezialisten jedoch paßt das serienmäßige 17 Zoll-Fahrwerk am besten zum Charakter des Cabrios. Es vermeidet vor allem jene Abrollschwächen, die das im Cabrio gern geübte Langsamfahrvergnügen trüben. Der neue wassergekühlte Boxermotor ist, wie im Coupé-Test (Heft 23/1997) nachzulesen, ein Gedicht. Er zieht und dreht ganz ohne Vorbehalte und untermalt insbesondere das offene Fahren mit seiner unnachahmlichen Geräuschkulisse. In den Fahrleistungen fällt das Cabrio leicht hinter das Coupé zurück. Das höhere Gewicht (+73 kg) und der höhere Luftwiderstand fordern ihren Tribut. Trotzdem: Wünsche bleiben hier keine offen. Für die Porsche-Aufpreisgestaltung läßt sich dies leider nicht behaupten. 80.000 Euro kostet das neue Elfer-Cabrio, allerdings inklusive Hardtop, umfassender Sicherheitsausstattung. Aber für diese Preisklasse normalerweise selbstverständliche Accessoires wie Radio, Klimaanlage oder Lederausstattung laufen als Sonderausstattung. Es bleibt also auch bei Porsche etwas teurer, einen besonderen Geschmack zu haben.

Vor- und Nachteile

Karosserie
  • als 2+2-Sitzer gutes Raumangebot
  • hohe Karosseriesteifigkeit
  • gute Verdeckkonstruktion
  • Gepäckraumvolumen ausreichend
  • dürftige Serienausstattung
  • kleiner Tank
Antrieb
  • hervorragendes Drehvermögen
  • sportliche Fahrleistungen
  • hohe Elastizität
  • leichtgängige Schaltung
  • gut gestuftes Getriebe
  • gefühllose Kupplung
Fahrkomfort
  • geringe Windgeräusche
  • vibrationsarmer Motor
  • problemlose Bedienung
  • mit 18 Zoll-Rädern schlechter Abrollkomfort
Fahreigenschaften
  • sicheres, leicht untersteuerndes Kurvenverhalten
  • guter Geradeauslauf
  • exakte, leichtgängige Lenkung
  • sehr gute Traktion
  • sportliches Handling
Sicherheit
  • sehr gute Bremswirkung
  • automatischer Überrollschutz
  • großvolumige Sidebags
  • hohe Aufprallsicherheit frontal
Kosten
  • angemessener Grundpreis
  • sehr teure Extras
  • hohe Unterhaltskosten
  • nur 1 Jahr Garantie
Umwelt
  • Einsatz wasserlöslicher Lacke
  • schadstoffarm nach D 3
  • angemessener Verbrauch
Technische Daten
Porsche 911 Carrera Cabriolet
Grundpreis 81.776 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe 4430 x 1765 x 1305 mm
KofferraumvolumenVDA 130 l
Hubraum / Motor 3387 cm³ / 6-Zylinder
Leistung 221 kW / 300 PS bei 6800 U/min
Höchstgeschwindigkeit 280 km/h
0-100 km/h 5,3 s
Verbrauch 11,7 l/100 km
Testverbrauch 12,9 l/100 km
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