Porsche 911 GT2 im Test

Scharf gemacht

Foto: Hans-Dieter Seufert

Der stärkste Elfer, noch auf Basis des 996, hat noch einmal zugelegt: Er katapultiert sich mit 483 PS auf weit über 300 km/h.

Die technischen Daten klingen viel versprechend. Der Porsche 911 GT2, noch der alten Baureihe 996 entstammend, präsentiert sich als 1500-Kilogramm- Sportwagen, bei dem fast 500 Pferdestärken im Heck lauern. Und dann diese kultivierten Umgangsformen. Der 3,6 Liter große Boxermotor, durch auf maximal ein bar erhöhten Ladedruck sowie Feinarbeit an der elektronischen Motorsteuerung auf einem neuen Leistungshoch angekommen, wird selbst unter Volllast nicht zur brüllenden Bestie. Mit einem fast enttäuschend zivilen Motorgeräusch dreht er bis zur Drehzahlgrenze von 6700/min hoch, wobei er eine vollkommen gleichmäßig ansteigende Leistungskurve beschreibt.

Keine Kraftexplosion, kein plötzlicher Turbobums – man möchte zunächst daran zweifeln, dass hier zwei Abgaslader im Einsatz sind. Die auf der Mess-Strecke in Hockenheim ermittelten Werte freilich machen deutlich, dass hier wirklich Bärenkräfte walten. Obwohl nicht wie der reguläre Turbo mit Allradantrieb ausgerüstet, katapultiert sich der GT ohne nennenswerte Traktionsprobleme von der Startlinie, was der Fabelwert von nur 1,6 Sekunden für die Beschleunigung auf 50 km/h unterstreicht. Der Schub, nur kurz unterbrochen von der ersten Schaltpause bei 62 km/h, drückt die Insassen tief in die Schalensitze, die den Körper so fest umschlingen wie eine zweite Haut. Mit nur 3,9 Sekunden auf 100 km/h übertrifft der Testwagen die Werksangabe (vier Sekunden), bis 200 km/h rasiert er vom offiziellen Wert 0,3 Sekunden ab. Das rückt den GT2 schon in die Nähe des Carrera GT, was den exorbitanten Preis dieses Elfers in einem milderen Licht erscheinen lässt.

Die gewaltige Durchzugskraft des Motors, der zwischen 3500 und 4500/min ein Maximaldrehmoment von 640 Newtonmetern entwickelt, sichert dem GT2 selbst dann eine schier unerschöpfliche Dampfreserve, wenn der Fahrer darauf verzichtet, ständig im sehr exakt schaltbaren Sechsganggetriebe zu rühren. Wenn im sechsten Gang von 80 auf 120 km/h beschleunigt wird, verstreichen dafür gerade mal 7,8 Sekunden. Erst bei 319 km/h ist Schluss, der Sechszylindermotor dreht dabei voll aus. Ähnlich eindrucksvoll auch das Bremsvermögen. Der GT2 verfügt serienmäßig über Keramik- Bremsscheiben mit 35 Zentimeter Durchmesser. 

Die Bremsanlage zeichnet sich durch feinfühliges Ansprechen und enorme Verzögerung aus. Wobei im ermittelten Bremsweg bei der auto motor und sport-exklusiven Messmethode die Ansprechzeit der Bremse enthalten ist. Überdies erweist sich die Bremsanlage als absolut standfest – selbst auf der Rennstrecke gelingt es nicht, sie an die Grenze ihrer Belastbarkeit zu bringen. Auf abgesperrter Piste fühlt sich der Porsche ohnehin am wohlsten. Da stört es nicht, dass die sehr straffe Federung über jede noch so kleine Bodenunebenheit exakt informiert.

Das messerscharfe Reagieren auf Lenkbewegungen und die extrem hohe Querbeschleunigung, die bei neutralem Eigenlenkverhalten erzielt werden kann, stehen im Vordergrund. Im Grenzbereich wird der GT2 zu einem Auto für Könner. Die Leistung erlaubt jederzeit übersteuernde Einlagen, und weil es kein ESP gibt, sind dann ebenso schnelle wie präzise Lenkkorrekturen gefragt. Ein Porsche also nicht nur für Menschen, die nie genug Kraft haben können. Sondern auch für die, die an alten Traditionen hängen.

Vor- und Nachteile

  • Extrem leistungsfähiger Motor, exakte Schaltung, hervorragende Bremsen, präzise Lenkung, sehr gute Handlichkeit, hohe Karosseriequalität
  • Sehr hoher Preis, hohe Unterhaltskosten, stark eingeschränkter Federungskomfort, kein ESP
Technische Daten
Porsche 911 GT2
Grundpreis 184.674 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe 4450 x 1830 x 1275 mm
KofferraumvolumenVDA 110 l
Hubraum / Motor 3600 cm³ / 6-Zylinder
Leistung 355 kW / 483 PS bei 5700 U/min
Höchstgeschwindigkeit 319 km/h
0-100 km/h 3,9 s
Verbrauch 12,8 l/100 km
Testverbrauch 16,2 l/100 km
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