Porsche Boxster S im Test

S-Klasse

Foto: Hans-Dieter Seufert 17 Bilder

Mit mehr Leistung, mehr Dynamik und höherer Qualität bei behutsamen optischen Retuschen folgt der neue Porsche Boxster der Evolutionstheorie des unlängst renovierten 911. Was taugt die S-Version mit 280 PS?

Der Schlüssel zum Boxster-Herzen ist leicht gefunden: Man steckt denselben ins Zündschloss – links natürlich -, dreht ihn herum, und schon begrüßt dich der Sechszylinder-Boxer mit freudigem Bellen. Also Kupplung treten, ersten Gang rein und Gas geben. Das helle Ansauggeräusch mischt sich mit dem tiefen Ton des Auspuffs und steigert sich zu einem ekstatischen Geheul, wenn die Nadel des Drehzahlmessers bei 7.200/min an den roten Bereich stößt. Schnell in den zweiten, was mit dem kürzeren, präziser geführten Schalthebel noch leichter geht, und schon beginnt die Jubelarie von neuem.

Im Prinzip wie gehabt, nur etwas vollmundiger, reifer eben. Kaum zu glauben, dass knapp 80 Prozent aller Teile geändert wurden. Der gleiche Look, die gleichen Proportionen, selbst die Abmessungen weichen nur um Millimeter von denen des Vorgängers ab. Durch eine modifizierte Führung der Luftwege hat besonders der 3,2-Liter-Motor des Boxster S an Leistung und Durchzug gewonnen. Mit 280 (plus 20) PS wurde er aus der jüngsten Modellpflege entlassen, und sein von 310 auf 320 Nm gestiegenes Drehmoment bildet nun ein Plateau zwischen 4.700 und 6.000/min. Ganz nebenbei erfüllt er auch die Abgaswerte der Euro 4-Norm.

Statt wie bisher 5,7 verstreichen beim Beschleunigen auf 100 km/h nur noch 5,4 Sekunden, bis Tempo 200 vergrößert sich der Vorsprung auf 1,9 Sekunden. Selbst im sechsten Gang ermöglicht der Motor noch deutlich bessere Elastizitätswerte, von 80 auf 120 km/h deklassiert der Neue seinen Vorgänger geradezu mit 8,3 statt 11,4 Sekunden. Doch eigentlich ist es die unglaubliche Kultiviertheit, dieser saubere Schub aus egal welcher Drehzahl, was entscheidend den Reiz des Boxster-Fahrens prägt. Wer im sechsten Gang die Nadel bei 3.500/min parkt, gleitet in sanftem Rauschen über die Autobahn. Tempo 160 wird porschemäßig als kommodes Schlendern empfunden, und weder das geräuscharme, neu konstruierte Stoffverdeck, das sich jetzt sogar während der Fahrt (bis 50 km/h) öffnen und schließen lässt, noch das weiterentwickelte Fahrwerk bremsen den Drang nach einer forcierten Gangart.

Die ohnehin schon vorbildlichen Bremsen wurden kräftiger dimensioniert, dazu saugt sich der Wagen durch erhöhten Abtrieb (verkleideter Unterboden) noch stärker am Boden fest und lässt sich in einer Manier um die Ecken treiben, als gälten die Gesetze der Physik für ihn nicht. Weiter ausgereizt wird die Dynamik von extrem griffigen, speziell für den Porsche entwickelten 19-Zoll-Reifen von Michelin sowie vom aktiven Dämpfersystem PASM (Option), das den Boxster um zehn Millimeter absenkt und bei schneller Kurvenfahrt automatisch die Abstimmung strafft.

Im Gegenzug filtert die neue, leichtgängigere Zahnstangenlenkung mit variabler Übersetzung nun Störeinflüsse weitgehend raus. Doch sie offenbart zugleich, dass das Bessere nicht immer das Reizvollere sein muss: Das spontane, fast intuitive Ansprechen bei kleinsten Korrekturen ist um die Mittellage einer gewissen Trägheit gewichen.

Optimierte Sitzposition

Als klarer Fortschritt werden hingegendie neuen, abgesenkten Sitze verbucht. Sie sind etwas weiter und bequemer geschnitten, ohne weniger Halt zu bieten. Dazu dürfen sich groß gewachsene Fahrer über verlängerte Sitzschienen, nach vorn gerückte Pedale sowie ein jetzt auch in der Höhe justierbares Lenkrad freuen. Das Cockpit wirkt jetzt weniger verspielt und hochwertiger, besonders mit der optionalen Vollleder-Verkleidung. Allerdings bedeuten die zahlreichen kleinen Tasten auf der Mittelkonsole und für die Fensterheber an den Türen in funktionaler Hinsicht keine Verbesserung. Immerhin hat sich Porsche einen Ruck und dem Boxster frei Haus ESP, Klimaanlage, CD-Radio sowie Bordcomputer mit auf den Weg gegeben, was ausstattungsbereinigt beim S einem Mehrwert von sechs Prozent entspricht.So hat am Ende nicht nur das Auto, sondern auch der Käufer gewonnen.

Fazit

Der neue Porsche Boxster S ist mehr Porsche denn je: stärker, dynamischer, rundherum kompetenter. Auch Komfort und Innenraumqualität wurden spürbar verbessert. Nicht optimal: viele kleine Bedientasten und die weniger spontane Lenkung.

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Technische Daten
Porsche Boxster S
Grundpreis 52.265 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe 4329 x 1801 x 1295 mm
KofferraumvolumenVDA 280 l
Hubraum / Motor 3179 cm³ / 6-Zylinder
Leistung 206 kW / 280 PS bei 6200 U/min
Höchstgeschwindigkeit 268 km/h
0-100 km/h 5,4 s
Verbrauch 10,5 l/100 km
Testverbrauch 12,6 l/100 km
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