Porsche Boxster vs. BMW Z4

Air-Gefühl

Foto: Hans-Dieter Seufert 12 Bilder

Porsche Boxster gegen BMW Z4 – Kann der Neue aus Zuffenhausen den Abstand zum Erzrivalen aus Bayern vergrößern? Ein Vergleich der brunftig röhrenden Sechszylinder klärt die Rangfolge im Revier der Stoffdach-Roadster.

Hurra, sie leben noch, die offenen Zweisitzer mit Stoffdach. Losgelöst von findigen Plattformstrategien und Synergie-Optimierung transformieren sie crispe Tradition ohne Umschweife in die Zukunft.

So umwölkt den neuen Porsche Boxster neben einer nunmehr schärfer dosierten Portion Carrera noch immer die Aura des Mittelmotor- Spyders 550. Besser bekannt als James Deans finales Spielzeug und von ihm „Little Bastard“ getauft.

Heutzutage gilt es dagegen, Schocks und Verlockungen der Preisliste wegzustecken. So kostet der Basis-Boxster mit Klimaanlage, elektronischem Stabilitätsprogramm, CD-Radio und elektrischem Verdeck 43 068 Euro.

Lecker angerichtet mit Sechsgang- Getriebe, adaptiver Dämpfung, Lederpolstern, 18-Zoll-Rädern et cetera sind es zügig über 50 000, beim Testwagen satte 61 000 Euro. Dafür gibt es einen behutsam evolutionierten Klassiker, dem man kaum ansieht, dass rund 80 Prozent seiner Teile verändert wurden.

Bis auf den jüngst um 1000 auf 39 900 Euro gelifteten Preis ist der BMW Z4 3.0i ganz der Alte. Lange Motorhaube, 231-PS-Dreiliter-Reihensechser knapp vor der achtern liegenden Kanzel, Fahrerhintern auf Tuchfühlung zur Achse: Der Z4 geht als kühl durchgestylter Techno- Enkel des ollen Austin Healey 3000 durch. Spitzname des knorrigen Briten: „The pig“. Wie beruhigend, dass beim Entern moderner Roadster keine Schweinereien drohen.

Dafür eichen sich die Sinne intuitiv auf Sehen, Hören, Lenken, Bremsen, Kuppeln und Schalten. Wer sich etwa in den Boxster-Sitz mit seinen luftgepolsterten Wangen einklinkt, das in Höhe und Weite verstellbare Lenkrad einstellt und links davon den Schlüssel rumdreht, ist infiziert: Rotzig sägend vertreibt der 2,7-Liter-Boxer bereits beim Losfahren das Geschwätz vom Midlife- Crisis-Tröster und Sonnenstudio- Shuttle.

Der Boxster ist und bleibt ein Sportwagen.

Wie gehabt mit gelungener Ergonomie, porschigem Design und seriöser Verarbeitung. Plus streng einrückender Kupplung und kurz-knackig rastendem Getriebe. Sowie einer präzisen Lenkung, die gegenüber dem Vorgänger allerdings einen Tick Direktheit um die Mittellage einbüßte. Im Z4-Innenraum sucht man rustikale Sportlichkeit vergebens.

Er bietet stattdessen reduzierte Instrumentierung, wenig Bedienknöpfe und einen quasi schwebenden Armaturenträger mit Alu- Paneel.

Bis auf die krude Bedienung der Infotainment-Abteilung mit ihrem ausfahrbaren Bildschirm gelingt alles leicht und mühelos. Kupplung, Bremse und Lenkung fühlen sich an, als ob dünnes Öl statt honigzäher Hydraulikflüssigkeit wie beim Porsche durch die Leitungen strömte.

Tatsächlich ist die Z4-Lenkung allerdings elektrisch unterstützt. Sie setzt Kommandos handlingfördernd direkt, wenn auch etwas synthetisch um. Vor allem im serienmäßigen, zuschaltbaren Sport-Modus reagiert sie schon auf zarte Kommandos mit zackigem Ausschlag.

Sensible preisen die anspringende Direktheit, Grobmotoriker machen mit ihr aus jeder Kurve eine Ecke.

Dennoch hat die Sport-Taste auch ihr Gutes, stachelt sie doch den Motor zu noch mehr Einsatz an. Schneller öffnende Drosselklappen und andere Kennlinien lassen den Reihensechszylinder agiler ansprechen, durchziehen und ausdrehen. Nach jedem Gangwechsel mit dem ölig-präzisen Getriebe beginnt der Spaß von neuem.

Unter Last beherrscht der Dreiliter das komplette Repertoire vom tiefen Schlürfen bis zum energischen Schreien, garniert mit leisem Auspuffblubbern im Schiebebetrieb. Sie vermissen den Begriff heiser? Nun, der ist für den 2,7-Liter- Boxer reserviert.

Wenn der Z4 mit Milch und Honig gurgelt, nimmt der Porsche Whisky pur. Anders lässt sich der rauchig-kratzige Unterton nicht erklären. Allerdings sind die Atemwege des vor der Hinterachse montierten Aggregats in Topzustand: Klappensystem zur Resonanzaufladung, größerer, umgestalteter Luftfilter und modifizierte Auspuffanlage lautet das Trainingsprogramm gegenüber dem Vorgänger.

Porsche weiß, wie man 240 PS drehfreudig und vibrationsarm verabreicht. Nicht einmal die spürbar wellige Drehmomentkurve und das daraus resultierende drehzahlabhängige Ansprechverhalten hindern den Boxster daran, den Z4 fahrleistungsmäßig zu bügeln.

Im Fahrdynamik-Parcours deutet sich zudem an, was auf der Landstraße Gewissheit wird: Zuviel Härte schadet. So funktioniert das aktive Porsche-Fahrwerk (2088 Euro inklusive Sechsganggetriebe) am besten in Normalstellung. Die Dämpfer reagieren ohnehin auf die Fahrsituation und bieten selbst auf holprigen Pisten einen gelungenen Kompromiss aus geschmeidiger Absorption und realistischer Rückmeldung.

Der Grenzbereich liegt mittelmotortypisch hoch, die Annäherung fällt untypisch entspannt aus, vor allem mit eingeschaltetem ESP (hier: PSM). Im Sport-Modus verhärten sich die Dämpfer dagegen unnötig, das Fahrverhalten wird hoppelig und nervös. Ähnlich wie beim straff abgestimmten BMW. Ist der Asphalt eben, krallt sich der Z4 hinein, zirkelt mit Tempo um die Kurve, bemüht erst spät das ESP (hier: DSC). Unebenheiten aller Art gibt er unverblümt weiter und verhagelt damit akkurate Traktion und Zielgenauigkeit, die zudem unter der Längsrillenempfindlichkeit leidet.

Stressfrei verläuft dagegen die Verwandlung zum Luftkurort. Beide Roadster öffnen ihre soliden Stoffkapuzen elektrisch. Von Hand muss beim Boxster ent- und verriegelt werden, was länger dauert, dafür aber bis Tempo 50 klappt. Im Z4 dauert es kurze zwölf Sekunden – jedoch nur im Stand. Danach hat man jeweils eine geschwungene Frontscheibe mit nicht zu breitem Rahmen plus eine lange Haube (BMW) respektive geschwungene Kotflügel (Porsche) vor sich. Sowie unschätzbares Air-Gefühl über sich.

Die Eigenschaftswertung gewinnt übrigens der Boxster mit deutlichem Abstand vor allem im Kapitel Fahrstabilität. Nur seine niedrigeren Kosten verhelfen dem Z4 schließlich knapp zum Sieg.

Fazit

1. Porsche Boxster
476 Punkte

Der neue Boxster begeistert bereits als Basisversion mit erwachsen-sportlichem Handling, hoher Fahrsicherheit, ordentlichem Komfort und guten Fahrleistungen. Seine hohen Kosten vereiteln jedoch den Testsieg.

2. BMW Z4 3.0i Roadster
479 Punkte

Er ist ein konsequenter Roadster: eng, hart, mit agilem Handling und einem famosen Reihensechser. Dennoch unterliegt der Z4 dem Boxster in der Eigenschaftswertung, gewinnt aber über die Kosten.

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Technische Daten
BMW Z4 Roadster 3.0i Porsche Boxster
Grundpreis 39.900 € 43.333 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe 4091 x 1781 x 1299 mm 4329 x 1801 x 1295 mm
KofferraumvolumenVDA 260 l 280 l
Hubraum / Motor 2979 cm³ / 6-Zylinder 2687 cm³ / 6-Zylinder
Leistung 170 kW / 231 PS bei 5900 U/min 176 kW / 240 PS bei 6400 U/min
Höchstgeschwindigkeit 250 km/h 256 km/h
0-100 km/h 6,1 s 6,0 s
Verbrauch 9,1 l/100 km 9,5 l/100 km
Testverbrauch 11,6 l/100 km 12,7 l/100 km
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