Porsche Cayman gegen BMW Z4 3.0si Coupé

Top Guns

Foto: Hans-Dieter Seufert 27 Bilder

Zwei Sportcoupés, zwei Konzepte: Der neue Basis-Cayman von Porsche liefert sich mit dem etwas stärkeren, aber deutlich preisgünstigeren BMW Z4 3.0si Coupé in den Alpen ein Duell um Zeiten, Punkte und Ehre.

Und wieder wirbelt die Spitze des Wiesbachhorns vorbei, fliegen die Wolken wie von einem virtuellen Band gezogen. Kein Naturschauspiel für die Massen, sondern ein intimes Fahrer-Naturerlebnis, das an jeder Kehre des alpinen Kurven- Eldorados an der Großglockner- Hochalpenstraße seine dynamische Wendung nimmt.

Wie Minilawine und Geröllsturz rollen der schneeweiße Porsche Cayman und das felsgraue BMW Z4 3.0si Coupé die Berge hinab. Man möchte schwören, dass die unteren Lufteinlässe in der Schürze noch stärker grinsen als bisher. Die Sportcoupés sind sich dicht auf den Fersen. Was der Basis-Porsche in den Kurven vorausschnüffelt, egalisiert der Edel-Z4 auf der Geraden. Bevor die ersten Punkte vergeben sind, ist klar: Die beiden geben sich in der Summe ihrer Eigenschaften wenig, pflegen aber ihren eigenen Talente. 50 PS fehlen dem Cayman zu seinem stärkeren Bruder. Hier oben in der dünnen Bergluft bei 25 Grad Außentemperatur entwickelt der Sechszylinder- Boxer noch weniger als 245 PS.

Die Atemnot ist spürbar, was den 2,7-Liter-Motor nicht daran hindert, seine Lebenslust hinauszutrompeten. Das Cayman-Aggregat schmettert sein wildes Power-Lied völlig unbekümmert von seiner Kraftlosigkeit unter 5000/min. Der Pilot muss schalten, bis der Unterarm schmerzt, damit die Porsche- Fuhre bei Laune bleibt. Kein Genuss bei der weichen Führung des optionalen Sechsgang-Getriebes. Wichtigste Erkenntnis am Berg: Der erste Gang dient nicht nur zum Anfahren. Wenn schon nicht an schierer Drehmomentkraft, so stimuliert sich der Cayman- Bändiger doch am beherzten Ansprechen und an der quirligen Drehfreude des Boxers mit variabler Ventilsteuerung und Trockensumpfschmierung. Ausreichend Antriebsspaß für alle, die den BMW nicht kennen.

Dabei geht es gar nicht um die ständig zitierte Laufkultur des 265 PS starken Dreiliter-Motors.Dass man dafür heute keinen Reihenmotor mehr braucht, beweist schon der Cayman. Es ist die an Perfektion grenzende Art und Weise, wie das BMW-Herz seine Leistungsentfaltung zelebriert. Bis 3000/min seidenweich schnurrend und schon mit spürbarem Nachdruck, reißt der Alu- Magnesiummotor dann seine brave Maske herunter und treibt die Drehzahlnadel mit sägendem Gebrüll in das Rot der 7000er und den Fahrer auf abgeregelte 250 km/h. Die endgültige Watschen für den Cayman-Boxer setzt der Verbrauch: Trotz 20 PS mehr und 15 Kilogramm Mehrgewicht trinkt das Valvetronic-Konstrukt über einen Liter weniger auf 100 Kilometer.

Dermaßen motiviert jagt der BMW aus den Kurven heraus. Spürbar steifer, präziser und agiler als seine Cabrio- Basis, zentrifugiert er ums Serpentinenglück. Biegungen werden jedoch nicht explosionsartig abgehakt, sondern sehr zügig genommen. Sensible Piloten spüren ein zartes Schwanken um die Hochachse, den Drang des langen Frontmotors und eine ganz leichte Synthetik in der elektromechanischen Lenkung. Der Handlingeindruck ist trotzdem top – bis es dem Z4 weiß vor seinen Scheinwerferaugen wird.Dann feuert der Cayman vorbei und macht sich die Querbeschleunigung untertan. Noch tiefer kauert dessen Karosserie über dem Boden, mittig pocht der Boxer. Das Einmaleins agilen Handlings. Wenn der Z4-Kühler schon mit dem Kurvenaußenrand flirtet, bleibt der Porsche noch neutral. Wanken steht auf dem Index. Heimtückische Lastwechsel- Heckzucker unterbindet ESP wirkungsvoll, aber nicht spaßraubend. Spursicher wie ein Slotcar führt die direkt-präzise Lenkung den Cayman um die Rundungen der Straßenwelt. Ab und zu ruckt es bei Fahrbahnschlägen kurz im Volant. Die Porsche-Lenkung erzählt eben gern viel. Sie würde wahrscheinlich noch mehr plaudern, säße das Zuffenhausener Krokodil nicht auf 17-Zoll-Reifen mit wulstigen 50er-Flanken. Die sehen zwar altertümlich aus, stoppen aber zusammen mit den optionalen adaptiven Dämpfern des PASM-Systems Straßenbelagsfehler mit Souveränität vorm Einschlag im Fahrergesäß. In puncto Komfort ist der Cayman der Primus inter Pares seiner Klasse.

Dafür sorgen auch die anschmiegsamen, aber aufpreispflichtigen Sportsitze. Beim BMW ignorieren die Sessel nicht nur die menschliche Lordose, das Fahrwerk bleibt auch bei kurzen harten Anregungen bajuwarisch stur. Es knallt schon mal unerbittlich im Kreuz. Das nervt, genauso wie die um-
ständliche Tempomat- und Infotainment- Bedienung – wohlgemerkt auch ohne i-Drive.

Versöhnlich stimmt der Z4 dafür mit seinen exzellent ablesbaren Instrumenten, dem bequemeren Einstieg und dem schon serienmäßig guten Qualitätseindruck. Wer seinen Porsche innen hübsch mag, muss erst noch einige Tausender in die Hand nehmen, um die Plastikwüste zu beledern. Wie man überhaupt beim Studium der Cayman- Aufpreisliste froh sein kann, dass wenigstens das Lenkrad Serie ist. Serienmäßig gibt es dagegen 410 Liter Gepäckraumvolumen (vorne 150 und hinten 260 Liter) sowie die schlechte Übersichtlichkeit nach hinten, die beide Coupés in trauter Eintracht pflegen. Die reine Eigenschaftswertung gewinnt der Cayman trotz seines schlappen Motors. Zu groß ist nicht nur sein Komfortvorteil, sondern auch das Plus an passiver Sicherheitsausstattung (seitlicher Kopfairbag ist serienmäßig). Kein Grund zum jubelnden Ross-Sprung in Zuffenhausen, denn die Mehrkosten für den Porsche sind immens: 10 835 Euro beim Kaufpreis, 5053 Euro bei den festen Unterhaltskosten (auf fünf Jahre) plus höhere Treibstoffkosten überwiegen den voraussichtlich besseren Wiederverkaufserlös deutlich.

Die Exklusivität, einen Porsche zu besitzen, kostet eben selbst beim Basis- Coupé eine Stange Geld. Wer darauf verzichten kann, greift daher zum Gesamtsieger BMW, genießt seinen Deluxe- Motor und kneift die Pobacken etwas fester zusammen.

Fazit

1. Porsche Cayman
452 Punkte

Die Eigenschaftswertung gewinnt der Cayman knapp, trotz des schlappen 2,7-Liter-Motors. Wer den agilen, komfortablen Sportler genießen möchte, muss aber tief in die Tasche greifen.

2. BMW Z4 3.0si Coupé
470 Punkte

Auch im Z4 Coupé gibt der Dreiliter-Sechszylinder eine Galavorstellung und sichert zusammen mit den erheblich niedrigeren Kosten den Gesamtsieg. Die Federung könnte aber rückgratschonender sein.

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Technische Daten
BMW Z4 Roadster 3.0si Porsche Cayman Sportpaket
Grundpreis 42.250 € 51.021 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe 4091 x 1781 x 1299 mm 4341 x 1801 x 1305 mm
KofferraumvolumenVDA 260 l 410 l
Hubraum / Motor 2996 cm³ / 6-Zylinder 2687 cm³ / 6-Zylinder
Leistung 195 kW / 265 PS bei 6600 U/min 180 kW / 245 PS bei 6500 U/min
Höchstgeschwindigkeit 250 km/h 260 km/h
0-100 km/h 5,7 s 7,0 s
Verbrauch 8,6 l/100 km 9,7 l/100 km
Testverbrauch 11,8 l/100 km 12,3 l/100 km
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