Porsche Cayman S im Test

Crocodile Rock

Foto: Hans-Dieter Seufert 19 Bilder

Caymann ist nicht nur ein Krokodil, sondern ab sofort auch ein Porsche. Der Name verpflichtet: Hat das neue Coupé mit dem 295 PS starken Mittelmotor den Biss, den es verspricht?

Was macht denn nun einen Sportwagen aus? Die schiere Leistung sicher nicht. Ein Mercedes SL zum Beispiel bleibt auch dann ein Komfort-Tourer, wenn ihm AMG eines Tages 1000 PS einblasen sollte. Entscheidender ist das Gewicht: 1340 Kilogramm verspricht Porsche für den Cayman ohne Extras, sportwagenmäßig wenig also. Dazu kommen 295 PS, was die verlockende Kennzahl von 4,5 Kilogramm pro PS ergibt.

Kompletten Artikel kaufen
Einzeltest Porsche Cayman S
Sie erhalten den kompletten Artikel (inkl. PDF, 4 Seiten)
1,99 €
Jetzt kaufen

Die Ziffer birgt Zündstoff, denn damit kratzt der Cayman an einem Denkmal. Der um 30 PS stärkere, aber 130 Kilogramm schwerere 911 Carrera hat nicht weniger zu schleppen. Der Sportwagentest Nummer eins: die Landstraße, ein Elfer läuft zum Feeling- Vergleich mit. Und schon nach wenigen Kilometern dämmert es: Porsche hat mit dem Cayman einen Pokalsieger auf die optionalen 19-Zoll-Räder gestellt.

Das kompakte Coupé ist extrem handlich, lenkt willig ein und lässt sich auf den Millimeter genau mit höchster Präzision platzieren. Es wirkt leichtfüßiger und zugänglicher als der Klassiker, aber auch als sein offenes Pendant, der Boxster. Der Elfer umrundet Kurven im direkten Vergleich behäbiger, der Fahrer muss mehr arbeiten. Die Untersteuer-Phase am Kurveneingang ist beim Cayman spürbar kürzer.

Er saugt sich förmlich an der Fahrbahn fest, reagiert spontaner und schmiegt sich schneller neutral in die Biegung. Das ESP, in Zuffenhausen PSM (Porsche Stability Management) genannt, lässt leichtes Übersteuern gewähren, ohne den Cayman zu einer giftigen Heckschleuder zu machen, Krokodil hin oder her. Man weiß, was kommt, auch wenn schnelle Reaktionen im Extremfall zum Handwerkszeug gehören sollten. Schließlich handelt es sich um einen Porsche.

Einen Traum-Porsche sogar: Der Mittelmotorsportler hat die wacheren Reflexe und übertrifft den Elfer damit im wichtigsten aller Sportwagen- Kriterien. Er ist leichter, quirliger und bietet schon bei niedrigem Tempo jede Menge Unterhaltung.

Die im Testwagen installierten Keramik-Bremsen (Aufpreis 7830 Euro) greifen bissig, aber gefühlvoll zu und lassen sich exzellent dosieren. Dem Versprechen der Sportlichkeit kommt er damit so nahe, wie es ein alltagstaugliches Gefährt einlösen kann. Er kommuniziert unverblümt, gibt sich feinnervig, beschönigt nichts.

Dass der Cayman in seiner Dynamik derart punktet, liegt wesentlich an seiner steifen Karosse. Seine Struktur basiert auf dem Boxster, der als offener Sportwagen konstruiert wurde und deshalb auch ohne Dach sehr stabil ist.

Durch das Coupédach wurde die Verwindungssteifigkeit mehr als verdoppelt: Um das Chassis nur um ein einziges Grad zu verwinden, wäre das Drehmoment von 92 Cayman-Motoren notwendig. So fährt sich der Cayman ruhiger, präziser als sein offenes Pendant. Kein Jota eines Fahrerbefehls wird von Verwindungen verfälscht. Derart gerüstet, konnten auch Federn, Dämpfer und Stabilisatoren härter als beim Boxster ausgelegt werden.

Die Abstimmung überzeugt: Der Cayman ist keineswegs bretthart, sondern bietet einen überraschend akzeptablen Gesamtkomfort. Die optionalen Sportsitze sind trotz guter Seitenführung bequem und passen dank einstellbaren Seitenwangen wie angegossen. Deutlich ruppiger zur Sache geht es allerdings nach dem Druck auf die „Sport“-Taste in der Mittelkonsole. Das Fahrwerk verhärtet sich, die PSMEingriffe erfolgen später, das elektronische Gaspedal verschärft das Ansprechen.

Auch in der harmonischeren Normal-Einstellung kann sich der Fahrer über mangelnden Biss aber nicht beklagen. Nach dem Dreh am klassisch links platzierten Zündschlüssel bellt der 3,4-Liter-Sechszylinder los wie in alten Tagen. Die Sound-Ingenieure komponierten wohl abgestimmte Klänge, präsenter als im Elfer, schon weil der Motor hier direkt hinter dem Fahrer arbeitet.

Der Sound erinnert ein wenig an die Ära der luftgekühlten Porsche – Sägen nach alter Sitte, aber nicht prollig. Ebenso harmonisch wie das Klangbild ist die Leistungsentfaltung. Die Cayman- Maschine verhehlt keinen Augenblick, dass sie ein reinrassiger Sportmotor ist. Dank der geringen Schwungmassen legt der Cayman unverzüglich los.

Er entspricht damit exakt der Vorgabe, die Ferry Porsche einst formulierte: „Wenn man drauftritt, muss er schießen.“ Sein Vorteil gegenüber dem Boxster nennt sich VarioCam Plus (siehe Spotlight). Schon ab Leerlaufdrehzahl zieht der Cayman ordentlich durch und dreht lustvoll bis 7300/min, wo der elektronische Begrenzer dem freudigen Treiben ein Ende setzt.

Im Normalmodus wird dann sanft, in der Sportstellung knallhart abgeriegelt. Dirigiert wird mittels des perfekt abgestuften Sechsganggetriebes, dessen Schaltung wieder einmal vorführt, dass es auch ohne Paddel am Lenkrad geht.

Auf der Autobahn ist bei Tempo 275 Schluss, wobei die Hände trocken bleiben. Die 65 Millimeter mehr Radstand verleihen dem Cayman eine Richtungsstabilität, die dem 911 fremd ist. Man muss nur die Zügel etwas locker lassen und nicht bei jeder Spurrille sofort am Volant korrigieren. Da zeigt der kleine Heckflügel große Wirkung: An der Hinterachse entstehen rund 20 Prozent weniger Auftrieb als beim Boxster. Und anders als beim Cabrio, das seine Passagiere schon ab 180 km/h mit hohem Lärmpegel malträtiert, erreichen die Windgeräusche im Coupé erst jenseits von 250 Orkanstärke.

Das Beste am Porsche Cayman: Er ist ein Sportwagen, der seinem Fahrer schmeichelt. Ein paar sauber gefahrene Wechselkurven, ordentlich Drehzahl, punktgenau bremsen, und man ist Fernando Alonso, gefühlsmäßig natürlich.

Genuss ohne Reue? Eigentlich schon. Schließlich lässt sich dieses Auto auch bei zivilem Gebrauch bestens ertragen. Der Platz reicht bequem für zwei, der Kofferraum ist für einen Sportwagen akzeptabel. Die hintere Klappe zwischen den wunderschön modellierten hinteren Kotflügeln lässt sich ebenso wie der vordere Deckel spielerisch per Fernbedienung entriegeln, zusammen stehen 410 Liter Stauraum zur Verfügung.

Allüren? Keine. Auch im drögen Autoalltag entpuppt sich der Cayman als Freund des Menschen. Damit steht er nicht nur ganz in der Tradition des Hauses Porsche, sondern er gewinnt auch in seiner Rolle als Carrera-Alternative. Den Rest dürften die 18 000 Euro Minderpreis besorgen.

Wie beim Elfer schlagen die Preise für wichtige Extras allerdings heftig zu Buche. Mit Navi, Leder, Sportsitzen, 19-Zöllern, dem Sport Chrono-Paket mit Sport- Taste und Xenon-Licht summierte sich der Testwagen-Preis auf exakt 81 149 Euro.

Nicht nur ein prall gefülltes Bankkonto, auch ein gut gepolstertes Ego sollte man schon mitbringen: Dem Ruch, den Elfer für Arme zu fahren, dürfte kein Cayman-Besitzer gänzlich entkommen. Macht nichts. Das Auto ist eben ein Fall für Kenner.

Vor- und Nachteile

Karosserie
  • –geräumiger Zweisitzer –solide Verarbeitung –ausreichender Kofferraum –praktische Heckklappe
  • –zu kleine Bedienknöpfe in der Konsole
Fahrkomfort
  • –straffe, aber ausreichend komfortable Federung –bequeme Sportsitze (optional)
Antrieb
  • –gute Fahrleistungen –sehr gutes Ansprechverhalten –gut abgestuftes, leicht schaltbares Getriebe
  • –kleiner Tank (64 Liter)
Fahreigenschaften
  • –sehr gutes Kurvenverhalten –extrem agiles Handling –präzise Lenkung –gute Traktion –guter Geradeauslauf
Sicherheit
  • –sehr gute Bremsen –gute Sicherheitsausstattung (sechs Airbags)
Umwelt
  • –angemessener Verbrauch
Kosten
  • –relativ geringer Wertverlust
  • –hoher Anschaffungspreis –hohe Unterhaltskosten –teure Extras

Fazit

Der Cayman vereint maximalen Fahrspaß mit voller Alltagstauglichkeit. Die 6.000 Euro Mehrpreis zum Boxster sind happig, aber wegen des deutlich verschärften Sportwagen-Feelings gut angelegt.

Technische Daten
Porsche Cayman S
Grundpreis 69.942 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe 4341 x 1801 x 1305 mm
KofferraumvolumenVDA 410 l
Hubraum / Motor 3386 cm³ / 6-Zylinder
Leistung 217 kW / 295 PS bei 6250 U/min
Höchstgeschwindigkeit 275 km/h
0-100 km/h 5,5 s
Verbrauch 10,6 l/100 km
Testverbrauch 12,3 l/100 km
Alle technischen Daten anzeigen
Noch nicht registriert?

Erstellen Sie jetzt Ihr kostenloses Profil und profitieren Sie als registrierter Nutzer von folgenden Vorteilen:

  • Exklusiver Zugriff auf alle Test- und Messdaten der Redaktion
  • 360°-Ansichten von Autos
  • Schneller PDF-Kauf
Kostenlos anmelden
Dieser Artikel stammt aus diesem Heft
Top Aktuell Racechip Hyundai i30 N - Tuning - Kompaktsportwagen Racechip-Hyundai i30 N im Test 320 Tuning-PS im Kompakten
Beliebte Artikel MTM-AUDI R8 V10 PLUS 802 SUPERCHARGED, Exterieur MTM-Audi R8 V10 Plus 802 im Test Am Limit des Machbaren Porsche 911 GT3 RS, Exterieur Porsche 911 GT3 RS im Test Mit Wolllust Richtung Begrenzer
Gebrauchtwagen Angebote
Anzeige
Sportwagen Porsche 911 991 (2018) GT3 Touring-Paket Porsche 911 Carrera bis GT2 RS Elfer-Einmaleins in 5 Minuten Subaru WRX STI Diamond Edition Subaru WRX STI Diamond Edition 354 PS aus Südafrika
Allrad Jeep Gladiator JT Pickup Jeep Wrangler Gladiator (2019) Erste Bilder durchgesickert Toyota Tundra Kalifornien Toyota Tundra im Waldbrand-Einsatz Retten bis das Rücklicht schmilzt
Oldtimer & Youngtimer Mercedes 280 SE 3.5 Cabriolet W111 (1970) Wiesenthal Mercedes-Auktion Wiesenthal Familiensammlung unterm Hammer Porsche Carrera GT Werksrestaurierung Porsche Classic Carrera GT 13 Jahre alt, aber jetzt fabrikneu
Promobil Mobile Menschen im Hymercar 323 Von der Auszeit zum Vanlife Zwei Vollzeit-Nomaden im Camper Hartnäckiger Schmutz Moos, Regenstreifen, Harz Tipps für hartnäckige Fälle
CARAVANING Tabbert Vivaldi 550 E Tabbert Vivaldi im Supertest Neues, modernes Design für 2019 Bleder Insel Caravan-Tour Slowenien Schöne Städte und Landschaften