Porsche Panamera 4S im Test

Der Riese wird sanfter

Porsche Panamera 4S Foto: Ingolf Pompe 22 Bilder

Tschüss V8-Sauger, hallo V6-Biturbo. Die 4S-Version des modellgepflegten Porsche Panamera bietet mehr Leistung bei weniger Verbrauch. Gibt es auch genug Emotionen?

Kein V8. Porsche sagt, die Beschwerde darüber sollten wir nach Brüssel schicken. Was jetzt aber nichts mehr daran ändert, dass beim facegelifteten Porsche Panamera 4S kein saugender Achtzylinder mehr unter der langen Fronthaube bollert, sondern ein neuer Biturbo-V6. Große Sauger putzen die sterilen Emissionsvorgaben eben am liebsten weg.

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Ein Blick auf die Messwerte mag jene milde stimmen, die ein Auto rein nach Zahlen bewerten, aber was macht denn einen Porsche wirklich aus? Mal abgesehen vom Image und dem Der-kann-sich-das-leisten-Blick der Nachbarn sind es die Emotionen, die er weckt. Doch wenn der neue Dreiliter im Porsche Panamera aus seinem Schlaf gezündet wird, pennen die Unterarmhärchen weiter.

V6 im Porsche Panamera ist ein Flüsterer

Bei geschlossenen Auspuffklappen säuselt da ein akustisch verwechselbares Aggregat leise wie eine Mercedes S-Klasse. So etwas wird in der automobilen Luxus-Klasse für entspanntes Reisen auch erwartet, aber wenn die Auspuffklappen öffnen, sollte Kirmes im Gehörgang herrschen – charakteristisch und authentisch. Das geht selbst bei einem aufgeladenen V6, wie der Maserati Quattroporte beweist. Für den Porsche Panamera ist ein gedämpftes heiseres Sägen das Höchste der Gefühle. Klingt gut, aber nicht herausragend – Akustikkanal in den Innenraum hin oder her.

Dabei hat sich Porsche viel Mühe gegeben, den Neuen besonders zu machen: Der 420 PS starke Direkteinspritzer ist eine Ableitung aus dem alten V8. Was ganz banal bedeutet, dass zwei Zylinder abgeschnitten und deren Hub verkleinert wurde. Der Bankwinkel beträgt so nicht typische 60, sondern eher ungewöhnliche 90 Grad. Die höhere Unruhe kompensiert eine Ausgleichswelle im Ölsumpf. Durch die flachere und kürzere Bauform liegt sein Schwerpunkt günstiger als beim Achtzylinder, den er auch in den Leistungsdaten übertrifft. Dabei geht es weniger um die 20 PS und Nm mehr, sondern das mit 1.750 bis 5.000/min viel breitere Drehzahlband maximaler Kraft. Ohne groß mit dem Kolben zu zucken, surft der große Porsche so lässig ab 45 km/h schon im sechsten Gang.

Eine Nebenwirkung ist jedoch das leicht verzögerte Ansprechverhalten im Vergleich zum alten Sauger – womit wir wieder bei den Gefühlen wären. Die Belohnung für das Downsizing sind 13,1 Liter Testverbrauch pro 100 Kilometer und damit 1,9 Liter weniger als beim Vorgänger. Wobei Sparfüchse sich sicher keinen Panamera 4S kaufen.

Geniales Fahrverhalten

Weiter mit den Zahlen: Bei der Beschleunigung von null auf 100 km/h unterbietet der Porsche Panamera 4S mit hervorragender Allradtraktion seine Werksangabe von 4,8 Sekunden um zwei Zehntel. Objektiv schlägt er den V8 um fast eine halbe Sekunde, gefühlt tut sich nicht so viel mehr. Der Vortrieb ist gleichmäßig druckvoll, die Gangwechsel des Siebengang-Doppelkupplungsgetriebes sind kaum zu spüren. Selbst das Rangieren läuft inzwischen nicht mehr so ruckelig. Nur beim Bremsen stand der Vorgänger bis zu zwei Meter früher aus 100 km/h.

So müssen das Fahrwerk und die Lenkung die Sache mit den Emotionen wieder richten. Es bedarf exakt einer Kurve, um das Fünf-Meter-Schiff Porsche Panamera 4S als echten Porsche mit dieser herrlich intimen Verbundenheit zur Straße zu erkennen. Noch gleichmäßiger und präziser führt die modifizierte Lenkung (weiterentwickelte Lagerung) den Zweitonner ums Rund. Die Spurstabilität und Beherrschbarkeit des Porsche Panamera bei höchstem Tempo ist für die Luxusklasse schlicht atemberaubend. Kasseler Berge, wir kommen. Hier ist das Gefühl viel besser als die fast auf Vorgänger-Niveau liegenden ordentlichen Werte der Slalom- und Wedel-Tempi.

Porsche Panamera kann auch Komfort

Seit dem neuen 911er und Boxster wissen wir aber, wie gut Porsche inzwischen auch den Komfort beherrscht. Für den renovierten Porsche Panamera wurden der Ölfluss in den Dämpfern erleichtert, die Vorderachs-Fahrwerkslager größer dimensioniert und die Steuerungssoftware neu abgestimmt. Die Kombination aus feinem Ansprechen, Sanftmut und Dynamik ist nicht nur in seiner Klasse einzigartig. Daher der Tipp für alle Motorsound-Fans: den GTS nehmen, bei dem brabbelt noch der alte V8.

Fazit

Objektiv ist der aufgefrischte Panamera eine Art Luxus-Paradox: Deutlich bessere Fahrleistung bei niedrigerem Verbrauch und höherer Komfort bei toller Agilität – für einen Zweitonner. Bei diesen Leistungen müssen sich Audi A8 und Co. warm anziehen. Leider fehlt ihm eine wichtige Kleinigkeit: ein emotionaler Motorsound. Der alte V8 klang viel besser.

Technische Daten
Porsche Panamera 4S S
Grundpreis 109.695 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe 5015 x 1931 x 1418 mm
KofferraumvolumenVDA 445 bis 1263 l
Hubraum / Motor 2997 cm³ / 6-Zylinder
Leistung 309 kW / 420 PS bei 6000 U/min
Höchstgeschwindigkeit 286 km/h
0-100 km/h 4,6 s
Verbrauch 8,9 l/100 km
Testverbrauch 13,1 l/100 km
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