Praxistest

Einparksystem im Toyota Prius

Foto: Uli Jooß 12 Bilder

Traum oder Albtraum? Das automatische Einparksystem im Toyota Prius soll engen Lücken den Schrecken nehmen. Ein Praxistest.

Es war ein gefundenes Fressen für die Fernsehsender: Das automatische Einparksystem des Toyota Prius flimmerte über fast alle Kanäle. Millionen von Fernsehzuschauern konnten verfolgen, wie der Hybrid-Japaner trotz eines elektronischen Assistenten über Bordsteine holperte und Pylonen kickte wie Michael Ballack. Am Steuer saßen meistens Frauen. Sat1 kürte für die Testfahrten sogar eigens Deutschlands vermeintlich schlechteste Einparkerin – es schien mal wieder ein rein weibliches Problem.

Doch dem männlichen Autor erging es nicht besser. Auch wenn der Prius mit seinem aus dem Stand butterweich ansprechenden Elektroantrieb und der leichtgängigen Lenkung prinzipiell exzellent zu rangieren ist: Gerade mit der elektronischen Einparkhilfe IPA (Intelligent Park Assistant) werden auch erfahrene Autofahrer erst mal zu Park-Neulingen.

Denn das im Paket mit dem DVD-Navigationssystem und der Rückfahrkamera für 2.950 Euro bestellbare Parksystem bedarf erst mal einer umfangreichen Einarbeitungszeit. In Japan dürfen die Prius-Fahrer schon seit zwei Jahren üben. Wer glaubt, selbst engste Parklückenprobleme erledigten sich jetzt auf Knopfdruck, wird enttäuscht. Da IPA bis auf die Rückfahrkamera auf jedwede teure Radar-Sensorik verzichtet, liegt die Hauptverantwortung auch im juristischen Sinn noch immer beim Fahrer.

Hohes Fehlerpotenzial und hoher Zeitaufwand

Zuerst müssen der Rückwärtsgang eingelegt und die IPA-Taste gedrückt sein. Dann legt der Fahrer per Touchscreen-Menü fest, welche prinzipielle Ausrichtung die Parklücke hat. Dann muss ebenfalls über den Farbbildschirm mit Hilfe von vier Orientierungspfeilen eine grüne Raute (die Parkfläche) definiert werden.

Hier schlummert nicht nur viel Fehlerpotenzial, es dauert auch schon eine kleine Ewigkeit. Wer also keinen entrüsteten Hupsturm des Nachfolgeverkehrs erleben will, sollte die ersten Einparkversuche mit IPA auf einem großen freien Gelände machen – wie zu Fahrschulzeiten.

Ist die virtuelle Raute fixiert und vom Prius mit grüner Beleuchtung als machbar eingestuft, dürfen die Hände vom Lenkrad weichen. Sobald der Fuß von der Bremse gleitet, bewegt sich das Hybridauto wie von Geisterhand in die Parklücke. In der Theorie zumindest.

Die Praxis sieht anders aus: Wäre der Toyota ein Fahrschüler, sein Lehrer spräche ihm jedes Talent ab. Entweder sticht der Prius schnurstracks auf die Bordsteinkante zu, oder er geht ohne große Umwege auf Kollisionskurs mit den Stoßfängern des Vorderautos. Steht der Fahrer nicht schnell genug auf der Bremse, droht mehr als nur das Gelächter der Passanten. Wer zu schnell fährt, bekommt über den Bildschirm einen Rüffel von der Elektronik.

Erst nach einiger Zeit und Übung klappt es mit dem Einparken. Die Raute muss sauber definiert, der seitliche Startabstand richtig gewählt und die Parklücke groß genug sein. Richtig gelesen, nur mit relativ großen Parklücken kommt der Prius zurecht. Sind sie zu eng, muss der Fahrer wie bisher alleinverantwortlich kurbeln. So haben sich die meisten das automatische Einparken sicher nicht vorgestellt.

Doch irgendwann funktioniert es. Die richtigen Ausgangsbedingungen vorausgesetzt, manövriert sich der Prius selbstständig lenkend in die Parklücke, der Fahrer muss nur mit Gas und Bremse eingreifen. Nur: Perfekte Umstände gibt es im Verkehr selten. So wird zum Beispiel bei Nacht die Erkennbarkeit der Bildschirmdarstellung und damit das Definieren des Parkraums deutlich erschwert.

Neue Systeme im Kommen

IPA sollte daher immer zusammen mit der akustischen Einparkhilfe bestellt werden. Denn nur sie garantiert, dass in der Automatik-Euphorie keine Hindernisse oder – noch schlimmer – kleine Kinder übersehen werden. So unterstützt das Toyota-System nach einiger Zeit wirkungsvoll Autofahrer, die mit der Einpark-Prozedur auf Kriegsfuß stehen. Wer Zeit seiner Führerschein-Laufbahn auch größere Wagen in enge Lücken bugsierte, wird jedoch keine Freude daran haben.

Das Einparken mit IPA dauert eben auch im Optimalfall länger, als der geübte Fahrer rein manuell braucht. Und wenn sich IPA mal wieder linkisch anstellt, wird die Entschuldigung "Mein Einparksystem hat wieder mal Probleme“ sicherlich nur für Erheiterung sorgen.

Trotzdem ist klar, dass das automatische Einparken kommen wird. Alle großen Automobilfirmen arbeiten an diesem Thema. Zusammen mit entsprechender Radarsensorik, die nicht nur die Größe der Parklücke vermisst, sondern auch Rempelsicherheit gewährleistet, werden in Zukunft auch engste Parklücken automatisch gefüllt. Prototypen-Systeme wie das von Siemens VDO beherrschen inzwischen schon bis zu sieben Züge.

Dann werden sich Einpark-Virtuosen auch nicht mehr mit ihren Künsten brüsten dürfen. Prius-Fahrer können davon aber vorläufig nur träumen, denn in dieser Form hat IPA noch viel Potenzial.

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