Premium-Minis zwischen Lust und Frust

Audi A2 1.4, Mercedes A 140, Mini One: Nach dem Audi A2 und der Mercedes A-Klasse fährt jetzt auch der neue Mini Kreise um jene potenzielle Kundschaft, die für vergleichsweise wenig Geld schon Premium-Luft schnuppern will.

Was kostet die Welt im Segment der kleinen, edlen Premium-Minis? Den Mini One mit dem 90-PS-1,6-Liter-Vierzylinder gibt es in der Basisversion für 28.360 Mark, der Audi A2 1.4 mit dem 75 PS starken 1,4-Liter-Vierzylinder steht mit 32.369 Mark in der Preisliste, und die Avantgarde-Version des Mercedes A 140 (1,4 Liter, 82 PS) kostet sogar 35.620 Mark. Und was gibt es dafür? Die A-Klasse glänzt mit der reichhaltigsten Serienausstattung, etwa mit Teillederausstattung, ESP, Leichtmetallrädern und der Zentralverriegelung mit Funkfernbedienung. Anders der A2: Selbst die Alufelgen des Testwagens kosten Aufpreis. Und beim Mini kostet fast alles, was gut aussieht, zusätzlich Geld: ob Drehzahlmesser, die 15-Zoll-Leichtmetallräder, das Silberdekor im Innenraum oder das Lederlenkrad. Unter dem Strich ist er dennoch günstiger als seine beiden Konkurrenten.

Aber nicht nur deshalb fühlt man sich im Mini One gleich wohl. Die Sitzposition ist zwar tief, aber angenehm, Lenkrad und Schaltknauf liegen gut zur Hand. Sogar groß Gewachsene bleiben von Dachhimmelkontakten verschont. Da verzeiht man dem Mini sogar die arg billig geratenen Lenkstockhebel, den fürchterlich hakeligen Vorklappmechanismus der Sitze oder den schlecht ablesbaren Mitteltacho, bei dem die eingeschaltete Fernlicht-Kontrollleuchte kaum zu erkennen ist. Lifestylig sind auch die verchromten Kippschalter in der Mittelkonsole, an deren Funktionalität es aber nichts auszusetzen gibt.

Der A2-Innenraum mit seinem klobigen Mittelkonsolen-Turm ist im Vergleich dazu fast langweilig. Sicher, der Tacho wirkt edel und ist exzellent ablesbar, die Sitze sind komfortabel, und man hat auch im kleinsten Audi dieses sympathische Soliditätsgefühl. Doch der A2 ist ein Vernunftauto. Das zeigen auch die fast tadellose Ergonomie und das gute Raumgefühl.

Die A-Klasse dagegen ist weder Fisch noch Fleisch. Stilistisch anspruchsvoll wirken weder der einfache Tacho noch die Hartplastik-Türtaschen. Außerdem sitzt die Klimaanlagenbedienung zu tief und die unbequemen Sitze bieten wenig Seitenhalt. Die Stärken des A 140 sind sein höchst variabler Innenraum und die optionalen Einzelsitze im Fond. Auch der A2 punktet hier mit gutem Sitzkomfort. Und der Fond beim Mini? Naja, irgendwo muss der Spaß halt aufhören.

Fun and Action bietet der Mini One dafür auf winkligen Strecken. Denn der Kleine zirkelt so dynamisch um Kurven, dass sich der Fahrer oft dabei ertappt, schnell noch eine Verlängerung über die Landstraße zu nehmen. Dabei zeigt der Mini erstaunlich geringe Seitenneigung und ausreichenden Komfort, der nur hie und da von kurzen Fahrwerksstübern eingeschränkt wird. Dass die sehr direkte und präzise reagierende Lenkung dabei immer ein wenig schwergängig wirkt, fällt kaum ins Gewicht.

Aber auch der A2 ist ein handliches Auto. Kommt es nicht auf sportliches Kurvenfahren, sondern auf so schnöde Dinge wie Rangieren oder Einparken an, ist der Audi mit seiner leichtgängigen Lenkung sogar am angenehmsten zu dirigieren. Ganz der Vernunft verpflichtet, bietet der A2, von einer Stuckerneigung auf Querfugen einmal abgesehen, den besten Kompromiss aus Komfort und Handling unter den drei Kontrahenten.

Bei der A-Klasse dagegen gehören ständige Karosseriebewegungen zum Standard-Repertoire und mindern nachhaltig den Komfort. Den Spaß bremst das extrem früh einsetzende ESP in schnell gefahrenen Kurven jäh ein.

Richtig zügig geht es aber mit keinem der drei voran. Den Mini, mit 90 PS am stärksten, wirft die lange Getriebeübersetzung besonders im Elastizitätskapitel zurück. Auf der Autobahn erreicht er zwar das höchste Tempo (185 km/h), aber nur mit langem Anlauf. Und obwohl er als einziger rundum Scheibenbremsen besitzt, verzögert er nur durchschnittlich. Der Audi hingegen überrascht mit erstaunlich munterem Temperament. Sein niedriges Gewicht (1005 kg) und die enge Getriebeabstufung lassen auch dem etwas rauen 75-PS-Motörchen eine Chance. Den geringsten Verbrauch bietet er noch dazu. Und die A-Klasse? Fehlanzeige in Sachen Temperament und günstigem Verbrauch. Immerhin bietet der Mercedes die beste Sicherheitssausstattung. Was den A 140 aber vor dem letzten Platz in der Gesamtwertung nicht bewahrt.

Der eindeutige Sieg gebührt dem ausgewogenen und erwachsen wirkenden Audi A2. Der zweite Platz und die Sympathien der Lust-Fahrer aber dem Mini One.

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