Range Rover 4.4 V8 im Test

Rover-Drive

Foto: Michael Heinz, Uli Jooß, Hans-Dieter Seufert, Hans Peter Seufert, Hermann-Josef Stappen 17 Bilder

Langzeiterfahrungen über 100.000 Kilometer: Geht der Nobel-Offroader im rauen Alltag vornehm zugrunde? Bietet er britischen Pfusch oder deutsche Wertarbeit à la BMW?

Scheiden tut weh – manchmal sogar bei einem Dauertestwagen. Das will viel heißen: Schließlich begleiten uns die Langläufer mindestens 100.000 Kilometer – das reicht, um Schwächen gnadenlos offenzulegen, um aus kleinen Macken große werden zu lassen und große Hoffnungen zunichte zu machen. Schwer vorhersehbar, ob der Kandidat am Ende mit einem Fußtritt oder mit einer Träne verabschiedet wird.

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Dauertest Range Rover V8
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Beim Range Rover ist die Sache nun geklärt: Die Redaktion wird ihn vermissen. Sicher, er leistete sich die eine oder andere Entgleisung, welcher noble Engländer tut das nicht. Aber der Umgang mit ihm blieb bis zum Schluss erstrebenswert, eine willkommene Unterbrechung im Autoalltag.

Range Rover V8 mit Wohlfühlfaktor

Angenehm sind vor allem die gepflegten Manieren, denn für einen Geländewagen, auf neudeutsch SUV, bietet der Range Rover V8 einen ungewöhnlich guten Komfort. Seine Luftfedern bügeln die Unvollkommenheiten der Straße auch dann aus, wenn man sie mit hohem Tempo überfährt, was man von Autos dieses Genres selten behaupten kann. Reichlich Platz und bequeme Sessel mit Armlehnen, die bis zum Dauertest-Ende keinerlei Ermüdungserscheinungen erkennen ließen, begünstigen das Wohlbefinden.

Aber auch die Sitzposition leistet einen entscheidenden Beitrag: Selbst an SUV-Maßstäben gemessen sitzen Range Rover-Passagiere ungewöhnlich hoch und genießen einen ausgezeichneten Rundumblick. Die Außenwelt aus der Perspektive einer luxuriösen Aussichtsplattform wahrzunehmen, hat einen Reiz, dem man sich nicht entziehen kann.

Gleiches gilt für die Eindrücke im Innern. Die Einrichtung wirkt edel, aber nicht protzig, der individuelle Stil zeugt von gutem Geschmack. Aspen (graugrün) mit Ivory (hellgrau) an Kirschholz zierte das Interieur des Testwagens – an sich eine gelungene Mischung, wenn die hellen Cockpit- und Türverkleidungen den Schmutz nicht magisch anziehen würden. So aber präsentierten sich die entsprechenden Partien schon nach kurzer Zeit in wenig vornehmen Grautönen, die schwer zu entfernen waren. Ansonsten hielt sich der Alterungsprozess jedoch in Grenzen: kein Klappern, kein Scheppern, keine abfallenden Türdichtungen, mithin nichts, was Kenner von englischen Autos eigentlich erwarten. Nur die Kofferraumabdeckung bot zum Schluss ein Bild des Jammers, was nicht zuletzt mit der ausgiebigen Nutzung des Range Rover V8 als Transportmittel auch für ganz schwere Fälle zu tun hatte. Langstrecken sind eindeutig sein Metier, wozu neben dem Wohlfühlfaktor auch seine praktischen Vorzüge beitragen. Er fasst zwar nicht mehr Gepäck als ein ordentlicher Kombi (535 Liter, bei umgeklappten Rücksitzen 1756 Liter), doch das Volumen ist bestens nutzbar, und der untere Teil der zweigeteilten folglich nur der tiefe Griff in die Benzinkasse. Davon abgesehen sind die Toleranzgrenzen, die er im Alltag einfordert, jedoch gering.

Sie beschränken sich weitgehend auf die Klimatisierung, die Zeit und eine starke Gebläseunterstützung braucht, um die gewünschten Temperaturen zu erreichen, und auf die schwer schließenden Türen – ein Nachteil spezieller Dichtungen, die beim Durchwaten von Gewässern von Vorteil sein sollen. Im Stadtverkehr bewegt sich der Range Rover V8 sich so behände wie ein Kabinenkreuzer, was angesichts der gewaltigen Ausmaße (knapp fünf Meter lang und zwei Meter breit) auch kein Wunder ist. Zum Glück hilft die gute Übersichtlichkeit beim Einparken, wobei der Allradantrieb beim Rangieren keinerlei Verspannungen erkennen lässt.

Die guten Seiten des SUV-Seins zeigen sich erwartungsgemäß im Winter, vorausgesetzt, man gönnt dem Auto ordentliche Winterreifen (empfehlenswert: Pirelli Scorpion).

Laternenparker freuen sich dann auch über die beheizbare Frontscheibe, denn zum Freikratzen müsste man sonst die Motorhaube erklimmen. Von den feinen Heizdrähten allerdings fühlen sich Scharfäugige bisweilen irritiert.

Ideales Arbeitstier im Gelände

Große Klasse bewies der Dauertestwagen auch bei den SUV-Spezialitäten Krabbeln und Ziehen. Sollte sich wirklich einmal eine Gelegenheit bieten, die Wildnis zu erobern: nur zu! Das Bezwingungsvermögen eines Range Rover V8 ist enorm, nicht weniger der Komfort, den sein Fahrwerk selbst im schweren Gelände bereithält. Vorteilhaft: Die serienmäßigen Reifen sind auch abseits asphaltierter Pisten zu gebrauchen. Tadellos erwartungsgemäß die Qualitäten als Zugwagen: 3,5 Tonnen dürfen angehängt werden, einen durchschnittlichen Wohnwagen zieht der Range Rover notfalls auch ohne Wagenräder während die ansonsten geschmeidige Fünfgang-Automatik gestresst nach den passenden Übersetzungen sucht. Erheblich kommoder reist es sich ganz gemächlich.

Da lacht dann auch der Geldbeutel, denn bei voller Fahrt schluckt das Gefährt ohne weiteres 24 Liter/100 km. Super Plus, versteht sich. Hält man sich zurück, ist auch schon mal die 17 vor dem Komma drin, weniger jedoch kaum – ein Verbrauch mithin, der in Energiesparzeiten nicht zu vertreten ist.

Gerngesehener Gast an Tankstellen: Range Rover V8

Der Durchschnitt über 100.000 Kilometer: 18,3 L/100 km. Mit anderen Worten: Knapp 550 Kilometer, und der 100-Liter-Tank ist schon wieder leer. Nichts für arme Leute also, wobei der Verbrauch auch hauptsächlich für die hohen Betriebskosten des Range Rover V8 verantwortlich zeichnet. Der Kilometer kostete im Dauertest 27 Cent, zieht man Kraftstoff, Öl und Reifen ab, dann nur noch 1,8 Cent. Als Ausweg böte sich die Dieselvariante an, mit der sich die Kraftstoffkosten um mehrere tausend Euro reduzieren ließen. Doch im schweren Range Rover fehlt es dem Sechszylinder-Diesel an Durchzugskraft.

Wer den Range Rover V8 richtig genießen möchte, dem bleibt Heckklappe erleichtert die Beladung, kann aber auch als Sitzfläche für Verschnaufpausen und Picknicks dienen. 492 Kilogramm dürfen verfrachtet werden, nicht übermäßig viel. Andererseits reduziert die Niveauregulierung schädliche Nebenwirkungen. Weitere Annehmlichkeiten: Die Bedienung fällt leicht, innen findet sich reichlich Platz für Kleinzeug (nur das Handschuhfach ist zu klein), und unter der Ladefläche liegt ein richtiges, vollwertiges Ersatzrad.

Cruiser nicht Raser

Auf jeden Fall fühlt man sich bestens gerüstet, um lange Etappen in Angriff zu nehmen, gern auch mit mehrköpfiger Besatzung. Wichtig ist dabei aber die richtige Einstellung: Ein Range Rover V8 ist nicht einmal ansatzweise sportlich.

Er animiert nicht zum Schnellfahren, sondern zur Gelassenheit, ein Cruiser also. Das gilt für die Autobahn genauso wie abseits davon. Rasante Kurvenfahrt etwa birgt zwar keine unverhofften Gefahren, aber das sich schwer in den Luftfedern wälzende Gefährt lässt auch keinen Zweifel daran aufkommen, dass ihm derartige Übungen nicht liegen. Pressiert es, dann zeigt sich obendrein, dass selbst die 286 PS des von BMW beigesteuerten V8-Motors ihre Mühe haben, die knapp 2,6 Tonnen Eigengewicht auf Trab zu bringen.

Wer viel Gas gibt, der erlebt den Range angestrengt laut, Bleibt die ebenso klassische wie entscheidende Dauertestfrage: Was geht kaputt? Die Lenkrad-Höhenverstellung versagte gleich zwei Mal, der CD-Wechsler machte Zicken, der Lederbezug des Fahrersitzes löste sich nach knapp 60.000 Kilometern, und die Zentralverriegelung weigerte sich bei Kälte hartnäckig, die hintere linke Tür freizugeben – ein Problem, das richtig nervte, dem die Werkstatt aber ratlos gegenüberstand. Kurz vor Schluss verhagelten dem Range dann noch ein defekter Kühler und ein fehlerhaftes Kombiinstrument die Bilanz. So kam es zu nicht weniger als sechs außerplanmäßigen Werkstattbesuchen – kein Ruhmesblatt. Immerhin: Der Range Rover blieb nie liegen, und den gesalzenen Reparaturkosten steht eine Drei-Jahres-Garantie gegenüber.

Normaler Verschleiß, aber hoher Wertverlust

Verschleiß? Im Rahmen des Üblichen. Zwar mussten Bremsbeläge und -scheiben bereits bei 25.000 Kilometer gewechselt werden, aber die zweite Garnitur hielt immerhin knapp 50.000 Kilometer. Ähnlich langlebig sind die Reifen. So fällt das Fazit versöhnlich aus: Ja, Range-Fahren ist teuer, schon wegen des Wertverlusts – 90.530 Euro kostete das Auto bei Testbeginn, Schätzpreis am Ende 41.690 Euro. Die Haltbarkeit ist beim Range Rover V8 aber ist nicht schlechter als bei der Konkurrenz.

Hinzu kommt, dass einige Schwächen beim Nachfolger nun ausgebügelt sind: Die Klimaanlage wurde verstärkt, das Navigationssystem modernisiert, die neuen Jaguar -Motoren laufen kultivierter, und mehr Leistung gibt es auch. Ganz schön viel auf einmal also, nicht genug freilich, um einen zweiten Dauertest zu rechtfertigen. Leider.

Vor- und Nachteile

  • Großer Innenraum
  • Gut nutzbarer Laderaum
  • Hoher Federungskomfort
  • Sehr gute Übersichtlichkeit
  • Problemlose Bedienung
  • Sichere Fahreigenschaften
  • Sehr gute Geländeeigenschaften
  • Geringer Karosserieverschleiß
  • Erstklassiger Zugwagen
  • Niveauregulierung (variabel)
  • Drei Jahre Garantie
  • Sehr hoher Verbrauch
  • Hoher Wertverlust
  • Sehr teuer im Unterhalt
  • Schwerfälliges Handling
  • Bei Volllast lauter Motor
  • Mäßiges Durchzugsvermögen
  • Veraltetes Navigationssystem
  • Magere Serienausstattung
Übersicht: Range Rover 4.4 V8 im Dauertest
Technische Daten
Range Rover 4.4
Grundpreis 73.400 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe 4950 x 1956 x 1863 mm
KofferraumvolumenVDA 535 bis 1756 l
Hubraum / Motor 4398 cm³ / 8-Zylinder
Leistung 210 kW / 286 PS bei 5400 U/min
Höchstgeschwindigkeit 208 km/h
Verbrauch 16,2 l/100 km
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