Range Rover

Meister der Monster

Der neue Range Rover erhebt den Anspruch, der beste Geländewagen der Welt zu sein. Ob das stimmt, zeigt der Vergleich mit den Offroad-Spezialisten Jeep Grand Cherokee, Mercedes G-Modell und Mitsubishi Pajero.

Die Offroad-Messlatte ist hoch gelegt, das zeigen die Konkurrenten des Range Rover in diesem Vergleich. Das G-Modell von Mercedes, der Grand Cherokee der Daimler-Chrysler-Marke Jeep und der Mitsubishi gehören zum Besten, was das Durchsetzungsvermögen in rauem Terrain angeht.

Allen voran der G: Ausgerüstet mit zuschaltbarer 100-Prozent-Sperre nicht nur für das Zentraldifferenzial, sondern auch für die Ausgleichsgetriebe in beiden Achsen, setzt er höchst aufwendige Mechanik ein. Beim Jeep dagegen besorgt eine elektronisch kontrollierte und hydraulisch betätigte Lamellenkupplung den Kraftschluss zwischen Vorder- und Hinterachse. Die Quersperren in den Achsen fungieren nach dem gleichen Prinzip. Vorteil gegenüber dem Mercedes: Der Fahrer muss sich nicht um die Sperrenbetätigung kümmern – nach dem Einlegen der kurzen Geländeübersetzung funktioniert der Rest automatisch.

Das Verteilergetriebe des Mitsubishi bietet die Möglichkeit, nur mit Hinterradantrieb zu fahren oder aber mit permanentem Allradantrieb. Wird der entsprechende Hebel auf der Mittelkonsole in die nächste Position gerückt, entsteht starrer Durchtrieb zu beiden Achsen. Beim Fahren in Low Range ist die Längssperre immer aktiv. Zusätzlich kann noch eine 100-Prozent-Differenzialsperre in der Hinterachse elektrisch zugeschaltet werden.

Der Range Rover hingegen besitzt ein zentrales Torsendifferenzial, das automatisch die benötigte Sperrwirkung aufbaut. Die Aufgabe von Quersperren übernimmt der elektronisch gesteuerte Bremseneingriff an einzelnen Rädern.

So viel zur Theorie der Technik. Nun zur Praxis. Was das Durchkommen unter schwersten Bedingungen angeht, bleibt das G-Modell der Meister. Voll gesperrt, gibt es mit ihm kein Halten, solange die Reifen noch eine Spur von Grip vorfinden. Die reichlich bemessene Bodenfreiheit ist ein weiteres Plus.

Doch der Range hält mit. Mit seiner verstellbaren Luftfederung bietet er eine ähnlich üppige Bodenfreiheit wie das G-Modell. Kurzes Scharren eines Antriebsrades an extremen Steigungen und der anschließende Bremseneingriff erwecken den Eindruck, dass er sich etwas schwerer tut als der Mercedes – doch am Ende bewältigt auch der Range alle Schwierigkeitsgrade, die der Mercedes vorgibt. Und im Gefälle profitiert der Range vom Bremseneingriff seiner Hill Descent Control. Er kriecht im Schneckentempo bergab, wobei der Fahrer nichts anderes zu tun hat, als das Lenkrad geradeaus zu halten. Man darf nur nicht vergessen, vorher die Sperren zu deaktivieren, damit die automatische Bremsenregelung wirksam werden kann.

Der Jeep erweist sich an Steigungen und Gefällen als gleichwertig. Sein Reduktionsgetriebe sorgt für eine so kurze Übersetzung, dass die Bremswirkung des Motors ausreicht. Sein wichtigster Nachteil: die vergleichsweise knappe Bodenfreiheit.

Auch den Mitsubishi kratzen Geröllbrocken gern mit hässlichem Geräusch am Bauch. Böse Steigungen bezwingt er ähnlich souverän wie die Konkurrenz, aber im Gefälle zeigt er eine unübersehbare Schwäche: Die Übersetzung ist zu lang, das Tempo wird zu hoch. Da heißt es bremsen, was auf losem Untergrund eine heikle Sache ist, weil die Fuhre sich dabei querstellen kann.

Klares Offroad-Fazit: Der Mercedes bleibt der King of the Hill, wenn sein Fahrer es versteht, die Technik situationsgerecht einzusetzen. Der Range Rover ist ihm aber dicht auf den Fersen. Er bietet den Vorteil leichterer Bedienung und besseren Handlings, wenn es auf unbefestigten Wegen einmal schneller vorangeht. Jeep und Mitsubishi fallen ein wenig ab, wobei der Jeep noch etwas besser abschneidet, weil er der Handlichste der vier ist und weil er den geringsten Bedienungsaufwand erfordert.

Die Unterschiede bei der Fahrt auf normalen Straßen fallen weit größer aus. Hier punktet der Range Rover souverän. Sein Sechszylinder-Diesel ist mit Abstand die kultivierteste Maschine, die zudem mit der Viergangautomatik eine harmonische Ehe eingeht. Der geschmeidige Federungskomfort, der geringe Innengeräuschpegel und das sichere, von ESP gebändigte Fahrverhalten tun ein Übriges, um aus dem Range Rover einen sehr angenehmen Partner für die lange Reise zu machen.

Jeep und Mercedes besitzen den gleichen Fünfzylinder mit 2,7 Liter Hubraum aus dem Konzernregal. Der Fahreindruckaber fällt völlig unterschiedlich aus. Im viel schwereren Mercedes hat der Motor Mühe, Fahrleistungen und Verbrauch sprechen da eine klare Sprache. Aber am Antriebskomfort gibt es wenig auszusetzen. Auf der Autobahn tritt das Laufgeräusch des Motors ganz in den Hintergrund. Im Jeep dagegen wirkt der Motor ungleich kraftvoller und verbraucht naturgemäß auch deutlich weniger. Aber der Fünfzylinder entwickelt hier unschöne Vibrationen und Dröhngeräusche.

Die eigentlichen Nachteile des Mercedes G liegen aber ganz woanders. Gemessen am Range Rover bietet er den Federungskomfort eines Lastwagens. Die Lenkung geht schwer, von Handling im eigentlichen Sinn des Wortes kann keine Rede sein. Sicher bleibt er auch bei extremen Fahrmanövern – dafür sorgt ESP. Aber der häufige Eingriff der Elektronik beweist, dass die Eigenschaften auf der Straße zu Gunsten der Offroad-Fähigkeiten zurücktreten mussten.

Der Jeep fühlt sich im direkten Vergleich an wie ein Sportkombi, was er auch durch sein knappes Platzangebot unterstreicht. Federungskomfort ist nicht Sache seiner Starrachsen. ESP stünde ihm gut zu Gesicht, weil er im Extremfall zu übersteuernden Eskapaden neigt. Gleiches gilt für den Mitsubishi, der mit starkem Karosseriewanken ebenfalls deutlich macht, dass die aktive Fahrsicherheit von Geländewagen Grenzen hat.

Damit steht der Krönung des neuen Range nichts mehr im Weg. Zumal er als Einziger eine zeitgemäße Sicherheitsausstattung besitzt. Bei den Geländewagen, die diesen Namen wirklich verdienen, setzt er klar die Maßstäbe. Kein anderer verbindet exzellentes Offroad-Können so perfekt mit guten Fahreigenschaften und Komfort auf der Straße.

Technische Daten
Range Rover Td6 Jeep Grand Cherokee 2.7 CRD Limited Mercedes G 270 CDI lang Mitsubishi Pajero 3.2 DI-D 4WD Elegance
Grundpreis 60.400 € 46.290 € 58.696 € 44.480 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe 4950 x 1956 x 1863 mm 4611 x 1858 x 1805 mm 4662 x 1760 x 1931 mm 4795 x 1875 x 1855 mm
KofferraumvolumenVDA 535 bis 1756 l 480 bis 2250 l 215 bis 1700 l
Hubraum / Motor 2926 cm³ / 6-Zylinder 2685 cm³ / 5-Zylinder 2685 cm³ / 5-Zylinder 3200 cm³ / 4-Zylinder
Leistung 130 kW / 177 PS bei 4000 U/min 120 kW / 163 PS bei 4000 U/min 115 kW / 156 PS bei 3800 U/min 118 kW / 160 PS bei 3800 U/min
Höchstgeschwindigkeit 179 km/h 190 km/h 156 km/h 170 km/h
0-100 km/h 13,5 s 11,3 s 14,0 s 13,5 s
Verbrauch 11,2 l/100 km 9,7 l/100 km 10,8 l/100 km 10,5 l/100 km
Testverbrauch 13,2 l/100 km 12,4 l/100 km 14,8 l/100 km 12,8 l/100 km
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