Range Rover Sport V8 Supercharged im Test

Super Plus

Foto: Hans-Dieter Seufert 16 Bilder

Aufgeblasen ist beim Range Rover Sport V8 Supercharged nur der 390 PS starke Kompressor-Motor. Der Rest des kleinen Range präsentiert sich durchaus drahtig.

So konnte es ja nicht weitergehen. Neben dem siebensitzigen Alleskönner Discovery und dem opulenten Landsitz Range klaffte bei Land Rover noch eine Lücke für etwas Trendig-Sportlich-Glamouröses. Kick it like Beckham mögen die Jungs aus Birmingham gedacht haben und ließen den Range Rover Sport eingrätschen. Parkettsichere Technik trifft auf extrovertierte Optik. So basiert das Sport-Modell auf der Discovery-Bodengruppe, einer Kombination selbsttragender Elemente, und einem stabilisierenden Rahmen mit einzeln an Dreiecksquerlenkern aufgehängten Rädern.

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Hinzu kommen ein 14 Zentimeter kürzerer Radstand, serienmäßige Luftfederung mit Niveauregulierung und die elektronische Steuerung spezieller Geländefahrprogramme. Äußerlich ähnelt der Range Rover Sport seinem großen Bruder Range Rover – allerdings nach einem harten Personal-Training. Dokumentiert wird dies durch ein markantes Gesicht mit Anklängen an die Studie Stormer, eine flachere Frontscheibe sowie die dynamisierte, klassische Range-Rover-Seitenlinie. Provokant ausgestellte Radhäuser mit massigen 20-Zöllern und Niederquerschnitt-Reifen sowie Schweller plus Lufteinlässe an den Flanken erledigen den Rest.

Mögen sich fingerabspreizende Fünfuhrtee-Trinker ruhig über die rückstandsfreie Entsorgung britischen Understatements ereifern und schamlose Nähe zu bösen Tuning-Buben reklamieren – gegen den coolen Briten wirkt das SUV-Establishment ungefähr so prickelnd wie lauwarmes Badewasser – vor allem wenn der Sport mit bassig wummerndem V8-Ruhepuls raumgreifend ablegt und mit Hilfe des geschmeidig schaltenden ZF-Sechsgangautomaten nachdrücklich Fahrt aufnimmt. Im Topmodell Supercharged ist dafür ein leicht modifizierter, kompressorgeladener 4,2-Liter- Motor aus dem Jaguar-Fundus zuständig. Bei niedrigen Drehzahlen stämmig antretend, wird er in höheren Lagen zur Heulsuse: Das uncool anschwellende Kompressorgeheul erinnert fatal an eine Küchenmaschine mit Lagerschaden. Nun ja, entscheidend ist, was dabei rauskommt:

Das sind stattliche Fahrleistungen, die den Range Rover Sport unter allen Bedingungen flott ins Spiel bringen. 390 PS und 550 Newtonmeter sorgen für Reserven beim Überholen und bisweilen große Augen bei denjenigen, die ein Stockwerk tiefer umherfahren.

Dennoch ist nicht nur am exorbitanten Maximal-Verbrauch von 28,3 Liter Super zu spüren, dass selbst ein Kompressor-V8 in Schweiß gerät, wenn er es mit 2630 Kilogramm plus kräftezehrendem Allradantrieb zu tun bekommt.

Das sind Faktoren, die sich dämpfend auf die Fahrdynamik auswirken. Da mag sich die geschwindigkeitsabhängige Servolenkung noch so sehr um Präzision bemühen und die elektronisch gesteuerten hydraulischen Versteller der Stabilisatoren zackig strammstehen: Auf übertrieben dynamische Anwandlungen reagiert der schwere Wagen leicht seitenneigend mit Drang zum Kurven-Außenrand.

Auch das beim Supercharged serienmäßig straffer abgestimmte Fahrwerk mit situationsbedingter Anpassung der Luftfedern kann aus dem 4,80-Meter- Brocken keinen zackigen Kurvenwickler machen. Auf winkligen Strecken wie auch im Fahrdynamikparcours fällt zudem die sicherheitsbewusste Auslegung des elektronischen Stabilitätsprogramms auf, das den Sport rigoros an die kurze Leine nimmt.

Sein Revier sind daher neben Schnellstraßen vor allem schwungvoll mäandernde Pisten, die er mit weiten Sätzen erobert. Kräftiger Punch, eine auf Pedaldruck willfährig zurückschaltende Automatik und die ausreichend exakte, wenn auch etwas stößige Servolenkung verschmelzen mit der standfesten, gut dosierbaren Brembo-Bremse zu einem stimmigen Paket, das selbst vor ungepflegteren Landstraßen nicht zurückschreckt. Gröbere Unebenheiten und lange Wellen steckt das Luftfahrwerk nonchalant weg, lässt den SUV wie entkoppelt über den Asphalt swingen.

Harte Absätze wie etwa Kanaldeckel bringen die mit flachen 275/40-Reifen versehenen 20-Zöller allerdings ins Stolpern, während Längsrillen den Sport spürbar vom Kurs abweichen lassen.

Trotz der sportlichen Ausrichtung ein echter Gentleman- Cruiser also, der seine Insassen in stilsicherem Ambiente empfängt. Man blickt von straffen, ausreichend konturierten Ledersitzen nach vorn auf die lange Haube und die bei Sonneneinstrahlung schlecht ablesbaren Instrumente. Die hoch aufragende, breite Mittelkonsole bemüht sich erfolgreich um intimes Cockpit- Feeling, hinten geht es auf der strammen, kaum konturierten Bank nüchterner zu.

Den Aufenthalt hier wie dort untermalt ein pragmatischer Mix ordentlich verarbeiteter Kunststoffe und verführerisch unter Klarlack schimmerndes Kirschholz, das ebenso im Grundpreis von 76 700 Euro enthalten ist wie die Klima-Automatik, ein Audiosystem mit CD-Wechsler, DVD-Navigation mit unpraktischem Berührungsbildschirm und Sprachsteuerung.

Ebenfalls an Bord sind Bi-Xenonscheinwerfer mit adaptivem Kurvenplus Abbiegelicht sowie eine Parkhilfe. Gegen Aufpreis kommen DVD-Entertainment, ein Surround-System mit zwölf Kanälen, Radar-Abstandsregeltempomat und eine Freisprecheinrichtung mit Bluetooth-Anbindung hinzu. Wer vom Elektronik-Entertainment- Overkill die Nase voll hat, kann das ganze Gedöns auch einfach links liegen lassen und sich mit dem Range mal so richtig im Dreck suhlen. Entweder manuell eingepegelt oder mit Hilfe fünf unterschiedlicher, per Drehknopf schaltbarer Programme, die Motor, Automatikgetriebe, Differenzialsperren sowie die Luftfederung ans Terrain anpassen.

Selbst die Schlupfregelungen sind eingebunden und helfen sowohl beim Bergaufkraxen wie Bergabrodeln. Ebenso wie die speziell entwickelten Continental-Reifen, die trotz straßenorienterter Optik auch im Gelände nicht sofort klein beigeben. Leider steckt beim Supercharged im Gegensatz zu den übrigen Modellen nur ein Notrad statt eines vollwertigen Ersatzes im Heck.

Der Laderaum fällt generöser aus: Bei voller Besetzung fasst der Sport 958 Liter, mit umgeklappten Rücklehnen sind es bis zu 2013 Liter.

Üppig fällt auch die Anhängelast aus. Die Zuladung dagegen ist für ein Auto dieses Kalibers mit 495 Kilogramm zu knapp kalkuliert – und ist damit so ziemlich das Einzige, was hier knapp kalkuliert ist.

Vor- und Nachteile

Karosserie
  • gute Übersichtlichkeit
  • großzügiges Platzangebot
  • ordentliche Verarbeitung
  • geringe Zuladung
  • schlecht ablesbare Instrumente
Fahrkomfort
  • insgesamt guter Federungskomfort
  • angenehme Sitzposition
  • wirkungsvolle Klimatisierung
  • stößig auf kurzen Unebenheiten
Antrieb
  • gute Fahrleistungen
  • ordentliche Laufkultur
  • passend schaltende Automatik
  • störendes Kompressorheulen
Fahreigenschaften
  • gutmütiges Fahrverhalten
  • exakte Lenkung
  • ausgeprägte Offroad-Eignung
  • sehr gute Traktion
  • Längsrillen-Empfindlichkeit
Sicherheit
  • wirksame, standfeste Bremse
  • 8 Airbags serienmäßig
Umwelt
  • sehr hoher Verbrauch
Kosten
  • umfangreiche Serienausstattung
  • 3 Jahre Garantie
  • hohe Unterhaltskosten

Fazit

Mit knalliger Optik, gutem Fahrkomfort und -sicherheit sowie hoher Geländetauglichkeit interpretiert der kleine Range das SUV-Thema überaus stilsicher. Der Kompressor-V8 klingt allerdings etwas blechern und verbraucht zuviel.

Technische Daten
Range Rover Sport Supercharged
Grundpreis 83.800 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe 4788 x 1983 x 1812 mm
KofferraumvolumenVDA 450 bis 2013 l
Hubraum / Motor 4196 cm³ / 8-Zylinder
Leistung 287 kW / 390 PS bei 5750 U/min
Höchstgeschwindigkeit 225 km/h
0-100 km/h 7,4 s
Verbrauch 15,9 l/100 km
Testverbrauch 20,5 l/100 km
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