Red Bull

Wenn es dem Arnage an etwas mangelte, dann war es der angemessene Motor. Jetzt hat er ihn. Im neuen Bentley Arnage Red Label arbeitet der klassische 6,75-Liter-V8 des Hauses.

Bentley-Freunde dürfen mit der Weiterentwicklung des Arnage zufrieden sein. Wurde doch der von vielen als Fremdkörper empfundene BMW-Motor entfernt und durch den hauseigenen Großkolben-V8 ersetzt. So gibt es, wie es scheint, Schlimmeres, als von VW übernommen zu werden.

Die wichtigste und folgenreichste Neuigkeit ist die Rückkehr zum alten V8. Denn erst dieses 6,75 Liter große Triebwerk macht aus dem Arnage einen Bentley, wie ihn der Kenner schätzt – souverän, gelassen aus dem Vollen schöpfend. Mag der BMW-Motor auch moderner sein, mit 4,4 Liter fehlt es ihm einfach an Format. Der Unterschied ist denn auch weniger eine Frage der Leistung. Mit 405 PS bietet die Red-Label-Motorisierung zwar ein hübsches Plus von 52 PS, doch erst im Drehmoment zeigt sich, was Hubraum wert ist: Die Kennzahl schwillt von 570 auf 830 Nm an – ein Glanznummer, die dem Bentley bis dato keiner nachmacht.

Da ist es dann auch wieder, das typische Feeling, das sich im Arnage bislang einfach nicht einstellen wollte. Echte Bentley sind wie Dampfer auf Rädern. Schon im Leerlauf erinnert das dumpfe Poltern aus dem Maschinenraum an nautische Technik. Versenkt man nun den Gashebel im dicken Wilton-Teppich, dann erwartet den Fahrer ein Beschleunigungserlebnis, das die üblichen Vorstellungen von automobiler Dynamik sprengt. Denn beim Bentley steht die Vehemenz des Vortriebs in keinem Verhältnis zur Akustik. Gelangweilt murmelnd und ohne Turboloch befördert der aufgeladene V8 das 2,55 Tonnen schwere Schiff in 6,8 Sekunden auf Tempo 100.

Man nimmt deshalb dankbar zur Kenntnis, dass nun verstärkte Bremsen zur Verfügung stehen, die sich von extremer Beanspruchung wenig beeindrucken lassen. Gleiches gilt für die übrigen Fahrwerksqualitäten, der Fortschritt beschränkt sich hier auf Nuancen. Nach wie vor bewegt sich der Arnage in engen Kurven mit der Leichtfüßigkeit eines Sumo-Ringers. Zwar lässt er sich bei abgeschalteter Traktionshilfe – ESP ist hier noch ein Fremdwort – bereitwillig zu weitschweifenden Drifteinlagen bewegen, aber der Lustgewinn hält sich nicht zuletzt der trägen Lenkung wegen in Grenzen. Sein Metier sind schnelle, gut ausgebaute Fernstraßen. Da zeigt sich dann auch die Federung von ihrer besten Seite, während ihr die kurzen Stöße zweitklassiger Beläge deutlich missfallen. Ähnlich geht es der Karosserie, deren Inneneinrichtung schlechte Straßen mit einem Knarzkonzert quittiert.

Der typische Bentley-Kunde pflegt sich ob solcher Unzulänglichkeiten nicht zu grämen. Hauptsache der Charakter stimmt. Die neue Red-Label-Ausführung kostet 447.000 Mark. Die Exklusivität, von jeher einer der größten Vorzüge der Marke, ist folglich gesichert.

Fazit

Das Beste am Arnage Red Label ist der neue alte Motor. Dessen Drehmomentcharakteristik gibt dem Bentley die besondere Note. Auch die innere und äußere Pracht ist ein Klasse für sich. In vielen Bereichen ist das Auto aber nicht mehr auf der Höhe der Zeit.

Technische Daten
Bentley Arnage Red Label
Grundpreis 233.350 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe 5390 x 1930 x 1515 mm
KofferraumvolumenVDA 374 l
Hubraum / Motor 6750 cm³ / 8-Zylinder
Leistung 298 kW / 405 PS bei 4000 U/min
Höchstgeschwindigkeit 250 km/h
0-100 km/h 6,8 s
Verbrauch 19,2 l/100 km
Testverbrauch 24,2 l/100 km
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