Renault Clio 1.5 dCi im Test

Déjà-Vu-Erlebnis

Foto: Hans-Dieter Seufert 13 Bilder

Der Clio bleibt sich treu: Auch in seiner dritten Auflage wirkt er vertraut, denn ihm blieben die zeitgenössischen Design-Marotten erspart. Test der gehobenen Privilège-Version mit dem 86 PS starken Dieselmotor.

Es ist wie im richtigen Leben: Auch in der Auto-Szene gibt es aufgespritzte Bizeps-Heroen, grell geschminkte Mode-Opfer und breitspurige Maulhelden. Oder aber die Stillen, Normalen, die ihr Ding dezent, aber erfolgreich durchziehen.

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Der Clio war immer so einer: weder prolliger Vorstadt-Macho noch blechgewordener kulleräugiger Retriever- Ersatz für den Boutiquen-Slalom. Stattdessen ein solider, praktischer Kleinwagen. Na ja, bis auf den Mittelmotor- Rabauken V6, der weniger für vordere Ränge in den Verkaufs-Charts als für Herzklopfen und nasse Händflächen zuständig war.

Clio Nummer drei hüpft nun in die Pragmatik-Fußstapfen seines als preiswerte Campus-Version weiterhin angebotenen Vorgängers. Allerdings mit markanterem Scheinwerferblick, ausgeprägteren Kühlernüstern, abfallender Dach- und ansteigender Gürtellinie – jedoch ohne Experimente.

Die Rolle des trendigen Variabilitäts-Zauberers mit trickreichem Schiebe- Klapp-Mobiliar überlässt Renault dem kürzer und höher bauenden Modus. Mit ihm teilt der Clio seine Plattform, wenn auch in vergrößerter Ausgabe: 3,99 Meter, das klingt schon schwer nach Kompaktklasse.

So bietet die gegenüber dem Vorgänger 21 Zentimeter längere und sieben Zentimeter breitere und höhere Karosserie speziell vorn luftige Platzverhältnisse bei angenehmem Raumgefühl. Dazu trägt bei der Luxusversion Privilège – als viertüriger 86-PS-dCi 16 550 Euro teuer – die unaufgeregte, pfiffig-wohnliche Interieurgestaltung mit mehrfarbigen Kunststoff-Oberflächen bei.

Die knubbeligen Lenkstockhebel, der Bediensatellit für die Stereoanlage und die viel zu kleinen Knöpfe am Radio kommen Renault-Erfahrenen bekannt vor – Fremde brauchen kurze Eingewöhnung. Optisch saubere Passungen und griffsympathisches Material, etwa bei den kugelrunden Verstellern der Lüftungsdüsen, gefallen ebenso wie praxisgerechte Ablagen in Türen und Mitteltunnel. Das 9,4 Liter große Handschuhfach schließlich verpackt mächtige Atlanten ebenso cool wie die Reise- Ration Schoki – Klimaanlagenanschluss sei dank.

Und die Klimaanlage – gegen 400 Euro Aufpreis sogar mit automatischer Regelung – ist beim Privilège ebenso Serie wie ein CD-Radio mit sechs Lautsprechern, Lederlenkrad, elektrische Fensterheber vorn und hinten sowie der Bordcomputer inklusive elektronischer Ölstandskontrolle.

Die optionale Reifendruckkontrolle (200 Euro) verarbeitet nicht einfach die Reifendrehzahl anhand der ESP-/ABS-Sensorik, sondern besitzt eigene Drucksensoren plus Sender in den Ventilen.

Mit dem zweiteiligen Panorama-Glasdach für 800 Euro zieht zudem luftigsonnige Atmosphäre in den Innenraum, obwohl die Vordersitze mit ihrem Veloursbezug und der weichen Polsterung eher an Oma Ernas Kaminsofa erinnern.

Als Ausgleich bieten sie einen weiten Verstellbereich und solide Bedienung mittels Handrad, Hebel und Ratsche inklusive Höhenjustage sowie einer Lordosenstütze auf der Fahrerseite. Die Schienen der Kopfstützen sind am Sitz befestigt, sie gleiten beim Verstellen nicht in die Lehnen, was für besseren Halt des Rückens bei einem Aufprall sorgen soll.

Ohnehin gönnt Renault dem Kleinwagen ein generöses Arsenal zur passiven Sicherheit (siehe Spotlight). Von groß gewachsenen Fondpassagieren fordert er jedoch Zugeständnisse. Zwar können sie ihre Füße unter die hoch montierten Vordersitze schieben, an der limitierten Bein- und Kopffreiheit ändert das jedoch nichts.

Dabei besitzt der Clio ausgeprägtes Reisetalent. Etwa wegen seines Kofferraumvolumens von regulär 288 Litern, das bei umgelegter Bank, hochgeklappten Sitzflächen und dachhoher Beladung auf bis zu 1028 Liter wächst, wenn auch mit einer deutlichen Stufe. Weiterer Pluspunkt ist das angenehme Geräuschniveau.

So schnurrt der 1,5 Liter große Common-Rail-Diesel vom Start weg samtig los, verrät lediglich mit einem ganz zarten Unterton seine selbstzündende Natur. Wo mancher Konkurrent raubauzig mit Einspritzdruckmaxima protzt, wahrt die mittlere von drei erhältlichen Leistungsvarianten stets Contenance.

Ja selbst Piezo- Injektoren, Sechslochdüsen, variable Ladergeometrie und auf 1600 bar erhöhten Einspritzdruck überlässt der 86 PS-dCi der 106 PS starken Topvariante. Mag Drehmoment-Brandungssurfern während der gleichförmigen 200- Newtonmeter-Dünung das Gesicht einschlafen, TDI-Dröhnungshasser werden schlagartig zum dCi konvertieren.

Es sei denn, sie wollen einen Partikelfilter: Der kommt erst im Mai 2006; eine Nachrüstlösung folgt ebenfalls.

Bereits jetzt ist der Clio genügsam. Beim Cruisen zaubert er problemlos eine Vier vors Komma, im Testschnitt verlangt er 7,4 Liter auf 100 Kilometer. Die Reichweite zwischen den Tankstopps kann man dank der zurückhaltenden Geräuschkulisse und des komfortablen Fahrwerks sogar am Stück und gern auch auf der Autobahn auskosten.

McPherson-Vorder- und Verbundlenker-Hinterachse absorbieren selbst harte, kurze Unebenheiten wie Querfugen, Betonplatten-Pisten oder Kanaldeckel sanft und polterfrei. Federn und Dämpfer sprechen bereits bei niedrigem Tempo feinfühlig an. Erst wenn es mit Schmackes über lange Wellen und Holperpisten geht, wirken die Dämpfer überfordert, lassen katapultartige Vertikalbewegungen zu, gehen spürbar in die Progression.

Zudem begann das Armaturenbrett des Testwagens hier vernehmlich zu ächzen. Als weiteres Manko erweist sich die auf schlechten Pisten stößige Elektro- Lenkung mit ihrem gefühllos-teigigen Ansprechen aus der Mittellage, willkürlich schwankender Unterstützung bei Kurvenfahrt sowie unzureichender Rückmeldung – störend sowohl beim geradeaus Balancieren in engen Autobahnbaustellen als auch beim akkuraten Zirkeln durch Landstraßenkurven.

Trotz dieses Pferdefußes gelingt dem Clio ein ebenso flinkes wie sicheres, leicht untersteuerndes Handling ohne störende Lastwechselreaktionen. Das elektronische Stabilitätsprogramm inklusive Scheibenbremsen hinten ist allerdings nur bei den Topmotorisierungen Serie, ansonsten kostet es 500 Euro extra.

Eine sinnvolle Investition, denn neben dem ESP handelt sich der Clio eine standfeste, präzise dosierbare Bremsanlage ein. Auf dieser soliden Basis dürfte der Neue damit quasi ungebremst an den Erfolg seiner Vorgänger anknüpfen.

Vor- und Nachteile

Karosserie
  • –gutes Platzangebot vorn –angenehmer Materialeindruck –praxisgerechte Ablagen –bequeme Sitze
  • –Knarzgeräusche
Fahrkomfort
  • –guter Federungskomfort –angenehmes Geräuschniveau
  • –Vertikalbewegungen auf groben Unebenheiten
Antrieb
  • –gleichmäßige Kraftentfaltung –kaum Vibrationen –dezentes Laufgeräusch –passende Getriebeabstufung
  • –mäßiger Drehmomenteindruck
Fahreigenschaften
  • –sicheres, leicht untersteuerndes Handling
  • –ungleichmäßig ansprechende, stößige Lenkung
Sicherheit
  • –standfeste Bremsen –gute Sicherheitsausstattung –Xenonlicht erhältlich
  • –ESP gegen Aufpreis (500 Euro)
Umwelt
  • –angemessener Verbrauch
  • –Partikelfilter erst ab 2006
Kosten
  • –umfangreiche Ausstattung
  • –nur zwei Jahre Garantie

Fazit

Mit umfangreicher Sicherheitsausstattung, überzeugendem Komfort sowie üppigem Optionsangebot ist der Clio der Kleinwagenklasse fast entwachsen. Klarer Malus: die mangelnde Lenkpräzision.

Technische Daten
Renault Clio 1.5 dCi Privilège
Grundpreis 16.950 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe 3986 x 1719 x 1495 mm
KofferraumvolumenVDA 288 bis 1028 l
Hubraum / Motor 1461 cm³ / 4-Zylinder
Leistung 63 kW / 86 PS bei 3750 U/min
Höchstgeschwindigkeit 174 km/h
0-100 km/h 13,6 s
Verbrauch 4,4 l/100 km
Testverbrauch 6,9 l/100 km
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