Renault Espace 2.0 RXE im Test

Busgeld-Bescheid

Renault Espace 2.0 RXE

Der siebensitzige Renault Espace 2.0 RXE ließ neben Variabilität und Vielseitigkeit auf 100.000 Kilometern auch Raum für Verbesserungen erkennen. Wichtigste Kritikpunkte: hohe Unterhaltskosten und ein störanfälliges Getriebe.

Wenn das Wörtchen Van nicht wär’, hätte es Renault sehr schwer, in Deutschland mehr als sieben Prozent Marktanteil zu erreichen und damit besser abzuschneiden als einheimische Renommiermarken wie Audi oder BMW. Denn inzwischen ist fast jedes vierte verkaufte Auto des Importeurs Nummer eins ein Van. Das Gros macht der kleine Scénic aus, auf den innerhalb der Mégane -Baureihe die Hälfte (50 000 pro Jahr) aller Zulassungen entfallen.

Der große Bruder Espace – 1983 Vorreiter der europäischen Van-Welle und heute in dritter Generation auf dem Markt – war 1998 in Europa mit 63 775 Einheiten die meistverkaufte Großraumlimousine ihrer Klasse. In Deutschland entschieden sich letztes Jahr 13 374 Kunden für ihn – damit ist der Espace etwa halb so populär wie der Marktführer VW Sharan .

Renault hätte noch mehr Espace absetzen können, wenn die Produktionskapazität bei Matra nicht auf knapp 70 000 Einheiten jährlich begrenzt wäre. Deshalb will Renault die nächste Espace-Generation (Debüt Frühjahr 2001) erstmals in einem eigenen Werk bauen – Matra erhält als Ersatzauftrag ab 2000 die Produktion des extravaganten Van-Coupés Avantime (siehe Heft 4/99).

Als Dauertestwagen wählte auto motor und sport im August 1997 einen Espace 2.0 RXE im Gegenwert von damals 55 880 Mark – inklusive einiger Extras wie Leichtmetallräder, Metallic- Lackierung, Dachgalerie, Gepäckraumabdeckung, Sicherheitsnetz, Sonnenjalousien hinten, Varioschienen und zweier Zusatzsitze für den Fond. Preis heute: 56 500 Mark. Für den in diesem Modell installierten Zweiliter-Benzinmotor entscheiden sich 59 Prozent aller Kunden, 32 Prozent wählen den 2,2 Liter-Turbodiesel mit 113 PS, während auf den V6 gerade mal neun Prozent der Bestellungen entfallen.

Nur zwei Liter Hubraum und 114 PS für einen Siebensitzer, der schon leer 1565 Kilogramm wiegt und mit fast 700 Kilogramm beladen werden darf – kann das gutgehen? Zunächst rümpften die Espace- Fahrer die Nase. Aber nicht wegen mangelnder Motorleistung, sondern wegen der strengen Gerüche im Innenraum des noch neuen Wagens. „Wenn das Auto weiter so stinkt“, schrieb Birgit Priemer während einer Tour durch die Vogesen im Hochsommer in die Bordkarte, „habe ich schnell die Nase voll.“ Der unangenehm süßliche Kunststoffgeruch verflog bald – was sich aber manifestierte, war Kritik an der Motorisierung.

„Die Maschine ist eine durchzugsschwache Schlappwurst“, brachte es Klaus Herder ganz drastisch auf den Punkt, „zudem wird sie ab 130 km/h tierisch laut und säuft wie ein Stier.“ Mit anderen Worten: Speziell bei voller Beladung reichen die 165 Nm Drehmoment, die erst bei 3500/min parat sind, nicht aus, um die Fuhre an Steigungen in Schwung zu halten. Ein zusätzliches Handikap ist die lange Getriebeübersetzung. Sie soll das Drehzahl- und Geräuschniveau auf der Autobahn senken, verführt aber dazu, den Motor per Vollgas auszuquetschen, was dann wiederum Lärmpegel und Verbrauch in die Höhe treibt.

Wer dem Espace die Sporen gibt, muß mit bis zu 15 Liter/100 km rechnen. Bei gemächlicher Gangart begnügt sich der Vierzylinder mit sieben bis acht Litern. Daß der Benzinverbrauch insgesamt zu hoch liegt, zeigt ein Blick auf ähnlich motorisierte Vans der Konkurrenz, die zuvor schon den auto motor und sport-Dauertest durchliefen: Während der Espace im Schnitt 11,4 Liter/ 100 km benötigte, waren es beim VW Sharan 10,8 und beim Peugeot 806 10,9 Liter. Immerhin ermöglicht der 80 Liter-Tank bei moderatem Reisetempo von maximal 130 km/h eine Reichweite von knapp 800 Kilometern. Der neue Zweiliter-Vierventiler mit 140 PS, seit Januar zusätzlich im Programm, ist übrigens im unteren Drehzahlbereich kaum durchzugsstärker und auch nicht wesentlich laufruhiger.

Wer eine wirklich elastische und sparsame (8,5 Liter/100 km) Antriebsquelle für den Espace sucht, sollte lieber den drehmomentstarken Turbodiesel (250 Nm bei 2000/min) wählen, darf sich aber an dessen kräftigem Brummen nicht stören. Die mit Abstand unangenehmste Geräuschkulisse im Espace war das Zähneknirschen des Getriebes beim Einlegen des dritten Gangs. Die ersten Kratzgeräusche wegen schadhafter Synchronisation traten bereits nach 20 000 Kilometern auf. Nach dem Getriebewechsel war 35 000 Kilometer lang Ruhe, schließlich mußte auch die zweite Schaltbox samt Kupplung erneuert werden. Beide Reparaturen erfolgten auf Garantie beziehungsweise Kulanz – sonst wären jeweils weit über 3000 Mark fällig gewesen, was die ohnehin hohen Unterhaltskosten weiter verteuert hätte.

Mit 23,3 oder 3,3 Pfennig pro Kilometer (ohne Kraftstoff, Öl und Reifenverschleiß) war der Espace kostspieliger als ein VW Sharan 2.0 (22,0/2,3) oder Peugeot 806 (21,2/2,6). Schuld daran sind neben dem höheren Spritverbrauch auch die hohen Wartungs- und Ersatzteilpreise. Große Inspektionen schlagen mit bis zu 570 Mark zu Buche. Auch das Wechseln der vorderen Bremsbeläge, das zweimal nötig war, ist mit 267 bis 286 Mark unangemessen teuer. Und der Austausch aller drei Wischblätter kostet – kaum zu glauben – 115 Mark.

Kein Sparmobil also und auch kein Auto zum Rasen (Bordkartennotiz: „Sitzposition wie Rentner im Hymer-Reisemobil“), aber eines, das immer dann gefragt war, wenn viele Menschen oder viel Material transportiert werden mußten. Bei voller Bestuhlung passen hinter die Rücksitze nur noch ein paar weiche Reisetaschen, weshalb inzwischen 35 Prozent aller Espace-Käufer die Langversion Grand Espace mit größerem Ladevolumen bevorzugen.

Christian Bangemann räumte alle Sitze aus und war begeistert, daß sein Motorrad – eine Buell 1200 – problemlos in den Espace hineinpaßt. Die einzigartigen Varioschienen (1800 Mark Aufpreis) machten sich bezahlt, wenn es galt, die hinteren fünf Stühle in einer Reihe hintereinander oder in beliebiger Konfiguration anzuordnen. Die 19 Kilogramm schweren Sitze sind einfach zu demontieren, aber nicht so einfach zu tragen und wieder in die Schienen einzufädeln. Wer keine Garage hat, muß sich fragen: wohin mit den Sitzen nach dem Ausbau? Etwa in die Wohnung? Die Metallgestelle sind fettig, außerdem verkratzen sie beim Abstellen den Boden. Stets an Bord bleiben die vielen Ablagen im Cockpit und in den Türen (130 Liter zusätzlicher Stauraum), die man speziell beim Reisen mit Kindern, die den Espace wegen der erhabenen Sitzposition und der guten Rundumsicht mögen, schätzen lernt.

Was sonst noch positiv auffiel? Die komfortable Federung, die praktische Radiobedienung am Lenkrad, die wirksame Klimaanlage und die solide Karosserie.

Weniger überzeugend hingegen die schlechte Übersicht nach vorn, das vom Blick aufs Verkehrsgeschehen ablenkende, mittig im Cockpit platzierte Digital-Display, das zudem mit Funktionsstörungen nervte, die langsam ansprechende und stark geschwindigkeitsabhängige Heizung, der schlechte Sitzkomfort in den hintersten Reihe, die schmutzempfindlichen und schwer zu reinigenden Bezugsstoffe im Innenraum, die geringe Reichweite der Fernentriegelung und die statische Aufladung der Passagiere, die beim Aussteigen häufig eine gewischt bekamen.

Als Winterbereifung empfiehlt sich das 195er Format. Die Fulda Kristall Gravito boten auf schneeglatter Straße eine viel bessere Traktion als die Fulda Kristall Rotego in 205er Dimension. Der Verschleiß war gering: Der Espace kam mit zwei Sätzen Winterreifen und der Sommer-Erstausrüstung über die Runden.

Gemildert wird die Dauertestbilanz auch durch den geringen Wertverlust von nur 44 Prozent. Gebrauchte Espace sind begehrt und rar, deshalb ermittelten die Schätzer noch einen Restwert von 31 000 Mark – nach all den hohen Unterhaltskosten am Ende wenigstens noch ein erfreulicher Busgeld- Bescheid. 

Abgastest: Der Renault Espace ist nach der seit 1996 für neue Modelle und seit 1. 1. 1997 für alle neuen Autos verbindlichen europäischen Abgasvorschrift 94/12/EG (= EU 2) typgeprüft, die als ähnlich streng gilt wie die US-Limits.

Autos mit höherer Laufleistung können sie mitunter nur mit Mühe oder gar nicht mehr einhalten. Für den Renault Espace gilt das nicht. Die obligatorische Abgasmessung am Ende des Dauertests auf dem Rollenprüfstand des T.V Automotive GmbH (Unternehmensgruppe T.V Süddeutschland) in Böblingen ergab die folgenden Werte (Grenzwerte in Klammern): Kohlenmonoxid (CO): 1,98 (2,20) Gramm pro Kilometer, Summenwert aus Stickoxiden (NOX) und Kohlenwasserstoffen (HC): 0,34 (0,50) Gramm pro Kilometer.

Mängel im Überblick: Die Bremsscheiben waren wellig geworden und mußten schon früh auf Garantie erneuert werden. Die vorderen Bremsbeläge sind ein anschauliches Beispiel für überhöhte Ersatzteilpreise: 267 bis 286 Mark. Der Kupplungszug wurde erneuert, weil das Pedal knarzte und auch schwergängig war Beim zweiten Getriebetausch wurde auch die Kupplung ein zweites Mal gewechselt. Das Getriebe mußte zweimal getauscht werden, weil die Synchronisation des dritten Gangs verschlissen war

Meinen Espace habe ich im Mai 1997 neu gekauft und bin bis heute 25 000 Kilometer damit gefahren. Es waren leider schon zwei Werkstattaufenthalte notwendig: In der ersten Woche brach nach 300 Kilometern die Batterie zusammen, und nach 20 000 Kilometern waren die vorderen Bremsscheiben total verzogen. Sonst bin ich mit dem Wagen sehr zufrieden, was bei mir selten ist. Schließlich habe ich auf der Suche nach dem idealen fahrbaren Untersatz in den letzten 19 Jahren vom Ford Fiesta bis zur Mercedes E-Klasse mehr als zehn verschiedene Autotypen verschlissen. Den Espace gebe ich sicher erst dann wieder her, wenn er auseinanderfällt.
Thomas Strauss, 81377 München

Den Espace haben wir im Februar 1998 als Ersatz für einen VW Multivan angeschafft. Ausschlaggebend war im Vergleich zum ebenfalls ins Auge gefaßten VW Sharan die direkte Verfügbarkeit des Espace und das preisliche Entgegenkommen des Renault-Händlers. Unserem Geschmack nach beschleunigt der Zweiliter-Motor den Espace auch bei voller Beladung ausreichend flott. Besonders erfreut sind wir über die Verbrauchswerte, die zwischen 8,2 und 10,7 Liter pro 100 Kilometer liegen. Vorne bietet der Espace auch für großgewachsene Menschen (wir sind 1,93 und 1,82 Meter lang) genügend Bewegungsfreiheit. In der zweiten Reihe klagen Leute mit langen Beinen schnell über Schmerzen im Sitzfleisch, weil man die Beine hochstellen muß. Die dritte Reihe ist nur als Notsitz oder für Kinder geeignet. Bei voller Bestuhlung reicht der Kofferraum gerade mal für zwei Kisten Sprudel und einen Rucksack. Die Fertigungsqualität scheint französisch zu sein. Die Spaltmaße der Karosserie sind nicht besonders konstant, und schon nach vier Monaten hatte unser Neuwagen eine Roststelle am Türrahmen. An die hohen Ersatzteilpreise (80 Mark für eine Radkappe) werden wir uns noch gewöhnen müssen.
Wolfgang Metternich, 47495 Rheinberg
 
Das aktuelle Modell macht mehr Spaß als sein Vorgänger. Es wirkt auch wesentlich komfortabler und sicherer. Die Verarbeitung ist bis auf Kleinigkeiten gut. Bis auf den durchzugsschwachen Zweiliter-Motor, der im Durchschnitt 10,5 Liter auf 100 Kilometer verbraucht, ist das Auto sehr zu empfehlen.
Michael Seegerer, 88131 Lindau

Wir fahren seit Mai 1998 eine Espace 2.2 dT , der nicht gerade mängelfrei ist. Die Klimaanlage stinkt bestialisch, der Fahrersitz ist bereits durchgesessen, das Armaturenbrett klappert, der Radioempfang ist extrem schlecht, die Fahrertür schwer zu öffnen (Gummi verklemmt sich), die Schaltung schwergängig, die Heckklappe springt während der Fahrt bisweilen auf, die Bremsscheiben waren schon nach sechs Monaten unrund, und Kühlflüssigkeit läuft aus. Positiv: das niedrige Fahrgeräusch und der günstige Verbrauch von 8,5 Liter/ 100 km. Unser erster Espace Turbodiesel von 1994 war nahezu mängelfrei.
Andreas Baz, 97265 Hettstatt  

Vor- und Nachteile

  • Sehr gutes Platzangebot
  • Zahlreiche Ablagefächer
  • Komfortable Federung
  • Hohe Innenraumvariabilität
  • Geringer Wertverlust
  • Leicht demontierbare Sitze
  • Korrosionsabweisende Kunststoff-Karosserie
  • Große Reichweite dank 80 Liter-Tank
  • Gute Sitzposition
  • Funktionelle Bedienung
  • Durchzugsschwacher und lauter Zweiliter-Motor
  • Unpraktische Klapptüren
  • Hoher Benzinverbrauch
  • Schwache Heizung
  • Hohe Wartungskosten
  • Zentralinstrument nicht im direkten Fahrer-Blickfeld
  • Schmutzempfindliche und schwer zu reinigende Innenraummaterialien
  • Schwache Fernentriegelung
  • Verschleißanfälliges Getriebe
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Technische Daten
Renault Espace 2.0 RXE
Grundpreis 25.411 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe 4517 x 1810 x 1690 mm
KofferraumvolumenVDA 275 bis 2850 l
Hubraum / Motor 1998 cm³ / 4-Zylinder
Leistung 84 kW / 114 PS bei 5400 U/min
Höchstgeschwindigkeit 175 km/h
Verbrauch 9,7 l/100 km
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