Renault Kangoo, Gebrauchtwagen-Check, asv1617 Dani Heyne
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Renault Kangoo, Gebrauchtwagen-Check, asv1617 15 Bilder

Renault Kangoo II im Gebrauchtwagen-Check

Ein zuverlässiger Lastenesel?

Für die einen ist er der perfekte Familientransporter, für die anderen der beste Handwerkswagen oder ein Zelt auf Rädern. Renaults praktische Kiste macht alle glücklich, die viel Platz wollen. Und wie findet ihn Meister Wünsch?

Manchmal verblasst die Geschichte schon recht schnell. Der Blick zurück wird sonderbar unscharf und sortiert die Erinnerungen nicht mehr ganz in der richtigen Reihenfolge. Beim Renault Kangoo geht’s einem so.

Die praktische Kiste wuselt bereits seit 1997 durch den Autoalltag. Und das in einer Häufigkeit, die gar keinen anderen Schluss zulässt, als dass wir es hier mit dem ersten kompakten Kastenwagen seiner Art zu tun haben. Mit dem Begründer dieses Segments – wie es Marketingprofis betonen würden. Doch das stimmt so nicht; wenn überhaupt, dann könnte das auf seinen Vorgänger zutreffen: Erinnern Sie sich noch an den Renault Rapid? Handwerkerliebling der 1980er- und frühen 90er-Jahre – mit 950 Kilogramm Lebendgewicht bot der Zweitürer auf rund vier Metern erstaunlich viel Platz. Allerdings ließ seine karge Innenausstattung keinerlei Gedanken an einen Einsatz als Familienkutsche oder Freizeitmobil zu. Ähnlich verhielt es sich übrigens bei den beiden ersten Generationen des VW Caddy.

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Dani Heyne
Genau genommen ist der Renault Kangoo ein Hochdachkombi mit seitlichen Schiebetüren im Fond. Das erste Modell kam 1997 – als Nachfolger des Renault Rapid – auf den Markt.

„War es nicht Citroën, die als Erste mit so einem Fahrzeugkonzept an den Start gingen?“, fragt Meister Wünsch und legt die Stirn in Falten.

Unser Gebrauchtwagen-Profi liegt richtig: Das Modell Berlingo (die erste Generation gab es von 1996 bis 2002) war tatsächlich noch ein Jahr vor dem Kangoo am Markt – mit kompakten Abmessungen, hohem Dach und hinteren Schiebetüren.

Am Konzept hat sich nichts geändert

Der große Unterschied zu Rapid und Co.: Der Berlingo – und kurz danach auch der Kangoo – kam mit einem Innenraum, der auch Familien und Freizeitsportler überzeugen konnte. Und damit war eine neue Nische im Auto-Universum besetzt. „Ich möchte mich als Fan outen“, ruft Meister Wünsch und erzählt von seinen Erfahrungen mit dem Renault Kangoo: „Der Reiz liegt klar in der Vielseitigkeit dieser Kisten, die viel mitmachen.“ Daher freut sich der Meister auch auf den heutigen Gebrauchtwagen-Check – zu dem wir einen roten Renault Kangoo eingeladen haben. Rund sieben Jahre hat der auf den Achsen und 80.000 Kilometer auf der Uhr. Ein erster gründlicher Check der Karosserie ergibt: zwei leichte Parkrempler am Heck (eine Einparkhilfe hätte diese vielleicht verhindert), eine winzige Delle in der Fahrertür und ein Kratzer in der vorderen Stoßstange. Der Lack sehnt sich nach einer gründlichen Politur, die Scheiben sind steinschlagfrei. Das brüchige hintere Wischerblatt würde bei der HU wahrscheinlich moniert. Aber sonst? Kein Rost, keine schlecht instand gesetzten Unfallschäden zu erkennen.

Während Meister Wünsch nach dem Bordbuch sucht, werfen wir noch einen kurzen Blick auf die Modellhistorie. Als Renault die erste Generation des Kangoo 2009 in Rente geschickt hatte, war der Nachfolger bereits vorgestellt. Er stand erstmals auf der IAA 2007 – und überraschte mit neuem Format. Im Vergleich zum Vorgänger wirkt der Neue eine Nummer größer und basiert auch nicht mehr auf den kleinsten Renault, sondern nutzt die DNA von Mégane und Scénic. 18 Zentimeter hat er in der Länge, 15 Zentimeter in der Breite und zehn Zentimeter beim Radstand zugelegt. Mit 4,21 Metern Außenlänge verlangt er nun nach größeren Parkplätzen, schleppt aber auch ein paar Koffer mehr weg. Wer lange Gegenstände wie Leitern transportieren möchte, klappt einfach die hinteren Sitze sowie die Beifahrerlehne nach vorn und freut sich über eine Ladefläche von bis zu 2,5 Metern Länge.

Zahnriemenwechsel? Wurde gemacht!

„Hab’s gefunden“, ruft Meister Wünsch aus dem Innenraum des Renault und winkt mit dem Serviceheft. „Drei von vier Durchsichten wurden eingetragen“, murmelt er nachdenklich.

„Da kann nur der einzige Vorbesitzer aufklären, was los war“, meint der Meister. Und fügt hinzu: „Immerhin wurde der Zahnriemenwechsel planmäßig durchgeführt und abgestempelt. Das ist wichtig, weil diese Reparatur mit rund 450 Euro kein Schnäppchen ist, aber unbedingt durchgeführt werden muss. Sonst droht ein Motorschaden.“

Knackt es in der Lenkung des Kangoo?

Auf der Probefahrt achtet Meister Wünsch anschließend peinlich genau auf die Lenkung des Renault. Hat diese auffällig viel Spiel, oder knackt es? Dann ist ziemlich sicher eines der Kugelgelenke ausgeschlagen – das kann beim Kangoo schon mal vorkommen.

Gebrochene Federn sind nicht immer ein Anzeichen von zu viel Gepäck, hier kann schlicht das Material ermüden und brechen. „Der Tausch ist keine große Sache“, erklärt Meister Wünsch und rollt den Kangoo auf die Hebebühne. Erster Checkpunkt auf halber Höhe: die Bremsscheiben. „Gondelt der Kangoo die meiste Zeit entspannt durch die Stadt, laufen die Bremsscheiben ein, was spätestens dem Prüfer bei der Hauptuntersuchung missfällt. Daher vorbeugend ab und zu mal kräftig in die Eisen steigen.“

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Renault
Und nun noch etwas Futter für den Stammtisch-Schnack: Auf Basis des Kangoo wird seit 2012 im französischen Werk Maubeuge auch ein Auto für Daimler gefertigt – der Mercedes Citan.

Beim roten Kangoo sind die Bremsen in Ordnung. Auch die Radlager machen keine Geräusche. Auf die Antriebsgelenke wirft der Meister einen besonders langen Blick – sind diese ausgeschlagen, wird es teuer. Denn sie können bei diesem Modell nicht einzeln ausgewechselt werden, sondern nur zusammen mit der Antriebswelle. Die angesprochenen Spurstangengelenke und die Stabi-Streben – eine mögliche Schwachstelle des Kangoo – sind bei diesem Exemplar top in Form. Überhaupt befindet sich der Renault technisch in einem guten Zustand. Auspuff, Achsen und Unterboden sind rostfrei, Brems- und Spritleitun- gen trocken und nirgends eingeknickt.

„Die Reifen haben allerdings kaum noch Profil, hier sollten demnächst neue Pneus aufgezogen werden“, empfiehlt der Meister. Und er stellt am Ende des Checks die Scheinwerfer nach, deren Lichtkegel den Gegenverkehr geblendet haben.

„Einmal durchpolieren, die Schienen der hinteren Schiebetüren abschmieren, einen Satz neue Reifen drauf, dann steht der Kangoo 1 a da – und ist bereit für viele weitere Abenteuer“, so lautet das Fazit des Meisters.

Und die Preise? Bei 8.000 Euro geht es los

Werfen wir am Ende noch einen prüfenden Blick auf die Preise gebrauchter Kangoo. In den gängigen Börsen im Internet starten fünf Jahre alte Kangoo mit fünf Sitzplätzen und dem 106 PS starken Benziner mit rund 65.000 Kilometern Laufleistung bei 8.000 Euro. 90-PS-Dieselversionen mit ähnlichem Kilometerstand sind mittlerweile nicht mehr teurer – aber zum aktuellen Zeitpunkt leider nicht empfehlenswert.

So ist die Marktlage

Es gibt keinen Grund zur Sorge. Wer sich für einen gebrauchten Kangoo entschieden hat, muss nicht lange suchen, bis er ein passendes Auto findet. Die guten Absatzzahlen machen es möglich: Allein von der ersten Version wurden über zwei Millionen Exemplare verkauft, diese Version hier kam und kommt ähnlich gut an.

Fazit

Der Renault Kangoo ist ihr Typ, wenn Ihnen ein kompakter Kombi regelmäßig zu wenig Platz bietet und VW-Bus und Co. deutlich zu teuer sind. Ein boxartiges Design und praktische Schiebetüren im Fond bietet schließlich auch der Kangoo – womit sich vom Umzug über den Kindertransport bis hin zum Campingurlaub mit ihm so einiges anstellen lässt. Und das zu Preisen, zu denen es woanders nicht mal einen kompakten Neuwagen gibt. Wenn Sie sich vom eher hemdsärmligen Charme des geräumigen Franzosen nicht abschrecken lassen, dann steht der Kangoo-Liebe nichts im Wege.

Das gefällt uns:

Der Humor, mit dem Renault diese praktische Kiste in den Markt starten ließ – unvergessen bleibt dabei vor allem das Werbe-Date mit dem Nashorn. Die Botschaft: Jeder kann den Kangoo lieben. Und das stimmt, denn jeder braucht irgendwann mal ein Auto mit viel Platz auf wenig Raum. Und genau dann ist diese fahrbare Kiste optimal.

Das stört uns:

Der Wachstumsschub zur zweiten Generation – der war schon ganz schön arg. Fast 20 Zentimeter legte der beliebte Renault von 2007 auf 2008 zu – und steht seitdem nicht nur etwas unvorteilhafter im Wind, er lässt sich auch nicht mehr ganz so einfach parken. Schade auch, dass Renault 2007 die höhergelegte 4x4-Version eingestellt hat.

Renault Kangoo
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