Renault Laguna 2.2D RN im Test

In der Spur geblieben

Renault Laguna 2.2d

Mit dem attraktiven und fahrsicheren Laguna hat Renault in der Mittelklasse wieder Tritt gefaßt – zu Recht, wie der Dauertest über 100.000 Kilometer zeigte. Die kostspielige Wartung trübte aber die ansonsten positive Bilanz.

Es scheint in der Natur der Autobauer zu liegen, die natürlichen Grenzen des Autobaus bisweilen übertreten zu wollen. Nur die wenigsten bekommen aber die Gelegenheit, als Lockerungsübung auf dem mühsamen Weg zum 3-Liter-Auto mal eins mit drei Liter Hubraum und einer Beschleunigung von unter drei Sekunden für den Sprint von null auf 100 km/h zu entwickeln. Zu den großen Ausnahmen gehören die Renault-Ingenieure, deren 17-jähriges Engagement in der Formel 1 mit neun Weltmeistertiteln gekrönt wurde.

Dass der Einsatz im Motorsport nicht zu Lasten der Serienautos geht, haben die Neuerscheinungen der letzten Jahre hinlänglich bewiesen. Im Gegenteil – sowohl Kleinwagen wie Clio und Twingo als auch der Safrane in der oberen Mittelklasse zeigen neuerdings Qualitäten, wie man sie früher bei französischen Autos nur selten antraf. Vor allem hinsichtlich der Fahreigenschaften, des Handlings und der Solidität sind spürbare Fortschritte zu vermelden, ohne traditionelle Werte wie Federungskomfort, Raumökonomie und Sparsamkeit zu vernachlässigen.

Dem 1994 präsentierten Laguna gereichten diese Vorzüge nicht nur zu einem Sieg über die drei härtesten Widersacher aus deutschen Landen im auto motor und sport-Vergleichstest (Heft 20/95), sondern auch zu respektablen Verkaufszahlen. Anders als sein Vorgänger mit der nüchternen Kennziffer 21, der hierzulande nie sonderlich beliebt war, schaffte der Laguna auf Anhieb den Sprung zum meistverkauften Importwagen seiner Klasse. Mit der Einführung des Kombis Grandtour im Herbst 1995 stiegen die Zulassungszahlen sogar nochmals von 27 707 (1995) auf 29.545 Einheiten im vergangenen Jahr. Dieser Erfolg kam nicht zuletzt in der Erwartung zustande, dass Renault auch bei der langfristigen Gebrauchstüchtigkeit und Zuverlässigkeit aufgeholt hat. Den Beweis dafür sollte ein Laguna RN 2.2d erbringen, der die übliche Dauertest-Distanz von 100.000 Kilometern am 17. Februar 1995 in Angriff nahm und im November 1996 beendete. Obwohl sich rund 90 % der Kunden für einen Benziner entscheiden, wurde mit Bedacht der damals einzige Selbstzünder gewählt.

Der Vierzylinder ist – mitsamt dem inzwischen hinzugekommenen Turbodiesel – das jüngste Triebwerk in der Baureihe und dazu technisch interessant. Entgegen dem allgemeinen Trend zu Direkteinspritzern und Turboladern setzt Renault nämlich bei der Wirbelkammer-Maschine auf großzügigen Hubraum und Mehrventiltechnik. Während aber der vergleichbare Mercedes-Motor im 220 Diesel über vier Ventile pro Zylinder verfügt, reichen dem Renault zwei auf der Einlass und eins auf der Auslassseite.

Mit 83 PS liegt seine Leistung am unteren Rand des Laguna-Motorenspektrums, das vom 167 PS starken V6-Modell gekrönt wird. Auch wenn fast alle Konkurrenten mindestens 90 PS bieten, kann man mit den gebotenen Fahrleistungen insgesamt zufrieden sein. Besonders an Steigungen fehlt zwar der vehemente Schub, der etwa Turbodiesel beim Einsetzen des Ladedrucks beflügelt, andererseits aber auch deren häufige Anfahrschwäche.

Allerdings nimmt erst oberhalb von 2.000 U/min die Kraft gleichmäßig zu, denn darunter stört ein penetrantes Teillastruckeln, das über die gesamte Testdauer erhalten blieb. Es scheint weniger von der weichen Motoraufhängung als von der Einspritzung herzurühren, die im Interesse niedrigen Verbrauchs das Gemisch zu stark abmagert. Deshalb brachten auch die Überprüfung und der spätere Austausch des Stützlagers keine Besserung.

Unabhängig davon kann man dem Triebwerk eine hohe Lauf- und Geräuschkultur bescheinigen, die gut zum kommoden Charakter des Laguna passt und von dem lauten Kaltstartnageln und den bis in die Pedale spürbaren Vibrationen nur unwesentlich getrübt wird. Zur Sparsamkeit vergleichbarer Direkteinspritzer hält er hingegen eine unzeitgemäße Distanz: Während sich ein Audi A4 TDI im Mittel mit 6,4 und ein Opel Vectra DI gar mit 6,1 Liter begnügt, konsumierte der Laguna 2.2d durchschnittlich 2 Liter mehr.

Auf gleichmäßig gefahrenen Langstrecken, wo nur noch ein gut gedämpftes Brummen an die Ohren der Insassen dringt, kann man aber schon mit sechs Litern auskommen. In Verbindung mit dem 66-Liter-Tank sind dann Reichweiten von gut 1.000 km ohne Tankstopp machbar. Dennoch führt auch bei Renault kein Weg am Direkteinspritzer vorbei, der noch in diesem Jahr im Mégane und später in anderen Modellen Einzug hält.

In puncto Zuverlässigkeit ließ schon der Wirbelkammer-Diesel nichts zu wünschen übrig. Probleme gab es weder beim Motor selbst noch bei den Zusatzaggregaten, und mit zwei Liter Nachfüllmenge zeigte er sich auch beim Schmierölkonsum ungewöhnlich enthaltsam. Allerdings belasteten der große Ölinhalt (6 Liter) sowie die viel zu kurzen Wechselintervalle (7.500 km, inzwischen 10.000 km) das Budget nachhaltig.

Ansonsten liest sich die Mängelliste erfreulich undramatisch. Die Kupplung trennte rau, die Scheibenwaschanlage verweigerte bisweilen wegen Verstopfung den Dienst, und die Heizung – ein typisches Problem moderner Dieselautos – sprach überaus langsam und uneffektiv an. Ähnliches gilt für die aufpreispflichtige, aber unentbehrliche Klimaanlage: Bei eingeschalteter Lüftung sorgt sie mehr für Lärm als für Durchsatz, und wenn sie die Scheiben beschlagfrei machen soll, tut sie dies nur mit Höllenlautstärke. Diese und andere Detailmängel störten immer wieder die grundsätzliche Zufriedenheit der Besitzer, wie aus den Leserzuschriften sowie der auto motor und sport-Qualitätsumfrage Car Check unter 70.000 Teilnehmern hervorgeht. Die ohnehin spärlichen Ablagefächer werden bei Einbau eines Beifahrer-Airbags zusätzlich um das Handschuhfach reduziert, die Karosserie wirkt unübersichtlich, und die nicht weit genug öffnende Heckklappe birgt unnötige Verletzungsgefahren beim Beladen.

Viel Lob gab es hingegen für das großzügige Raumangebot, die gut abgestimmte Federung und die sicheren Fahreigenschaften. Auch die Vordersitze erwiesen sich als bequem und langstreckentauglich, obwohl sie in Kurven wenig Seitenhalt vermitteln. Die Montage von Kindersitzen auf der Rückbank artet jedoch unwillkürlich zu einer zeit- und nervenraubenden Prozedur aus, weil die Gurte nur mit Mühe in den versenkten Schlössern zu arretieren sind.

Dass Karosserie und Innenausstattung den strapaziösen Dauerlauf fast ohne Alterungserscheinungen überstanden, ist nach dem guten Abschneiden anderer Renault-Modelle in letzter Zeit zwar keine große Überraschung mehr, aber zweifellos erwähnenswert. Bis zuletzt blieb der steife Aufbau von lästigen Klappergeräuschen verschont und zeigte ebenso wie Sitze und Lack praktisch keine Verschleißspuren. Materialqualität, Oberflächengestaltung und Farbgebung wirken allerdings etwas bescheiden für die Preisklasse.

Sie mindern zudem den sonst vorherrschenden Eindruck hoher Solidität, der sich im stattlichen Leergewicht (1.429 kg) widerspiegelt. Weil 62,2 % davon auf der Vorderachse ruhen, gibt es selbst im Winter kaum Traktionsprobleme. Dabei war nicht einmal übermäßiger Brems- oder Reifenverschleiß zu beklagen: 40.000 km pro Satz sind mit allen gefahrenen Reifen leicht möglich.

Der Vredestein Protrac erreichte mit 43.500 km und einer Restprofiltiefe von 3,5 mm noch eine höhere Laufleistung als der serienmäßig montierte Michelin MXT. Als Winterreifen wurde der Kléber Krisalp gewählt, der nach 26.431 km nur 3 mm Profiltiefe eingebüßt hatte und noch für die gleiche Distanz gut war. Er gefiel zudem mit gutem Grip und akzeptablem Geräusch.

Weniger genügsam als der Laguna selbst zeigten sich die Renault-Wartungsvorschriften. Alle 7.500 km (für Autos ab September 1995 alle 10.000 km) stand ein kleiner Kundendienst für rund 150 € an, mehr als doppelt so viel verschlingt die große Inspektion, die alle 60.000 km fällig wird. Diese unnötige Preistreiberei führte – wie schon zuvor bei Clio und Twingo – dazu, dass trotz geringer Reparaturen und Störanfälligkeit nach Abzug aller Kosten für Kraftstoff, Öl und Reifen ein recht hoher Kilometerpreis von 4,1 Pfennig zustande kam. Wenn vergleichbare Autos wie Audi 80 Avant TDI (1,8 Cent), Citroën Xantia 1.8 (1,5) oder Mercedes C180 (1,1) letztlich günstiger zu betreiben sind, liegt das auch am größeren Wertverlust und an den teuren Festkosten (Versicherung, Steuer) des Laguna. Er ähnelt darin vielen Rivalen aus Fernost, die trotz der Kürze ihrer Mängelliste im Unterhalt nicht gerade zu den besonders wirtschaftlichen Autos gehören.

Zu einem anhaltenden Erfolg fehlen dem Renault aber nicht nur ein gestrafftes Kundendienstheft, sondern auch ein sparsamerer Motor und Feinschliff im Detail. Doch dazu haben die Ingenieure nach dem Ausstieg aus der Formel 1 demnächst ja wieder reichlich Zeit.

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Technische Daten
Renault Laguna 2.2D RN
Grundpreis 17.512 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe 4508 x 1752 x 1442 mm
KofferraumvolumenVDA 452 bis 884 l
Hubraum / Motor 2188 cm³ / 4-Zylinder
Leistung 61 kW / 83 PS bei 4500 U/min
Höchstgeschwindigkeit 175 km/h
0-100 km/h 16,6 s
Verbrauch 7,2 l/100 km
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