Renault Laguna Grandtour 2.2 dCi im Test

Mängelware

Renault Laguna Grandtour 2.2 dCi

Der Renault Laguna Grandtour avancierte im 100.000-Kilometer-Test zum beliebten Langstreckenauto. Aber nur während der Zeit, in der er nicht in der Werkstatt stand.

Unzweideutig formuliert der französische Hersteller sein Ziel in der Pressemappe: „Das Design des neuen Laguna dokumentiert den hohen Anspruch von Renault in der Mittelklasse. Es kombiniert romanisches Flair mit deutscher Sorgfalt im Detail ...“ Blumige PR-Hülse oder ernstzunehmende Ansage? Der Laguna Grandtour beantwortet die Qualitätsfrage während eines 100.000-Kilometer-Dauertests.

Mit Twingo, Espace und Scénic hat Renault in den letzten Jahren gezeigt, dass sich die Marke qualitativ im Aufwind befindet. Einzig der von vielen Defekten geplagte Mégane schlug aus der Art und vermiest diese gute Dauertest-Bilanz. Schon beim Kennenlernen im März 2002 scheint der Laguna diese Scharte charmant auswetzen zu wollen. Dank der Initiale-Ausstattung, der umfangreichsten von vier möglichen, ist der Grandtour genannte Kombi alles andere als ein langweiliger Familien-Laster.

Er kleidet sich in leicht changierendes Glacier-Blau, das je nach Lichteinfall gediegen grau, strahlend hellblau oder zartblass violett erscheint. Dazu trägt der Renault schicke 16-Zoll-Aluräder. Selbst nach 100.000 Kilometern ist das noch ein Auto zum Vorzeigen. Wie rund 30% aller Kombi-Käufer entscheidet sich auto motor und sport für den kräftigen Common-Rail-Diesel 2.2 dCi – mit dem Sechsganggetriebe eine exzellente Kombination, wie sich bereits nach der ersten Fahrt herausstellt. Nur bei winterlichen Temperaturen scheint sich der Vierzylinder mittels schlechter Gasannahme dagegen zu wehren, aus dem Schlaf gerissen zu werden. Ein Diesel-Phänomen, das spätestens bei warmem Motoröl vergessen ist.

Was sich dann jedoch nicht verliert: die knurrige Aussprache. Verglichen mit dem starken Diesel-Dialekt der VW-TDI-Motoren ist diese Mundart jedoch immer noch erträglich.
Spätestens, wenn sich das Reisetempo im sechsten Gang zwischen 130 und 150 km/h einpendelt, schnürt man ruhig und komfortabel seines Weges. 320 Nm Drehmoment reichen dabei jederzeit aus, um unangestrengt Berge zu erklimmen. Mehr Leistung ist im Grandtour nicht nötig, zumal der Vierzylinder auch gegen Ende des Dauertests kräftig anzieht.
Über den Testzeitraum genehmigt sich der Laguna im Schnitt 8,1 Liter Diesel auf 100 Kilometer. Bei einer Reichweite von über 850 Kilometern diktiert deshalb auf weiten Reisen nicht etwa der Verbrauch die Häufigkeit der Stopps, sondern die Kondition des Fahrers. Die lässt bei einigen Testern vorzeitig nach. Ihnen sind die Sitze zu französisch-weich. Verstärkt durch die rutschigen Lederbezüge vermissen sie Seitenhalt und bemängeln die ergonomisch falsch positionierte Lordosenstütze.

Ungeteilten Zuspruch fanden auf großer Fahrt dagegen die zahlreichen Ablagen, das rundum gute Platzangebot, das große Schiebedach sowie der Aha-Effekt beim Beladen: Das schicke Heck-Design geht nicht zu Lasten des Kofferraums. Nur zu Lasten der Übersichtlichkeit. Vor allem, wer das praktische, aber blickdichte Trennnetz zwischen Fahrgastund Laderaum montiert, muss sich beim Rückwärtsfahren auf beide Außenspiegel verlassen.

Und auf die Einparkhilfe. Bei den Ausstattungslinien Privilège sowie Initiale ist sie serienmäßig. Käufern von Authentique oder Dynamique sei sie als Extra ebenso ans Herz gelegt wie das Xenon-Licht, das die Sicht nach vorn verbessert. Auf ein anderes serienmäßiges Extra würde man dagegen gern verzichten, wenn man könnte. So geht beim starken Bremsen die Warnblinkanlage an, was den nachfolgenden Verkehr verunsichert. Hier macht sich der französische Hersteller an falscher Stelle Gedanken um die Sicherheit.

Wichtiger wäre es, die Dauerhaltbarkeit sicherheitsrelevanter Teile zu verbessern. So künden schon bei Kilometer 25.670 schabende Geräusche im Vorderwagen von einem maroden Querlenker. Die Ursache liegt rund 10.000 Kilometer zurück: Nach gerade 16.492 Kilometer Laufleistung befördert die Einspritzanlage Kraftstoff in den Motorstatt Brennraum und wird daraufhin erneuert.

Den Kontakt mit dem Diesel verkraften die Lager des Querlenkers allerdings ebensowenig wie die Lager der Motoraufhängung, weshalb sie getauscht werden müssen.

Ebenfalls bei diesem Werkstattaufenthalt (zum Werkstätten-Test) erhält der Laguna an der Vorderachse neue Bremsbeläge und -scheiben, nachdem einige Fahrer über Bremsrubbeln geklagt haben. Doch damit nicht genug: Weil ein Mechaniker im Rahmen der Inspektion Metallteile im Öl der Servolenkung entdeckt, werden vorsichtshalber Lenkung und Servopumpe ersetzt. Letztere muss noch einmal kurz vor Ende des Dauertests erneuert werden, weil die Lenkung bei niedriger Motordrehzahl verhärtet.

Zwar deckt die Garantie diese Arbeiten ebenso ab wie den Tausch der Einspritzanlage; aber sie sorgen dafür, dass der Laguna insgesamt die Zeit eines Jahresurlaubs in die Werkstatt muss – zusätzlich zu den Inspektionen nach je 30.000 Kilometer. Das ist völlig inakzeptabel, auch wenn der Service des Vertragshändlers im Gegensatz zu den getesteten Werkstätten tadellos ist. Dennoch sind die Mechaniker gegen Kleinigkeiten, die im Alltag nerven, meist machtlos.
So flackert die Kontrollleuchte der Sitzheizung im Armaturenbrett mehrfach vergnügt auf – selbst wenn der Wärmespender komplett ausgeschaltet ist.

Weder das Überprüfen der Steckkontakte bringt dauerhaften Erfolg noch die Reparatur eines Kabels. Bei Kilometerstand 31.560 quittiert die Sitzheizung auf der Fahrerseite vollständig ihren Dienst, woraufhin die Heizmatte erneuert wird. Erst danach herrscht Ruhe. Der erste Defekt während des Dauertests betrifft allerdings den Autoschlüssel in Chipkartenform. Die Plastikkarte muss ersetzt werden, weil sie nicht mehr entriegelt.

Aber auch abgesehen von diesem Ausfall sorgt die Chipkarte nur für Unverständnis. Ihr Vorteil gegenüber einem herkömmlichen Autoschlüssel erschließt sich keinem der Nutzer.

Das Kärtchen steht stellvertretend für weitere Fragezeichen, die der Laguna bei vielen Fahrern hinterlässt. Das Radio beispielsweise ist ohne intensives Studium der Anleitung nicht zu bedienen.

Des Weiteren lassen sich am Bordcomputer Tageskilometerzähler und Reichweite nicht gleichzeitig anzeigen – trotz insgesamt dreier Displays im Armaturenbrett. Stattdessen wird auf einem ein großes Renault-Zeichen dargestellt. Nicht durchdacht wirkt auch die Sensor-Architektur. Eine so wichtige Informationsquelle wie die Verschleißanzeige der Bremsbeläge fehlt völlig. Die vorhandene Reifendruckkontrolle liefert wieder holt falsche Daten, woran auch das Kalibrieren in der Werkstatt nichts ändert.

Achsweises Tauschen der Räder zieht das Neuprogrammieren der Sensoren nach sich, was happige 22 Euro kostet. Das sollte der Fahrzeughalter mittels Knopfdruck selbständig vornehmen können.

Zum ersten Mal müssen bereits nach 26.000 Kilometern Reifen gewechselt werden. Hohe Laufleistung gehört nicht zu den Stärken des serienmäßig montierten Conti Premium Contact. Ebenso wie der Semperit Direction Sport glänzt der Conti allerdings durch gutmütiges Fahrverhalten bei Nässe.

Hier verhält sich der Michelin Pilot Premacy nur befriedigend, wird jedoch durch lange Haltbarkeit und gute Trockeneigenschaften zur Empfehlung.

Wenig Verschleiß zeichnet auch den Goodyear Eagle Ultra Grip aus, der sich zwar bei Trockenheit nur befriedigend fahren lässt, auf Schnee sowie bei Nässe aber eine gute Traktion bietet. Und so startet man in verschneite Gegenden mit einem guten Gefühl. Der Gesamteindruck, vorwiegend durch die zahlreichen Reparaturen geprägt, wird dadurch jedoch kaum aufgehellt. Nach dem Aufwärtstrend vergangener Jahre scheint es bei Renault mit der Qualität wieder bergab zu gehen. Immerhin wird die negative Bilanz durch den noch guten Zustand von Karosserie und Innenraum sowie den geringen Wertverlust von rund 46% gemildert. Hier schlagen eindeutig Diesel- und Kombi- Bonus durch.

Der Vorteil kommt aber erst dann zum Tragen, wenn man sich vom Auto trennt. Doch Freude bereiten sollte es eigentlich schon vorher.

Abgastest: Zu viel Stickoxid im Abgas
Der Renault Laguna wurde nach den E3-Bestimmungen typgeprüft und zugelassen. Er muss damit jene Schadstoffgrenzwerte einhalten, die etwas milder ausgefallen sind als die ursprünglich einmal geplanten Limits. Weil auch der Fahrzyklus für die Abgasmessung modifiziert wurde, ist die EU3 trotzdem etwa doppelt so streng wie die alte D3.

Die Abgasmessung am Ende des Dauertests auf dem Rollenprüfstand der TÜV Automotive GmbH (Unternehmensgruppe TÜV Süddeutschland) in Böblingen ergab die folgenden Werte (Limits in Klammern): Kohlenmonoxid (CO): 0,38 (0,64) Gramm pro Kilometer, Stickoxide (NO) 1,11 (0,5) Gramm pro Kilometer, Summenwert Kohlenwasserstoffe und Stickoxide (HC+NO) 1,13 (0,56) Gramm pro Kilometer und Partikel (PM) 0,02 (0,05) Gramm pro Kilometer. Damit verfehlt der Laguna das Klassenziel.

Wegen Reparaturen sowie Garantiearbeiten im Rahmen der Inspektion verbrachte der Laguna 29 Tage in der Werkstatt.

Vor- und Nachteile

  • hoher Fahrkomfort
  • elastischer Motor
  • gut gestuftes Getriebe
  • hohe Reichweite
  • gutes Raumangebot
  • viele Ablagen
  • passende Sitzposition
  • großes Schiebedach
  • steife Karosserie
  • sichere Fahreigenschaften
  • Federung auf kurzen Bodenwellen mäßig
  • knurriger Motor
  • Ölmessstab kaum zugänglich
  • weiche Sitze ohne Seitenhalt
  • Sonnenblende rastet nicht in jeder Position ein
  • unübersichtliche Karosserie
  • Tür-Haltekräfte am Hang zu gering
  • Bremse ohne Verschleißanzeige
Technische Daten
Renault Laguna Grandtour 2.2 dCi Initiale
Grundpreis 30.500 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe 4695 x 1772 x 1443 mm
KofferraumvolumenVDA 475 bis 1512 l
Hubraum / Motor 2188 cm³ / 4-Zylinder
Leistung 110 kW / 150 PS bei 4000 U/min
Höchstgeschwindigkeit 212 km/h
Verbrauch 6,6 l/100 km
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