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Renault Mégane 1.6 16V CC Luxe Privilège im Test

Cabrio mit zweiteiligem Klapp-Blechdach

Foto: Achim Hartmann

Das klappbare Blechdach kommt auch in den kleineren Klassen in Mode. Ob es beim neuen Renault Mégane Coupé-Cabriolet so gut funktioniert wie bei den großen Vorbildern, zeigt der Test.

28.10.2003 Werner Schruf

Form follows function – ein zielführender Leitsatz, der aber bei der Entwicklung moderner Autos oft kaum noch zählt. Beim neuen Renault Mégane, der den Spagat zwischen Coupé und Cabriolet wagt, kann man das nun wirklich nicht behaupten. Denn um die beiden Teile des großen Dachs im Heck unterzubringen, haben die Designer für ein gestrecktes, opulentes Hinterteil gesorgt. Die eigenwilligen Proportionen des 4,36 Meter langen, keilförmigen Wagens wecken Aufmerksamkeit, die – wenn man die Blicke anderer Autofahrer richtig deutet – als Mitleid am treffendsten bezeichnet werden.

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Renault Mégane 1.6 16V CC Test Klapp-Kamerad
auto motor und sport 22/2003
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Aber Renault zeigt in Sachen Design großen Mut und überrascht häufig mit individuellen, erfolgreichen Lösungen. Da kann es nicht ausbleiben, dass auch mal ein hässliches Entlein dabei ist. Im Gegensatz zum Vorgänger mit Stoffdach kommt der aktuelle Mégane formal viel eigenständiger daher, was er auch dem flachen Dachaufbau und der weit nach hinten reichenden Frontscheibe verdankt. Er erinnert ein wenig an längst verflossene Coupés der Marke wie etwa die Floride (gab es auch offen) aus den sechziger und den Fuego aus den achtziger Jahren. Das Coupé-Cabrio basiert auf der Steilheck-Limousine, hat zehn Zentimeter weniger Radstand und verlängert mit einem Plus von 15 Zentimetern den hinteren Überhang.

Verstärkungen an A-Säulen, Scheibenrahmen, Schwellern und hinter den Rücksitzen sollen die Verwindungsfestigkeit erhöhen. Bei geschlossenem Dach erweist sich der Mégane auch als ausreichend steif. Offen hingegen neigt er auf schlechten Straßen leicht zum Zittern, was in Anbetracht der riesigen Luke, die hier freigegeben wird, auch nicht verwundert. Eine Besonderheit des Daches: die große Panoramascheibe. Sie lässt viel Licht ins Cockpit fallen, trägt aber auch zu dessen Aufheizung bei. Die billige Kunststoff-Jalousie kann das nicht unterbinden. Das 78 Kilogramm wiegende Dachmodul beeinflusst die Schwerpunkthöhe des Wagens ungünstig.

Die Verwandlung vom Coupé zum Cabrio erfolgt elektrohydraulisch in 22 Sekunden. Mit einem Zentralschalter, der wenig griffgünstig vorne in der als Armlehne fungierenden Mittelkonsole untergebracht ist, lassen sich die Seitenfenster gemeinsam steuern. Sie regeln effektiv die Frischluftzufuhr. Sind sie geschlossen, ist immer noch eine erfrischende Durchlüftung des Innenraumes gewährleistet. Werden sie versenkt, geht es bedeutend stürmischer zu als vermutet. Dann massiert auch das Gurtband die Schulter, und die Gurte im Fond klatschen lautstark gegen die Sitzlehnen.

Denn die flache Frontscheibe mit dem breiten oberen Rahmen, der wie ein Brett vorm Kopf stets mitfährt und das Cabriofeeling stört, erweist sich keinesfalls als besonders wirksamer Windabweiser. Frischluftfreunde, die gerne auch mal brausenden Fahrtwind erleben, kommen hier also ebenfalls auf ihre Kosten. Wer unverstrubbelt ankommen will, sollte das leicht montierbare Windschott erwerben. Es deckt den Rücksitzraum ab und bändigt trotz kleiner Aufstellfläche von hinten einfallende Wirbel.

Das Schott kostet 290 Euro Aufpreis und wird in einer billigen Pappschachtel geliefert. Sie liegt ziemlich haltlos in einer kleinen Vertiefung des Kofferraums und zeigte bereits nach kurzer Zeit deutliche Verschleißerscheinungen. Das Volumen des Kofferraums ist mit 490 Liter sehr üppig. Weil er zerklüftet ist, empfehlen sich Taschen als Gepäckstücke. Bei geöffnetem Dach schrumpft die Kapazität auf 190 Liter. Der etwa zwei Handbreit hohe Raum unter den Dachhälften – zwischen denen es noch reichlich zusätzlichen Platz für Kleidersack und Taschen aus nichtkratzendem Material gibt – ist nur bei geschlossenem Dach gut zugänglich.

Zu den cabriospezifischen Sicherheitsmerkmalen gehören die hinter den Fondsitzen fest montierten, mit Schaumpolster ummantelten Überrollbügel aus Stahlrohr. Ab Oktober gibt es für rund 300 Euro Aufpreis automatisch ausfahrende Bügel. Wichtig zu wissen: Selbst mit zwei zugedrückten Augen geht dieser Mégane – anders als in der Pressemappe betont – nicht als bequemer Viersitzer durch. Vorne bietet er reichlich Platz für zwei Personen auf gut profilierten Sitzen. Auch Sitzposition und Bedienung lassen kaum Wünsche offen. Zudem sind zahlreiche praktische Ablagen in dem von der Materialanmutung teilweise einfach wirkenden Innenraum vorhanden.

Im Fond hingegen herrscht Raumnot. Nicht in der Breite und auch nicht in der Höhe, aber in der Länge. Sollen hinten Kinder im Vorschulalter unterkommen, müssen lange Insassen vorne eine Froschhaltung einnehmen. Zudem sind die Köpfe der Mitfahrer unter der Heckscheibe direkter Sonneneinstrahlung ausgesetzt. Am besten nutzt man den Fond als Ablage. Dass dieser Renault kein flinker Sportler ist, merkt man schon auf den ersten Kilometern. Er fährt sich wie ein schwerer Wagen (Leergewicht knapp 1,5 Tonnen) behäbig und mit deutlicher Seitenneigung durch Wechselkurven. Löblich hingegen, dass er selbst bei flotter Gangart nur eine geringe Tendenz zum Untersteuern an den Tag legt und stets leicht beherrschbar bleibt – auch bei plötzlichen Lastwechseln. Für Notfälle ist sogar ESP an Bord.

Die indirekte Lenkung mit ihrer elektrischen Servounterstützung beeinträchtigt aber in hohem Maß aufkeimende Fahrfreude. Das liegt vor alleman ihrer Gefühllosigkeit, dem schlechten Fahrbahnkontakt sowie dem bei hohem Tempo verzögerten Einlenken. Besser arbeitet die Bremse: Sie spricht zwar etwas giftig an, ist aber gut dosierbar und sehr standfest. Auch der Komfort gefällt, weil die schluckfreudige Federung die Insassen speziell auf groben Unebenheiten wirksam vor heftigen Vertikalbewegungen verschont. Schwer tut sich der Einstiegsmotor mit 1,6 Liter und 113 PS im gewichtigen Coupé. Er hat zu wenig Durchzugskraft, entwickelt erst ab 4000 Touren ansprechendes Temperament und neigt bei hohen Drehzahlen zum Wummern.

In der Beschleunigung (null bis 100 km/h 12,6 s) verfehlte der Mégane die Werksangabe um fast eine Sekunde. Und der Testverbrauch? Er ist mit durchschnittlich 9,5 L/100 km hoch. Preislich fällt der komfortable Renault aber nicht aus dem Rahmen. Für die Version Luxe Privilège sind 24 050 Euro zu entrichten – in Anbetracht der reichhaltigen Ausstattung und der Möglichkeit, stets zwischen vollwertigem Coupé und Cabriolet wählen zu können, ein angemessener Obolus.

Vor- und Nachteile

Karosserie
  • solides Blech/Glas-Klappdach
  • reichhaltige Ausstattung
  • gutes Raumangebot vorne
  • großes Gepäckabteil
  • wenig Platz im Fond
  • schlechte Übersichtlichkeit
Fahrkomfort
  • einfache Bedienung
  • ansprechender Federungskomfort
  • bequeme Sitze mit gutem Seitenhalt
  • laute Motor- und Windgeräusche
Antrieb
  • präzises, leicht schaltbares Getriebe
  • durchzugsschwacher Motor
  • bescheidene Fahrleistungen
Fahreigenschaften
  • narrensicheres Fahrverhalten
  • gute Traktion
  • indirekte, gefühllose Lenkung
  • behäbiges Handling
Sicherheit
  • wirksame, sehr standfeste Bremsen
  • sehr gute Sicherheitsausstattung
Umwelt
  • erfüllt Euro 4
  • hohes Wagengewicht
  • hoher Benzinverbrauch
Kosten
  • lange Wartungsintervalle
  • nur 2 Jahre Garantie

Fazit

Die Verwandlungsfähigkeit, der ausgewogene Komfort und die narrensicheren Fahreigenschaften sind die Stärken. Die mangelhafte Lenkung und der zu schwache 1,6-Liter-Motor schränken das Fahrvergnügen des Renault Mégane 1.6 16V CC Luxe Privilège aber deutlich ein.

Technische Daten
Renault Mégane CC 1.6 16V Luxe Privilège
Grundpreis24.050 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe4355 x 1777 x 1404 mm
KofferraumvolumenVDA490 l
Hubraum / Motor1598 cm³ / 4-Zylinder
Leistung82 kW / 112 PS bei 6000 U/min
Höchstgeschwindigkeit195 km/h
0-100 km/h12,6 s
Verbrauch7,0 l/100 km
Testverbrauch9,5 l/100 km
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