Renault Mégane Sport Cabrio 1.6 16V

Spaß beim Frischluftfahren bietet Renault mit dem überarbeiteten Mégane Cabrio, das es nun in einer 107 PS starken 1,6-Liter-Version gibt.

Vom Köpfen sind die Franzosen seit ihrer großen, blutigen Revolution vor mehr als 200 Jahren weitgehend abgekommen. Heute lassen sie den Menschen ihren eigenen Kopf, und wenn diese denselben unbedingt in einem Cabrio spazierenfahren wollen, dann schicken sie ihre Autos kurzerhand zum Enthaupten ins Ausland. So beauftragt Peugeot bereits seit Jahrzehnten Pininfarina in Italien mit Entwicklung und Produktion seiner offenen Modelle, und ähnlich verfährt seit einiger Zeit auch Renault. Als sich der Trend zum Frischluftmobil nicht länger ignorieren ließ, bedienten sich die Gallier des deutschen Cabrio- Spezialisten Karmann, um den Typ 19 seines Blechdachs zu berauben und mit einem Faltverdeck auszurüsten.

Bei seinem Erscheinen 1991 sorgte der bügelfreie Viersitzer unter Puristen für Begeisterung, beendete er doch die Dominanz der wenig attraktiven Henkelmänner in der Kompaktklasse. Natürlich preist Renault auch beim Nachfolger auf Mégane-Basis die Segnungen reinen Cabriogenusses und der deutsch-französischen Zusammenarbeit. Bei Karmann in Osnabrück werden die Dächer der angelieferten Coach-Rohkarosserien abgetrennt, Verstärkungen an wichtigen Stellen wie Schweller, Dachpfosten sowie Trennwand zum Kofferraum vorgenommen und die Autos mit allen cabriospezifischen Teilen komplettiert. Die Endmontage erfolgt dann im Renault-Werk Dieppe. Um den Raumverlust durch den Verdeckkasten zu kompensieren, kam das Heck auf die Streckbank. Von dem zehn Zentimeter längeren Überhang profitiert allerdings nicht nur das Volumen des Kofferraums, der mit 281 Liter annähernd soviel faßt wie das Coupé (288 Liter), sondern vor allem die Linie.

Das Cabrio wirkt weniger gedrungen als der Coach – übrigens auch mit geschlossenem Dach, das sich grazil über dem bulligen Unterbau spannt. Zu den vom Vorgänger bekann- ten Stilmitteln gehören die beiden Höcker auf der Abdeckung, unter der das zusammengefaltete Verdeck staubgeschützt ruht. Diese verleihen dem vom Konzept her eher braven Viersitzer einen Hauch von Roadster – erst recht, wenn im Fond die sogenannte Roadbox installiert ist. Dann erstrecken sie sich mitsamt dem Deckel bis zu den vorderen Kopfstützen und unterstreichen so die sportliche Note. Das Neue an diesem etwa 1700 Mark teuren Zubehör, das man schon in den sechziger Jahren beim Ford Thunderbird sah, ist das Gute darin: Es dient nicht nur der Optik, sondern verbirgt eine zusätzliche Ablage. Hinter dem von vorne zugänglichen Kunststoffrollo lassen sich weitere 182 Liter verstauen. Bei Bedarf kann man die Box innerhalb kurzer Zeit entfernen und die Rücksitze wieder einbauen.

Aus Gründen der Karosseriesteifigkeit gibt es jedoch nur eine kleine Skiluke in der Trennwand zwischen beiden Laderäumen. Wie beim Vorgänger besteht das Verdeck aus einer dünnen Innenverkleidung, einer wattierten Zwischenschicht und einer dicken Außenhaut. Wer sich das stärkere der beiden Cabrios gönnt, wird zwangsweise mit Sonnenland-Stoff und einem elektrohydraulischen Sesam-öffne-dich verwöhnt. Der technische Aufwand macht die Eröffnungspartie nicht schneller, erspart aber das Aussteigen und reduziert die Handreichungen auf das Lösen des zentralen Verriegelungsgriffs, das Hochheben des vorderen Dachrahmens und das Drücken des magischen Knopfes. In geschlossenem Zustand vermittelt das Verdeck die wohlige Geborgenheit eines Blechdachs.

Die geringen Windgeräusche, die erst oberhalb von 130 km/h den Coach übertönen, unterstreichen den perfekten Sitz; außerdem ist es so gut isoliert, daß die kräftige Heizung keine Mühe hat, den Innenraum selbst bei Minusgraden angenehm zu temperieren. Um die Übersicht nach hinten steht es allerdings weniger gut, weil die Plastik-Heckscheibe nicht beheizbar und dazu flach und klein ist. Diesen Nachteil hat der Renault freilich mit den meisten Cabrios gemeinsam – ebenso wie das eingeschränkte Platzangebot und die heftigen Verwirbelungen auf den Rücksitzen, sobald die Hülle fällt. Vorne geht der Fahrtwind hingegen recht höflich mit den Insassen um. Sie sitzen noch bei 180 km/h gut geschützt hinter Windschutzscheibe und Dreiecksfenstern, die auch dann stehen bleiben, wenn die übrigen Seitenscheiben via Zentralschalter versenkt werden.

Die von Renault reklamierte Verbesserung der Karosseriesteifigkeit um 30 Prozent wirkt auf Anhieb glaubhaft. Wo das 19 Cabrio, das vom Zweitürer mit großer Heckklappe abgeleitet war, in Kurven und auf schlechter Wegstrecke noch wie eine Pappel zitterte, läßt sich dem Mégane nur selten ein Knistern entlocken. Daß er in dieser Hinsicht nicht ganz die Qualität eines Astra oder Golf erreicht, geht überwiegend auf das Konto der straffen Fahrwerksabstimmung und der breiten Niederquerschnittreifen des starken 16 V. Sie verleihen ihm zwar ein wieselflinkes Handling, zugleich aber auch einen mäßigen Langsamfahrkomfort. Die Dämpfung ist sehr straff, die Federung härter als beim 90 PSBasismodell, und die dicken Pneus erschweren bei niedrigen Geschwindigkeiten zudem das Dirigieren mit der sehr direkten, präzisen Servolenkung.

All das macht deutlich, daß diese Version zweifellos der Sportler unter den kompakten Viersitzer-Cabrios sein will. Sie zeigt dies auch mit überaus agilen Fahreigenschaften und einem Kurvenverhalten, das nur durch groben Unfug von seiner ansonsten unerschütterlichen Neutralität abzubringen ist. Selbst bei Nässe bleibt der Mégane sauber auf Kurs und bringt die beachtliche Motorkraft ohne nennenswerten Schlupf über die Vorderräder auf die Straße. Die Lenkung erfordert zwar hohe Haltekräfte, Antriebseinflüsse werden jedoch kaum spürbar. Dabei überragt der 147 PS starke Zweiliter-Vierventiler einsam das Feld seiner Konkurrenten.

So viel Leistung scheint gerade bei einem Cabrio entbehrlich, aber die nähere Bekanntschaft mit dem Vierzylinder stimmt nachdenklich. Das dröhnende Spektakel, das im Coach oberhalb von 5000/min anhebt, verliert im offenen Mégane schon deshalb an Bedeutung, weil wie von selbst das Gaspedal hochgeht, wenn das Verdeck unten ist. Dank der hohen Leistung und dem vehementen Antritt kann man bereits frühzeitig schalten, wobei der Motor reichlich Durchzugskraft zum Überholen entwickelt. Trotz 70 Kilogramm Mehrgewichts beschleunigt das Cabrio kaum schlechter als das Coupé und erreicht auch die gleiche Höchstgeschwindigkeit.

Auf den Benzinkonsum wirkt sich der verhaltene Fahrstil sogar positiv aus: Im Mittel lag der Verbrauch bei neun Liter auf 100 Kilometer; wer gelassen dem Offenfahren frönt, kann mit weniger als sieben Liter auskommen. Ganz so günstig fällt der Grundpreis mit voraussichtlich 44 700 Mark nicht aus, doch dafür bekommt man im Gegenzug eine weitgehend komplette Ausstattung. Elektrische Fensterheber, Zentralverriegelung mit Fernbedienung, getönte Scheiben sowie ein Cassettenradio sind schon beim Grundmodell an Bord, beim 16 V zusätzlich ABS und elektrisch verstellbare Außenspiegel. Die Version Tentation verfügt darüber hinaus über Klimaanlage, Ledersitze und CD-Wechsler.

Mit seinen Qualitäten ist das Mégane Cabrio zweifellos eine Versuchung, selbst dann, wenn es nur für das 10 000 Mark billigere Basismodell reicht. Das Köpfen einiger PS und Ausstattungsgimmicks ist jedenfalls dem grenzenlosen Fahrvergnügen keinesfalls abträglich.

Vor- und Nachteile

Karosserie
  • gutes Raumangebot vorn, ordentliche Verarbeitungsqualität, solides, mehrlagiges Verdeck
  • schlechte Übersicht nach hinten, knappes Kofferraumvolumen
Antrieb
  • sehr gute Leistungscharakteristik, sportliche Fahrleistungen, harmonisch abgestuftes, leicht schaltbares Getriebe
  • brummiges Motorgeräusch über 5000/min
Fahrkomfort
  • akzeptable Windgeräusche, bequeme Vordersitze, übersichtliche Instrumente und Bedienung
  • eingeschränkter Federungskomfort
Fahreigenschaften
  • nahezu neutrales Kurvenverhalten, tadelloser Geradeauslauf, exakte, direkte Lenkung, gute Traktion
  • hohe Lenkkräfte in Kurven
Sicherheit
  • standfeste Bremsen mit ABS, zwei Airbags, Gurtstraffer vorn
  • keine Gurthöhenverstellung, kein Überrollbügel
Kosten
  • gutes Preis-Leistungs-Verhältnis, reichhaltige Serienausstattung
  • vermutlich hoher Wertverlust, hohe Unterhaltskosten, kurze Garantie (ein Jahr)
Umwelt
  • relativ niedriger Benzinverbrauch, schadstoffarm nach Euro 2
  • kerniges Außengeräusch, keine Rücknahmegarantie
Technische Daten
Renault Mégane Cabriolet 1.6 16V Evado
Grundpreis 19.940 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe 4082 x 1698 x 1368 mm
KofferraumvolumenVDA 281 l
Hubraum / Motor 1598 cm³ / 4-Zylinder
Leistung 79 kW / 107 PS bei 5750 U/min
Höchstgeschwindigkeit 200 km/h
0-100 km/h 10,7 s
Verbrauch 7,1 l/100 km
Testverbrauch 8,7 l/100 km
Alle technischen Daten anzeigen
Noch nicht registriert?

Erstellen Sie jetzt Ihr kostenloses Profil und profitieren Sie als registrierter Nutzer von folgenden Vorteilen:

  • Exklusiver Zugriff auf alle Test- und Messdaten der Redaktion
  • 360°-Ansichten von Autos
  • Schneller PDF-Kauf
Kostenlos anmelden
Dieser Artikel stammt aus diesem Heft
Top Aktuell Racechip Hyundai i30 N - Tuning - Kompaktsportwagen Racechip-Hyundai i30 N im Test 320 Tuning-PS im Kompakten
Beliebte Artikel MTM-AUDI R8 V10 PLUS 802 SUPERCHARGED, Exterieur MTM-Audi R8 V10 Plus 802 im Test Am Limit des Machbaren Porsche 911 GT3 RS, Exterieur Porsche 911 GT3 RS im Test Mit Wolllust Richtung Begrenzer
Anzeige
Sportwagen Mansory Lamborgini Aventador S Mansory tunt Aventador S Carbon so weit das Auge reicht Lamborghini SC18 Alston Lamborghini SC18 Alston Einzelstück aus der Sportabteilung
Allrad Ford Bronco Neuer Ford Bronco 2020 Bald Serie, aber nicht mehr Kult Subaru Crosstrek Hybrid (USA) Subaru Crosstrek Hybrid (2019) XV für die USA als Hybrid
Oldtimer & Youngtimer Mercedes 280 SE 3.5 Cabriolet W111 (1970) Wiesenthal Mercedes-Auktion Wiesenthal Familiensammlung unterm Hammer Porsche Carrera GT Werksrestaurierung Porsche Classic Carrera GT 13 Jahre alt, aber jetzt fabrikneu
Promobil Camperliebe #Cl1 (2019) #cl1 auf Hyundai-Basis Vernetzt und digital CMT Impressionen (2018) Wohnmobil-Zulassungszahlen 2018 weiter auf Rekordkurs
CARAVANING Aabo Camping Vandland Campingplatz-Tipp Dänemark Aabo Camping Vandland Caravan Hobby De Luxe mit Zugwagen Das sind die Caravan-Bestseller Wohnwagen-Neuzulassungen 2017