Renault Safrane 2.5 20V im Test

Ein umfassendes Facelift soll den nicht gerade berauschenden Verkaufserfolg des Renault Safrane beleben. Zusätzliche Chancen verspricht sich Renault von dem neuen 2,5 Liter-Fünfzylinder. Ein Test klärt den wahren Wertzuwachs.

Wer Roman Herzogs letzten Staatsbesuch in Frankreich aufmerksam beobachtet hat, konnte als Staatskarosse zur Beförderung des deutschen Bundespräsidenten einen schwarzen Renault Safrane identifizieren. Man mußte allerdings ein Kenner der französischen Autoszene sein, denn hierzulande ist der große Renault auch im fünften Jahr seiner Marktpräsenz immer noch eine kaum wahrnehmbare Erscheinung. Woran das liegt? Sicher nicht an den technischen Qualitäten des großen Renault und auch nicht am Preis, der ein gutes Stück unter dem der deutschen Oberklassemodelle plaziert ist. Fehlendes Image und eine mangelhafte Markenidentität sind hier die wahrscheinlicheren Ursachen. Wer weiß schon in Deutschland, daß Renault auch gute große Autos baut? Da war es sicher nicht hilfreich, aus der lange gepflegten Nummern- Hierarchie (R 25) auszubrechen und den größten Renault auf einen Namen zu taufen, der zumindest hierzulande keinen Status untermauert, sondern allenfalls Heiterkeit erregt. Nun, der Name ist geblieben, aus der Identitätskrise sollen dem Safrane des Modelljahres ’97 neue Motoren und ein umfassendes Facelift heraushelfen. Hierzu wurde viel Blech umgestaltet (Fronthaube, Heckklappe, Stoßfänger), außerdem bekamen Grill, Scheinwerfer und auch die Rückleuchten ein neues Design.

Doch der Erfolg ist bescheiden. Zwar besteht jetzt kaum noch Verwechslungsgefahr mit dem Mittelklasse- Laguna, aber eine typische Renault-Identität besitzt der Safrane immer noch nicht. Wer darauf verzichten kann, findet genügend andere Qualitäten, die den großen Renault als interessante Alternative im Oberklassesegment auftreten lassen. So beispielsweise das wirklich großzügige Raumangebot vorne und hinten sowie die in dieser Fahrzeugkategorie seltene Heckklappe, die aus dem Safrane, auch dank dem variablen Innenraum, bei Bedarf fast ein Auto mit Kombiqualitäten macht. Ebenfalls einzigartig die plüschigen, sesselartigen Sitze, die trotz weicher Oberfläche guten Halt geben und auch auf Langstrecken komfortables Sitzen garantieren, vorausgesetzt, man ist nicht zu groß. Solche Personen klagen über zu kurze Sitzflächen und eine zu hohe Fahrersitzposition. Erfreulich auch die optimal plazierten und weich gepolsterten Armlehnen, die ingesamt gute Ergonomie, die leicht schließenden Türen und die gut funktio- nierende, serienmäßige Klimaautomatik. Schade nur, daß das Handschuhfach dem Beifahrer- Airbag zum Opfer fiel. Die zuklappbaren Türtaschen und auch die anderen Ablagen sind kein Ersatz dafür. In Sachen Sicherheit repräsentiert der Safrane mit seinem programmierten Rückhaltesystem (PRS), das Gurtstraffer und Gurtkraftbegrenzer umfaßt, den Stand der Technik, Seitenairbags sollen im Laufe des Jahres erhältlich sein.Strukturverbesserungen im Schwellerbereich und im vorderen Bodenblech sowie sogenannte Paddings aus dämpfendem Kunststoffmaterial reduzieren zusätzlich das Verletzungsrisiko.

Kein Grund also, sich im Safrane unsicher zu fühlen. Absolute Sicherheit vermittelt auch das Fahrwerk, das selbst bei forcierter Fahrweise keine Schwächen zeigt. Mit leichter Hand läßt sich die große Limousine auch in extremen Situationen zielsicher dirigieren, wobei erstaunlich wenig Antriebsreaktionen bis ins Lenkrad vordringen. Keine Frage: Renault hat beim Safrane den Frontantrieb gut im Griff, ebenso wie den Federungskomfort, der sich durch auch noch so grobe Unebenheiten kaum beeindrucken läßt. Völlig neu im Safrane ist der 2,5 Liter-Fünfzylindermotor, der den bisherigen Dreiliter-V6 mit Ausnahme in der Luxusvariante Initiale abgelöst hat. Das Kuckucksei aus der nicht vollzogenen Ehe mit Volvo bietet dank Vierventiltechnik mit 165 PS annähernd die gleiche Leistung (167 PS) wie der frühere Sechszylinder. In der Praxis geht der Reihenmotor demnach ebenso zügig zur Sache wie ehemals der V6, allerdings mit kürzerer Überset- zung und entsprechend höherem Drehzahlniveau. Das bleibt nicht ohne Folgen für Akustik und Verbrauch, die ohnehin nicht zu den Glanzpunkten des Volvo-Triebwerks zählen. Im Falle des Safrane stören der rauhe Leerlauf und das lästig anschwellende Motorgeräusch jenseits von 4500 U/min. Hier läuft der Sechszylinder weitaus unaufdringlicher. Und im Verbrauch sind die Vorteile nicht berauschend: Mit 10,8 Litern auf 100 Kilometer im Testdurchschnitt ist der 2,5 Liter-Safrane kein Sparkünstler.

Immerhin unterbietet er den alten V6 um gut einen Liter. Doch allein deswegen hätte man den Motorwechsel, der im Hinblick auf Komfort sogar einen Rückschritt bedeutet, nicht unbedingt vornehmen müssen. Aber es gibt ja noch die neuen Vierzylinder im Safrane. Ein Zweiliter-Benziner mit 136 PS, der annähernd so komfortabel wie der Fünfzylinder läuft und dabei deutlich sparsamer ist. Noch sparsamer ist der 2,2 Liter-Turbodiesel (113 PS), der sich insgesamt als durchzugsstarke und ausreichend laufruhige Antriebsquelle erweist. Das Angehme dabei: Der Zweiliter-Safrane kostet 25.000 Euro, der Turbodiesel 26.400 Euro. Für den Fünfzylinder hingegen müssen 28.350 Euro hingeblättert werden, 450 Euro mehr als früher für den Sechszylinder. Renault hat viel investiert, um das Flaggschiff wieder flott zu machen. Der Effekt hält sich allerdings in Grenzen. Der neue Safrane wirkt moderner, aber nicht gerade markentypischer. Und der Ersatz des Sechszylinders durch den Fünfzylinder ist unter dem Strich kein Fortschritt. Wo bleibt das Positive? Nach wie vor ist der Safrane ein überdurchschnittlich gutes Auto zu einem relativ günstigen Preis.

Dies gilt vor allem dann, wenn man auf das komplett ausgestattete Einstiegsmodell zurückgreift. Zudem bietet Renault für den Safrane eine dreijährige Fullservice-Garantie (maximal 60.000 Kilometer), während der nicht nur sämtliche Schäden kostenlos repariert werden, sondern auch Wartungs- und Verschleißarbeiten umsonst sind. Doch auch mit diesem Angebot bleibt der Safrane aller Wahrscheinlichkeit nach ein Exote. 

Vor- und Nachteile

Karosserie
  • Geräumige Karosserie mit großer Heckklappe und variablem Laderaum, gute Verarbeitung, weitgehend komplette Ausstattung mit Klimaautomatik, gute Funktionalität
  • Fernbedienungssensor schlecht plaziert, kein Handschuhfach, hohe Sitzposition für den Fahrer
Antrieb
  • Gute Fahrleistungen, lebendiger Leistungseindruck, Motor hängt gut am Gas, leicht schaltbares Fünfganggetriebe
  • Relativ rauher Motorlauf, im oberen Drehzahlbereich lautes Motorgeräusch, unrunder Leerlauf, zu kurze Antriebsübersetzung
Fahrkomfort
  • Ausgezeichneter Federungskomfort, niedrige Abrollgeräusche, geringe Aufbaubewegungen, komfortable Sitzgelegenheiten, bequeme Armauflagen, angenehme Klimatisierung
  • Spürbare Motorvibrationen, bei hohen Geschwindigkeiten lautes Innengeräusch
Fahreigenschaften
  • Hohe Fahrsicherheit, weitgehend neutrales Kurvenverhalten, guter Geradeauslauf, geringe Windempfindlichkeit, präzise Lenkung, kaum Antriebseinflüsse, sehr gute Handlichkeit
  • Mäßige Traktion bei voller Zuladung, bei Belastung rubbelnde Bremsen
Sicherheit
  • Zeitgemäßes Gurtsystem mit Straffer und Gurtkraftbegrenzer, auch hinten drei Dreipunktgurte, Fahrer-und Beifahrer- Airbag, Seitenairbags demnächst lieferbar, ABS serienmäßig
  • Mit 10,8 L/100 km im Testdurchschnitt relativ hoher Verbrauch
Kosten
  • Gemessen an der Fahrzeuggröße und der Leistung günstiger Preis, umfangreiche Ausstattung, drei Jahre (60 000 km) Garantie und kostenlose Wartung
  • Relativ hohe Fixkosten, schlechte Gesamtwirtschaftlichkeit wegen niedrigen Wiederverkaufswerts
Technische Daten
Renault Safrane 2.5 20V
Grundpreis 33.745 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe 4736 x 1806 x 1435 mm
KofferraumvolumenVDA 455 bis 1360 l
Hubraum / Motor 2435 cm³ / 5-Zylinder
Leistung 120 kW / 163 PS bei 6000 U/min
Höchstgeschwindigkeit 220 km/h
0-100 km/h 10,1 s
Verbrauch 10,2 l/100 km
Testverbrauch 10,8 l/100 km
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