Rover Discovery, Volvo,VW Touareg:Backstreet Toys

Foto: Hans-Dieter Seufert

Die großen Allradler Land Rover Discovery, Volvo XC 90 und VW Touareg wollen on- und offroad mitspielen. Im Vergleichstest offenbaren die Dieselversionen ihre Talente.

Geländewagen und ihre Lifestyle-Derivate sind teuer, sperrig, unpraktisch. Schublade zu und fertig. Fal­scher Ansatz: Wer hin und wieder langmähnige Vierbeiner an den Haken nehmen, abseits des Asphalts stromern oder sich einfach nur vom Handelsvertreter-Image der Mittelklasse-Limousinen emanzipieren will, darf ruhig zu modernen Allradlern à la Discovery, Touareg oder XC 90 greifen. Am besten mit Dieselmotor: So setzt der 190 PS starke 2,7-Liter-V6 den mächtigen Land Rover standesgemäß in Bewegung, ohne die Weltenergiereserven schon beim ersten Wochenendausflug platt zu machen. Dennoch: 2,6 Tonnen ­Gewicht und der scheinbare Verzicht auf einen Besuch im Windkanal geben selbst einem durchtrainierten Ölbrenner tüchtig zu knapsen. Im Jaguar S-Type noch als dynamischer Power-Diesel aufgeigend, wirkt der Sechszylinder im Land Rover – von Biturbo auf Einzelturbo umgestellt – wie ein geplagter Schwerarbeiter. Allerdings nach erfolgreichem Knigge-Intensivkurs. Er produziert seine maximal 440 New­tonmeter Drehmoment vibrationsarm und mit samtig-schmeichelndem Timbre. Trotz eines Drehmoment­und Hubraumrückstandes ziehen Volvo XC 90 D5 und VW Touareg R5 TDI mit ihren Reihenfünfzylindern dem Briten das Fell über die Ohren – Folge des Gewichtsvorteils von 450 Kilogramm beim Volvo und rund 250 Kilogramm beim VW. Um Anschluss zu halten, muss der Discovery-Treiber häufig zum mächtigen Schaltknüppel des Sechsganggetriebes greifen. Auch sonst machen die Fünf­zylinder – wie der Landy-V6 rußfilterfrei und nur nach der Euro 3-Norm eingestuft – voll auf Diesel: Metallisch hell nagelnd der VW, dumpf trommelnd der Volvo, geben sie sich mit deutlich weniger Kraftstoff zufrieden als der Brite. Der gönnt seinen Passa­gieren dafür ebenfalls großen Durst: Flaschen- und Becherhalter fassen insgesamt 17,5 Liter. Auch sonst verströmt die 49 700 Euro teure Topversion HSE mit Luftfederung, Klimaautomatik, Lederpolstern, Licht- und Regensensor, Xenonlicht sowie einem Audiosystem intensives Verwöhnaroma.

Ähnlich wie der Volvo, als Summum-Siebensitzer 45 100 Euro teuer und stahlgefedert. Für einen auf Discovery-­Niveau aufgerüsteten Touareg verlangt VW über 50 000 Euro. Mit serienmäßiger Klimaanlage und CD-Radio plus optionaler Luftfederung – nur im Paket mit Tempomat und Xenon erhältlich – sind es 43 370 Euro. Dafür handelt man sich den talentiertesten Kurventänzer im Testfeld ein. Der Touareg kombiniert limousinenähnliches Handling mit oberklassigem Komfort. Die Luftfederung ­passt die Dämpferkräfte stets der Fahrweise an, was störendes Wanken etwa in Kurven unterbindet, ohne die Passagiere auf Holperpisten durchzuschütteln. Mit dem XC 90 kann man es ebenfalls laufen lassen, man reist angenehm, lediglich von kurzen Stößen behelligt. Der Discovery setzt klare Prioritäten: Geländetauglichkeit und Komfort vor Agilität. Sein Luftfahrwerk wiegt die Insassen selbst auf mangelhaften Fahrbahnoberflächen in Geschmeidigkeit. Schnelle Lenkmanöver arten allerdings in heftige Schaukelei aus, was vom elektronischen Stabilitätsprogramm mit rigorosem Bremseneingriff entschärft wird. Besonders deutlich zeigt sich dies im Fahrdynamik-Parcours. Als Entschädigung vermittelt der Land Rover Erhabenheit und die Bestätigung, viel für sein Geld bekommen zu haben. Etwa eine mächtige, wie mit dem Beil modellierte Karosserie, die dank ihrer Kastenform Übersichtlichkeit mit üppigem Raumgefühl verbindet. Sogar mit sieben Menschen an Bord droht keine Meuterei. Zudem schaffen die umleg- und teilweise versenkbaren Sitze hohe Variabilität bis hin zu einem riesigen glattflächigen Laderaum plus Staufächern. Vagabundenqualität besitzt auch der Volvo: Selbst wenn die dritte Sitzreihe eher knapp geschnitten ist, gleichen das die opulenten vorderen Plätze lo­cker aus. Im VW logiert man auf fein gepolsterten, körpergerechten Sitzen. Lediglich das Gepäckabteil fällt trotz der Beschränkung auf fünf Plätze vergleichsweise knapp aus, außer­dem fehlt die picknickfreundliche zweigeteilte Heckklappe.


Volvo offeriert als Extra sogar zwei Sitzpolster plus Tischchen für das Unterteil, beim Landy ist es immerhin kuschelig mit Teppich gepolstert. Soll das Picknick verschwiegen in der Prärie stattfinden, hat der Volvo allerdings schlechte Karten. Er bietet lediglich eine elektronisch gesteuerte Haldex-Kupplung, die bei Schlupf mehr Kraft an die Hinterräder leitet, sowie Bremseneingriff als Sperren-Simulation. Der Touareg bietet mit se­rienmäßig sperrbarem Zentraldifferenzial plus Reduktions­getriebe sowie gegen Aufpreis mit höhenverstellbarer Luftfederung und Hinterachsdifferenzialsperre ein umfassendes Arsenal von Offroad-Features. Dennoch muss er sich vom Discovery toppen lassen: Per Drehregler können hier Fahrwerk und Antriebsstrang auf fünf unterschiedliche Untergründe konditioniert werden. Bunte Grafiken auf den Navi-Display illustrieren die Arbeit des „Terrain response“ genannten Systems, das selbst Unbedarfte über Stock und Stein klettern lässt. Differenzialsperren, Untersetzung, Bodenfreiheit: Alles pegelt sich von selbst ein. Denoch ist ein manueller Eingriff möglich, aber nicht nötig. Und sollte der Landy doch mal aufsetzen, mobilisiert die Luftfederung ihre stille Reserve und liftet ihn über das Hindernis hinweg. Lediglich die spürbare Anfahrschwäche bei Normal­übersetzung verlangt in kniffligen Situationen nach viel Gas und schleifender Kupplung. Hier dürfte die ebenfalls lieferbare Sechsstufen-Automatik effektiver und verschleißärmer sein. Ansonsten ist der Brite ein Praktiker durch und durch, der neben zwei faltbaren Unterlegkeilen ein vollwertiges Ersatzrad dabei hat, während VW und Volvo im Fall der Fälle auf Noträdern davonhumpeln. Das ändert allerdings nichts daran, dass der Touareg am geschmeidigsten zwischen den Welten dies- und jenseits des Asphalts und damit auf Platz eins wandert. Volvo und Land Rover haben mit ihrer eindeu­tigen Straßen- respektive Geländeaffinität das Nachsehen.

Fazit

1. VW Touareq R5 TDI
484 Punkte

Bis auf den zwar kräftigen, aber unkultivierten TDI bietet der Touareg ein gelungenes Paket aus oberklassigem Ambiente, Fahrdynamik und Off­road-Tauglichkeit.

2. Volvo XC 90 D5 Summum
468 Punkte

Geräumig, fahrsicher und mit einer Portion Schweden-Style: Der Volvo ist die pfiffige Kombi-Alternative – trotz Allrad allerdings ohne ernsthafte Ge­län­de-Ambitionen.

3. Land Rover Discovery TDV 6 HSE
463 Punkte

Kantig, mächtig und eigenständig, stellt der als HSE üppig ausgestattete Discovery Federungskomfort und moderne Offroad-Technik über Pkw-mäßiges Handling.

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Technische Daten
Land Rover Discovery TDV6 7-Sitzer HSE Volvo XC90 D5 7-Sitzer Summum VW Touareg R5 TDI Luftfederung
Grundpreis 51.870 € 45.900 € 46.500 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe 4835 x 1915 x 1887 mm 4798 x 1898 x 1743 mm 4754 x 1928 x 1703 mm
KofferraumvolumenVDA 280 bis 2558 l 249 bis 1837 l 555 bis 1570 l
Hubraum / Motor 2720 cm³ / 6-Zylinder 2401 cm³ / 5-Zylinder 2460 cm³ / 5-Zylinder
Leistung 140 kW / 190 PS bei 4000 U/min 120 kW / 163 PS bei 4000 U/min 128 kW / 174 PS bei 3500 U/min
Höchstgeschwindigkeit 180 km/h 190 km/h 189 km/h
0-100 km/h 12,7 s 12,7 s 12,6 s
Verbrauch 9,4 l/100 km 8,2 l/100 km 9,8 l/100 km
Testverbrauch 13,2 l/100 km 11,4 l/100 km 11,9 l/100 km
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